Vom 20. bis 22. August 2026 fand bereits zum 16. Mal die von OGAE Finland gemeinsam mit Tallink Silja Line organisierte Eurovision Cruise statt. Während die Cruise ursprünglich nur eine Nacht dauerte und von Helsinki nach Tallinn und zurück führte, hat sich in den vergangenen Jahren die längere Variante mit zwei Nächten an Bord der Silja Symphony von Helsinki nach Stockholm und zurück bewährt. Ein Gastbeitrag von Salman Tanzeem.
Auch in diesem Jahr kamen wieder rund 2.000 Eurovision-Fans aus über 40 Ländern zusammen, um zwei Tage lang den ESC auf hoher See zu feiern. Mit einem abwechslungsreichen Programm, zahlreichen Live-Acts und Partys bis in den frühen Morgen wurden sie alles andere als enttäuscht.
Dabei trägt auch die Silja Symphony selbst einiges zum besonderen Erlebnis der Eurovision Cruise bei. Herzstück des Schiffes ist die beeindruckende, 143 Meter lange Promenade mit Restaurants, Bars und Shops. Dazu kommen ein großer Duty-Free-Bereich, ein Wellness-Spa und natürlich der Nachtclub Starlight, der während der Cruise zum Treffpunkt der internationalen ESC-Fangemeinde wird. Je nach Budget reicht die Auswahl von einfachen Innenkabinen bis hin zu komfortablen Suiten mit Blick auf die Promenade oder das Meer.

Los ging es am Donnerstagabend um 17 Uhr in Helsinki. Nach dem Check-in blieb zunächst etwas Zeit, das Schiff zu erkunden, eines der Restaurants zu besuchen oder durch den großen Duty-Free-Shop an Bord zu schlendern.
Allzu lange konnte man sich dafür allerdings nicht Zeit lassen, denn bereits um 18:15 Uhr startete traditionell die beliebte Eurovision-Karaoke mit KJ Ville. Auch in diesem Jahr gab es wieder jede Menge witzige, bizarre und teilweise auch stimmlich erstaunlich gute Performances.
Bei der großen Zahl an Interessierten kam allerdings längst nicht jede*r zum Zug. Wer bei der Eurovision Cruise im nächsten Jahr selbst einmal auf der Bühne stehen möchte, dem kann ich deshalb nur raten, frühzeitig vor Ort zu sein und sich möglichst direkt zu Beginn anzumelden.

Um 20:45 Uhr begann dann das Hauptprogramm. Nach der offiziellen Eröffnung durch OGAE-Finland-Präsident Jouni Pihkakorpi stimmte zunächst die hauseigene Tanzgruppe Dance Factory der Silja Symphony mit zahlreichen Eurovision-Coverversionen auf den Abend ein.

Danach stand mit Jendrik (Deutschland 2021) bereits der erste ehemalige Eurovision-Teilnehmer auf der Bühne. Wie schon beim Eurovision Weekend 2024 zeigte der Hamburger, dass er musikalisch einiges zu bieten hat und vor allem ein sehr guter Entertainer ist.

Neben seinem damaligen ESC-Beitrag „I Don’t Feel Hate“ präsentierte er wieder sein „0-Punkte-Medley“, bei dem er sich selbst und die weniger erfolgreichen Kapitel der ESC-Geschichte augenzwinkernd auf die Schippe nahm. Die musikalische Zeitreise reichte von „Man gewöhnt sich so schnell an das Schöne“ (Deutschland 1962) bis zu „Fire“ von Sarah Engels und „Eins, Zwei, Drei“ von LOOK MUM NO COMPUTER aus dem aktuellen ESC-Jahrgang.
Jendrik hatte das Publikum schnell auf seiner Seite und wurde frenetisch gefeiert. Im Nachhinein ist es eigentlich sehr schade, dass er beim breiten Publikum vor allem mit seiner erfolglosen Teilnahme 2021 und dem unglücklichen Interview danach in Erinnerung geblieben ist. Auf der Bühne zeigte er einmal mehr, wie viel Unterhaltungstalent in ihm steckt.
Weiter ging es mit einer echten, finnischen ESC-Ikone. Marion Rung vertrat Finnland bereits 1962 und 1973 beim Eurovision Song Contest und präsentierte an Bord natürlich auch ihre beiden damaligen Beiträge.

