
Nach jedem schwachen deutschen Abschneiden beim Eurovision Song Contest in Wien wird wieder einmal reflexartig gefragt, warum uns keiner mag und weshalb es erneut (fast) punktlos ans Tabellenende ging. Dabei sind viele Probleme hausgemacht. Auch der Wechsel der ESC-Verantwortung innerhalb der ARD vom NDR zum SWR hat daran bislang wenig verändert.
Noch immer wird zu kurzfristig gedacht, zu viel intern abgestimmt und zu oft nach der berühmten eierlegenden Wollmilchsau gesucht: einem Beitrag, der allen ein bisschen gefällt und gleichzeitig irgendwie modern wirkt. Genau dieser scheinbar sichere Kompromiss wird beim ESC jedoch seit Jahren konsequent abgestraft. Dabei gäbe es durchaus einige konkrete Drehschrauben, an denen der SWR jetzt arbeiten sollte, um Deutschlands Chancen beim ESC 2027 deutlich zu verbessern.
1. Mit der ESC-Planung sofort beginnen – nicht erst im Herbst
Eines der größten Probleme Deutschlands ist der fehlende langfristige Ansatz. Jahr für Jahr wirkt es so, als würde die ESC-Strategie komplett neu gestartet werden. Zuständigkeiten müssen geklärt, Konzepte abgestimmt und Entscheidungen intern neu verhandelt werden. Genau dadurch verliert Deutschland wertvolle Zeit. Das bestätigte letztlich auch die ehemalige Delegationsleiterin Alexandra Wolfslast beim Fanclubtreffen im Januar in München.
Andere Länder arbeiten ganzjährig am ESC. Dort werden frühzeitig Künstler*innen angesprochen, Songs entwickelt, Staging-Ideen getestet und internationale Strategien aufgebaut. Deutschland dagegen beginnt oft erst dann ernsthaft mit der Vorbereitung, wenn die Sommerpause vorbei ist und alle ARD-Gremien zugestimmt haben. Wer beim ESC erfolgreich sein will, darf aber nicht erst im Herbst anfangen.
2. Weniger Gremien – mehr kreative Verantwortung
Der ESC ist kein Verwaltungsprojekt. Genau so wirkt die deutsche Herangehensweise aber häufig. Zu viele Entscheidungen entstehen im Konsens. Ideen werden diskutiert, abgeschwächt oder verworfen, weil sie zu speziell sein könnten oder Teile des Publikums irritieren würden. Das Ergebnis sind glatte, vermeintlich sichere und oft austauschbare Beiträge.
Viele deutsche ESC-Shows sehen ähnlich aus, arbeiten mit denselben Gesichtern und denselben Mechanismen. Wirklich innovative Ansätze fehlen dagegen häufig. Dabei zeigt der ESC jedes Jahr aufs Neue, dass gerade mutige, eigenständige und klar profilierte Konzepte Aufmerksamkeit erzeugen. Der Wettbewerb belohnt keine Kompromisslösungen aus Redaktionskonferenzen, sondern klare kreative Entscheidungen.
3. Den Vorentscheid konsequent auf den echten ESC ausrichten
Der deutsche Vorentscheid funktioniert bisweilen nach völlig anderen Regeln als der ESC selbst. Das beginnt schon bei der Zielgruppe. Nur rund zehn Prozent der Zuschauer*innen des deutschen Vorentscheids waren unter 30 Jahre alt. Viele jüngere Menschen, die beim internationalen ESC selbstverständlich dabei sind und abstimmen, wussten vom deutschen Vorentscheid dagegen kaum etwas.
Gleichzeitig hat die EBU die internationalen Jurys bewusst verjüngt und vorgeschrieben, dass mindestens zwei der sieben Juror*innen unter 25 Jahren alt sein müssen. Deutschland produziert also einen Vorentscheid für ein Publikum, das mit dem tatsächlichen ESC-Publikum immer weniger zu tun hat.
Hinzu kommt das Abstimmungssystem. Beim deutschen Finale entschieden zunächst allein internationale Expert*innen über die Top 3 – erst danach durfte das Publikum abstimmen. Beim ESC selbst passiert genau das aber parallel. Entsprechend logisch wäre es, dieses System auch national abzubilden.
