EBU kündigt in Offenem Brief die Überprüfung des Votingverfahrens beim Eurovision Song Contest an

ESC-Sieger 2025 JJ – Foto: Corinne Cumming / EBU JJ

In einem Offenen Brief an die ESC-Bubble hat Martin Green, der Direktor des Eurovision Song Contest bei der EBU, auf die Forderungen mehrerer Fernsehsender nach einer Überprüfung des Abstimmungsverfahrens beim ESC reagiert. Darin stellt er zum einen die Rechtmäßigkeit des Sieges von JJ aus Österreich (Aufmacherbild) fest. Darüber hinaus wird erläutert, warum das derzeitige Votingsystem vertrauenswürdige Ergebnisse liefert. Gleichzeitig wird die Bereitschaft signalisiert, zusammen mit der Reference Group zu untersuchen, ob Werbeaktivitäten von nationalen Delegationen das Ergebnis zu sehr verzerren und ob die Anzahl der Stimmen pro Zahlungsmethode reduziert werden sollte.

Das Televoting-Ergebnis des Eurovision Song Contest 2025 in Basel hat im Nachgang einige Diskussionen verursacht. Auslöser ist der Sieg Yuval Raphaels mit dem Titel „New Day Will Rise“, die bei den Jurys nur auf Platz 15 landete. Es ist offensichtlich, dass es – auch im Auftrag des Staates Israel – eine Aktivierung der Zuschauer*innen gegeben hat, für den Beitrag des Landes abzustimmen und dabei die höchstens erlaubten 20 Stimmen pro Telefonanschluss bzw. Kreditkarte auszunutzen. Vor diesem Hintergrund haben nun TV-Sender aus diversen Ländern gefordert, dass das Votingverfahren überprüft werden müsse. Außerdem war generell Transparenz gefordert worden.

Die European Broadcasting Union, die den Eurovision Song Contest veranstaltet, sah sich nun genötigt, in einem Offenen Brief auf diese Forderungen anzugehen. Das Schreiben wurde am Freitagvormittag veröffentlicht. Absender ist der ESC-Direktor Martin Green, der diese Position seit Oktober letzten Jahres innehat. Die Funktion selbst wurde erst im Nachgang zum letztjährigen ESC geschaffen. Mit dieser Rolle soll dem ständigen Wachstum des Wettbewerbs Rechnung getragen und ein problemloser Ablauf sichergestellt werden. Besonders die Diskussionen um Joost Klein und die Teilnahme der Israelin Eden Golan beim ESC 2024 in Malmö waren Auslöser für die organisatorische Neuaufstellung der EBU.

In dem langen Brief stellt Green zunächst fest, dass der Sieg von JJ und dem Sender ORF gerechtfertigt, eindeutig und regelkonform ist. Es ist ihm wichtig, dass die aktuelle Diskussion den Erfolg des Künstlers nicht überschattet. Anschließend wird erklärt, wie das ESC-Voting-System durch mehrere Sicherheitsebenen geschützt und (technisch) nicht manipulierbar ist. So gibt es mehrere unabhängige Systeme, über 60 Mitarbeiter in drei Städten und mit EY (Ernest & Young) einen weiteren Compliance-Überwacher.

Bezüglich des konkreten Votingsystems wird darauf verwiesen, dass die Reference Group ständig die Abstimmungsergebnisse und die damit verbundenen Daten analysiert, um auf dieser Basis die Regeln und Systeme auf ihre Belastbarkeit zu prüfen. Es wird festgestellt, dass Promotion für einzelne ESC-Beiträge erlaubt ist. Allerdings ist zu diskutieren, ob diese das Ergebnis unverhältnismäßig verfälscht – so wie das jetzt im Fall von Israel diskutiert wird.

Martin Green stellt in dem Schreiben auch klar, dass es keinen Hinweis darauf gäbe, dass die maximal erlaubten 20 Stimmen, die pro Zahlungsmethode abgegeben werden dürfen, das Ergebnis verzerrt hätten. Er schreibt aber, dass die EBU bereit sei, diese Regel bei Bedarf anzupassen. Außerdem sollen bei all diesen Schritten die Mitgliedsender aktiv in die Diskussionen und Entscheidungen eingebunden werden.

