
Nachdem Joost Klein mit dem Gabberpop-Finale in seinem ESC-Beitrag im letzten Jahr die Vorlage geliefert hat, nimmt Red Sebastian (Aufmacherbild) den musikalischen Faden auf und entwickelt ihn mit seinem Song „Strobe Lights“ in Richtung Techno weiter. Dass dabei auch jede Menge Stroboskoplicht zum Einsatz kommt, überrascht bei dem Liedtitel nicht. Ob der Song auch ein heller Stern am Himmel der diesjährigen ESC-Beiträge ist, analysieren wir mit diesem Songcheck.
Beim nationalen Vorentscheid Eurosong 2025 deklassierte Red Sebastian die Konkurrenz, die aus sieben Beiträgen bestand, mit seinem Auftritt geradezu. Sowohl von der Fachjury als auch von den TV-Zuschauer*innen erhielt er die meisten Punkte. Wie deutlich sein Sieg ausfiel, zeigt der Abstand zwischen seiner Punktzahl und der des zweiten Platzes: 423 zu 144 Punkte
Red Sebastian, der bürgerlich Seppe Herreman heißt, ist in der belgischen Musikszene kein Unbekannter. Bereits mit 14 Jahren erreichte er das Finale von Belgium’s Got Talent und blieb seitdem der Musik treu. Am Konservatorium von Gent verfeinerte er seine Gesangstechnik unter der Anleitung von Gustaph, der Belgien 2023 beim Eurovision Song Contest vertrat. Dort entwickelte Seppe auch sein künstlerisches Alter Ego, das als Red Sebastian ins Rampenlicht tritt.
Ein weiteres wichtiges Kapitel seiner Karriere war die Teilnahme an Sing Again 2024, wo er mit seinem außergewöhnlichen Stimmumfang und auffälligen Outfits für Aufsehen sorgte. Als Red Sebastian bleibt er aktuell seinem Namen treu und trägt immer rote Outfits, wenn er öffentlich in Erscheinung tritt.
Das Lied
Musikalisch ist „Strobe Lights“ eine Hommage an die pulsierende Energie der Rave-Kultur der 90er Jahre. Der Song erzählt die Geschichte einer durchfeierten Clubnacht, die sich von einem klaren Ausgangspunkt in eine ungewisse, fast tranceartige Richtung bewegt. Entsprechend ruhig beginnt der Song, wobei im Hintergrund bereits ein nervöser Beat zu hören ist. Der Rhythmus steigert sich im Laufe des Liedes und der Bass ist immer lauter zu hören – und zu spüren. Am Ende explodiert der Titel in einer Techno-Orgie, die – wie es der Songtitel vorgibt – von intensivem Stroboskoplicht begleitet wird.
Stimmlich präsentiert Red Sebastian verschiedene Nuancen von einem ruhigen, tiefen Bass bis zu einer gepressten Kopfstimme. Den Beitrag hat der Sänger selbst zusammen mit Astrid Roelants, Billie Bentein und Willem Vanderstichele geschrieben.
Während seiner Performance bei Eurosong 2025 stand Red Sebastian auf einer hohen Hebebühne und setzte gezielt Lichteffekte und Choreografien ein, um die Intensität des Songs erlebbar zu machen. Das später veröffentlichte offizielle Musikvideo führte diese Idee konsequent weiter und übertrug sie in eine surreale Bilderwelt.
Red Sebastian tritt im ersten Halbfinale am 13. Mai von Startplatz 9 an.