Wenn der SWR erfolgreich sein will, muss der Vorentscheid stärker auf die Realität des ESC ausgerichtet werden. Für das Altersdilemma wären etwa stärker integrierte Social-Media-Votings oder Modelle wie in Schweden denkbar, wo verschiedene Altersgruppen separat gewichtet werden.
4. Aufhören, „ganz gute“ Songs zu suchen
Deutschland versucht zu oft, einen möglichst ungefährlichen Kompromiss zu finden: etwas modern, etwas radiofreundlich, etwas emotional, etwas international. Heraus kommen Songs, die professionell produziert sind – aber kaum Begeisterung auslösen.
Der SWR ließ die Beiträge des Vorentscheids in diesem Jahr vorab von Kantar testen. Später war inoffiziell zu hören, die letztlich ausgewählten Songs seien nicht identisch mit den neun bestplatzierten der Marktforschung gewesen – aber alle seien „gut“ gewesen. Genau darin steckt das Problem: „gut“ reicht beim ESC nicht. Denn weder Zuschauer*innen noch Jurys vergeben Punkte für solide Durchschnittlichkeit. Sie stimmen für ihre absoluten Favoriten ab. Wer überall nur auf Platz elf landet, verliert.
Dabei sollte man sich auch die Frage stellen: Soll der Beitrag vor allem Jurys überzeugen? Soll er maximal im Televoting zünden? Oder schafft er wirklich beides? Sich irgendwie durchzuwurschteln und darauf zu hoffen, dass am Ende schon genügend Punkte zusammenkommen, funktioniert beim ESC nicht.
5. Mehr Mut zu klaren Profilen und echten Nischen
Das diesjährige Televoting im ESC-Finale hat erneut gezeigt, wie wichtig klare Identitäten geworden sind. Bulgarien punktete mit innovativem Mainstream-Pop, Rumänien war am besten in der Rock-Nische, Moldau zündete mit maximaler Party-Energie und Griechenland mit einer völlig überdrehten Spaßnummer. Man muss diese Beiträge nicht persönlich mögen. Aber sie hatten alle etwas Eigenes, an das man sich erinnerte.
Der Wettbewerb belohnt genau diese Exzellenz in einer klaren Nische. Erfolgreiche Beiträge haben starke Persönlichkeiten, kulturelle Eigenheiten, ungewöhnliche Ideen oder eine radikale Konsequenz in ihrer Inszenierung. Genau deshalb funktionierte übrigens auch „Baller“ im vergangenen Jahr deutlich besser: Der Beitrag hatte Ecken, Kanten sowie Wiedererkennungswert und Identifikationspotenzial. Oder anders formuliert: weniger Austauschbarkeit, mehr Exzellenz in der Nische (die Thomas Mohr vom ESC Update seit Jahren predigt).
Hinzu kommt: Der ESC ist längst nicht mehr nur ein Musikwettbewerb. Erfolgreiche Beiträge funktionieren heute oft genauso stark über Bilder, Inszenierung, Kamera-Momente und Social-Media-Wiedererkennbarkeit wie über den Song selbst. Deutschland bewertet Beiträge dagegen häufig noch zu sehr nach klassischer Radio- oder Fernsehtauglichkeit. Beim ESC reicht das längst nicht mehr aus.
6. ESC-Kompetenz wichtiger nehmen als Betriebslogik
Natürlich arbeiten in der ARD viele erfahrene und kompetente Menschen. Aber nicht jede gute Fernsehredakteurin und nicht jeder erfolgreiche Show-Produzent ist automatisch auch ESC-Expert*in. Der Wettbewerb folgt eigenen Regeln, Dynamiken und Ästhetiken – und sollte auch entsprechend professionell behandelt werden.
Trotzdem entsteht häufig der Eindruck, dass personelle Entscheidungen innerhalb der ARD über Jahre fortgeschrieben werden – unabhängig von den Ergebnissen. In anderen Unternehmungen würde man nach mehreren schwachen Resultaten automatisch hinterfragen, ob bestimmte kreative oder strategische Ansätze wirklich funktionieren. Wenn Staging, Kameraarbeit oder visuelle Konzepte international wiederholt nicht konkurrenzfähig wirken, muss man sich irgendwann ehrlich fragen, ob andere kreative Impulse sinnvoll wären.