Hier der Offene Brief von Martin Green in voller Länge:

„Liebe treue und geschätzte Eurovision Song Contest-Gemeinde,

die EBU hat die Gespräche unter den Mitgliedern, unseren Fans und in den Medien nach dem diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) aufmerksam verfolgt und sich intensiv damit auseinandergesetzt.

Ich möchte dem Gewinner JJ und dem Team des ORF nochmals gratulieren. Seine Darbietung und sein Song haben den Wettbewerb zu Recht, eindeutig und gültig gewonnen, und wir wollen sicherstellen, dass alle Nebengespräche diese epische Leistung nicht überschatten.

Das ESC-Abstimmungssystem umfasst mehrere Sicherheitsebenen und ein umfassendes Regelwerk, um sicherzustellen, dass ein gültiges Ergebnis erzielt wird. Unser Abstimmungspartner – die Once Germany GmbH – verwendet redundante (mehrere unabhängige, Anm. d. Red.) Systeme und mehrere Plattformen, um die korrekte Übermittlung der Stimmen an das zentrale System zu gewährleisten.

Für den Eurovision Song Contest werden speziell entwickelte Systeme eingesetzt, um Betrug zu überwachen und zu verhindern. Darüber hinaus überwachen mehr als 60 Personen in Köln und mehrere andere in Wien und Amsterdam den Abstimmungsprozess in jedem Land und stehen in direktem Kontakt mit Telekommunikations- und Sendepartnern weltweit. Alle Ergebnisse werden nach dem 8-Augen-Prinzip durch den CEO und leitende Mitarbeiter von Once überprüft, die zusammen über 40 Jahre Erfahrung mit Abstimmungen haben.

Der unabhängige Compliance Monitor EY überwacht die Ergebnisse und bestätigt sie. Jede Entscheidung im Zusammenhang mit den Ergebnissen wird dokumentiert und bewertet. Der gesamte Prozess, einschließlich der Ergebnisberechnung der Plattform und der Abstimmungsergebnisse, wird von EY gründlich überprüft und verifiziert.

Alle Publikumsabstimmungen, ob per SMS, Anruf oder online, zeigen die Motivation von Gemeinschaften oder Diasporas für bestimmte Kandidaten. Dies kann viele Gründe haben, darunter persönliche Eigenschaften, Hintergrundgeschichten, geografische Zugehörigkeit und aktuelle Themen. In der Vergangenheit war der ESC dafür ebenso offen wie andere Gesangs- und Musikwettbewerbe und das Reality-TV.

Jedes Jahr untersucht die Reference Group für den Wettbewerb, die sich aus Vertretern unserer Mitglieder zusammensetzt und in deren Namen handelt, die von unseren Abstimmungspartnern zur Verfügung gestellten Daten, um Empfehlungen für Maßnahmen auszusprechen, die uns zur Verfügung stehen, um sicherzustellen, dass unsere Regeln und Systeme ausfallsicher bleiben und zeitgemäße externe Faktoren wie technologische Fortschritte und äußere Einflüsse berücksichtigt werden. Dieser Prozess wird wie immer im Juni dieses Jahres stattfinden.

Neben den Diskussionen der Reference Group wird sich die EBU auch mit der Werbung für unsere Künstler durch ihre Delegationen und assoziierten Parteien befassen. Eine solche Promotion ist nach unseren Regeln erlaubt, um die Künstler zu feiern, ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen und künftige Karrieren zu starten – das ist ein wesentlicher Bestandteil der Musikindustrie -, aber wir wollen sicherstellen, dass eine solche Promotion die natürliche Mobilisierung von Gemeinschaften und Diasporas, die wir bei allen Abstimmungen des Unterhaltungspublikums sehen, nicht unverhältnismäßig beeinträchtigt.