Beeindruckend war vor allem, wie viel Energie sie auch heute noch auf die Bühne bringt und wie eng sie dem ESC weiterhin verbunden ist. Neben ihren eigenen Eurovision-Songs „Tipi-tii“ und „Tom Tom Tom“ sang sie internationale Klassiker wie „Lollipop“ sowie das traditionelle jüdische Lied „Hava Nagila“. Kaum zu glauben, dass Marion Rung mit mittlerweile 80 Jahren noch über eine derart kräftige Stimme verfügt. Auch nach ihrem Auftritt nahm sie sich viel Zeit für Fotos und Gespräche mit den Fans.
Den Abschluss des ersten Live-Abends übernahmen The Roop aus Litauen. Spätestens jetzt war die Tanzfläche brechend voll. Vaidotas Valiukevičius und seine Bandkollegen brauchten nur wenige Minuten, um den gesamten Starlight-Nachtclub zum Kochen zu bringen.
Neben einigen anderen eigenen Songs waren die großen Höhepunkte natürlich „On Fire“, mit dem The Roop Litauen beim abgesagten ESC 2020 vertreten hätten, sowie „Discoteque“ aus Rotterdam 2021. Gerade bei „On Fire“ machte praktisch der gesamte Saal mit. Ein Moment, bei dem man wieder einmal darüber nachdenken konnte, wie weit es dieser Song beim Eurovision Song Contest 2020 wohl geschafft hätte, wäre der Wettbewerb aufgrund der Corona-Pandemie nicht abgesagt worden.

Danach begann die legendäre Eurovision Disco mit dem finnischen ESC-DJ Werneri und dem schwedischen ESC-DJ Ronny. Bis gegen 5 Uhr morgens sorgten sie mit ESC-Klassikern, aktuellen Beiträgen und zahlreichen Melodifestivalen-Favoriten für eine volle Tanzfläche. Erst nach Sonnenaufgang ging ein großartiger erster Tag zu Ende.

Am Freitagmorgen gegen 10 Uhr legte die Silja Symphony in Stockholm an. Ein weiterer Vorteil des Cruise-Konzepts: Wer wollte, konnte den Tag für einen Ausflug in die schwedische Hauptstadt nutzen und anschließend einfach wieder zurück an Bord gehen.
Einige Fans besuchten das ABBA Museum oder den Freizeitpark Gröna Lund, andere fuhren in die Innenstadt und kombinierten Sightseeing mit einer Portion Köttbullar.
Und dann gab es natürlich noch diejenigen, denen die erste Partynacht etwas länger in den Knochen steckte. Sie nutzten den Aufenthalt lieber zum Ausschlafen oder für einen Besuch im Wellnessbereich der Silja Symphony mit Sauna, Dampfbad und Whirlpools.
Das ESC-Programm begann am zweiten Tag bereits um 15:15 Uhr mit einem Eurovision-Quiz. Anschließend folgte eine Gesprächsrunde mit Mikko Silvennoinen, dem neuen Executive Producer der finnischen Vorentscheidung Uuden Musiikin Kilpailu, kurz UMK.
Als einen der Gründe für den großen Erfolg des UMK in den vergangenen Jahren nannte Mikko die Bereitschaft, auch ungewöhnliche und gewagtere Beiträge zuzulassen und Risiken einzugehen. Viel Applaus bekam er für seine Aussage, dass er optimistisch sei, den Eurovision Song Contest in den kommenden Jahren endlich wieder nach Finnland holen zu können.
Nach einer kurzen Pause ging es von 18:15 bis 20:45 Uhr erneut mit der Eurovision-Karaoke von KJ Ville weiter.
Und diesmal schaffte es sogar der Autor dieses Beitrags, einen der begehrten Plätze zu ergattern. Mit Joy Flemings „Ein Lied kann eine Brücke sein“ war damit auch die deutsche Sprache auf der Eurovision Cruise 2026 vertreten. Musikalisch sicherlich keine Top-Leistung, aber Spaß gemacht hat es trotzdem. Dabei sein ist schließlich alles!

Um 20:45 Uhr wurde auch der zweite Showabend von OGAE-Finland-Präsident Jouni Pihkakorpi eröffnet. Danach übernahm der finnische Entertainer und Drag-Künstler Jukka K. mit einer großen Eurovision-Cover-Show die Bühne.
Es gab jede Menge Kostümwechsel, Perücken und ESC-Klassiker. Bei seiner Carola-Imitation kam selbstverständlich auch die Windmaschine zum Einsatz und sorgte für einen der unterhaltsamsten Momente des Abends.
Der erste Eurovision-Act des zweiten Abends war anschließend das isländische Geschwisterduo VÆB. Die sympathischen Brüder schafften es innerhalb kürzester Zeit, das Publikum für sich zu gewinnen.