7. Den deutschen Beitrag international stärker vermarkten
Viele Länder betreiben für den ESC gezielte internationale Markenpflege. Sie bauen früh Fan-Communities auf, bespielen Social Media strategisch und nutzen regionale Verbindungen bewusst aus. Deutschland unterschätzt diesen Faktor.
Dabei zeigte das Ergebnis von Sarah Engels, dass ihre besten Televoting-Platzierungen genau aus den Ländern kamen, in denen sie bereits bekannt war: Luxemburg, Österreich und der Schweiz. Man braucht keine einmaligen Promo-Aktionen in vielen Ländern, in denen deutsche Künstler*innen ohnehin kaum wahrgenommen werden. Zielführender wäre eine systematische und langfristige Öffentlichkeitsarbeit in wenigen Ländern, in denen Deutschland kulturelle oder mediale Anknüpfungspunkte hat.
Das heißt nicht, dass man die ESC-Pre-Partys komplett vernachlässigen sollte. Dort kann der deutsche Act mit den Teilnehmenden aus anderen Ländern connecten und wertvolle Erfahrungen mit der ESC-Bubble sammeln. Nachhaltige Wirkung auf das tatsächliche Voting-Ergebnis erzielt man dort allerdings nur äußerst begrenzt.
Welche der sieben „Drehschrauben“ hältst Du für die wichtigste – und welche anderen siehst Du noch? Braucht Deutschland beim ESC vor allem mutigere Songs – oder eher neue Strukturen hinter den Kulissen? Und was müsste der SWR aus Deiner Sicht bis zum ESC 2027 konkret verändern? Lass uns Deine Meinung in den Kommentaren da.
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Bulgarien war innovativ? Wo? Die ist genauso rumgehopst wie Sarah. Ich sehe da keinerlei qualitätsunterschiede. Oh ja, Dara startete für Bulgarien, Sarah Engels für Deutschland. Wäre es umgekehrt gewesen, würde die Ergebnisse wohl anderes aussehen.
🥱 🙄
Du erkennst also keinen Unterschied zwischen Fire und Bangaranga? Oh je, dann wird mir so manches klarer.
Doch Fire war bedeutend niveauvoller als Bangaranga. Gegenüber diesem Song sind alle Ballermansongs phonetische Meisterwerke.
Wie definiert sich hier „Niveau“?
War es der sexy Tanz?
War es der Liedtext mit den revolutionären Reimen „Fire“ und „Liar“?
Du scheinst mir ein niemals versiegender Quell von Unsinn zu sein, dessen Ausguss durch vorgefertigte Schablonen läuft …
Wie oft hat Bulgarien schon gewonnen?
Außerdem: Dara = 2026 / Sarah = 2004 (Peter hat neulich ja Düm tek tek aus dem Jahrgang 2009 erwähnt. Habe ich mir daraufhin extra noch mal angeschaut. Das wirkt moderner als 🔥)
Selbst Du kannst nicht ernsthaft behaupten, dass das Ergebnis daran liegt, dass Bulgarien beliebter ist als Deutschland, die meisten Leute wissen doch nicht mal, wo das liegt.
Was ich kann oder was nicht kann, hat mir niemand vorzuschreiben Punkt. Das ist meine Meinung, deal with it.
FOAD, incel.
Der Unterschied ist, dass der Beitrag mit dem Titel Fire leider nicht das Feuer entfachen konnte wie der andere Titel. Alles recycelte Ideen. Bulgarien hat sich für die Bühne was einfallen lassen und hatte kurze Tempowechsel im Song und das klang im ganzen nach mehr und vor allem deuzlich moderner.
Schau dir Italien an, das war ganz sicher nicht modern. Der Song war aber deutlich retro und das passte alles gut zusammen. Fire war einfach kein Retro aber trotzdem alt.
Es spielt keine Rolle wer da für welches Land auftritt. Schweden ist auch hinten gelandet. England ist auch hinten gelandet und Österreich auch obwohl sie den letzten ESC gewonnen haben.