Ein weiteres Beispiel ist die Anzahl der Stimmen, die wir pro Person zulassen – 20 pro Zahlungsmethode. Damit soll sichergestellt werden, dass Zuschauer aller Altersgruppen für mehr als einen ihrer Lieblingssongs stimmen können, und es gibt derzeit keine Anzeichen dafür, dass sich dies unverhältnismäßig stark auf das Endergebnis auswirkt – aber die Frage wurde gestellt, und deshalb werden wir sie prüfen.

Die EBU und ich werden, wie wir es immer tun, unsere Mitglieder um ihre Meinung zu diesem und anderen Themen bitten.

Ich schließe, wie ich begonnen habe, mit einem Glückwunsch an JJ und den ORF, die den Eurovision Song Contest 2025 gewonnen haben.

Herzliche Grüße,

Martin Green CBE, Direktor des Eurovision Song Contest, Europäische Rundfunkunion“

Wie bewertest Du den Offenen Brief von Martin Green? Nimmt er die geäußerten Forderungen auf und kann die aufgeheizte Diskussion damit etwas beruhigen? Und was glaubst Du, welche Änderungen es am Votingsprozess im nächsten Jahr als Ergebnis geben könnte? Lass es uns in den Kommentaren wissen!



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Thomas2000
Thomas2000
11 Monate zuvor

Wenn ich EBU Prüfer wäre, ich würde mir zuerst folgende Kennzahl hernehmen:

Anzahl der abgegebenen Stimmen pro Land/Anzahl der Kreditkarten.

Und das für alle 26 Länder, da sieht man ja schon, ob es gewisse Auffälligkeiten gibt, etwa daß für ein Land besonders viele 20er pro Karte verwertet wurden. Und dann kann man ja weiter analysieren.

Daschdasch
Daschdasch
11 Monate zuvor
Reply to  Thomas2000

Und wie machen wir das, wenn ich eine Kreditkarte aus dem Ausland habe und mit der abstimme?

Spieldito
Spieldito
11 Monate zuvor
Reply to  Daschdasch

Da kann nach wie vor nicht überprüft werden, von wo aus abgestimmt wird. Diese Stimmen gehen immer aus dem Land heraus in dem die Karte registriert wurde.

HansKlok92
HansKlok92
11 Monate zuvor
Reply to  Thomas2000

Das alleine dürfte noch keine Auffälligkeiten erzeugen: In Estland oder SWE wird der ANteil mit Kreditkarten bestimmt höher sein als im eher analogen GER.

Spieldito
Spieldito
11 Monate zuvor
Reply to  HansKlok92

Ich glaube der Punkt ist eher, dass man analysieren kann ob für einen Beitrag überproportional oft mehrfach abgestimmt wurde. Das ist sowohl mit Kreditkarten als auch mit Sim-Karten möglich und wird auch (denke/ hoffe ich) tatsächlich getan. Es geht eher um dieses häufeln (insbesondere in 20facher Ausführung) als um welche Methode wo benutzt wird um abzustimmen.

Tom tom tom
Tom tom tom
11 Monate zuvor

Wird auch überprüft was es in sich hat mit die 12 Punkte von Jury und Publikum die Aserbaidschan für Israel gegeben hat, oder kann es sein, dass denen einfach das Lied gefallen hat? Wunder gibt es immer wieder… 🎶

4porcelli - Help the 🦦 save his people United24k
4porcelli - Help the 🦦 save his people United24k
11 Monate zuvor
Reply to  Tom tom tom

Die Frage kann man natürlich auch bei unseren 12 aus der Ukraine und 10 aus Israel stellen.

Porsteinn
Mitglied
Porsteinn
11 Monate zuvor

Die Ukraine hat sich einfach nur gefreut, dass wir auch mal wieder auf Deutsch singen. Sieben, eins, zwei, drei, tanzen, komm zu mir, komm zu mir…

Last edited 11 Monate zuvor by Porsteinn
togravus ceterum
Mitglied
togravus ceterum
11 Monate zuvor
Reply to  Porsteinn

Du weißt, was passiert, wenn Du so was schreibst …

vier … fünf … sechs … 💪

Malge1985
Malge1985
11 Monate zuvor

Sieben.. Sieben… ai Lju Lju

PARG! 🥳🥳🥳

Schlippschlapp71 (Ex-Mariposa)
Schlippschlapp71 (Ex-Mariposa)
11 Monate zuvor
Reply to  Malge1985

Er bekam 12 Punkte aus Malta…..

