TS wird 60: Happy Birthday, Thomas Schreiber!

„Jetzt rollen Köpfe“, schrieb der Stern nach der deutschen ESC-Pleite 2005 von Kiew. Noch am selben Tag, dem 23. Mai reichte der deutsche ESC-Verantwortliche Jürgen Meier-Beer seinen Rücktritt ein und gab die Leitung der Abteilung Unterhaltung ab. Es folgten zwei ESCs unter der Ägide von Jan Schulte-Kellinghaus. Dann trat TS ins Rampenlicht der ESC-Bubble. Thomas Schreiber.

Der heutige ARD-Unterhaltungskoordinator wurde am 24. Juli 1959 in Köln geboren. Bereits während seines Studiums der Literaturwissenschaften, Anglistik und Geschichte in Bielefeld sammelte er als freier Mitarbeiter Erfahrungen bei diversen Radiostationen. Als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk professionalisierte er anschließend seine journalistische Arbeit. Später wurde er Redakteur bei der „Tagesschau“ und den „Tagesthemen“ sowie medienpolitischer Berichterstatter beim heutigen Nachrichtenradio NDR Info. In den Jahren von 1994 bis 1999 war er als Hörfunkkorrespondent für den NDR und WDR in London tätig.

Zurück in Hamburg wechselte Schreiber in den TV-Bereich und war bis 2007 Leiter des NDR-Programmbereiches Kultur/Fernsehen. Mit der Übernahme des Programmbereichs Fiktion & Unterhaltung und als ARD-Unterhaltungskoordinator übernahm er dann auch die Verantwortung für den Eurovision Song Contest.

Bild: NDR/Marcus Krüger

Während den ersten beiden deutschen ESC-Beiträgen unter Schreibers Führung (2008 die No Angels und 2009 Alex Swings Oscar Sings!) nur mäßiger Erfolg beschieden war, kam 2010 der Befreiungsschlag. In einer von ihm forcierten Kooperation mit ProSieben wurde mit der Castingshow Unser Star für Oslo Lena Meyer-Landrut entdeckt, die Deutschland dann den zweiten ESC-Sieg holte.

Die Fortsetzung der Kooperation mit ProSieben und Stefan Raab brachte in den folgenden zwei Jahren weitere vordere Platzierungen beim ESC. Außerdem konnte Schreiber als Produktionsleiter des ESC 2011 in Düsseldorf den Deutschen Fernsehpreis als Beste Unterhaltung/Show in Empfang nehmen.

Anschließend folgte eine Zeit mit einigen ESC-Höhen und vielen Tiefen. Öffentliche Diskussionen um das Abstimmungsverhalten der Jury führten nach der Vorentscheidung 2013 dazu, dass in den Folgejahren nur noch die Zuschauer zu entscheiden hatten. Das spätere Abschneiden von Cascada in Malmö erklärte Schreiber indirekt mit dem Ansehen Deutschlands in Europa durch Angela Merkel und erntete dafür harsche Kritik.

Die Idee eines Clubkonzerts und einer klassischen Vorentscheidung ermöglichte 2014 der unbekannten Gruppe Elaiza den Sieg und später eine anständige Platzierung in Kopenhagen, während Ann Sophie nach dem gleichen Modell im nächsten Jahr in Wien Letzte wurde – nachdem es zuvor mit dem Rücktritt von Andreas Kümmert einen mittelgroßen Skandal gegeben hatte.

Die für das Folgejahr geplante Direktnominierung von Xavier Naidoo musste Schreiber kurze Zeit nach der Bekanntgabe wegen heftiger Kritik wieder zurück ziehen. Stattdessen floppte nach dem klassischen Vorentscheid Jamie-Lee Kriewitz in Stockholm. Das gleiche Schicksal ereilte die bis dato unbekannte Levina 2017 in Kiew. Sie hatte sich gegen weitere Newcomer mit ihren Versionen der beiden einzigen wählbaren Songs im Vorentscheid durchgesetzt.

2018 holte Schreiber mit seinem Team zum Rundumschlag aus und holte die Unternehmensberatung Simon Kucher & Partners mit an Bord. Nach unterschiedlichen Vorauswahlstufen und drei wertenden Gruppen bei der Vorentscheidung siegte Michael Schulte und wurde in Lissabon sensationell Vierter. Bereits im Folgejahr scheiterte dasselbe Modell jedoch wieder: Das speziell für die Vorentscheidung zusammengestellte Duo S!sters wurde beim ESC in Israel Vorletzter.

