
Fast immer liefert Albanien den ersten Song für den aktuellen Eurovision Song Contest, auch diesmal wieder. Das Nachwuchstalent Alis hat mit „Nân“ das Finale des Festivali i Këngës 2025 in Albanien gewonnen und darf sein Land damit beim internationalen Wettbewerb vertreten. Er konnte sowohl die Jury als auch das Publikum überzeugen.
Insgesamt nahmen in diesem Jahr 28 Acts am Festivali i Këngës teil, das sich über vier Abende erstreckte. Am Ende standen 23 Songs im Finale, welches Alis mit „Nân“ für sich entscheiden konnte. Über das Ergebnis entschieden zu jeweils 50% eine professionelle Jury und die Zuschauer*innen.
Der 22-jährige Alis Kallaçi ist eine große Künstlerpersönlichkeit mit einer faszinierenden Ausstrahlung. Er stammt aus der nordalbanischen Stadt Shkodër und ist in seiner Heimat schlicht unter seinem Vornamen Alis bekannt. Schon früh zeigte sich sein musikalisches Talent: Er erhielt eine klassische Klavierausbildung und machte bereits in jungen Jahren bei Gesangs- und Klavierwettbewerben auf sich aufmerksam. Seinen landesweiten Durchbruch feierte Alis im Frühjahr 2024 mit dem Sieg bei X Factor Albania. Kurz darauf folgte die Veröffentlichung der Duett-Single „Se të dua“ gemeinsam mit seiner Mentorin Arilena Ara, die Albanien beim abgesagten ESC 2020 repräsentieren sollte und im vergangenen Jahr das Festivali i Këngës moderiert hat.
Ende 2024 nahm Alis erstmals selbst am traditionsreichen FiK teil und erreichte mit seiner selbstgeschriebenen Ballade „Mjegull“ auf Anhieb den 3. Platz. Der Künstler überzeugt nicht nur stimmlich, sondern auch durch seine musikalische Vielseitigkeit: Neben dem Gesang beherrscht er Klavier und Gitarre und bewegt sich sicher zwischen klassischer Ausbildung und zeitgenössischem Pop.
Das Lied
Alis hat im albanischen Finale auch dadurch überzeugt, dass er mit einer eleganten, eindringlich und gleichzeitig distanzierten Magie eine unmittelbare Beziehung zum Publikum aufgebaut hat. „Nân“ ist eine dramatische Powerballade mit hymnischem Chorus-Support, spannungsgeladenen klassischen Orchester-Elementen und smarten Tempiwechseln. Der Song beschreibt autobiographisch die Beziehung zu seiner Mutter und das Gefühl, immer nach Hause zurückkehren zu können. „Das Wissen, dass Mutter immer auf Dich wartet, das Bild wie sie im Türrahmen steht, und Dir zuwinkt.“
Der schöne Text kommt von Desara Gjini, komponiert hat Alis Kallaçi „Nân“ selbst.
Alis tritt mit „Nân“ für Albanien im zweiten ESC-Halbfinale am 14. Mai auf Startplatz 13 an.
Der Check
Song: 4/5 Punkten
Stimme: 4/5 Punkten
Darbietung: 5/5 Punkten
Instant Appeal: 3/5 Punkten
Benny: Was für ein Lied, das mich schon beim ersten Hören gepackt hat. Die atmosphärische Musik und die intensive Performance erlauben ist, dass man sofort von dem Song ergriffen wird, auch wenn man kein Wort Albanisch versteht. Mein einziges, aber sehr individuelles Problem ist, dass ich mir den Song mittlerweile fast schon überhört habe. 8 Punkte
Douze Points: Oh, man! Das offizielle Video zu „Nân“ mit dem Untertitel war bei mir der Game Changer! Die bildreiche Lyrik und die dramatische Instrumentierung verbinden sich zu einem emotionalen Orkan. Die Albaner sind ja immer gut bei der ESC-Inszenierung, die es meines Erachtens auch braucht, um voll zu wirken. Dann kann der Beitrag in Wien doch deutlich besser abschneiden, als ich aufgrund des FiK-Auftritts für möglich gehalten hatte. 8 Punkte
Guilia: Ich mag die dramatische Instrumentierung sehr gerne. Ich mag die Traurigkeit und gleichzeitige Stärke des Liedes. Allerdings berührt es mich nicht und in gewisser Weise ist es recht schwerfällig. 5 Punkte
Manu: Shkodra! Letztes Jahr gehörten Shkodra Elektronike für mich zu den absoluten Highlights, in diesem Jahr könnte sich Alis, der wiederum aus Shkodra stammt, dort ebenfalls einreihen. Stimmlich ohne Zweifel einer der besten des Jahrganges, begeistert mich „Nân“ aber auch als dramatische Balkanballade samt bombastischem Chor und fantastischem Instrumental. Ich werde nicht müde das Lied zu hören und bin jetzt schon gespannt auf den Auftritt. 10 Punkte
Peter: Ein Song aus der Kategorie „it grows on you (fast!)“, der inzwischen zu meinen Jahrgangsfavoriten gehört. Der Auftritt beim Festivali i Këngës war mega, lässig und von bescheidener und gleichzeitig selbstbewusster Souveranität und spannungsgeladen. Eine der besten Stimmen, die Albanien je ins Rennen geschickt hat und ein ergreifender und wahrhaftiger Text, zu dem man sofort emotionale Verbindung aufnimmt. Ein Supertyp! „Nân“ wird sehr gut abschneiden in Wien. 10 Punkte
Punktzahlen der anderen Blogger*innen:
- Bennet: 8 Punkte
- Berenike: 7 Punkte
- Laureen: 7 Punkte
- Marcel: 6 Punkte
- Max: 8 Punkte
- Rick: 5 Punkte
Gesamtpunktzahl aller Blogger*innen: 82/132 Punkten.
Beim ESC-kompakt-Index landet „Nân“ auf Platz 4.
Bisher erschienene Songchecks:
Erstes Halbfinale
- Finnland: „Liekinheitin“ von Linda Lampenius & Pete Parkkonen
- Georgien: „On Replay“ von Bzikebi
- Griechenland: „Ferto“ von Akylas
- Kroatien: „Andromeda“ von Lelek
- Moldau: „Viva, Moldova!“ von Satoshi
- Portugal: „Rosa“ von Bandidos do Cante
- Schweden: „My System“ von FELICIA
- Belgien: „Dancing on the Ice“ von ESSYLA
- Estland: „Too Epic To Be True“ von Vanilla Ninja
- Israel: „Michelle“ von Noam Bettan
- Litauen: „Sólo quiero más“ von Lion Ceccah
- Montenegro: „Nova zora“ von Tamara Živković
- Polen: „Pray“ von Alicja
- San Marino: Superstar von Senhit feat. Boy George
- Serbien: „Kraj Mene“ von LAVINA
Zweites Halbfinale
- Armenien: „Paloma Rumba“ von SIMÓN
- Aserbaidschan: „Just Go“ von JIVA
- Bulgarien: „Bangaranga“ von DARA
- Luxemburg: „Mother Nature“ von Eva Marija
- Rumänien: „Choke Me“ von Alexandra Căpitănescu
- Schweiz: „Alice“ von Veronica Fusaro
- Tschechien: „Crossroads“ von Daniel Žižka
Bereits gesetzt für das Finale
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