Malge1985
Malge1985
11 Monate zuvor

Die haben Geschmack. 😎

Daschdasch
Daschdasch
11 Monate zuvor
Reply to  Tom tom tom

Auch, ja. Aber das sind Partnerländer. Die Völker sind eng miteinander, die Regierung ist eng miteinander. Und das ist gut so und deswegen hat Politik beim ESC auch ihren Platz.

Tom tom tom
Tom tom tom
11 Monate zuvor
Reply to  Daschdasch

Geht doch, gefällt mir 👍
Ein Tropfen Öl hilft bestimmt auch bei guten Beziehungen…

Spieldito
Spieldito
11 Monate zuvor
Reply to  Daschdasch

Beide Länder mögen den Iran nicht. Außerdem gibt es in Aserbaidschan erstaunlich wenig Antisemitismus.

kibautonomia
Mitglied
kibautonomia
11 Monate zuvor
Reply to  Spieldito

Aserbaidschan mag dafür Armenien nicht.
Liebt aber die Türkei.
Was wiederum Israel nicht mag.

Philipp19965
Philipp19965
11 Monate zuvor
Reply to  Tom tom tom

Aserbaidschan hat eine relativ hohe jüdische Bevölkerung, sehr gute Beziehungen zu Israel, jüdische Nationalhelden und der Sänger dieses Jahr ist Nachfahre der „Bergjuden“ aus dem Kaukasus. Zudem liefert Israel Waffen etc. Um Aserbaidschan vor möglichen iranischen Angriffen zu schützen.
Eigentlich schön zu sehen, das muslimische und jüdische Länder z.T. doch miteinander auskommen 😊

Einzelkind
Einzelkind
11 Monate zuvor

Enrst & Young 😀😀😀😀😀 Sie hatten auch Wirecard geprüft, nicht wahr…?

Anna-Liesal
Anna-Liesal
11 Monate zuvor

Also so langsam geht mir das alles auf den Senkel. Gibt es denn wirklich gar nix mehr, worauf man sich verlassen kann? Und alles so kompliziert.
Ich bin schon fast soweit, dass ich mir denke, die BRD sollte da gar nicht mehr mitmachen. Kostet mit Sicherheit brutal viel Geld was wir da bezahlen!

schmabi
Mitglied
schmabi
11 Monate zuvor
Reply to  Anna-Liesal

Tatsächlich ist das Kosten-Sendezeit Verhältnis beim ESC, im Vergleich zu bspw. Fußball, unschlagbar. Der ESC kostet Deutschland rund 480.000 Euro. Dafür bekommt die ARD eine Sendezeit von 2 HF und 1 Finale, eine Top Zuschauerquote und muss vor allem noch nicht mal selbst produzieren.

Allein die Rechte für die Fußball WM in Katar 2022 haben dem ARD und ZDF 214 Mio. Euro gekostet. Es gab 64 Spiele – macht also pro 90 Minuten Fußballspiel 3,3 Mio Euro.

Jetzt stell das mal gegenüber… Und ehrlich gesagt nervt mich so eine Aussage so extrem, dass ich jetzt extra diese ganzen Zahlen rausgesucht habe. Fühl dich geehrt. 🙃

Alki Bernd
Alki Bernd
11 Monate zuvor
Reply to  schmabi

Beim Fußball wird ja auch nicht per Televote abgestimmt, ob es Abseits war

Marko +++
Marko +++
11 Monate zuvor

Interessant, dass so schnell reagiert wird. Da muss ordentlich Druck sein.

schrieb 4Porcelli auf Seite 1.

EBU hat das vollständige Ergebnis von Once Germany bekommen und ist selber erschrocken.

In der Regel stimmen 1 bis 2 % der Zuschauer ab. Dieses Jahr waren es in vielen Länder deutlich mehr.

