Vor den Halbfinals 2021: Länder und Startnummer – Wer qualifiziert sich wie wahrscheinlich für das Finale?

Ein Beitrag von ESC-kompakt-Leserin Sarah.

Wer qualifiziert sich für das Finale des Eurovision Song Contests 2021, wenn es nach den Qualifikationen der vergangenen ESCs geht? Das haben Douze Points und manu schon im Hinblick auf die Startnummern und im Hinblick auf die Qualifikationsraten der einzelnen Länder untersucht. Kurz vor den ESC-Halbfinals 2021 führen wir beide Faktoren jetzt zusammen und ermitteln die Qualifikationschancen jedes Teilnehmerlandes in Abhängigkeit von der Startplatzierung.

Für die Auswertung haben wir alle Semi-Finals seit 2008 betrachtet, denn seit dem Jahr 2008 werden zwei Semi-Finals pro ESC veranstaltet, in denen sich jeweils 10 Teilnehmer für das große Finale qualifizieren. Ausgenommen von der Auswertung sind Änderungen, die im Laufe der letzten Jahre die Voting-Ergebnisse beeinflusst haben können (das Reaktivieren der Jury, die Festlegung der Startplatzierung, usw.).

Zuerst wurden die Startplatzierungen der Teilnehmer betrachtet. Hier wurde geschaut, ob sich das teilnehmende Land qualifizieren konnte. Der Rang, der erreicht wurde, spielt in dieser Auswertung keine Rolle, lediglich die Qualifikation bzw. Nicht-Qualifikation. Anschließend wurde die Nicht-Qualifikationsrate der letzten zwölf ESC-Jahre (insgesamt 24 Semi-Finals) ermittelt. Diese Ergebnisse sind herausgekommen:

Anhand dieser Berechnung seht Ihr, dass die Teilnehmer, die vom Startplatz 18 starteten, am häufigsten in das Finale eingezogen sind, da lediglich 7% aller vom Platz 18 gestarteten Teilnehmer nicht in das Finale eingezogen sind. Am schlechtesten haben die Teilnehmer vom Startplatz 3 abgeschnitten, hier sind ganze 67% aller Teilnehmer nicht in das Finale eingezogen. Generell könnt Ihr auch sehen, dass die Teilnehmer, die in der zweiten Hälfte des jeweiligen Semis aufgetreten sind, häufiger in das Finale eingezogen sind als die Teilnehmer, die in der ersten Hälfte des Semis aufgetreten sind.

Die gleiche Berechnung haben wir mit den teilnehmenden Ländern durchgeführt und kamen auf folgendes Ergebnis:

Anhand dieser Auflistung sieht man, dass Ukraine und Australien seit 2008 immer in das Finale eingezogen sind. Dafür sind Andorra und die Slowakei seit 2008 immer im Semi-Final hängen geblieben.

Für die diesjährigen Semi-Finals haben wir die Nicht-Qualifikationsraten der Startplatzierungen und der teilnehmenden Länder kombiniert, indem wir beide Raten addiert und durch zwei geteilt haben. Dabei sind folgende Resultate entstanden:

Im ersten Semi würden sich damit folgende Länder qualifizieren: Aserbaidschan, Ukraine, Australien, Rumänien, Norwegen, Israel, Russland, Schweden, Zypern und Malta. Nicht im Finale dabei wären damit: Litauen, Nordmazedonien, Irland, Kroatien, Slowenien und Belgien.

Verglichen mit dem ESC kompakt ESC 2021 gibt es ganze vier Abweichungen: Hier habt Ihr anstelle von Australien, Aserbaidschan, Rumänien und Israel die Länder Litauen, Irland, Belgien und Kroatien in das Finale gewählt.

Für das zweite Halbfinale ergibt sich folgendes Ergebnis:

Wenn es nach den Ergebnissen der letzten Jahre geht, würden sich aus dem zweiten Halbfinale als Dänemark (Aufmacherfoto), Serbien, Griechenland, Finnland, Island, Polen, Moldau, Österreich, Georgien und Portugal qualifizieren. Damit wären Bulgarien, Estland, Albanien, Lettland, Schweiz, Tschechien und San Marino nicht im Finale.

Die Ergebnisse des ESC kompakt ESC 2021 bringen hervor, dass Ihr lieber San Marino, Tschechien, Albanien, Bulgarien und die Schweiz im Finale sehen würdet und dafür Österreich, Portugal, Georgien, Serbien und Polen im zweiten Semi hängenbleiben würden.

Die errechneten Platzierungen der einzelnen Länder beziehen sich nicht auf die Rangfolge in dem Semis. Zum Beispiel sagt die Berechnung nicht aus, dass Dänemark das zweite Semi-Final laut Statistik gewinnt, sondern nur, dass die Nicht-Qualifikationsrate der Kombination Dänemark/Startplatz 17 am geringsten ist.

Die Frage, ob vergangene Ergebnisse das diesjährige Voting-Ergebnis voraussagen können, bleibt bis heute Abend bzw. bis zum Donnerstagabend abzuwarten. Es dürfte eher unwahrscheinlich sein, dass diese Vorhersage genau so in Rotterdam eintritt, denn in diesem Fall wären Favoriten, wie die Schweiz, Malta oder Litauen nicht im Finale. Allerdings können die Tabellen möglicherweise Hinweise darauf geben, welche der Länder, die auf der Kippe stehen, im Zweifel einen Vorteil beim Voting haben.