Während es unter der Führung Schreibers für Deutschland beim ESC bislang eine ziemliche Achterbahnfahrt gab, hat er das Unterhaltungsangebot der ARD über die Jahre generell weiterentwickeln und viele erfolgreiche Formate etablieren können. Wir gratulieren Thomas Schreiber zum 60. Geburtstag und wünschen ihm privat wie beruflich – und natürlich ganz besonders in Sachen ESC – alles Gute.



47 Kommentare

    • Ich lese solche Sätze und Bemerkungen von wegen „Rente“ immer mal wieder und finde das doch sehr respektlos. Der ESC bzw. der VE ist nur ein Teil seiner Arbeit. Man kann ja sicher auch zurecht einiges in diesem Bereich kritisieren, aber warum man deswegen fordert, er solle seinen kompletten Job abgeben und in Rente gehen, erschließt sich mir nicht.

      Herzlichen Glückwunsch, Thomas Schreiber!

  1. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Herr Schreiber und ich hoffe, wir werden bald von Ihnen hören, wie es denn mit Deutschland beim ESC weitergehen soll.

  2. Dass er immer noch diesen Verantwortungsbereich innehat und dass hier höchstens mal ein laues Lüftchen von Widerspruch herrscht, ist ein Skandal

  3. Herzlichen Glückwunsch Herr Schreiber! Auf gute Gesundheit und viel Kraft für Ihren sicherlich oft sehr anstrengenden Job!

    Kleine Korrektur (habe das zufällig vor kurzem mal recherchiert): Thomas Schreiber wurde zwar im Mai 2007 (eine knappe Woche vor Helsinki) Programmbereichsleiter Fiktion & Unterhaltung beim NDR, für den deutschen Beitrag 2008 und damit auch den VE zuständig war aber noch ein gewisser Ralf Quibeldey, seines Zeichens Redaktionsleiter Talk & Unterhaltung (da soll beim NDR mal einer durchblicken…). Hier äußert er sich in einem Interview zu der No-Angels-Pleite:

    https://www.eurovision.de/news/Ralf-Quibeldey-Ich-ziehe-Hut-vor-No-Angels,interview2131.html

    Selbigen Hut hat er nach dem Ziehen dann aber schnell wohl genommen 😀
    Ich meine auch, dass Herr Schreiber mal in einem Interview gesagt hätte, er habe erst in Belgrad Gefallen am ESC gefunden und das Heft dann selbst in die Hand nehmen wollen. Am dortigen Debakel für Deutschland ist er also unschuldig. Und das war jetzt erstmal genug Nerd-Kram für die nächsten Wochen 🙂

    • Bitte nicht, ich steh auf deinen Nerd-Kram ^^ Im Ernst, so Zusatzinfos sind doch eine Bereicherung! Dankeschön auch mal an Marko für die gute Versorgung „direkt von der Quelle“ 🙂

  4. Alles Gute.

    Mehr Mut, gesunden Ehrgeiz & Inspiration für die Zukunft. … wünsche ich nicht nur TS, sondern mindestens auch den gewollten Gagschreibern, die in ihrer eigenen Witzschublade mal aufräumen und Staub wischen sollten.

    • Mein älterer Cousin ist mal wieder böse. Der wichtigere Geburtstag ist heute eh der von Jennifer Lopez.

      • Jedes mal, wenn du versuchst mich älter (dich jünger) zu machen, rechne ich zu deinem aktuellen Renteneintrittsalter ein Jahr drauf.

      • Mein Renteneintrittsalter ist eh schon bei 90, wenn ich davon leben will. Hab aber gelesen, dass die Wirtschaft seit Jahrzehnten brummt.

      • Nur weil ich denselben Witz öfter mache, bedeutet das nicht, dass ich immer noch darüber lache > Marketing, bi-yatch!

