100% Televoting in den Semis: Welche Beiträge wären so in den vergangenen Jahren ins ESC-Finale eingezogen? (Teil 2)

Bild: Andres Putting / EBU

Nach 12 ESC-Ausgaben, in denen die Halbfinals jeweils zur Hälfte per Jury- und Televoting entschieden wurden, kommt nächstes Jahr eine überraschende Änderung auf uns zu. Wie die EBU bekannt gegeben hat, werden die ESC-Halbfinalergebnisse ab sofort zu 100% vom Televoting bestimmt. Aber ändern sich die Ergebnisse dadurch wirklich so stark? Wir werfen (weiterhin) einen Blick in die Vergangenheit…

Hier kommt Ihr zum ersten Teil des Rückblicks, der sich mit den Halbfinalergebnissen zwischen 2009 und 2014 beschäftigt. Dort findet Ihr auch nochmal alle Hinweise, die es zu berücksichtigen gibt, wenn man anhand der vergangenen Ergebnisse eine Prognose aufstellen möchte. Aufmerksam wie Ihr seid, habt Ihr mich im letzten Teil übrigens auf das fehlende Jahr 2008 hingewiesen. Daher wird das direkt zu Beginn nachgeholt, bevor wir mit den Jahren 2014 bis 2022 weitermachen.

Welche Beiträge wären bei reiner Televoting-Abstimmung bisher ins ESC-Finale eingezogen?

2008

Wie gesagt, wir beginnen mit einem kleinen Nachtrag: Bereits 2008, nicht wie im ersten Teil gesagt 2009, kam eine Fachjury zum Einsatz. Anders als in den letzten Jahren war diese damals aber nur dafür verantwortlich, den zehnten Finalisten aus dem jeweiligen Halbfinale zu bestimmen. Für die ersten neun Beiträge, die das Finale erreichen, waren alleine die Zuschauer:innen verantwortlich.

Im ersten Halbfinale von Belgrad wollte die Jury, neben den neun sicheren Finalist:innen durch das Televoting Isis Gee aus Polen („For Life“) im Finale sehen. Sie erreichte aber sowieso Platz 10 im Televoting und wäre also auch bei reinem Publikumsentscheid im Finale gewesen. Anders war es in Semifinale 2: Hier wäre nicht etwa Charlotte Perrelli mit „Hero“ für Schweden ins Finale eingezogen, sondern (Nord-)Mazedonien, das unter anderem von der 2019-Vertreterin Tamara Todevska repräsentiert wurde („Let me love you“).

2014

Weiter geht’s dort, wo wir in Teil 1 stehen geblieben sind. Im Jahr 2014 wären viele Fans wahrscheinlich mit dem Televoting eher einverstanden gewesen, als mit dem tatsächlichen, gemischten Ergebnis aus Jury- und Zuscher:innenvoting. Im ersten Semifinale von Kopenhagen hätte es Suzy, mittlerweile Dauergast auf ESC-Partys, für Portugal mit „Quero ser tua“ ins Finale geschafft. Stattdessen wäre es das erste Aus für Aserbaidschan (Dilara Kazimova, „Start a Fire“) gewesen.

Im zweiten Halbfinale hätte es Irland (immerhin zum fünften Mal in Folge) ins Finale geschafft. Weil die Jury jedoch Malta (Firelight, „Coming home“) auf Platz 3 setzte, schaffte es die Mittelmeerinsel statt Can-Linn mit „Heartbeat“ weiter.

2015

Auch in Wien gab es damals pro Halbfinale nur einen einzigen Qualifikanten, der bei reinem Televoting ausgetauscht worden wäre. Der ungewöhnliche Beitrag „Aina mun pitää“ von Pertti Kurikan Nimipäivät aus Finnland wäre im Televoting auf Platz 10 knapp ins Finale gekommen. Stattdessen schaffte es aber Boggie aus Ungarn („Wars for Nothing“) am Samstagabend nochmal auf die Bühne. Ich bin der Jury an dieser Stelle ehrlich gesagt sehr dankbar…

Im zweiten Semi konnte sich erneut Aserbaidschan (Elnur Hüseynov, „Hour of the Wolf“) nur aufgrund der Jury-Hilfe qualifizieren. Das Publikum wollte eigentlich lieber Rückkehrer Tschechien (Václav Noid Bárta & Marta Jandová, „Hope never dies“) im Finale sehen.

2016

Einfach addiert werden die Jury- und Televotingpunkte allerdings erst ab 2016. Kein Mittelwert mehr, stattdessen sorgte ganz banales Kombinieren der Votes für etwas mehr Klarheit. Dennoch gab es auch in diesem Jahr Meinungsverschiedenheiten. Während Tschechien in Wien noch im Finale aussetzen musste, hat es das Land ein Jahr später in Stockholm in die Endrunde geschafft. Allerdings hier nur mit Hilfe der Jurys, die Gabriela Gunčíková auf Platz 4 setzten. Im reinen Televoting hätte sie mit „I stand“ den Kürzeren gezogen, stattdessen wäre Bosnien und Herzegowina bei dessen Comeback mit „Ljubav je“ von Dalal & Deen feat. Ana Rucner & Jala ins Finale eingezogen.

