Finnland: Gespräche mit der EBU wegen sexualisierter Inszenierung – Keine Änderungen gefordert

Erika Vikman – Foto: Miikka Varila / Yle

„ICH (be)KOMME“ nicht ganz überraschende Probleme. Der gleichnamige finnische Beitrag für den Eurovision Song Contest 2025 von Erika Vikman ist laut Aussagen der Künstlerin den Verantwortlichen bei der EBU aufgestoßen. In einem Interview mit der schwedischen Boulevard-Zeitung Expressen sagte sie, dass ihr Auftritt insgesamt zu sehr sexualisiert sei und Änderungen notwendig sein. Ein Vertreter des finnischen Senders Yle bestätigte entsprechende Gespräche mit der EBU; dort seien aber keine konkreten Forderungen für Änderungen an der Inszenierung gestellt worden.

Die European Broadcasting Union (EBU), die den Eurovision Song Contest veranstaltet, setzt den Künstlerinnen und Künstlern, die im Mai in Basel ihre Beiträge präsentieren wollen, weitere Grenzen (des guten Geschmacks). Nachdem bereits Miriana Conte aus Malta bereits aufgefordert worden ist, das – im Englischem äußert explizite – Wort „Kant“ aus ihrem Lied zu streichen, stand nun offenbar auch die für Basel geplante Performance der finnischen Vertreterin Erika Vikman in der Kritik. Aufhänger ist wie bei „Kant“ eine starke Sexualisierung. Dabei geht es beim finnischen Beitrag allerdings weniger um den Titel „ICH KOMME“, als um die Inszenierung bzw. Darbietung.

Bei der finnischen ESC-Vorentscheidung UMK präsentierte Vikman den Song in einem engen Latex-Outfit, das im Hinblick auf sekundäre Geschlechtsmerkmale recht wenig der Phantasie überließ. Dazu bewegte sie sich lasziv bis aufreizend über die Bühne. Ob das überdimensionierte Mikro in männlicher Genitaloptik mit spritzendem Pyro-Antrieb, auf dem die Sängerin am Ende steht, auch als übermäßige Sexualisierung zu verstehen ist, verliert sich in den Nebeln der Geschmackspolizei.

Wie auch immer: Erika Vikman ist ohne sexuelle Konnotation nicht zu haben. Im Interview mit dem schwedischen Expressen sagte sie über sich selbst: „Ich bin wild … Ich bin sexuell auf der Bühne.“ Auch in ihrer Heimat hat sie durch ihr Auftreten nicht nur Freunde:

„In Finnland sind die Menschen konservativ und haben Angst, sich zu äußern. Am Anfang war ich für sie schwierig. Das ist immer noch so, obwohl sich einige Leute daran gewöhnen. Halb Finnland hasst mich, halb Finnland liebt mich … Die Leute werden so wütend. ‚Warum, Erika?‘ Sie ist so geschmacklos und sieht aus wie eine billige Schlampe.'“

In diesem Zusammenhang berichtete Vikman der Zeitung auch, dass sie aufgrund von Einwänden der EBU wohl ihren Auftritt beim ESC in Basel entschärfen müsse:

„Es geht nicht nur um eine Sache, sondern um alles zusammen: meine Kleidung, worum es in dem Lied geht, wie ich mich auf der Bühne bewege. Die EBU hat gesagt, es sei ein bisschen zu sexuell. Sie wollen meinen Hintern bedecken … Wir müssen uns an ihre Regeln halten und mein Outfit ändern. Aber es fühlt sich ein bisschen doppelt an: Sie denken, das Problem mit meiner Show ist, dass sie ‚zu viel‘ ist, aber mein ganzes Ding ist es, ‚zu viel‘ zu sein.“

Diese Äußerungen Erika Vikmans scheinen in der Fülle und Konsequenz so nicht ganz korrekt zu sein. So sah sich der Chefproduzent des finnischen Rundfunks (Yle) für den Eurovision Song Contest, Anssi Autio, genötigt, das einzuordnen. Dabei schickte er voraus, dass er sich nicht zu Vikmans Statement äußern könne. Er bestätigt jedoch, dass es Gespräche mit der EBU zu dem Auftritt gegeben habe, aber keine direkten Forderungen gestellt worden seien.