Das Endergebnis bleibt stehen. Übersetzung: es gab sehr viele Stimmen für nur einen Song. Nein – nicht nur Israel, in Italien war es San Marino. Schweden hat auch drei Mal profitiert, sowie Griechenland von Albanien liebe Grüße bekam.

Die Erwähnung von Werbung und 20 Stimmen in diesen Brief unterstreicht den Vorsprung dieses eines Songs auf den anderen Songs.

Wie bewertest Du den Offenen Brief von Martin Green?

Einen Vorankündigung, dass es nächstes Jahr Änderungen geben wird. Welche genau, wird demnächst diskutiert.

Porsteinn
Mitglied
Porsteinn
11 Monate zuvor
Reply to  Marko +++

Wenn San Marino den zum Hit gewordenen San Remo Pausensong hinschickt, ist das mit Italien kein Wunder.

Alki Bernd
Alki Bernd
11 Monate zuvor
Reply to  Marko +++

1-2% der Bevölkerung hieße also bei 20 Stimmen eventuell 0,05% bis 0,1% der Bürger beteiligen sich an der Televoting-Farce. Schafft diese Feigenblättle doch endlich ab, dann wird es wieder spannend.

Dascha
Dascha
11 Monate zuvor

„Uns passt das Ergebnis nicht, also muss der Abstimmungsmodus geändert werden.“

RichardESC1997
RichardESC1997
11 Monate zuvor

Ich finde man sollte nicht nur gegen Israel schießen. (Auch, wenn ich die Teilnahme immer noch kritisch sehe)
Wo blieben diese Stimmen bei der Ukraine 2022? Gefährliche Doppelmoral von einigen.
Demzu waren die Stimmen für Israel, Polen, die Ukraine oder auch Albanien teilweise „Übertrieben“ bzw. „Untertrieben“ beim Televoting und beim Juryvoting.
Ich persönlich finde den öffentlichen Brief seitens der EBU als richtiges zeichen.

Zu JJ, mein Gott, er hat nur seine Meinung geäußert, verstehe diesen Drama darum nicht. Meine Mutter sagt immer: „Betroffene Hund bellen.“

Zum Abschluss:
Ich hoffe nächstes Jahr, auf einen fairen Wettbewerb mit einen überragenden Gewinner, der mal wieder Jury- und Televoting zusammen gewinnt, wie zuletzt Portugal 2017!

Last edited 11 Monate zuvor by RichardESC1997
Tobi
Tobi
11 Monate zuvor
Reply to  RichardESC1997

Wenn die Stimmregeln und das Stimmverhalten der letzten zwei Jahre zur Routine werden, dann KANN in den nächsten Jahren immer nur eines von zwei Ländern gewinnen: Israel mit überwältigendem Televoting-Sieg. Oder wer auch immer die Jurywertung gewinnt.

Dass der Sieger beides gewinnt, ist unwahrscheinlich.

RichardESC1997
RichardESC1997
11 Monate zuvor
Reply to  Tobi

Ach ehrlich gesagt, glaube ich nicht daran, dass die Solidaritätsvotes ewig funktionieren.

Jofan
Jofan
11 Monate zuvor

Viele Vorschläge, die in einer idealen Welt sinnvoll wären, aber in der Realität oft einfach nicht umsetzbar wären:

• einheitliche Kosten pro Televote für alle Länder: Unmöglich, da die einzelnen Länder ganz eigene nationale Gesetze dazu haben (siehe Deutschland).

• Beschneidung der maximalen Votes: Aus Broadcastersicht in einigen Ländern teilweise sehr schwierig, weil wichtiges Geld, um die Kosten teilweise decken zu können, aus dem Televoting gespeist wird. Klammere Länder wie Montenegro haben sicherlich ihren Grund für vergleichsweise hohe Televote-Gebühren und deshalb auch kein Interesse, diese zu senken.
Außerdem bezweifel ich, dass bei z.B. maximal 10 Votes weniger Solidaritätsvotes dabei wären. Im Gegenteil, ich behaupte, der umgekehrte Effekt könnte auftreten. Wer wirklich aus Solidarität votet, hat bei 20 Votes noch die Möglichkeit, z.B. 15 Votes an das Land zu geben, welchem man sich solidarisch zeigen möchte, und dann immer noch 5 Votes an die persönlichen Favoriten. Bei 10 Votes dürften diejenigen, die es in Erwägung ziehen, aus Solidarität zu voten, aufgrund der geringen maximalen Anzahl kaum noch Stimmen für ihre Favoriten übrig haben, da ihnen z.B. 6 Stimmen nicht genug erscheinen. Der prozentuale Anteil der Solidaritätsvotes pro Gerät könnte also sogar eher zunehmen.