  5. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Ich bin sehr gespannt für 2020.
    Wie ich immer ab und zu betone: Gerade solche Achterbahnfahrten machen alles viel spannender, denn wenn wir (z.B. mit Queen Aly) wieder auf den vierten Platz gelandet wären, dann wären wir für 2020 weniger neugierig, was passieren wird. Bei solchen Pleiten und immer wieder sich ändernden Konzepten kommt immer frischer Wind in den Vorentscheid – egal ob positiver oder negativer Wind. Die Änderung von 2018 (Platz 4) auf 2019 (sorry, zero points) mit diesen Ausrufezeichen-Girls hätte man sich zwar sparen können, weil genau diese Änderung uns zum Nullpunkt fliegen gelassen hat, aber jetzt bin ich umso meeeeehr gespannt, was jetzt passieren wird.

    • Leider war niemand im VE, der auch nur in die Nähe des 4. Platzes gekommen wäre.

      • Nun ja, Queen Aly hat’s immerhin in die Nähe des vierten Platzes im Vorentscheid geschafft.

        Ich kann’s ja verstehen, dass man über die Nicht-ESC-Qualifikation seines Favoriten enttäuscht ist (wie oft ging es mir so!), die Missgunst den Gewinnern gegenüber sollte aber nicht so weit gehen, dass man ihnen einfach 24 Punkte wegdefiniert.

      • Leute vergessen gerne, dass die Nr. 2 nicht Aly Ryan war, sondern die Whitney-Gedächtnisballade, mit der die Polen schon vor 11 gescheitert sind.

    • Diese Diskussionen um ULfI und wer wie abgeschnitten hätte, finden in jedem Beitrag hier statt. Wir werden es nie erfahren, wie Aly abgeschnitten hätte, aber ich gebe nicht TS die Schuld, sondern an das ARD-Rentnerpublikum, die tatsächlich Carlöttchen und La’Rita gewählt haben. Im Internet, wo junge Leute unterwegs sind, ist Aly die haushohe Favoritin und beim Panel, wo fast nur junge Leute waren, sowieso. Die Spaßverderber sind die älteren Damen und Herren, die beim ARD-Publikum die Mehrheit darstellen und sich Jahr für Jahr falsch entscheiden. Während international der ESC von jungen Menschen, die Spaß haben und Party machen, beherrscht wird (das sind die Wähler laut TS selbst!), ist der ESC in Deutschland ein ,Grand Prix‘-Rentnerprodukt. TS hat (vermutlich bewusst) den VE seit 2017 so gemacht, dass zumindest die Kandidaten jung sind und der internationalen ESC-Zielgruppe entsprechen. Da war kein alter Sack dabei. Dazu seit 2018 das Panel mit jungen Leuten. Und das Rentnerpublikum wählt mit ihren kabelgebundenen Festnetztelefonen das langweiligste Lied ohne junge frische Energie. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass in Seniorenheimen die Omis aufgestanden sind und zu ,Sister‘ mitgetanzt haben. Die enge Lederhose von Carlöttchen hat bei den Opis ein paar Extraanrufe rausgeholt.
      Man erinnere sich an die No Angels: Sie haben sich (vermutlich bewusst) einen lahmen Rentner-Song gesungen, damit sie überhaupt eine Chance haben, den VE zu gewinnen. Sie haben sich also verbogen (!) und mit jedem anderen Song von denen hätten sie niemals gewonnen!
      Das ist keine Diskriminierung von älteren Menschen (ja, ich werde auch eines Tages alt und werde Musik wie Perfect Life und Sister toll finden), aber lasst endlich los und akzeptiert, dass der ESC nun den jungen Menschen gehört und keine Fortsetzung vom Grand Prix 1972 ist.

      • Es empfiehlt sich von Zeit zu Zeit, auf die Einnahme Hulluzinationen verursachender Substanzen gänzlich zu verzichten…

      • Mensch holla, es heißt doch Hallu…mach‘ noch schnell Lullu und dann geht der Kowallu ab in die Fallu…aber hallu…

      • Sorry, aber wenn diese Tirade hier keine Diskriminierung von „älteren“ Menschen ist, was dann? Nein, der ESC, der eine tolle Tradition als „Grand Prix“ hat, als es nämlich noch um den Song an sich ging und nicht um ein Lasershow-Überinszenierungsspektakel, bei dem immer wieder vom Publikum in die Songs hineingegrölt wird, „gehört“ keineswegs nur jungen internetaffinen, spaß- und partysüchtigen jungen Leuten, denen irgendwelche Casting- und Masked-Singer Shows näher liegen als frühere Grand Prixs.

