London Eurovision Party: Abgesagt in 2021, Zukunft ungewiss

Es ist die älteste ESC-Promo-Party in der Bubble: Die London Eurovision Party (LEP) entstand, als es den Begriff „Promo-Party“ noch gar nicht gab und eine Unterstützung durch Sponsoren noch in weiter Ferne lag. Die Organisatoren Kabir Naidoo und Russell Davies müssen jetzt aus verschiedenen Gründen den Stecker ziehen.

Die London Eurovision Party ist eine Institution und die erste Preview Party, die in der Bubble erschaffen wurde. 2009 ging es im Scala im London los, zu Gast waren unter anderem Ani Lorak, Sirusho, Paul Oscar und – hold your breath – Nanne Grönwall. Die LEP ist und war Party-Pionier und entstand noch vor dem populären  „Eurovision in Concert“ in Amsterdam, das im Laufe der Jahre zur Benchmark der Promo-Konzerte wurde. Während das EiC-Team die Veranstaltung in Amsterdam ein weiteres Jahr verschoben hat (auch um einen Teil der Ticketerlöse zu erhalten), müssen die Londoner Entrepreneure die Veranstaltung nach der Verschiebung im vergangenen Jahr jetzt erstmal komplett absagen und daran ist nicht allein die Pandemie schuld.

Denn neben der Lockdown-Problematik in 2020 und 2021 gleichermaßen hat inzwischen das LEP-Stamm-Venue seit 2014, das legendäre Café de Paris, Ende 2020 Insolvenz anmelden müssen. Dieser pandemiebedingte Verlust des plüschig-intim-lässigen Londoner Hotspots schmerzt sehr. Denn nicht nur ESC-Ikonen wie Conchita, Monz (Bild unten) oder our very own Michael Schulte (Foto oben) sind dort aufgetreten, im Café de Paris waren schon Marlene Dietrich und Frank Sinatra zu Gast.

Die coronainduzierte Unsicherheit und die fehlende Planungssicherheit, ob die LEP jemals wieder im Café de Paris stattfinden kann, vor allem aber auch finanzielle Gründe zwingen Russell und Kabir nun zur endgültigen Absage:

„In light of the current guidelines from the UK Government, alongside the international travel restrictions and the situation across Europe, it is with deep regret that we are not able to have the 13th London Eurovision Party in 2021. Furthermore, with the uncertainty regarding the venue, we have now no option but to formally cancel the London Eurovision Party.“

„In Anbetracht der derzeitigen Regierungs-Richtlinien in Verbindung mit den internationalen Reiserestriktionen und der europäischen Gesamtsituation müssen wir zu unserem größten Bedauern sagen, dass die 13. London Eurovision Party in 2021 nicht stattfinden kann. Darüber hinaus gibt uns auch die Unsicherheit bei der Locationplanung keine andere Möglichkeit, die London Eurovision Party offiziell abzusagen.“

Wer Tickets in 2020 gekauft und behalten hat, erhält nun kurzfristig den Kaufpreis erstattet, was dazu führt, dass Russell und Kabir erhebliche nicht erstattungsfähige Anlaufkosten des Events in 2020 persönlich zu tragen haben, weil die Ticketeinnahmen nicht zur Gegenfinanzierung zur Verfügung stehen.

„(The closing of Café de Paris) has impacted us in further large financial losses to us as organisers. This event is run (…) by just us, two Eurovision fans, who invest our own capital to bring the event to the London stage and rely on ticket sales to cover the increasing costs year on year. Hotels, flights, venues, catering, production staff, backstage staff, lighting, staging, security are all paid for upfront by us as organisers with the ticket money paid out sometime after the event. Considerable financial outlay was already paid out by us as we were just two weeks away from the event when the UK was placed into lockdown and the pandemic worsened. Sadly, some of these costs have been irrecoverable.“

„Die Schließung des Café de Paris führt zu weiteren finanziellen Belastungen für uns als Veranstalter. Das Event wird nur von uns beiden durchgeführt, zwei Eurovisionsfans. Wir investieren eigenen Finanzmittel, um das Konzert auf die Londoner Bühne zu bringen und sind abhängig von den Ticketverkäufen, um die kontinuierlich steigenden Kosten zu decken. Übernachtungen und Flüge, die Location und das Catering, Personalkosten für die Produktion, das Licht, die Bühne und die Security bezahlen wir im Voraus im Vertrauen auf die Rückflüsse durch die Ticketennahmen. (In 2020) waren hohe Vorschüsse von uns bereits ausgelegt worden, als zwei Wochen vor dem Event der Lockdown begann und die Pandemie schlimmer wurde. Traurigerweise bleiben einige dieser Kosten ungedeckt.“

Das vollständige Statement von Russell und Kabir findet sich hier bei escxtra.

Wie geht es nun weiter?

Das bleibt aus den hier geschilderten Gründen leider offen.

„We would love to be in a position to say we ‘will’ return in 2022, but sadly with our large financial losses and uncertainty of a venue that meets our requirements, we are not in a strong enough position to say this yet. We will make a further announcement in regards to a 2022 event later this year.“

„Wir würden liebend gerne ankündigen, dass wir 2022 zurückkehren, aber leider sehen wir uns vor dem Hintergrund der hohen finanziellen Verluste und wegen der Unsicherheit in Bezug auf eine Location, die zu unseren Anforderungen passt, nicht dazu in der Lage. Wir werden weitere Ankündigungen dazu später in diesem Jahr machen.“

Wer Kabir und Russell helfen möchten, in 2022 wieder eine London Eurovision Party auf die Beine zu stellen, kann das auf dieser Crowdfunding-Site tun.

Kabir (rechts) und Russell haben die einzigartige Londoner Eurovision Party mit ihrer Leidenschaft, Freundlichkeit und gigantisch viel Engagement zu einem Saison-Highlight für viele Fans gemacht und dafür können wir ihnen gar nicht genug danken.

Wir sind zuversichtlich, dass die JustGiving-Initiative dabei hilft, die LEP zurückzubringen und hoffen (und das nicht nur in Bezug auf dieses Event sondern ganz grundsätzlich), dass es 2022 dann doch noch weitergeht.

Und trösten uns mit einer klitzekleinen Auswahl an Bildern aus der jüngeren LEP-Vergangenheit, die ich bei den press meetings in einem Venue am Leicester Square gemacht habe.

Mehr Bilder aus früheren LEP-Jahren findet Ihr hier.

Danke an Russell, Danke an Kabir! Die Erinnerung ist das Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann.


5 Kommentare

  1. Das ist schade, daß der Event erneut wegen Covid-19 abgesagt wurde und hoffe, nächstes Jahr gibts eine Neuauflage davon.

  2. Wirklich beeindruckend, was die beiden ehrenamtlich auf die Beine gestellt haben, und umso schlimmer, dass sie nun privat für die Ausfälle haften. Hoffentlich kommt ausreichend Unterstützung zusammen!

  3. Es ist sehr traurig, wenn liebgewonnene Einrichtungen schließen müssen. Ich fürchte, solche Meldungen wird es jetzt noch öfter geben.

  4. Schade für die Jungs, das Event und das Café de Paris, war wirklich eine tolle Location.

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