• Restriktion der Werbung im Vorfeld: Sorry, aber das ist ja mal sowas von realitätsfern. Erinnert mich an den maltesischen Sender, der den Favoriten Aidan 2023 vom VE disqualifizierte, weil er auf seinen eigenen Kanälen Werbung für seinen VE-Song gemacht hat und man dadurch die Chancengleichheit des Wettbewerbs gefährdet sah.
Wir leben nun mal in einer Netzwerkgesellschaft und diese Entwicklung wird man auch nicht mehr rückgängig machen können. Soziale Medien sind heutzutage für viele Künstler die wichtigste Anlaufstelle, um neue Fans gewinnen zu können. Das darf man nicht verkennen. Ebenso haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass vermehrt ESC-Songs schon vor dem ESC europaweit charten können (z.B. „Queen of Kings“ 2023, „Bara Bada Bastu“ 2025) und sich der ESC auch immer mehr kommerziell lohnt (bestes Beispiel ist Rosa Linn, die nicht mal in den Top 20 war, aber dann einen Welthit landete). Die Forderung, die Möglichkeit zur Kommerzialisierung der ESC-Beiträge bis zum Finale massiv einschränken, würde dieses sich gerade aufbauende Momentum komplett zerstören und erst einmal wieder einige interessierte (größere) Künstler abschrecken.
Zu guter Letzt: Der Gedanke, ein Werbeverbot im Vorfeld schaffe absolute Chancengleichheit zwischen allen teilnehmenden Ländern – egal ob reich oder arm – trieft nur so vor Naivität. Allein die unterschiedliche Reichweite der teilnehmenden Acts sowie – noch viel bedeutender – die Popularität der teilnehmenden Länder wird jegliche Form der absoluten Gleichheit beim ESC verhindern. So muss man anerkennen (und dafür gibt es auch objektive Belege), dass europaweit bekannte und mit einem guten Image belegte Länder wie Italien und Schweden tendenziell viel einfacher ein gutes Resultat erzieln können als ein winziges San Marino oder ein kleines Malta, das bei den meisten Leuten in der Aufzählung aller europäischen Länder wohl in den Bottom 5 landen wird – wie beim Televoting (aufgrund der geringen Popularität) übrigens (fast) immer auch.

Fazit: Eine totale Gleichheit wird es beim ESC nie geben, egal mit welchen Regularien. Genauso wenig wird der ESC jemals komplett unpolitisch sein; dies verhindert allein der Charakter des Wettkampfs zwischen verschiedenen Rundfunkanstalten aus zig Ländern. Ein erster Schritt wäre, wenn dies seitens der EBU und allen teilnehmenden Broadcastern akzeptiert und verstanden wird, anstatt dass einzelne Broadcaster eine Verschwörung über die Rechtmäßigkeit der Ergebnisse anzetteln, nur weil sie nicht deren politischen Weltbild entsprechen.

Last edited 11 Monate zuvor by Jofan
Danya | דניה | 🎗️
Mitglied
Danya | דניה | 🎗️
11 Monate zuvor
Reply to  Jofan

Danke fürs Teilen Deiner Gedanken, die ich so auch größtenteils teile.

eccehomo42
eccehomo42
11 Monate zuvor

Jury mit mehr Personen ausstatten und vor allem verschiedene Blickwinkel vorschreiben und ja dann kann man auch darüber nachdenken, dass die Powervotes reduziert werden (zB höchstens 5 pro Land) und die Werbung nicht erlaubt wird. Aber jetzt aus zwei unerwünschten Ergebnissen alles umzumodeln, wirkt wie ein Verzweiflungsakt

P. K
P. K
11 Monate zuvor

„Es ist offensichtlich, dass es – auch im Auftrag des Staates Israel – eine Aktivierung der Zuschauer*innen
gegeben hat,“
Ah ja, Israel als alles kontrollierender Kraken… Langsam wird es langweilig, gibt es keine neuen, coolen Verschwörungstheorien, denen man sich bedienen kann?