Neben mehreren isländischen Beiträgen stimmten sie auch „Jaja Ding Dong“ aus dem Netflix-Film „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ an. Der ganze Saal sang begeistert mit. Bei ihrem eigenen ESC-Beitrag „RÓA“ kamen die beiden schließlich sogar mit einem Plastikboot auf die Bühne. Spätestens jetzt tanzte und tobte der gesamte Saal.
Danach folgte mit Satoshi aus Moldau der erste Künstler aus dem aktuellen ESC-Jahrgang 2026. Er eröffnete mit seinem diesjährigen Beitrag „Viva, Moldova!“ und präsentierte anschließend mehrere Lieder aus seinem eigenen Repertoire.

Wie schon bei einigen seiner Auftritte während der Eurovision-Saison coverte er außerdem Baby Lasagnas „Rim Tim Tagi Dim“. Die Stimmung kochte und das Publikum verlangte lautstark nach einer Zugabe.
Zum Abschluss sang Satoshi deshalb noch einmal „Viva, Moldova!“ und erzählte, wie stolz es ihn mache, dass durch seinen Song viele Menschen überhaupt erst auf sein Heimatland aufmerksam geworden seien und nun sogar planten, Moldau selbst zu besuchen. Mit Platz acht beim ESC in Wien hatte er wenige Monate zuvor schließlich auch eines der besten moldauischen Ergebnisse der vergangenen Jahre erreicht.
Den krönenden Abschluss des Live-Programms bildete Alexandra Căpitănescu aus Rumänien. Sie hatte beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien mit „Choke Me“ einen hervorragenden dritten Platz erreicht und zeigte auf der Silja Symphony eindrucksvoll, warum.

Alexandra rockte die Bühne vom ersten Moment an. Neben eigenen Rocksongs präsentierte sie unter anderem eine kraftvolle Rockversion von Eleni Foureiras „Fuego“, die beim Publikum hervorragend ankam. Auch sie wurde frenetisch gefeiert und sang „Choke Me“ zum Abschluss ein zweites Mal.
Danach verwandelte sich das Starlight wieder in eine große Eurovision Disco. DJ Werneri und DJ Ronny übernahmen wie schon am Vorabend die Tanzfläche und hielten die Party bis in den frühen Morgen am Laufen.

Erst um 6 Uhr finnischer Zeit erklang mit Toto Cutugnos ESC-Siegertitel „Insieme: 1992“ der letzte Song. Die noch verbliebene Partycrowd bildete einen großen Kreis und lag sich zum Abschluss in den Armen. Was für ein schöner Abschluss nach zwei Tagen voller Eurovision!
Um 10:30 Uhr erreichte die Silja Symphony schließlich wieder Helsinki. Für einige Fans ging es direkt weiter zum Flughafen oder nach Hause. Andere gönnten sich zunächst ein paar Stunden Erholung, bevor OGAE Finland am Abend im Club Storyville noch eine Afterparty mit DJ Ohrmeister aus Deutschland anbot.
Alles in allem war die Eurovision Cruise auch 2026 wieder ein voller Erfolg. Hier gibt es auch Bewegtbild-Eindrücke.
Das Besondere ist dabei längst nicht mehr nur das starke Künstlerprogramm. Gerade die Kombination aus Eurovision-Event und Mini-Kreuzfahrt macht den Reiz aus. Tagsüber Stockholm entdecken, zwischendurch im Wellnessbereich entspannen, gemeinsam essen oder shoppen und am Abend mit ESC-Fans aus zahlreichen Ländern feiern: Die Silja Symphony wird für zwei Tage zu einem schwimmenden Eurovision-Treffpunkt auf der Ostsee.
Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis kann sich sehen lassen. Mit dem speziellen Eurovision-Rabattcode von Tallink waren die zwei Nächte je nach Kabinenkategorie bereits für rund 120 Euro buchbar. Für zwei Übernachtungen auf der Silja Symphony, die Fahrt nach Stockholm und zurück sowie das komplette Eurovision-Entertainment an Bord ist das ein ausgesprochen attraktives Angebot.
Ob Karaoke, Sauna, Shopping, Stockholm, Live-Shows oder Eurovision Disco bis zum Sonnenaufgang: Auf der Eurovision Cruise kommt wirklich jede*r auf seine Kosten. Wer bisher noch nicht dabei war, sollte die Eurovision Cruise 2027 deshalb unbedingt im Auge behalten. Es lohnt sich!

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Wir sind bald auch auf hoher See!
Fabelhaft!
Man gewöhnt sich so schnell an des Schöne stammt aus dem Jahr 1964.,
Leider sind Kreuzfahrtschiffe nicht gerade klimafreundlich. Dieser Sommer sollte uns allen eine Lehre sein, wie zerbrechlich unser Klima doch ist. Da sollten wir uns mit unseren persönlichen Luxus-Urlaubswünschen etwas zurückschrauben, finde ich. Außerdem sind 120 Euro sehr viel Geld, besonders für Menschen, die schon so nicht viel Geld zur Verfügung haben.