Fire hatte auch Tempowechsel genauso wie Bangaranga. Und es ist ja nicht so das sich Sarah nix ausgedacht hat. Bangaranga hatte genau die gleiche ESC-Typische Inzenierung wie Deutschland. Also hör mir auf damit das Bulgarien 2026 ja sooo viel moderner gewesen sein wäre. Bulgarien 2026 ist für mich der schlechteste ESC-Sieger seit 1975. Der unterbietet jedes Ballermannlied. Das Sarah sogar schlechter abgeschnitten hat als Zypern ist besonders hart. Eine Jury muss doch erkennen können das die Antigoni nicht einen Ton halten konnte. Vielleicht sollte man der Jury sagen, das die Körbchengröße kein Bewertungskriterium beim ESC sein sollte.Ich bin zwar kein großer Fan vom italienischen Song. Der hat mir aber immer noch besser gefallen als Bulgarien.
Faszinierend. Wie du drauf kommst, dass das GENAU die GLEICHE ESC-typische Inszenierung war ist mir ein Rätsel. Jut, ist halt deine Meinung.
Aber ich geb dir mal nen Tipp: es zählt die Gesamtperformance und in der Hauptsache der Song. Da können auch nal Töne daneben sein. War bei Lena damals auch nicht anders.
Selbst wenn du singst wie ein Trennschleifer kannst du trotzdem gewinnen odee zumindest weit vorne landen.
Du scheinst dich zu sehr auf deinen eigenen Geschmack zu beziehen und der muss nicht zwangsläufig mit dem überein stimmen was der Rest der Votenden denkt und bevorzugt.
Ich hab es vermutlich leichter, ich freu mich über gute Songs und Performances egal von wem die sind und aus welchem Land.
😂😂😂 Die Unterschiede fangen schon bei den Songtiteln an. Sogar der Titel „Fire“ ist altbacken und uninspiriert!
Ich habe dir das schon vor Jahren geschrieben, als du noch als „esc-fan05“ (oder so ähnlich) gepostet hast und du dich nach deutschen Misserfolgen für eine Zeit lang zurückgezogen hattest: Versuche mal die Deutschland-Brille abzulegen. Das hilft bei der Einschätzung der Realität.
Ich komme aus Österreich und sah dieses Jahr absolut keine Chance für eine gute Platzierung von „Tanzschein“. Rang 24 ist es geworden. Und jetzt? Die Welt dreht sich weiter.
Viele deutsche ESC-Fans haben „Fire“ richtig eingeschätzt. Der Song kam Jahre zu spät.
In Österreich habe ich den Eindruck, dass sich der ORF immer wieder mal etwas traut. Das kann ordentlich in die Hose gehen, aber auch zum Sieg reichen wie 2014 oder 2025.
Bei Deutschland frage ich mich seit vielen Jahren, warum nicht bessere Acts zum ESC geschickt werden. Ein Land mit über 80 Millionen Menschen müsste doch besseres liefern können…
Nächstes Jahr wird bei uns besser! Der Fan schreibt unseren Song zusammen mit Lothar Matthäus!
Diese sieben Punkte wären schon mal ein guter Neuanfang. Aber ich fürchte, die ARD ist ein schwerer und manövrierunfähiger Tanker. Zu viele reden mit – wie im Beitrag schon erwähnt – man wagt nicht, eine vom ESC „besessene“ Figur zu suchen und zu finden, die für die Sache brennt. Christer B. aus Schweden lässt grüßen. Eine solche Person muss die Fäden in der Hand halten und Kontroversen aushalten. Der Mut zu richtig guten Songs, Songs, die eine entsprechende Inszenierung förmlich evoieren, der fehlt. Das können crazy, arthouse oder gefällige Sachen sein, wenn sie nur zünden! Solange alle irgendwie für den ESC Verantwortlichen in der ARD sicher ihr Gehalt kriegen, ebal, ob sie reüssieren oder nicht, wird sich nichts tun. Solange da Leute sitzen und das Sagen haben, die Barbara Sch. für die ideale Besetzung halten, den Vorentscheid zu moderieren, wird sich nichts tun. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber sie stirbt!
Im Westen nichts neues.
Der beinahe alljährliche Kommentar.
Neue Ansätze findet man hier nicht wirklich.
Ist eben auch jedes Jahr wieder richtig.
Beim ARD wird sich halt leider auch in 50 Jahren nichts ändern.
Wenn es dann noch ARD gibt…
Ach, das ist alles seit Jahren bekannt und führt zu nichts.