Tobi
Tobi
11 Monate zuvor
Reply to  P. K

Wenn man der israelischen Regierung nicht vorwerfen soll, dass sie die Zuschauer zur Abstimmung für den Beitrag aktiviert, dann sollte die israelische Regierung vielleicht keine weltweite Werbekampagne finanzieren, die zur Abstimmung für den Beitrag aktiviert.

Tim
Tim
11 Monate zuvor

Das wird wohl diejenigen, die anderer Meinung sind, nicht überzeugen. Wahr ist, was ich gerne möchte, dass wahr ist – willkommen in der postfaktischen Gesellschaft.

kibautonomia
Mitglied
kibautonomia
11 Monate zuvor

Ich dachte alle Länder (bis auf Deutschland) finanzieren u.a. ihre Teilnahme und generell ihren ÖR durch solche teuren Abstimmungen.

Jetzt wird sich aufgeregt, dass zu viele abgestimmt haben, also dass die Rundfunkanstalten mehr Geld bekommen?
Verstehe einer diese Welt.

Matty
Matty
11 Monate zuvor

Wie heute bekannt wurde, mußte die Jury aus Estland eines seiner Mitglieder auf Grund eines Regelverstoßes disqualifizieren. Es handelt sich dabei um Alika, die Estland 2023 beim ESC vertrat:

https://eurovoix.com/2025/05/24/%f0%9f%87%aa%f0%9f%87%aa-estonia-alika-removed-from-eurovision-2025-jury-due-to-rule-breach/

Gegen welche Regel die Sängerin verstieß, ist nicht bekannt.

Poncho
Poncho
11 Monate zuvor

Einfach Werbungen verbieten. Ein Act sollte so oder so von sich aus überzeugen können und keine Werbung benötigen. Außerdem ist das fairer für kleinere/ärmere Länder.

Wenn sich dann an den Ergebnissen nichts ändert, ist doch alles gut. Und wenn doch, dann ist das vermeintliche Problem auch sofort gelöst 🤷‍♂️

Heike
Heike
11 Monate zuvor

Die EBU will nun also den Streisand Effekt untersuchen?

Dadurch, dass die geifernde Pro-Pali Meute in ihrer Hetze gegen Israel und dessen Sängerin praktisch permanent in den Medien war, haben die Zuschauer einfach ihrerseits ein Signal gesendet, was sie von solchen Menschen halten.

Das könnte man selbst mit Milliarden an Werbeschaltungen nicht erreichen.

Nehmt das, Spanien (wann gebt ihr den Mauren endlich Spanien zurück?), Belgien (wie war das mit eurer Kolonialzeit?), usw.

Alki Bernd
Alki Bernd
11 Monate zuvor
Reply to  Heike

Man könnte auch anführen, was die spanische Regierung mit Menschen machte und macht , die die Unabhängigkeit von Katalonien oder dem Baskenland fordern

CDB
CDB
11 Monate zuvor

Ich finde diesen Beitrag tendenziös, um mich bewusst zurückhaltend und vorsichtig auszudrücken. Er verstärkt zumindest den Eindruck, Israel manipuliere Menschen in Europa und die Ergebnisse des Wettbewerbs. Den Beweis, dass der Staat Israel “offensichtlich” durch Werbung eingegriffen habe, bleibt der Autor schuldig. Kein Wort hingegen dazu, dass der spanische Sender trotz Verbots durch die EBU unmittelbar vor dem ESC ein Israel kritisches Statement eingeblendet hat. So bedient (ob beabsichtigt oder nicht vermag ich nicht zu beurteilen) der Artikel gängige Verschwörungsklischees.

