Unterstützung aus der Politik: Steht Luxemburg kurz vor dem lang ersehnten ESC-Comeback?

Bild: eurovision.tv

Normalerweise erreichen uns eher im Sommer, einige Monate nach dem ESC, Meldungen über mögliche Rückkehrer zum Wettbewerb. Auch wenn diese nur selten einen hohen Wahrheitsgehalt haben, spekulieren wir in der Bubble gerne über Nachrichten dieser Art. Die jetzige ist besonders interessant und macht Hoffnung auf ein lang ersehntes ESC-Comeback…

Im kommenden Jahr ist es ganze 30 (!) Jahre her, dass Luxemburg das letzte Mal am ESC teilnahm. Dass das so nicht weitergehen kann, sehen nicht nur eingefleischte Fans, sondern jetzt auch Politiker so! Zumindest der luxemburgische Premierminister Xavier Bettel ist bekanntlich ein riesiger Fan des Wettbewerbs und versucht jetzt laut RTL Today, das Land endlich zum ESC zurückzuholen. Bettel ist auch Kommunikations- und Medienminister und hat das Thema jetzt der Regierung vorgelegt. So viel Einsatz von Seiten der Politik könnte sich tatsächlich bald auszahlen.

Auch wenn eine künftige Teilnahme am Wettbewerb teuer sei, wäre sie nämlich „sehr effektiv für das Großherzogtum“, heißt es laut Berichten. Aus diesem Grund habe man kürzlich den Sender RTL Télé Lëtzebuerg, kurz RTL, kontaktiert, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Laut RTL Today laufen momentan Gespräche über eine mögliche Rückkehr zum Song Contest. Um eine dauerhafte Kommunikation mit den Verantwortlichen zu gewährleisten, ist mittlerweile sogar eine spezielle Interessengruppe ins Leben gerufen worden. Die Gruppe wird von Xavier Bettel geleitet und besteht aus mehreren Politiker:innen aus Luxemburg.

In den vergangenen Jahren kam vom einzigen EBU-Sender Luxemburgs, RTL, regelmäßig die Aussage, man sei aufgrund finanzieller Engpässe nicht in der Lage, zum ESCmzurückzukehren. Dieses Problem könnte mit staatlicher Hilfe ab 2024 beseitigt werden. Aber auch die Tatsache, dass RTL eher ein reiner Informationssender (geworden) ist, scheint bislang ein Problem gewesen zu sein. Ob man dennoch zum ESC zurückkehrt, wird sich zeigen. Luxemburgische Fans und ehemalige Teilnehmer der Nation haben sich in der Vergangenheit mehrfach für eine Rückkehr ausgesprochen. 

1993 hat das Land zum letzten Mal am Eurovision Song Contest teilgenommen. Luxemburg ist mit fünf Siegen eine der erfolgreichsten Nationen beim ESC. Alle Siege, unter anderem der (im unteren Video zu sehende) von Vicky Leandros, sind jedoch alleine durch die damals votierenden Juror:innen zustande gekommen. Wie eine luxemburgische Teilnahme unter modernen Abstimmungsregeln ausgehen würde, ist also schwer zu sagen. Zum letzten ESC-Sieg Luxemburgs kam es in München, als Corinne Hermès den Wettbewerb 1983 gewinnen konnte.

Natürlich kann man bezüglich eines möglichen Luxemburg-Comebacks aufgrund der vergangenen Erfahrungen skeptisch sein. Dass Staaten eine Rückkehr zum ESC wagen werden, wird oft verkündet – ohne dass es in die Tat umgesetzt wird. Nicht nur aus den angekündigten Hoffnungen für Andorra wird vorerst nichts. Auch das seit 2007 nicht mehr teilnehmende Monaco kommt nächstes Jahr nun (noch) nicht zum Wettbewerb zurück. Grund für die Annahme des monegassischen Comebacks waren veröffentlichte Planungen für Haushaltsgelder, die für eine Teilnahme 2023 vorgesehen waren. Hierfür wäre aber ein aktiver zuständiger Fernsehsender aus Monaco notwendig gewesen. Ein möglicher TV-Sender soll nun, statt in diesem Winter, doch erst 2023 (wahrscheinlich im Spätsommer) auf Sendung gehen.

Für wie wahrscheinlich hältst Du eine Teilnahme Luxemburgs ab 2024? Fehlt Dir das Land beim ESC? Diskutiere gerne in den Kommentaren mit.


23 Kommentare

  1. Luxemburg, Monaco und Andorra wieder am Start zu haben, würde mich noch deutlich mehr freuen als eine Rückkehr von Ungarn, Bulgarien oder der Türkei – bei Letzteren ist es vermutlich eh nur eine Frage der Zeit. Bei den Zwergstaaten braucht es da doch mehr Gebete ans Spaghettimonster.

    • In Ungarn, Bulgrien und der Türkei gibt es funktionierende Musikszenen, die immer für Überraschungen gesorgt haben. Luxemburg hat sich dagegen einfach immer nur aus den Szenen von Frankreich und Deutschland bedient und damit große Erfolge gehabt. Ob das heute auch noch so funktioniert ist die Fragen, weil die internationale Teile von RTL ja schon lange keinen direkten Kontakt mehr zum Mutterhaus in Luxemburg haben.
      Zudem ist es sowieso problematisch, dass mit RTL ein privater Fenrsehsender in der EBU ist, was ja geschichtliche Gründe hat.