Der Check
Song: 3,5/5 Punkten
Stimme: 3/5 Punkten
Darbietung: 4/5 Punkten (wenn sie den Vorentscheid-Auftritt smart weiterentwickeln)
Instant Appeal: 3,5/5 Punkten
Benny: Ich find’s super. Beeindruckender Song, der ordentlich elektronisch ist und sich nicht zurückhält. Außerdem ist das natürlich klasse gesungen und ich glaube fest, dass auch die Performance bis Basel noch optimiert wird. Gut gemacht, Belgien. 8 Punkte
Berenike: Ich mag ja solche „Themenpakete“ und hier wird das Thema „rot“ wirklich konsequent durchgezogen: Künstlername, Kleidung, Haare, Beleuchtung – alles ist rot. Mir gefällt an dem Lied auch, dass es so ein bedingungsloser Elektrobanger mit hämmerndem Beat ist, der kaum durch zu viel Pop- oder andere Einflüsse „verwässert“ wird. Trotzdem packt mich Red Sebastian von der Bühnenpräsenz her nicht so richtig, genauso wenig wie die Melodie des Tracks (absehen von „Cotton Candy Haze“, was ich oft random als Ohrwurm habe). 6 Punkte
Douze Points: Eigentlich müsste mir „Strobe Lights“ von den Zutaten her richtig gut gefallen. Der Song beginnt etwas mystisch und geht dann ins Hysterische mit einer Strobe-Light-Orgie. Der Weg dahin fesselt mich aber nicht und ich kann auch mit Red Sebastian und seiner Stimme nicht richtig connecten. Ein guter Ansatz, der für mich dennoch nicht ganz aufgeht. 6 Punkte
Manu: Was für ein Rollercoaster: Über weite Strecken des Liedes nervt mich die dünne Stimmakrobatik von Red Sebastian, die erst in den kreischigen Höhen kräftig zu werden scheint. Rein das Instrumental feiere ich jedoch sehr und fühle mich an ausgelassene Zeiten auf sämtlichen Tanzflächen und meine DJ-Zeit zurückerinnert. Bei soviel hin und her entscheide ich mich erstmal für die Mitte: 5 Punkte
Punktzahlen der anderen Blogger*innen:
- Chris: 8 Punkte
- Danio: 7 Punkte
- Giulia: 8 Punkte
- Laureen: 5 Punkte
- Max: 7 Punkte
- Peter: 3 Punkte
- Rick: 12 Punkte
Gesamtpunktzahl aller Blogger*innen: 75/132 Punkten.
Beim ESC-kompakt-Index landet „Strobe Lights“ auf Platz 25.
Wie schneidet der belgische Beitrag "Strobe Lights" von Red Sebastian ab?
- Platz 11-15 (32%, 181 Votes)
- Platz 16-20 (26%, 148 Votes)
- bleibt im Halbfinale hängen (17%, 98 Votes)
- Platz 6-10 (13%, 75 Votes)
- Platz 21-26 (8%, 44 Votes)
- Top 5 (4%, 20 Votes)
Total Voters: 566
Bisher erschienene Songchecks:
Erstes Halbfinale:
- (1) Estland: „Espresso Macchiato“ von Tommy Cash
- (2) Island: „Róa“ von VÆB
- (3) Polen: „GAJA“ von Justyna Steczkowska
- (4) Portugal: „Deslocado“ von NAPA
- (5) Slowenien: „How Much Time Do We Have Left“ von Klemen
- (6) Schweden: „Bara Bada Bastu“ von KAJ
- (7) Ukraine: Bird of Pray“ von Ziferblat
- (8) Albanien: „Zjerm“ von Shkodra Elektronike
- (9) Aserbaidschan: „Run With U“ von Mamagama
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Man könnte meinen, es ist modern. Falsch gedacht, wir sind wieder in die 90er Jahre zurück gebeamt worden. Ich mag mich eigentlich gar nicht mehr zu dieser Art von Songs äußern… gehört doch auch dieser Song zu jenen, die Innovation beim ESC und der musikalischen Realität von Weltmusik im Weg stehen. Diram di dam.
Das ist mir, und das wird auch vielen TV-Zuschauern ähnlich gehen, zu sehr auf queer getrimmt.
Es wird wohl ins Finale kommen, aber sollte das nicht passieren… ich wein dem ro-ro-roten Sebastian keine Träne nach. Nur 4/10 Punkten
Und Techno-/Eurodance-Einflüsse aus den 90ern sind aktuell sehr beliebt und werden weltweit in neu releaster Musik verarbeitet. Genau deshalb ist die Nummer auch höchst zeitgemäß/modern, so wie auch Zypern oder letztes Jahr Österreich. 🙂
Die Beats sind stark, nicht unbedingt extrem spannend, aber doch eingängig, der gesamte Auftritt ist auf die Person Sebastian zugeschnitten, 3 Minuten Sebastian pur in red lights ist dann doch auch irgendwie auch wenig abwechselnd , andererseits schaffte er es durchaus, die Emotionen des Liedes gut rüberzubringen, aber ich weiß nicht, irgendwas fehlt für die absolute Topplatzierung, zwischen 11 und 15 schätze ich das Endergebnis im Finale.
Ich war über das Wochenende in der Champagne und da fährt man auf dem Weg rund 2 Stunden durch Belgien. Im Radio haben sie dort gespielt: Mentissa und Loic Nottet 🤭😁 Okay, okay, ich hatte auch deren „französischen“ Sender laufen 😇😎
Dieses Lied geht an mir vorbei.Wirkt auf mich sehr fade.Kann von mir aus im Semifinale auf Platz 11 landen.
gevotet für platz 16-20 (knapp vor der semiausoption).
letztes jahr luktelk und dieses jahr dann eben strobe lights mit leichten faithlessanleihen im backsound.
ich finde den song nicht gut,weil mich die art des songs auch dazu verleitet im üppigen 70er/80er/90er backkatalog zu blättern und dazu im vergleich schneidet strobe lights nicht besonders gut ab – es könnte sogar nur recht knapp für das finale reichen und dort muß man dann sehen.