Was funktioniert hat, das war der Blick von außen, d.h. dies ist der eigentliche Punkt 8.
Hier ist explizit jemand wie Stefan Raab gemeint, jemand, der nicht betriebsblind ist.
Noch besser wäre es allerdings, Jan Böhmermann o.ä. die Verantwortung mit allen Konsequenzen zu übergeben.
Wie gesagt, Punkt 8 wäre am wichtigsten. Die anderen sieben Punkte sind systemisch und die bekommt man aus der ARD nicht herausgelöst.
Würde mir eher jemanden wünschen, der im entsprechenden Musikgenre Erfahrung hat. Es nützt nichts einen Schlagerprofi einen Rocksong inszenieren zu lassen. Deswegen sollte nach rechtzeitiger Songauswahl erst derjenige gesucht werden der die Künstler berät. Zum VE können gerne jeder Künstler sein eigenen Berater fürs staging usw dabei haben.
Naja, danach weiß es jeder besser.
Ich denke so gut wurden wir schon lange nicht mehr vertreten.
Sarah hat ihre Sache sehr gut gemacht.
Leider war das Lied vielleicht nicht gut genug, ich fand das Gesamtpaket super.
Man sollte Sarah nochmal mit einen tollen Song schicken.
So wie Australien….das schafft Sarah auch.
Ich bin auch enttäuscht, nicht vom Ergebnis, sondern Sarah hätte mehr verdient.
Grundsätzlich fand ich den Esc sehr gut.
Nur die Siegerehrung war doch eine Katastrophe, niemand war auf der Bühne, niemand hat gratuliert, nur JJ der gar nicht recht wusste was er machen soll…
Wurde der Sieger nicht immer auf die Bühne geholt, Siegerehrung, Sieger durfte was sagen und nochmal singen.
So fand ich es fast respektlos.
Hoffe es ist nächstes Jahr wieder anders.
Und nach Esc ist vor Esc.
Lassen wir uns nicht die Freude daran kaputt machen..
Liebe Grüße
Ich werde ungern hier in diesem Blog persönlich, aber Du bist neu im ESC-Universum?
„This is all history repeating“ wie Shirley Bassey mal sang und ich mag ergänzen „und das seit mindestens 20 Jahren…“.
Wie meinst du das?
Viele hier auf dem Blog (Blogger und Leser) haben es bereits gewusst als die Vorentscheidungssongs bekannt wurden.
Ich bin seit 1976 begeistert vom esc.
Und ich hätte mir auch andere Lieder gewünscht.
Aber trotzdem sollte man den Ehrgeiz und die Leistung von Sarah erkennen…
Die Freude am ESC ist spätestens seit Samstag vollkommen verflogen. Punkt. Nach dem deutschen Televotingergebnis habe ich abgeschaltet.
Fassen wir es doch mal kurz zusammen: ein Beitrag wie „Bangaranga“ (Bulgarien) oder „Ferto“ (Griechenland) würden doch überhaupt nicht zum Vorentscheid in Deutschland zugelassen werden. Selbiges gilt auch für „Choke Me“ (Rumänien) – oh, damit würden wir einen Skandal wegen dem Text auslösen.
Statt dessen gibt es wie immer den Einheitsbrei (mal mit Früchten und mal ohne) – schmeckt zwar niemandem wirklich gut, aber macht immerhin satt.
Ganz genau, sogar Electric Callboy wurden noch nicht mal zugelassen, was meiner Meinung nach ein grosser Fehler war.
Ich fürchte, die meisten Punkte dürften ein Problem der gesamten Fernsehunterhaltung in Deutschland sein.
Der letzte Punkt nützt nichts, wenn man die ersten Punkte ignoriert hat.
Ich würde mir wünschen das wir einfach mehr Acts und mehr Variation im deutschen Vorentscheid haben, das wäre schonmal ein Riesen Schritt. Ich bleibe positiv der swr hat ja zumindest ein paar Sachen besser als der MDR gemacht. Meiner Meinung nach ist der wichtigste Punkt aber das wir mal viele Junge Leute die Verantwortung geben.
