Bulgarien: Wettquoten-Achterbahn durch Fan-Tweet auf offiziellem Twitter-Account

Er war heute Name und Gesicht der Hoffnung, der die Wettquoten durchdrehen ließ: Kristian Kostov (Aufmacherbild). Der 21-jährige, der 2017 für Bulgarien beim Eurovision Song Contest einen sensationellen zweiten Platz holte, sollte Gerüchten zufolge statt des Intelligent Music Project das Land in Turin vertreten. Schuld an dem Ganzen war offenbar ein Fan, der Zugang zum offiziellen Twitter-Account des bulgarischen Fernsehens BNT hat(te).

Die Nachricht machte heute Nachmittag in der Bubble die Runde – und auch unter unserem deutschen Startreihenfolge-Aritkel wurde die Information fleißig streut: „Bulgarien ist innerhalb weniger Stunden vom ungefähr letzten Platz bis auf auf den dritten geklettert. Der Grund: Offenbar zieht das bulgarische Fernsehen BNT den Beitrag vom Intelligent Music Project zurück. Stattdessen könnte Kristian Kostov übernehmen.“ So etwa lautete das Narrativ.

Basis für die Schlussfolgerung, dass Kristian Kostov der Ersatzkünstler sein könnte, waren zwei Tweets (siehe oben). Auch sonst gab auffällige Aktivitäten beim offiziellen Twitter-Account von BNT: Dieses hatte offenbar die Verbindung zum Intelligent Music Project gekappt, indem es ihm nicht mehr folgte.

Euro-Drama lag in der Luft. Und getreu der alten Börsenweisheit „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“ wurde fleißig auf Bulgarien als neuem Siegerkandidaten beim ESC gewettet. Mit so viel Geld, dass es also bis zum dritten Platz in den Quoten reichte (siehe Screenshot oben).

So wenig zuverlässig die Informationen am Nachmittag waren, so wenig konnte die Bubble Anfang Dezember glauben, dass „Intention“ wirklich der ESC-Beitrag des Landes in Turin sein sollte. Zu sehr fiel er gegenüber den starken Songs der letzten Jahre ab, die das Land zum ESC geschickt hatte. Viele waren sogar davon ausgegangen, dass Bulgarien nun langsam reif für einen ESC-Sieg sei. Genau dafür wäre Kristian Kostov der richtige gewesen. Schließlich hatte er bereits einmal einen zweiten Platz ersungen.

Kristian Kostov – Beautiful Mess (ESC 2017)

Doch so schnell sich der Hype über den Nachmittag aufbaute, so schnell platzte die Blase am späten Nachmittag. Eurovisionfun fragte einfach mal bei Intelligent Music Project nach und die dann wiederum beim bulgarischen Fernsehen. Und von dort kam dann auch die Aufklärung: Die ganze Verwirrung war von einem Fan ausgelöst worden, der Zugang zum BNT-Twitter-Account hatte (und offenbar unzufrieden mit dem diesjährigen Beitrag des Landes war/ist). Er hatte die beiden falschen Tweets abgesetzt, die nun wieder gelöscht sind.

Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels (ca. 20 Uhr) ist Bulgarien in den Wettquoten wieder abgerutscht – auf Platz 11. Bis ganz nach unten wird es so schnell nicht wieder gehen. Denn anders als an der Börse kann einmal gewettetes Geld nicht wieder zurückgeholt werden. Alle, die heute auf Bulgarien und den Hype gewettet haben, haben ihr Geld bis zum 14. Mai im Feuer. Und sollte das bulgarische Fernsehen nicht doch noch eine Volte schlagen, ist der Wetteinsatz danach wohl verbrannt. Insofern sollte man vielleicht lieber einer anderen Börsenweisheit folgen (und weiter auf Italien setzen): „The trend is your friend.“

Intelligent Music Project – Intention


18 Kommentare

  1. Oder einfach die Finger vom Wetten lassen. Ich versteh das Ganze nicht, warum kann man nicht einfach nur den ESC genießen, statt immer nur Euroscheine im Kopf zu haben. Jedem das seine, aber mich persönlich nerven die ganzen Wettquoten und das ganze damit verbundene Tamtam einfach.

  2. Hach, Jungs und Mädels, ist es nicht beruhigend zu sehen, dass anderswo auch nicht alles Friede / Freude / Eierkuchen ist? Und jetzt vergieße ich erstmal heimlich ein Tränchen, denn eine Rückkehr von Kristian Kostov hätte meineeine schon SEHR SEHR TOLL gefunden … *schnief*

  3. Verstehe Bulgarien dieses Jahr sowieso nicht.
    Die letzten Jahre ein Mördersong nach dem anderen schicken und dieses Jahr ein Song, den man 20 Sekunden später vergessen hat.
    (Meine Theorie (bitte nicht ernst nehmen^^) ist ja, dass die eine/n Künstler/in schicken wollten, aber diese/r nicht konnte und deshalb auf Plan B umgestiegen sind.)

    • Und das schon im November?
      Da wäre doch noch genug Zeit gewesen, zumindest jemand halbwegs Kokurrenzfähges zu suchen.

  4. „Und sollte das bulgarische Fernsehen nicht doch noch eine Volte schlagen, ist der Wetteinsatz danach wohl verbrannt.“

    Hoffentlich lesen die Bulgaren hier nicht mit. Werden von Douze Points schon völlig abgeschrieben 😀

  5. Das Bulgarien in den Wettquoten hochgeschnellt ist, hat mich gewundert. Und diese Sache mit Kristian habe ich keinen Glauben geschenkt. Denn warum sollte BRT seinen Kanditaten austauschen, nur weil die Konkurrent „Stärker“ ist?

    Übrigens falls das noch nicht bekannt ist. Offiziell, auch von RTBF, wird der Beitrag von Jeremie Makise am 10. März veröffentlich (Belgien).

    https://www.rtbf.be/article/quand-sera-devoilee-la-chanson-qui-representera-la-belgique-au-concours-eurovision-2022-10941292

    Laut ESCXTRA soll sowohl Künstler*in als auch Song ebenfalls am 10. März 2022 bekannt sein.

    https://escxtra.com/2022/01/25/tap-music-update-on-the-uk-entry-selection/

    • Ich finde viel eher, man hat hier den Wettmärkten mal den Unsinn Ihrer Branche aufgezeigt.

      Den Bulgaren kann man doch auch mal ein Jahr Durchschnaufen von den guten Ergebnissen zustehen. Manchmal braucht man einen Misserfolg, um danach dann wieder mit vollem Kampfgeist angreifen zu können. (Ganz spekulative Idee: Gab es vielleicht interne Budgetkürzungen und man wollte der Senderführung klar machen, dass Misserfolg auch günstiger zu haben ist als gute Titel? :-))

      • Da stimme ich dir voll und ganz zu.
        Bei der Niederlande, Israel und Schweden war es ja nicht anders

      • Ach, die Wettmärkte reagieren nur so krass, weil da noch nicht wirklich viel Geld unterwegs ist. Da sorgen 50 oder 100€ schon für eine Kursverschiebung. So richtig aussagekräftig werden die Quoten doch frühestens nach den ersten Proben und die meisten Zocker interessieren sich doch erst in der Finalwoche für den ESC.

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