Öffentliche Diskussion in Montenegro: Kehrt das Land 2021 zum ESC zurück?

Foto: Andres Putting

Nimmt Montenegro am Eurovision Song Contest 2021 in Rotterdam teil? Diese Frage wird in dem Land auf dem Balkan aktuell heiß diskutiert. Beim ESC 2019 schied die Gruppe D mol (Aufmacherfoto) mit nur 46 Punkten im ersten Halbfinale als Vorletzter aus, am ESC 2020 hätte das Land aus finanziellen Gründen nicht teilgenommen. Nun steht anscheinend eine Rückkehr für das kommende Jahr im Raum. Über die Diskussion berichtet aktuell auch die Webseite des für die (Nicht-)ESC-Teilnahme verantwortlichen Senders RTCG.

Alles ins Rollen brachte wohl ein Facebook-Post der RTCG-Rundfunkrätin Bojana Jokić, die schrieb, dass Montenegro sich auch 2021 nicht beim Eurovision Song Contest blamieren werde. Das wurde so interpretiert, dass das Land auch im kommenden Jahr nicht am ESC teilnehmen wird. Später löschte Frau Jokić den Beitrag allerdings wieder.

Was auch immer sie mit diesem – offensichtlich nicht abgestimmten Post – erreichen wollte, seitdem hat die Diskussion um Montenegros Teilnahme am ESC erst so richtig Fahrt aufgenommen. Wie gesagt, über die Debatte berichtet aktuell sogar die die Webseite des Senders RTCG selbst, obwohl die Entscheidung gegen die Teilnahme ja angeblich schon gefallen ein soll.

Nun hat sich auch der Verband der montenegrinischen Popkünstler und -interpreten eingeschaltet und in einer Stellungnahme die Teilnahme am ESC 2021 gefordert. Die Musiker sich durch die Aussagen herabgewürdigt und kritisieren auch, dass nicht ersichtlich ist, für wen Bojana Jokić hier spricht:

„[Wir sind] Musiker, die zur Bekanntheit ihres Landes beigetragen haben, indem sie auf zahlreichen Festivals Preise gewonnen haben, die Interpreten und Komponisten hervorgebracht haben, die Werke geschaffen haben, die in der Region und darüber hinaus bekannt sind. Wir fragen uns also, wem wir Musiker die Schuld geben sollen? Wenn wir über den ESC sprechen, war es uns nie peinlich, weil wir als kleines Land in den letzten zehn Jahren zweimal im Finale und nie auf dem letzten Platz waren.“

In dem Statement wird auch darauf hingewiesen, dass der ESC gerade für junge Künstler eine große Chance darstellt.

Bislang gibt es noch keine offizielle Stellungnahme der Verantwortlichen von RTCG, so dass noch unklar ist, ob es wirklich eine Chance gibt, dass Montenegro im kommenden Jahr wieder am ESC teilnehmen wird. Die Diskussion darüber ist jedenfalls in vollem Gange und wir Fans können darauf hoffen, dass das Land im kommenden Jahr zurückkehrt. Vermutlich wissen wir bald mehr, denn die Meldefrist für den ESC 2021 läuft nur noch bis zum 10. Oktober.

Würdet Ihr Euch ein Comeback Montenegros beim ESC 2021 wünschen?


28 Kommentare

  1. Das war Matty der sich da reingehackt hat und das geschrieben hat. Nein im Ernst so ne Diskussion muss ja nicht sein wenn man klar sagt was Sache ist. Ich würde mich freuen wenn Montenegro zurückkehrt

  2. Montenegro steht wirtschaftlich seit seiner Gründung 2006 teilweise unter der Armutsgrenze. Das Land hat ganz andere, exsistentielle Sorgen als auf Verdei und Verderb am ESC teilzunehmen.
    Nur um die Anzahl an ESC-Teilnahmen voll zu kriegen und das auf Kosten eines wirtschaftlich schwachen Landes, wäre mir die Sache nicht wert.

    Da wäre mir lieber, das Land zieht sich für die Jahre zurück, erholt und stabilisiert sich, um dann mit voller Kraft wieder dabei zu sein.

    • Wenn man danach geht dürfte der gesamte Kaukasus oder Ländern wie Moldau und Albanien nicht teilnehmen, da dort abgesehen von einer kleinen Elite auch sehr viele Menschen in Armut leben. Und das gilt übrigens teilweise auch für sonst so fortschrittliche Länder wie Deutschland.