Der ESC ist in Deutschland seit Jahren auf dem Tiefpunkt, das zeigen nicht nur die Platzierungen, sondern wie der ESC allgemein in Deutschland ankommt. Deutschland ist von Grundauf ein Veränderungsresistentes Land, das sieht man an der Wirtschaft, in der Politik, in der Gesellschaft… Janu, eigentlich überall. Und genau so ist es mit dem ESC. Man denkt, man könne mit irgendwelchen Songs, die vor 15 Jahren schon nicht gezündet haben, einen sich stetig von Veränderungen geprägten Wettbewerb gewinnen. Man muss von Grund auf den ESC in Deutschland ganz anders etablieren und vermarkten, das dauert natürlich eine Weile, ist aber essentiell für den Erfolg. Egal welcher Punkt, man muss endlich konkurrenzfähige Songs und Interpreten finden, mehr Mut und nicht diese Songs, die irgendwie allen gefallen sollen. Was auch ganz wichtig ist, ist die Kultur des Landes mehr repräsentieren, also bitte bitte mehr Gewicht auf die deutsche Sprache, kein Mainstream, vielleicht auch mal einen Schlager, einen guten eigenständigen Rocksong. Eigentlich sowas wie Electric Callboy wenn es ums Thema eigenständig und mutig geht. Aber wir diskutieren jedes Jahr darüber und dann kommt das böse Erwachen. Vielleicht sollte sich der SWR Unterstützung von ESC Profis holen, es muss ja kein Raab sein aber diese verstaubten Menschen dort haben scheinbar keine Ahnung.
Danke für die sehr gute Rezession. Vor allem sollte man mit den Vorbereitungen so früh wie möglich beginnen. Wenn der verantwortliche Sender selbst keine leidenschaftlichen Fans unser seien Reihen hat, die bereit sind, Verantwortung für die Auswahl des Vorentscheids zu übernehmen, vielleicht sollten sie sich einfach mal Hilfe bei den Fanclubs suchen.
Muss ganz ehrlich sagen: Mittlerweile habe ich auch nichts mehr gegen eine Direktnominierung. Einige Länder haben damit schon sehr gute Erfahrung gemacht. Dann braucht man aber auch ein Team, das sich wirklich mit dem ESC auskennt, und auch die Leidenschaft besitzt, etwas zu erreichen. Ruhig wirklich mal in der Nische suchen, das deutsche Publikum wählt in der Regel nach Bekanntheit und „Radiotauglichkeit“ aus. Insofern war es schon okay, dass in der diesjährigen VE eine internationale Jury zum Einsatz kam. Die drei ins Finale eingezogenen Acts waren wirklich die besten, bezweifle nämlich, ob es „Black Glitter“ ins Finale geschafft hätte.
Natürlich, Demokratie ist ein sehr hohes Gut, und ich bin normalerweise auch dafür. Sehr schade… Sarah Engels ist eine tolle Künstlerin, sie hatte leider ein sehr uninspiriertes Lied. Ließ sich kaum durch die gute Performance kaschieren. Bitte in Zukunft wirklich ein Augenmerk auf die Songs werfen. Die sollten IMMER das Wichtigste sein.
Wünsche auf jeden Fall Sarah und ihrer Familie alles Liebe und Gute für die Zukunft.
Ich wünsche Sarah Engels auch alles gute. Bin aber komplett gegen eine Interne Nominierung. Das hat für Deutschland bis auf 1994 nie funktioniert. Außerdem ohne eine VE ist das Interesse am ESC in Deutschland noch schlechter als mit VE. Außerdem so ein Künstler würde meine Unterstützung auch nie haben. Wär Deutschland beim ESC vertreten will, der hat sich einer VE zu stellen. Punkt. Anscheinend haben hier viele User Probleme mit Demokratischen Entscheidungen. Man hätte in der Televotingrunde für seinen Favoriten anrufen können. Wer das nicht tut, soll sich nicht im nachhinein beschweren. Die Deutschen stehen sich doch immer selbst im Weg. Anstatt den Künstler der die VE gewonnen hat bis zum Enderergebnis zu unterstützen, gibt es im Netz nur Hetzkampagne und Häme. Am Samstag habe ich mich über Thomas Herrmanns tierisch aufgeregt, als er den eigenen Song vor dem potentiellen österreichischen und schweizerischen Televotern schlecht gemacht hat. Wenn man nix positives zu dem eigenen Song zu sagen hat, hätte er lieber mal die Klappe halten sollen oder bei Sarah Engels ist eine tolle Persönlichkeit, aufhören sollen. Fakt ist die Mehrheit beim Vorentscheid war von Sarah Engels überzeugt. Daher ist sie vollkommen zurecht zum ESC gefahren. Ich finde es daher unangemessen die deutschen Televoter zu kritisieren.
