ESC 2027: Kasachstan wird kein EBU-Vollmitglied und damit kein ESC-Teilnehmerland

Bild: Darkhan Kussainov (Unsplash)

Wird der Eurovision Song Contest 2027 in Burgas neben Kanada noch ein weiters Debüt erleben? Immerhin hat Kasachstan nun eine Anfrage auf eine EBU-Vollmitgliedschaft gestellt und damit den Wunsch geäußert, beim ESC 2027 dabei zu sein. Doch die EBU-Antwort kam prompt am selben Tag: Nein, Kasachstan wird nicht debütieren, denn Kasachstan wird kein EBU-Vollmitglied und erhält auch keine Sondereinladung.

In Kasachstan ist der Sender Khabar für ESC-Belange zuständig. Man kann durchaus von ESC-Belangen sprechen, denn von 2018 bis 2022 nahm man immerhin am Junior ESC teil. Khabar ist der staatliche Nachrichtensender und seit 2016 auch assoziiertes Mitglied der European Broadcasting Union. Mit Blick auf Australien wissen wir: Mit Sondereinladung darf man auch als assoziiertes Mitglied beim ESC starten. Da Kasachstan diese Einladung nie erhalten hat und kein EBU-Vollmitglied ist, blieb ein kasachischer ESC-Auftritt bis dato aus, obwohl es auch in den vergangenen Jahren immer mal wieder diskutiert wurde.

Nun sah es zunächst nach positiven Entwicklungen in der Sache aus: Laut einer Antwort auf ein Schreiben an das kasachische Ministerium für Information und Kultur hat die Khabar Agency einen Antrag auf Vollmitgliedschaft in der EBU gestellt und möchte am Eurovision Song Contest 2027 teilnehmen. Das berichten auch „esc_kaz“ (siehe unten) und weitere ESC-Medien.

EBU-Mitgliedschaften und ESC-Teilnahmen sind derzeit ein dynamisches Feld: Am 25. Juni 2026 hat die EBU ihre Satzung überarbeitet. Seitdem können Länder innerhalb der European Broadcasting Area Mitglied werden, oder Mitglieder des Europarates oder aber Länder, die einen Beobachterstatus im Europarat haben. Bedeutet: Auch ohne die passende geografische Lage gibt es Mitgliedschaftsmöglichkeiten bei der EBU, wenn die „politischen“ Zugänge gegeben sind. Das trifft auf Neuling Kanada zu, im Fall von Kasachstan ist das aber nicht gegeben.

Kasachstan hat keinen offiziellen Beobachterstatus im Europarat. Dabei kooperiert das Land durchaus mit dem „Council of Europe“ und schreibt selbst auf der Seite des kasachischen Konsulats in Straßburg:

„Kasachstan arbeitet seit 1997 mit dem Europarat (CoE) und seinen Strukturen zusammen. Obwohl Kasachstan kein Mitglied des Europarates ist, hat das Land die Möglichkeit, an den erweiterten Teilabkommen des Europarates teilzunehmen. Diese ermöglichen es Ländern und internationalen Organisationen, die keine Mitglieder des Europarates sind, bei Themen von gemeinsamem Interesse mit den Mitgliedstaaten zusammenzuarbeiten. Kasachstan nimmt an zwei Teilabkommen des Europarates teil: der Europäischen Kommission für Demokratie durch Recht (Venedig-Kommission, seit 1998 mit Beobachterstatus, seit 2012 Vollmitglied) und der Staatengruppe gegen Korruption (GRECO, seit 2020 Vollmitglied).“

Das klingt erst mal vielversprechend, reicht aber dennoch nicht. Genau das hat die EBU in einer Antwort auf die kasachische Anfrage vom heutigen Donnerstagabend ebenso formuliert:

„Die Khabar Agency ist ein geschätztes assoziiertes Mitglied der EBU, und wir schätzen ihr langjähriges Engagement für die Union. Gemäß der EBU-Satzung steht die Vollmitgliedschaft jedoch Rundfunkorganisationen aus Ländern offen, die entweder innerhalb des europäischen Rundfunkgebiets der ITU liegen, Mitglieder des Europarates sind oder, nach der auf der diesjährigen Generalversammlung beschlossenen Änderung der Satzung, Länder sind, die einen formellen Beobachterstatus beim Europarat innehaben. Kasachstan erfüllt keines dieser Kriterien, weshalb die Khabar Agency zum jetzigen Zeitpunkt nicht für eine Vollmitgliedschaft qualifiziert ist. Während die Teilnahme in erster Linie EBU-Mitgliedern offen steht, sehen die Regeln vor, dass andere Rundfunkanstalten im Einzelfall zur Teilnahme eingeladen werden können. Eine solche Teilnahme wäre eine Ausnahme und würde der Zustimmung des für den Wettbewerb zuständigen Gremiums, der Reference Group, unterliegen.“

Weiter heißt es in der Antwort:

„Derzeit gibt es keine Pläne, weitere Nicht-EBU-Mitglieder oder assoziierte Mitglieder zur Teilnahme einzuladen.“

Keine Vollmitgliedschaft, keine Einladung. Damit ist Kasachstan in Burgas definitiv nicht dabei. Trotz Anfrage auf eine volle Mitgliedschaft und ESC-Interesse. Nun stellt sich die Frage, ob es beim ESC 2027 tatsächlich eine Rekord-Teilnehmerzahl geben wird. Immerhin hatte Burgas‘ Bürgermeister genau das in Aussicht gestellt.

Würdest Du Dir Kasachstan beim ESC wünschen? Kannst Du die EBU-Antwort nachvollziehen? Lass uns Deine Meinung gerne in den Kommentaren wissen.



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10 Comments
Geri
Geri
1 Stunde zuvor

Aha

Thilo mit Bobby
Mitglied
Thilo mit Bobby
1 Stunde zuvor

Die Gründe die dagegen sprechen sind plausibel aber ich kapier immer noch nicht warum beim ESC nicht geht was beim JESC möglich ist

4porcelli - 🦦🏊‍♀️➡️
4porcelli - 🦦🏊‍♀️➡️
2 Minuten zuvor

Der ESC ist wie die Fußball-EM, der JESC wie eine völlig obskure Sportart, wo die Organisatoren froh sind, freiwillige Teilnehmer zu finden.

Gaby L
Gaby L
1 Stunde zuvor

Wenn ich ehrlich sein soll, hält sich meine Traurigkeit und Bestürzung in Grenzen…

Matty
Matty
54 Minuten zuvor
Reply to  Gaby L

Wie geht es dir? Gestern soll es in der Nähe deines Wohnortes ein Erdbeben gegeben haben.

Matty
Matty
1 Stunde zuvor

Kasachstan bekam bereits eine Einladung zur Teilnahme am asiatischen ESC vor einigen Tagen erhalten:

https://eurovoix.com/2026/04/14/kazakhstan-khabar-agency-invited-participate-eurovision-song-contest-asia-2026/

Bis jetzt gab es weder eine Zu- noch eine Absage.

Tim
Tim
33 Minuten zuvor

Würdest Du Dir Kasachstan beim ESC wünschen? – Nein

Kannst Du die EBU-Antwort nachvollziehen? – Ja

AlkiBernd
AlkiBernd
26 Minuten zuvor

Und ich habe mir schon ein Kochbuch mit kasachischen Spezialität besorgt, um den Käseigel zu ergänzen

Last edited 25 Minuten zuvor by AlkiBernd
AlkiBernd
AlkiBernd
22 Minuten zuvor
Reply to  AlkiBernd

und den Kasack kann ich wohl in die Altkleidersammlung geben….

4porcelli - 🦦🏊‍♀️➡️
4porcelli - 🦦🏊‍♀️➡️
4 Minuten zuvor

Gottseidank, Klein-Russland braucht kein Mensch.