Thomas2000
Thomas2000
11 Monate zuvor
Reply to  CDB

Dass der Staat Israel eine orchestrierte Werbung gemacht hat, sind Tatsachen, veröffentlicht von der EBU.
Fakten sind Fakten.

Unklar ist, ob so eine Werbung noch mit den EU-Richtlinien vereinbar ist oder nicht, da gibt es offensichtlich einen Interpretationsspielraum.

Lars Emu Ende
Mitglied
Lars Emu Ende
11 Monate zuvor

Wenn das allgemeine Televoting-Aufkommen der musikorientierten Zuschauer so gering ist, das ein paar social-media-Anzeigen das Ergebnis maßgeblich beeinflussen, können wir den Laden auch dicht machen.

Marcus
Marcus
11 Monate zuvor

Warum werden die Jurys als das Non Plus Ultra gesehen? Schafft die Jurys endlich wieder ab und ausschließlich das Publikum entscheiden! Allerdings dann auch nur eine Stimme und nich 20 wie aktuell.
Das was in den letzten Jahren ausschließlich durch Jurypunkte gewonnen hat, ist ja wohl nicht radiotauglich respektive mehrheitsfähig!
Mit Israel als Sieger hätte ich leben können (war allerdings nicht meine Wahl) aber JJ hat zurecht kaum Publikumpunkte bekommen!

Bernd
Bernd
11 Monate zuvor
Reply to  Marcus

So ein Schwachsinn. Abseits der persönlichen Präferenz, zum einen hat JJ auch viele Punkte bekommen (oder gilt das jetzt nur für die Plätze 1-3?) und zum anderen war der Song von Israel nun sicherlich nicht so der Banger, dass es den ersten Platz beim Voting rechtfertigen würde. Auch sehr sonderbar, dass die anderen teilnehmenden Balladen alle so viel schlechter waren, dass diese dann mit Null Punkte im Kontrast nach Hause gehen… weil Israel im Vergleich ja auch gar nicht genauso altbacken war…Aber natürlich kann man sich auch selbst belügen.

Schäzzelein
Schäzzelein
11 Monate zuvor

Ich wäre ja dafür das 12-Punkte-System auf z. B. ein 30-Punkte-System umzustellen. Warum? Weil dann bei 26 teilnehmenden Ländern auch alle Punkte erhalten. 30-28-26-24-22-21-20-…-1

Gerne auch die Anzahl der Abstimmungen pro Zahlungsmittel auf 10 reduzieren. (Schont meinen Geldbeutel bzw. die Telefonabrechnung)

Thomas2000
Thomas2000
11 Monate zuvor
Reply to  Schäzzelein

Und mindestens genauso wichtig wie die Reduktion der Abstimmungen:

Bitte das 2 Stunden Fenster für das Voting auf 5 oder 10 Minuten reduzieren, dann kann man auch nicht so ohne weiteres diese konzertanten Massenvotings machen.

Rainer
Rainer
11 Monate zuvor

20 Stimmen pro Anrufer für ein Land abgeben zu können sollte abgeschafft werden.
Bis zu 20 Stimmen tätigen kann bleiben, wenn nur EINE Stimme pro Land abgegeben darf.
Bei den Wahlen (Bundestag, Landtag etc.) gibt es doch auch nur eine Stimme pro Kandidat.
Warum so eine absurde Regelung?

Vera
Vera
11 Monate zuvor

Ich schau seit 40 Jahren ESC.Aber nun nicht mehr.Alles nur Betrug und Beschiss.

Marco
Marco
11 Monate zuvor

Ich finde, dass man an dem Auswertungskonzept arbeiten müsste. Zählt die Gesamtstimmen und rechnet die direkt in Punkte um, anstatt immer hinten welche runterfallen zu lassen und im Prinzip die Punktevergabe durch die Jury damit zu spiegeln. Auch beim Juryvoting wäre es angebracht, mal darüber nachzudenken, ob man nicht direkt mit einem Ranking sämtlicher Kandidaten arbeiten könnte, anstatt mit den klassischen Punkten, auch wenn dann die ikonischen 12 Punkte verschwinden.