Das wichtigste ist das diese Songwritingcamps verschwinden .
Es gibt genug talentierte Künstler in Deutschland, die schon Ihren eigenen Stil haben und selber gute Songs schreiben können .
Das ist auch ein Artikel, den ihr immer wieder recyclen könnt, oder? Leider!
„Der SWR ließ die Beiträge des Vorentscheids in diesem Jahr vorab von Kantar testen. Später war inoffiziell zu hören, die letztlich ausgewählten Songs seien nicht identisch mit den neun bestplatzierten der Marktforschung gewesen – aber alle seien „gut“ gewesen.“
Stimmt das wirklich? Habe das irgendwie anders in Erinnerung. SWR-Chef Bratzler und die Head of Delegation Tina haben doch gemeint, die Marktforschung habe die besten Lieder international getestet, oder? 🤔 Warum sollten dann nicht auch die besten Lieder für die Vorentscheidung genommen werden, wenn man schon ein Marktforschungsinstitut mit der Suche teuer beauftragt?
Auch die Sache mit der internationalen Vermarktung verstehe ich nicht. Sarah Engels ist Instagram-affin und Dara kannte doch in Europa und Australien niemand vor dem diesjährigen ESC-Auftritt. Oder habe ich was verpasst? Wo und wie wurde Dara denn international vermarktet vorher? Aidan aus Malta war gefühlt überall in Europa und Australien und am Ende die mickrigen Punkte vom Televoting. Der Grieche war im serbischen Vorentscheid und kriegt am Ende von der serbischen Jury 12 Punkte. Aber die meisten anderen Acts waren doch auch nur regional unterwegs und die Finnen, die sogar im britischen Frühstücksfernsehen waren, landeten auch nur auf Platz 6 am Ende. Es muss halt auch an anderen Sachen liegen und Promo in anderen Ländern hilft nicht immer viel weiter. Ähnliche Fälle gab es auch schon beim ESC vor dem Jahr 2020, wo viele Auftritte und Promotion in anderen Ländern nichts half.
Was man aber zugeben muss. Das Staging von Dara sah schon sehr professionell aus und wurde bestimmt sehr lange vor dem ESC entwickelt und eingeübt. Man erinne sich, wie manche Acts des deutschen Vorentscheids nicht mal Tage vor dem Vorentscheid wussten, wie ihr Staging aussieht und wie sie sich zu bewegen hatten.
Es wäre schön, wenn man neuen kreativen Köpfen im deutschen ESC-Team eine Chance geben würde.
Siehst du, genau diese Frage fasst das gesamte Problem und die Planlosigkeit von SWR/ARD in Sachen ESC wunderbar zusammen.
OFF TOPIC
Bangaranga ist auf Platz 12 der täglichen Spotify Global Charts und Platz 1 in Deutschland!
Bezüglich „Vorentscheid konsequent auf den echten ESC ausrichten“. Italien macht mit Sanremo genau das Gegenteil und ist sehr erfolgreich damit.
Danke für die sehr gute Zusammenfassung und Strukturierung.
Der Artikel ist letztlich wohl weniger für die eifrigen Leser hier auf dem Blog gedacht, sondern für alle Journalisten die ab und an „ESC Deutschland Ergebnisse“ googlen und dann hier mit fundierten Informationen versorgt werden.
Alle regelmäßigen Leser von ESC kompakt wissen um die Missstände – DP versteht es jedes Jahr, diese Dinge prägnant zusammenzufassen.
Sorry, das genaue Gegenteil:
Bringt endlich ein nationales Songfestival auf den Weg, das nicht explizit auf den ESC ausgerichtet ist! ❗ Denn dessen Siegertitel würden international garantiert wesentlich besser abschneiden als jedes krampfige ESC-Konstrukt. It’s as easy as that …
Ich hätte damals den Bundesvision Song Contest gern als Vorentscheid gehabt. Obwohl es natürlich von der Art sehr an den ESC erinnert hat, gab es richtig gute Songs.