  6. Ein Mensch wird 60 Jahre alt. Einer, der als Unterhaltungskoordinator der ARD (und nicht des NDR, wie oft noch!) erfolgreich ist. Da kann man doch einfach mal gratulieren und alles gute privat, beruflich und für die Gesundheit wünschen. So gehört sich das.

    Kritik am deutschen ESC-Verfahren und auch daran, wie der dafür Verantwortliche mitunter auftritt, ist angebracht, aber es gehört hier nicht hin und wenn, ist sie sachlich vorzubringen, ohne einen Menschen anzugreifen. Hier geht es darum, einem Menschen, der privat womöglich ein völlig anderer Typ ist, zu gratulieren. In diesem Sinne: Alles Gute, Herr Schreiber!

    • Es wird ja auch nicht dem dritten NDR-Pförtner von links hier gratuliert… Herr S. aus HH wird hier gratuliert, weil er auf einem Platz sitzt, den er nicht kann und auf dem er uns gewaltig schadet (was den fun angeht). Dafür noch Blumen? Never !

      • Woher weißt du denn, dass er seinen Job nicht kann? Und wie gesagt, der ESC ist nur ein kleiner Teil seines Jobs.

  7. Klasse Aufmacherfoto mit Symbolkraft, DP. Der Zug ist längst abgefahren, nur TS hängt noch rum und hält die Stellung…
    Herrn Schreiber kann man nur von ganzen Herzen die Courage wünschen, endlich das Zepter an jemand anderen weiterzureichen. Vorzugsweise an jemanden, der den ESC lebt, versteht und nicht nach seinen Vorstellungen verbiegt und verkompliziert, sondern den Leuten einfach das liefert, was sie wirklich sehen und hören wollen. Wäre ein Geschenk für alle.

  8. Herzlichen Glückwunsch Herr Schreiben !

    6o Jahre , heute, da schwirren Gefühle und Erinnerungen in uns auf,die wir so auch schon hatten, als wir unseren 30 Geburtstage gefeiert haben. Einfach eine Hürde übersprungen. Ihnen und allen die mit Ihnen Feiern, wünsche ich viel Freude !

  9. Ich finde es ist nicht respektlos, wenn man einem 60jährigen sagt, er solle ruhig mal kürzer treten. Jedenfalls ist die Rente nicht mehr weit weg. Viel Respektloser finde ich das was Ruhrpottler über die älteren Zuschauer der ARD gesagt hat. Nur weil sein Favorit noch nicht mal in die Nähe des VE-Sieges kam. Vor dem Auftritt war ich Team Aly, aber der Auftritt selbst hat mir dann weniger gut gefallen. Da war dich dann doch eher Team Lilly. Egal, ob die beiden besser abgeschnitten hätten als die Sisters, werden wir nie erfahren.

    Bis wir was über das Verfahren von 2020 erfahren, wird es bestimmt mindestens bis September dauern.

    • Ich finde, dass auch ein 60jähriger selbst entscheiden darf, wann er über Rente nachdenkt. Da braucht es sicher keine Ratschläge von Leuten, die ihn und seine Situation gar nicht kennen.
      Ist auch nicht böse gemeint von mir. Bin nur eher ein Fan von sachlicher Kritik und nicht von Polemik.

  10. Glückwunsch auch von mir.

    Und obwohl’s OT ist: die Wahrnehmung, dass ein demokratisch ermitteltes Ergebnis das falsche ist, habe ich hier allwöchentlich beim SCC. Ist einfach schwer, sich damit abzufinden, zumal eine gewisse Bevorteilung durch die Startreihenvolge (bei ULFI) nicht von der Hand zu weisen ist. Auf der anderen Seite gibt es diesen Vorteil auch beim ESC selbst – nur dass da keine großen Stürme der Entrüstung folgen.

    @Ruhrpottler
    Schön, wie das unliebsame Voting der Expertenjury ein mal mehr ignoriert wird und „Die enge Lederhose von Carlöttchen“ hat bei den „Opis“ sicher nicht mehr Extraanrufe rausgeholt als Alys Entblätterung + Bademantel-Greenroom-Szene.

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