      • Naja, das macht doch aber nix. Für San Marino war ich jedenfalls auch immer sehr dankbar – und ja, auch dafür, dass sie eben nicht jedes Jahr Valentina Monetta geschickt haben. Wenn wir dann also irgendwann Serhat oder Aly Ryan für Luxemburg oder Xavier Darcy für Monaco sehen: Sei’s drum. Hauptsache, die Landkarte hat ein paar weiße Flecken weniger.

  2. Wie ich schon schrieb: Wenn die Beiträge dann ungefähr auf dem Niveau wie die von San Marino wären, dann brauche ich kein Comeback des Fürstentums. Sollten sie Kaliber wie die Dame auf dem Bild verpflichten, sähe es natürlich anders aus.

  3. Gerade weil es mal kein Sommerloch-Thema ist, sondern man darüber spricht, wenn die Hochphase des ESC so ganz langsam Fahrt aufnimmt, könnte vielleicht etwas Wahres dran sein.

  4. Das wäre so schön, würden Luxemburg, Andorra und Monaco wieder teilnehmen – wenn schon ein diktatorisch regiertes und kriegerisch-aggressorisches Land wie Aserbeischan ungehindert teilnimmt. (Was für Russland und Belarus gilt, sollte auch für Aserbeidschan gelten – ebenso im Sport für Katar)

  5. Da Russland + Belarus wohl so schnell nicht zum Wettbewerb zurückkehren werden und etliche Balkanländer mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen haben, muss sich die EBU eigentlich etwas einfallen lassen, wenn sie nicht will, dass die Teilnehmerzahl auch in den nächsten Jahren bei 35 rumdümpelt.
    Die Zwergstaaten zu reaktivieren wäre eine Möglichkeit, die Teilnehmerzahl etwas weiter oben zu halten. Würde mich freuen, wenn Luxemburg, Andorra und Monaco zurückkehren würden. Auch wenn sich die Beiträge vielleicht zunächst eher auf maltesischen oder sanmarinesischen Niveau befinden, bleibt vll der ein oder andere Staat dem Wettbewerb etwas länger als ein oder zwei Jahren erhalten.
    Ich bin übrigens auch überzeugt, dass die Türkei spätestens 2025 wieder dabei sein wird.
    Eine Rückkehr der Slowakei könnte ich mir auch vorstellen. Der neue Senderchef brennt ja anscheinend für den ESC. Eine Rückkehr des Landes 2023 ist wohl nur aufgrund der Kurzfristigkeit nicht zustande gekommen… sagen zumindest Gerüchte aus der Slowakei.

  6. Über eine Rückkehr Luxemburgs würde ich mich gerade jetzt wo die Zukunft Australiens beim ESC noch ungewiss ist und immer mehr Länder dem Contest den Rücken kehren umso mehr freuen.

  7. Anscheinend ist Rick der einzige Autor des ESCkompakt-Teams, der hier Marathonartikel erfasst und veröffentlicht. Die anderen Üblichen scheinen sich zum Jahresende auszuruhen. Aber seine Artikel gefallen mir gut. Großes Dankeschön 💐

  8. Die Rückkehr Luxemburgs fände ich wunderbar! Das reichste Land Europas sollte das doch hinbekommen. Und als nächstes will ich RTL Radio Luxemburg wiederhaben (für die Jüngeren: War mal eine nicht soooo unbedeutende Station)!

    • Radio Luxemburg war der Protptyp des europäischen Hitradios, der besonders in den 60er+70er die Medienlandschaft aufrollte. Seit dem haben alle Radiosender ein durchgestytles Programm, anstatt einzelne Sendungen zu verschiedenen Themen den ganzen Tag die gleiche Musik.
      Also im Grunde der Urprung der radiotauglichen Musik, die hier im letzten Jahr so oft erwähnt wurde.
      Damals war das natürlich Schlagermusik und entsprechend hatte man damit auch Erfolg beim ESC. Heute ist das nur noch ein Oldie-Nischensender, da wird es kaum noch Impulse für den möglichen ESC Kandidatin geben.

    • Auch nicht schlimm, ein bisschen Schrott gehört ja schließlich dazu. Tatsächlich vermisse ich inzwischen sogar den Totaltrash, da in den letzten Jahren alle Songs zumindest ein gewisses Qualitätsniveau mitbrachten.

  9. Ich würde mich wirklich darüber freuen wenn Luxemburg zurückkehren würde. Bevor man in den Osten schielt, sollte man mal wirklich die klassischen ESC-Länder zurückholen. Luxemburg ist immer noch einer der erfolgreichsten ESC-Nationen überhaupt. Habe überhaupt kein Verständnis dafür, das man nicht mehr dabei ist. Angesichts dessen das hinter RTL ein riesiger Konzern steht, ist die Begründung „kein Geld“ einfach nur lächerlich. Kein Interesse wäre wohl eher richtig. Es sind Länder beim ESC dabei, die sind bestimmt nicht reicher als Luxemburg.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.