Das heißt aber offenbar nicht, dass es keine Änderungen an der Nummer im Vergleich zu der beim UMK geben kann bzw. wird. Hier ist aber die Interpretation der Aussage entscheidend: Diese Änderungen werden nicht wegen der EBU gemacht, sondern weil das Team sie für sinnvoll und zielführend betrachtet.

Findest Du den Auftritt von „ICH KOMME“ übermäßig sexualisiert? Wenn er entschärft werden sollte, worauf würdest Du verzichten? Und glaubst Du, dass der Beitrag mit weniger Sex genauso oder sogar noch erfolgreicher in Basel abschneiden könnte? Lass es uns in den Kommentaren wissen. 



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226 Comments
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Vibrantlove2000
Vibrantlove2000
1 Jahr zuvor

Ach unsinn! Wer mit so einem Auftritt Probleme hat, sollte es sich auch nicht ansehen. Und wer Erika länger kennt, weiß genau das ihre Auftritt sehr gewagt sind. Trotzdem gibts viele die sie feiern! Und ja da hat sie auch recht. Der Finne ist von Natur aus sehr verschlossen und konservativ. ^^

Last edited 1 Jahr zuvor by Vibrantlove2000
dirtsa
dirtsa
1 Jahr zuvor

OT:
Ich dachte, vielleicht passt es noch am besten auf die „Finnland-Seite“:
LOTL bringt ja im August den ersten Teil einer Album-Trilogie raus „Opus Noir Vol.1“. (nächste Woche soll der erste Titel veröffentlicht werden).
Im Winter, ich glaube noch dieses Jahr kommt dann „Opus Noir Vol.2“! Und wie ich gerade beim „Q&A“ mit Chris Harms erfahren habe, gibt es auf Vol.2 einen Track zusammen mit Kärijää! Völlig wild in englisch, finnisch, deutsch und sogar französisch!
Zustande gekommen ist das Ganze im letzten Herbst im Backstage bei Käijää’s Tour in Hamburg. Chris hat ihm die Demo vorgespielt und hat ihn gefragt, ob er Bock drauf hat. Und ja, das hatte er!
Ich find’s richtig cool! 😉
Bin noch nicht durch die 2 Stunden Q&A durch. Ich hatte irgendwo das Gerücht gelesen, dass es wohl auch eine Collab mit La Zarra auf einem der 3 Alben geben soll!
Mal hören ob sich das auch bestätigt! 😛

Malge1985
Malge1985
1 Jahr zuvor
Reply to  dirtsa

🥳🥳🥳🥳🥳 Cool. 😎😎😎

Mathias Möser
Mathias Möser
1 Jahr zuvor
Reply to  dirtsa

Grausamer, unerträglich platter Beitrag

dirtsa
dirtsa
1 Jahr zuvor
Reply to  Mathias Möser

Sorry, aber ich will’s nur verstehen:
Was daran ist grausam, was daran ist platt?

Mathias Möser
Mathias Möser
1 Jahr zuvor
Reply to  Mathias Möser

Sie sollte sich dazu einen runterholen, das wäre konsequent.

dirtsa
dirtsa
1 Jahr zuvor
Reply to  Mathias Möser

Ich kann nicht umhin deine Antwort als extrem unter der Gürtellinie zu empfinden!
Aus welchem Grund beleidigst du mich persönlich?
Wenn dich der Beitrag nicht interessiert, überspring ihn einfach!
Ich habe mich nur sehr darüber gefreut, dass 2 meiner Liebligsacts aus 2023 einen gemeinsamen Song rausbringen, dass sie noch in Kontakt stehen und sich gegenseitig schätzen.
Ich hatte vermutet, dass es auch noch andere gibt, die das irgendwie cool finden. Du anscheinend nicht!
Aber ich sehe keinen Grund deshalb beleidigend zu werden!

dirtsa
dirtsa
1 Jahr zuvor
Reply to  dirtsa

Oh, Matias Möser, ich glaube ich kapier’s jetzt!
Du hattest meinen Beitrag gar nicht wirklich gelesen und hast dich auf Erikas Song bezogen statt auf mein geschriebenes, richtig?
Ok, finde die Darbietung auch etwas übertrieben sexuell, aber würde trotzdem auch ihr gegenüber nicht beleidigend werden!