Über die Autorin:

Sarah ist seit Lenas Sieg im Jahr 2010 ein ESC-Fan. Seitdem beschäftigt sie sich mit den Beiträgen von der Auswahl der Songs bis zum großen Auftritt beim ESC. In der Freizeit reist sie gern (mit dem Zug) durch ganz Europa.


26 Kommentare

  1. Australiens weiße Weste wird heute technicolour..:)
    Bei der kombinierten Tabelle fürs 2. Halbfinale sind die Werte der Nichtqualifikation aufsteigend von 27-67%. In der entsprechenden Tabelle fürs 1. Halbfinale sind die Werte nicht aufsteigend, soll das so sein? 🙂

  2. Ich find solche statistischen Spielereien ja immer ganz interessant.
    Aber so richtig aussagekräftig ist das ja bis auf die vielfach bestätigte These „Startplatz in der zweiten Hälfte bringt leichten Vorteil“ ja doch nicht.

    Am Ende entscheidet ja doch der Zuseher.
    Dem wird heute egal sein, dass Aserbaidschan fast immer im Finale war, und Startplatz 14 bisher eine relativ gute Position war.
    Anrufen werden für Efendi halt doch nur Leute, die vom sexy Tanz überzeugt werden und/oder die aserbaidschanische/ türkische Diaspora.

  3. Die Tabellen sind total missinterpretierbar. Man geht bei der Darstellung vom positiven aus und fängt nicht bei der Nicht Quali Rate an

  4. @Sarah: Wie kommst Du bei Schweden auf eine Nichtqualifikationsrate von 20%?
    Die sind meines Wissens doch ab 2008 nur einmal ausgeschieden. Wenn ich nun die zwei Wettbewerbe abziehe, in denen sie sich nicht qualifizieren mussten, da sie als Vorjahressieger schon qualifiziert waren, komme ich auf eine Nichtqualifikation (2010) und neun Qualifikationen. Das sind dann ja eher 10%.
    Oder wie hast Du das berechnet?

    • Hi Gerd,

      für die Berechnung von Schwedens Ergebnis habe ich den Finaleinzug Schwedens im Jahr 2009 als Nichtqualifikation gewertet, denn offiziell wäre Schweden in diesem Jahr nicht weiter gekommen, ist aber dank der Juries doch in das Finale eingezogen. Eigentlich war Schweden in dem Jahr auf Platz 11 oder 12 im Semi, deshalb eigentlich draußen. Ich hoffe, das konnte deine Frage klären 🙂

      • Ja, Platz 12, vielen Dank, das erklärt es. 😁
        Fand ich übrigens echt nicht gut, da ich überhaupt kein Fan von Charlotte Pirelli bin.
        In jedem Fall….vielen Dank für Deine Mühe…
        Echt interessante Auswertungen, die aber dieses Mal in einigen Punkten sicher nicht anwendbar. Vor allem Litauen im ersten Semi, sowie die Schweiz, San Marino und Bulgarien im zweiten Semi für recht sichere Qualifikanten in diesem Jahr.

  5. Oder Leute, die das wie ich für den bisher besten aserbaidschanischen Beitrag halten; ähnlich geht’s mir bei dem von vielen unterschätzten Titel aus Schweden (wobei ich hier „…der letzten Jahre“ ergänzen würde, insgesamt gab’s schon noch stärkere Beiträge aus diesem Land).

    Anrufen werde ich in diesem superstarken Halbfinale jedoch für Bulgarien, Rumänien und vor allem für die Ukraine und Litauen.

    • Oh, das bezog sich auf Benne weiter oben um 11:00 Uhr (ich hatte ganz bestimmt auf „Antworten“ gedrückt …)

    • Ja, stimmt
      Da hätte ich fast die Gruppe vergessen, die das Lied selbst mögen.

      Muss dir da sogar zustimmen.
      Die letzten Beiträge (Truth, X my heart, Miracle, Hour of the wolf, Start a fire) fand ich auch nicht besonders gut.
      Nur Skeletons gefällt mir da besser als Mata Hari.

    • @Thomas
      Du rufst heute für Bulgarien an? Auf zur Rebellion, Du Regelbrecher! Dann gehen meine Stimmen heute an San Marino und Österreich. 😉

  6. Danke für die interessante Statistik.🙂

    Die lupenreine Bilanz von Australien wird wohl dieses Jahr getrübt, fürchte ich.

  7. Litauen hat die Startnummer 1 im Semi. Von dieser Startnummer ist es schwer sich zu qualifizieren. Vielleicht sind auch deshalb die Quoten für Litauen so niedrig.

  8. In der Überschrift steht „wer QUALIFIZIERT sich für das Finale“. Aber in dem gesamten Artikel geht es primär um die NICHT-QUALIFIKATIONSRATE. Das verwirrt…

  9. Krass. Wenn man sich mal so veranschaulicht, wie oft die Schweiz gescheitert ist… Nach zwei (drei) aufeinanderfolgenden Jahren von grandiosen eidgenössischen Beiträge fühlt sich das wie aus einem ganz anderen Zeitalter an.

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