LGBT+ konformes ist ja reichlich am start in basel und es wird sicher nicht für alle acts ein gutes ergebnis geben.
ich finde das werk samt seiner ausrichtung in seiner gesamtheit auch viel zu gewollt,die belgier hätten sich den vorentscheid doch eigentlich auch sparen können.
song: 1/5
stimme: 3/5
darbietung: 1/5
instant appeal: 2/5
Mich ödet das Etikett „queer“ mittlerweile bei vielen Beiträgen echt an. Mir geht es vielmehr um musikalische Qualität, es gibt zudem auch noch andere Themen.
Hmm, mixed feelings: Ist eigentlich gar nicht meine Musik und dann kommt da dieser Basshammerteil – und der kriegt mich jedes Mal. Der Rest ist so naja. Die Stimme ebenso: eigentlich ’ne tolle Range, aber manchmal doch etwas zu schrill hingeeiert. Das Konzept rot ist natürlich putzig, aber roter Lack beim ESC? Siehe die wundervolle Bemerkung von Chris Harms in den Reactions.
Ist von den 20 Songs auf meinem Platz 30 eher einer der Besseren, bleibt zumindest hängen. Und ein Freund von mir sah vor 30 Jahren genauso aus (Ok, der Haarfarbton war eher Henna).
Kommt sicher ins Finale und belegt dort dann wahrscheinlich einen Mittelplatz.
Belgien ist einer meiner Lieblings Songs diesem Jahr .
Mir gefällt der Song aus Belgien echt gut und ist in meinen Top 10. Bin total auf das Staging gespannt. Gut gemacht Belgien da er auch mein Favorit dort war.
Ich beziehe mich nur auf den Song, nicht auf das Musikvideo oder etwaige potenzielle Stagings. Es kann bis zum zweiten Dress-Rehearsal sowieso noch an einigen Stellen vieles geändert werden, was Song und Staging anbelangt.
„Baller“, „Shh“ und „Laika Party“ zeigen: Die 90er-Jahre sind zurück. Oder waren sie jemals weg? Die Club- und Rave- und Techno-Kultur hat ja niemals aufgehört zu existieren. Es ist aber vielleicht so, dass dieser Musikstil das Nischendasein, welches er in den letzten Jahren geführt hat, ad acta gelegt hat und immer mehr in das Zentrum der europäischen Musikszene zurückkehrt.
Genau wie „Baller“ hat „Strobe Lights“ die Eigenart, dass er eigentlich von seinem Phänotypen her gar nicht wie ein ESC-Song daherkommt. Er funktioniert jedenfalls nicht wie einer, denn es handelt sich um einen Song, der ganz organisch aus dieser oben bereits angesprochenen Kultur entsprungen ist. Er bedient nicht das altbekannte Schema der Songwriting-Camps und Plattenfirmen-Stangenwaren ohne künstlerische Integrität, sondern es ist ein Song, bei dem Künstler und Song in völliger Kongruenz sind. Und das gefällt mir, denn ich kaufe es ihm ab.
Mit fortgeschrittener Länge wird das Lied zunehmend hypnotisierend und psychedelisch. Red Sebastian ist stimmlich ungeheuer stark, vor allem, wie er im Refrain den langen Ton hält, nötigt mir Respekt ab und zeugt von seinem sängerischen Talent.
Ich finde die Pre-Hook-Strophe eingängig und allgemein gefällt mir der Text aufgrund seines Fokus auf Storytelling. Ähnlich wie in „The Code“ vom letzten Jahr gibt es hier wieder ein paar populärkulturelle Referenzen, nämlich „Alice in Wunderland“, wobei „Alice in Wunderland“ auch in „Matrix“ zitiert wurde, was wieder eine Verbindung mit „The Code“ darstellt. In diesem Song geht man ganz tief in den Kaninchenbau runter und taucht in eine tranceartige Welt ein. In eine Subkultur, die viele nur vom Hörensagen kennen, aber Red Sebastian lebt diese Kultur.
Am Ende ist der Höhepunkt nicht so lang oder nicht so erhaben, wie ich es mir vielleicht gewünscht hätte. Vielleicht fehlt wirklich dieser ESC-Wow-Moment, das kann schon gut sein. Und er leidet leider unter zu viel Konkurrenz im gleichen/vergleichbaren Genre und an einem Jahrgang, der ohnehin schon sehr eng ist.
Meine Platzierung: 16/37
Einer der besten Songs des Jahrgangs. Irre wie schlecht der hier wegkommt.