Last edited 1 Jahr zuvor by dirtsa
sam
sam
1 Jahr zuvor

Also meine Freundin findet das nicht so gut, dass beim ESC immer mehr auf Sex gesetzt wird. Das ist keine schöne Entwicklung findet sie. Ich dagegen finde, dass das dazugehört und feiere das. Wir hatten dazu gestern Abend eine Lebhafte Diskussion, aber das hält ja Bekanntlich eine Beziehung frisch.

Piepmatz
Piepmatz
1 Jahr zuvor

Wenn der Auftritt nicht extrem sexialisiert wird, schwinden die Chancen der guten Dame auf einen forderen Platz.
Das Lied an sich ist nämlich nicht der Burner. Mit einer schlechten/unauffalligen Performance kann das ganze auch nach hinten losgehen.

Doc-Ffm
Doc-Ffm
1 Jahr zuvor

Der ESC lebt doch von Trash. Der Mix macht am Ende einen schönen Abend. So lange Erika das Mikrofon nicht verschluckt oder einführt ist doch alles in Ordnung 😉 Dann aber bitte am Ende der Hinweis „liebe Kinder bitte nicht nachmachen “ 🤣

anzug-und-krawatte
anzug-und-krawatte
1 Jahr zuvor

Ich verstehe die Aufregung nicht. Was in den letzten 30 Jahren aus Osteuropa kam, war teilweise noch viel sexualisierter. Sängerinnen traten auf wie auf dem Strich, manche Tänzer (siehe Spanien oder das Vereinigte Königreich letztes Jahr) waren auch nicht gerade harmlos. Insofern verstehe ich die BBC auch nicht wegen des Titels von Malta. Der ESC hat sich entwickelt und wird bunter. Um es mit Klaus Wowereit zu sagen: Und das ist auch gut so!

Mathias Möser
Mathias Möser
1 Jahr zuvor

Ich bin absolut und dringend für eine Forderung nach Veränderung.

Matti Meikäläinen
Matti Meikäläinen
1 Jahr zuvor
Reply to  Mathias Möser

Matty, ist gut jetzt. 🙄

Mathias Möser
Mathias Möser
1 Jahr zuvor

einfach nur pornografisch

Mathias Möser
Mathias Möser
1 Jahr zuvor

P o r n o

Mathias Möser
Mathias Möser
1 Jahr zuvor

onroP – und dan noch falsch herum

Mathias Möser
Mathias Möser
1 Jahr zuvor

Der Beitrag ist einfach nur parnogralisch, o statt a

Mathias Möser
Mathias Möser
1 Jahr zuvor

Soll sie sich doch noch einen runterholen, das wäre wenigstens konsequent

Mathias Möser
Mathias Möser
1 Jahr zuvor

Sie sollte sich dazu noch einen raufholen

Mathias Möser
Mathias Möser
1 Jahr zuvor

Sie sollte sich dazu selbstbefriedigen

Matty
1 Jahr zuvor

BESS nahm vor drei Jahren am finnischen ESC-Vorentscheid UMK teil und belegte den dritten Platz. Nun hat sie mit Käärijä, der Finnland vor zwei Jahren beim ESC vertrat, einen neuen Song veröffentlicht und der Titel ist „Kaista“ (Fahrbahn):

Matty
1 Jahr zuvor

Zudem hat BESS den Song „Kuuhun ja takas“ (Zum Mond und zurück) ebenfalls neu veröffentlicht:

Matty
1 Jahr zuvor

Aksel Kankaanranta sollte Finnland vor fünf Jahren beim ESC vertreten, allerdings wurde der wegen der Coronapandemie abgesagt. Ein Jahr später nahm er erneut am UMK teil und wurde Zweiter. Sein aktueller Song heißt „Elää ikuisesti“ (Lebe für immer):

Matty
1 Jahr zuvor

Auch der ESC-Sieger von 2006 Lordi hat einen neuen Song draußen, und zwar ist es „Fangoria“:

Matty
11 Monate zuvor

Edward Maximilian Sene – besser bekannt als Sexmane – nahm letztes Jahr am finnischen ESC-Vorentscheid UMK teil und wurde Sechster. Nun hat der Künstler zwei neue Songs veröffentlicht, und zwar „Rotta“ (Ratte):

https://www.youtube.com/watch?v=FTJUyO8l390

und „Kuolematon“ (Unsterblich):