  3. Ich würde mich sehr freuen!!!😊
    Montenegro hat schon echte Perlen beigesteuert (okay, von D Moll mal abgesehen.

    @Nilsilaus
    Du hast wohl sicher recht, dass das Land ganz andere Sorgen hat, weil es eins der ärmsten Länder Europas ist.
    Aber vielleicht gelingt es ihnen ja, einen Sponsor zu finden, der die Teilnahme finanziell unterstützt (vorausgesetzt, sie sind wirklich interessiert). Der ESC ist nämlich eine super Gelegenheit, auch kleinere Länder ins Blickfeld zu rücken, damit sie sich und ihre Kultur präsentieren können.
    Und wer weiss, vielleicht weckt so eine Teilnahme am ESC doch ein gewisses Interesse beim Publikum und kurbelt beispielsweise den Tourismus an (naive Vorstellung, ich weiss, aber ich denke, wer etwas erreichen will, muss auch schonmal was wagen🙂).

    • @Gaby: Ich glaube der Tourismus in Montenegro hat in den letzten Jahren auch ohne Einfluss des ESC einen echten Boom erlebt.

      Wäre Corona nicht gewesen, wäre ich dort für eine Woche Ende März hingeflogen. Meine Eltern waren sogar schon mit einem Kreuzfahrtschiff dort in der Bucht von Kotor.

  4. Montenegro sollte nächstes Jahr unbedingt teilnehmen und ich verstehe es bis heute nicht, warum D-Mol den Vorentscheid und damit das ESC-Ticket gewann, da gab es deutlich bessere Beiträge.

    • Weil die Bühnenshow mit den Musiknoten total cool war 😊 Verstehe bis heute nicht, wieso man das Staging nicht 1 zu 1 nach Tel Aviv gebracht hat. Stattdessen liefen sie 3 Minuten von links nach rechts, das konnte ja nur schief gehen… 🙈

  5. Wenn man schreibt, dass Montenegro sich auch 2021 nicht beim Eurovision Song Contest blamieren werde, könnte man aber auch interpretieren, dass da ein richtig starker Beitrag intern gewählt wurde. Verstehe nicht, warum heutzutage immer so viel in Sachen negativ hineininterpretiert wird. Warum also aus einer Mücke gleich wieder einen Elefanten machen? Rather big news like no news???

  6. Falls die Verantwortlichen eine Teilnahme bisher nicht geplant hatten, denke ich , ist es unrealistisch, dass sie sich in ein paar Tagen umstimmen lassen. Aber wünschenswert wäre es natürlich.

      • @Thilo mit Bobby

        Da vermisse ich Bosnien mehr, bei der Türkei fand ich besonders in den letzten Jahren vor ihren Ausstieg die Beiträge völlig überbewertet. Dass sie seitdem einen auf beleidigte Leberwurst machen macht sie für mich nicht wirklich sympathisch.

  7. Also ich vermisse weder Montenegro, noch Bosnien & Herzegowina, noch Ungarn, noch die Türkei. Letztere beiden aufgrund von nicht-musikalischen Faktoren erst recht nicht. Und Albanien darf gerne mal weg von der Schreiballade…

    Bevor das hier aber zu „westeuropäisch“ geprägt klingt (da gibt es in meinen musikalischen Vorlieben schon ein Gefälle, ehrlicherweise): Slowenien hat einen erstklassigen VE, Nordmazedonien hat sich sehr gemausert in den letzten Jahren, Bulgarien ist seit 2016 ein absolutes Powerhouse, die Ukraine & Polen sind immer dann für mich stark, wenn sie den weißen Gesang weglassen, und Rumänien hatte dieses Jahr eine unfassbar hochwertige Auswahl für mich. Wo wäre ich heute ohne Freedom Jazz und Tayanna, Roxen und Poli Genova, Kris Kostov und Mélovin, Lina Kuduzović und Tamara Todevska, Teodora Dinu und Fo Sho? So! 🥰😂

  8. Und natürlich nicht zu vergessen der Vatikan, der früher, als beim ESC noch auf Latein gesungen werden und immer genau drei auf der Bühne sein mussten – und die auch noch faltig – so gut wie alles abgeräumt haben . Ach,die guten alten Zeiten mit Live-Heiligsprechung !

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