Bei FM4 hat Jan Böhmermann am Samstag nochmals erwähnt, dass er und sein Team (Bild und Ton Fabrik) große Lust hätten den deutschen Vorentscheid zu produzieren und sich an der Song Auswahl zu beteiligen.
Man mag von Herrn Böhmermann halten was man will, aber die musikalischen Gäste seiner Show sowie die Inszenierung sind meist sehr gelungen.
Der Auftritt von Stromae war z.B. sehr schön…oder Nina Chuba mit 3 Uhr nachts. Das ist professioneller gefilmt als in den Vorentscheiden.
Da steckt mehr Liebe drin als bei der ARD.
Eine Kooperation SWR und ZDF wäre ja auch mal interessant.
Warum eigentlich nicht. Er polarisiert schon, was natürlich immer gut ist, um Gesprächsstoff zu entwickeln. Der ESC muss in Deutschland auch übers Jahr über viel präsenter sein
Ach, ehrlich gesagt hab ich die Hoffnung aufgegeben, dass da nochmal eine Einsicht und kluge Vorgehensweise erfolgt. Seit Jahrzehnten (!) weisen ESC-Fans und -Experten die Verantwortlichen beim NDR oder jetzt beim SWR darauf hin, worauf es ankommt und was sie tun sollten, um endlich erfolgreich zu sein.
Es kann mir keiner erzählen, dass die das nicht schon längst mal mitbekommen haben. Spätestens wenn man den Contest einmal gesehen hat, weiß man doch, was funktioniert und was eben nicht.
Das bringt mich zu zwei Schlussfolgerungen:
Stattdessen geht man den Weg, den man eben geht und macht gute Miene zum bösen Spiel. Jeder wusste, dass Sarah komplett untergehen wird; dass es hier letztlich nur um die Frage geht, welchen der letzten fünf Plätze sie einnehmen wird (oder anders gesagt: Wie viele Länder außer uns (und UK) dieses Jahr ebenfalls ungeeignete, schwache Titel schicken). Das wussten wir schon, als der Song noch gar nicht in der Vorentscheidung performt wurde. Die Fans wussten das, die Experten wussten das, die ESC-Blogger wussten das, wahrscheinlich wussten das auch die Verantwortlichen beim SWR (sofern sie den ESC vorab wenigstens zwei, drei Mal gesehen hatten). Aber man will den eigenen Beitrag ja nicht schlechtreden, die Künstlerin unterstützen und die letzte Hoffnung nicht aufgeben. Geschenkt.
Und dann freut man sich eben über Platzierungen wie die von Isaak, wenn der 12. wird, oder Abor & Tynna, wenn die Platz 15 erreichen. „Man hat dann ja wohl doch nicht alles falsch gemacht!“ – nur weil es mal kein Totalausfall war. Letztlich sind das aber doch trotzdem schlechte Platzierungen.
Aber so ein Titel wie der diesjährige von Sarah war einfach von vornherein zum Scheitern verurteilt. Wenn ich weiß: Oh, da tritt eine bekannte Künstlerin mit einem ungeeigneten, altbackenen Song an, dann lässt man die gefälligst nicht im Vorentscheid antreten. Man weiß doch, dass die den Vorentscheid dann nur aufgrund ihrer Popularität gewinnt, der Song dann beim ESC aber durchfallen wird.
Aber was soll’s – letztlich ist mir die deutsche Platzierung eigentlich relativ egal, weil ich den ESC nie verfolgt habe, um „uns“ siegen zu sehen. Mich verbindet doch mit einer Sarah Engels letztlich auch nichts mehr als mit einer Dara oder mit einem Cosmo. Ich gucke den ESC, weil ich die Musik, die Show und die Stimmung liebe. Natürlich ist es frustrierend, wenn die Verantwortlichen dämliche Entscheidungen treffen und einfach nicht dazu lernen (können/wollen, s.o.). Aber deswegen lasse ich mir den Contest ja nicht vermiesen. Solange die anderen Länder den ESC verstehen, bekomme ich ja weiterhin alljährlich meine zwei Dutzend großartigen ESC-Songs in meine Playlisten gespült 🙂