
Die Gastgeberstadt für den Eurovision Song Contest 2026 steht zwar schon seit August definitiv fest, doch Wien hatte einen starken Gegner im Rennen. Innsbruck war, wie wir berichteten, von Anfang an sehr bemüht und voller Engagement bei seiner Bewerbung als ESC-Austragungsstadt. Wie genau der Wettbewerb in der Tiroler Hauptstadt gestaltet worden wäre, ist nun offiziell bekannt gegeben worden.
Hätte, hätte, Fahrradkette – natürlich ist die Innsbrucker Bewerbung inzwischen mehr oder weniger bedeutungslos, da bekanntlich Wien den Zuschlag für die ESC-Ausrichtung bekommen hat. Interessant ist es dennoch, was dem österreichischen Tageszeitung DER STANDARD nun gelungen ist. Laut dem seit September in Österreich in Kraft getretenen Informationsfreiheitsgesetz müssen staatliche Stellen Zugang zu angefragten Informationen herausgeben. Dieses Gesetz hat sich die Tageszeitung nun zu Nutze gemacht.
Auf Anfrage hat die Stadt Innsbruck der Zeitung die komplette ESC-Bewerbungsmappe ausgehändigt, in welcher detailliert dokumentiert wird, wie die Ausrichtung des Contests in Innsbruck ausgesehen hätte. In der Bewerbung der Tiroler Hauptstadt sei vor allem die einzigartige Natur als roter Leitfaden genutzt worden. So wollte die Stadt vor allem „die alpin-urbane Lebenskultur, die man weltweit als Teil unserer österreichischen Identität schätzt“, repräsentieren.
Außerdem sei hervorgehoben worden, dass Innsbruck eine Stadt der kurzen Wege sei, was viel Flexibilität für Gäste bedeutet hätte. Besonders spannend: Sportstätten hätten umfunktioniert und als Fan-Areas diesen sollen. So hatte sich die Stadt zum Beispiel vorgestellt, die Halbfinal-Auslosung an der Bergisel-Skisprungschanze auszurichten und hierbei die olympische Feuerschale neu zu entzünden. Auch exklusive Gondel-Fahrten hätten die ESC-Teilnehmenden angeboten bekommen. Ob diese sogar Teil der Eröffnungszeremonie gewesen wären, lässt DER STANDARD jedoch offen.

Anders als Wien hatte Innsbruck geplant, die Events rund um die Live-Shows auf mehrere Hallen aufzuteilen. Aus Kapazitätsgründen sei vorgesehen gewesen, den Green Room nicht in der eigentlichen Olympiahalle, sondern in einer Nachbarhalle im Olympiaworld-Areal unterzubringen. Hierfür wären separate Tickets in den Verkauf gegangen, denn diese „Green-Room-Halle“ wäre mit großen Bildschirmen ausgestattet und somit gleichzeitig eine Public-Viewing-Area gewesen (siehe oben).
Doch auch außerhalb dieser Green-Room-Halle hätte es die Option gegeben, mit tausenden Menschen gemeinsam die Liveshows zu verfolgen. Auch im Tivoli-Stadion – das auch hier im Reel unseres Innsbruck-/Olympiaworld-Besuchs zu sehen ist – hätte ein Public Viewing stattfinden können (siehe unten). Tickets für drei verschiedene Locations wären somit in den Verkauf gegangen, in denen Fans den ESC 2026 hätten mitverfolgen können.

Zu den Kosten: Wien wird insgesamt ungefähr 22,6 Millionen Euro ausgeben, um den ESC auszurichten. Innsbrucks Kosten hätten vermutlich ähnlich ausgesehen: Für die Live-Events in den drei Locations waren 3,7 Millionen Euro vorgesehen, zudem 2 Millionen Euro für das Pressecenter und die Produktion in Innsbruck. Auch zusätzliche Verkehrsmittel, das Eurovision Village und das Projektmanagement wären kostenintensiv gewesen und wurden mit 1 Million Euro kalkuliert. Für das Thema Sicherheit waren ca. 4 Millionen Euro eingeplant.
Die Stadt Innsbruck hatte sich beim Sicherheitsaspekt zudem auf das Bundesheer (österreichisches Militär) verlassen. Dies kann bei Großveranstaltungen in Österreich tatsächlich zur Unterstützung der Sicherheit hinzugezogen werden – kostenlos wäre dies aber vermutlich nicht gewesen.
Kostenlos hätten allerdings gewisse Freizeitangebote sein sollen, die Innsbruck in der ESC-Woche den Pressevertreter*innen, Delegationen und vereinzelten Fangruppen anbieten wollte. So waren laut Bewerbungsmappe kostenlose Gin-Tastings, Gletscherwanderungen oder auch eine Fahrt durch den Eiskanal in Igls (!) geplant. Das Thema Musik wäre in Innsbruck an jeder Ecke spürbar gewesen und auch kostenlose Besichtigungen der ältesten Orgel Österreichs waren vorgesehen.

Wie klingt die Innsbrucker ESC-Bewerbung für dich? Denkst du, das größere Hotel-Angebot in Wien war wirklich der einzige Grund für die Gastgeberstadt-Entscheidung? Lass uns gerne deinen Eindruck da.
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