Im zweiten Halbfinale wollten die Zuschauer:innen Kaliopi mit „Dona“ für (Nord-)Mazedonien und auch Belarus (IVAN – inklusive Monitor-Hund – , „Learn to fly“) im Finale sehen. Stattdessen schafften es Israel (Hovi Star, „Made of Stars“), das Drittletzter im Televoting wurde, und Georgien (Nika Kocharov & Young Georgian Lolitaz, „Midnight Gold“) weiter.

2017

Eine riesige Enttäuschung war 2017 für viele, dass es Norma John mit „Blackbird“ für Finnland nicht übers Semifinale hinaus schafften. Obwohl man denken würde, der Beitrag sei absolut Jury-tauglich, war es tatsächlich das Juryvoting, das Finnland ins Aus manövrierte. Das Televoting wollte den „Blackbird“ im Finale fliegen sehen und hätte Australien („Don’t Come Easy“ von Isaiah) mit nur 21 Punkten nach Hause geschickt.

Noch krasser wurde es im zweiten Halbfinale, als sich der nächste Fanfavorit nicht qualifizieren konnte. Estland wäre allerdings mit „Verona“ von Koit Toome & Laura locker ins Finale gekommen, wenn die Zuschauer:innen alleine das Sagen gehabt hätten. Sie wählten die Nummer – trotz kurzem Mikrofon-Ausfall – sogar auf Platz 6 im Semifinale. Auch die Schweiz (Timebelle, „Apollo“) hätte es knapp geschafft. Durch die Hilfe der Jury schafften es stattdessen aber Nathan Trent aus Österreich („Running on Air“) und Dänemark in Form von Anja Nissen und „Where I Am“, die nur 5 (!) Punkte vom Publikum bekam.

2018

Im ersten Semifinale von Lissabon ist besonders interessant zu sehen, dass die spätere Gewinnerin Netta aus Israel nur den 4. Platz im Televoting belegte. Was sich ansonsten geändert hätte: Griechenland (Yiani Terzi „Oniro mou“) hätte es – wenn auch nur knapp – statt Eugent Bushpepa aus Albanien („Mall“) ins Finale am Samstag gepackt, wo dieser später sogar einen 11. Platz holte.

Auch im zweiten Halbfinale hätte es nur einen Wechsel gegeben: Polen wäre mit „Light Me Up“ von Gromee feat. Lukas Meijer trotz nicht ganz gelungener Performance ins Finale gekommen. Stattdessen schaffte es dank der Jury aber Waylon aus den Niederlanden mit „Outlaw in ‚em“.

2019

Wir reisen nach Tel Aviv und es gibt schon wieder eine Klatsche für Polen. Tulia wären vom Publikum mit „Fire of Love (Pali się)“ ins Finale gevotet worden. Durch die Jury-Hilfe bekam allerdings ZENA („Like it“) aus Belarus das Final-Ticket. Im zweiten Semi wäre Litauen laut Meinung der Zuschauer:innen verdient ins Finale gekommen, die Jury setzte „Run with the Lions“ von Jurij Veklenko allerdings auf den vorletzten (!) Platz und so kam stattdessen Leonora aus Dänemark („Love is Forever“) weiter. Im Finale erreichte sie später sogar einen guten 12. Platz.

2021

Nachdem 2020 Corona-bedingt kein ESC über die Bühne ging, ging es ein Jahr später in Rotterdam weiter. Auch hier waren sich Publikum und Jury nicht immer einig. Kroatien (Albina, „Tick-Tock“) wäre bis ins Finale gekommen, wenn es keine Jury im ersten Halbfinale gegeben hätte. Stattdessen konnten sich Hooverphonic aus Belgien den Finalplatz sichern. Die Band wäre bei reinem Televoting wegen vier fehlender Punkte ganz knapp rausgeflogen.

Einen sehr krassen Unterschied gab es in Semifinale 2: Die Zuschauer:innen hätten Dänemark sicher ins Finale geschickt die Jury hatte für Fyr og Flamme mit „Øve os på hinanden“ allerdings nur 9 Punkte (!) übrig. So schaffte es letztendlich Anxhela Peristeri aus Albanien („Karma“) ins Finale, die im Televoting Rang 11 belegt hatte.

2022

Und schon landen wir sozusagen im „Hier und Jetzt“. Auch dieses Jahr hätte das Finale von Turin anders ausgesehen, wenn die Jurys nicht in den Semis mit abgestimmt hätten. Albanien wäre mit „Sekret“ von Ronela Hajati, einem der großen Fan-Favoriten des Jahres, statt Marius Bear aus der Schweiz („Boys Do Yry“) ins Finale eingezogen. Während Marius den vorletzten (!) Platz im Televoting belegte, retteten die Jurys ihn, indem sie ihn auf Platz 5 setzten. Österreich hat beim Publikum übrigens Platz 11 belegt – mit nur 3 Punkten weniger als Island auf Platz 10.

Halbfinale 2 sorgte für eine Premiere, von der man lange dachte, dass es sie nie geben wird. Obwohl Aserbaidschan im Televoting den letzten Platz mit 0 (!!!) Punkten belegte, schaffte es „Fade to Black“ von Nadir Rustamli ins Finale. Die Jury rettete ihn und setzte die vom Televoting als finalwürdig angesehene Andromache aus Zypern mit „Ela“ auf den allerletzten Platz. Wie gemunkelt wird, wegen ihrer stimmlichen Schwächen…

Puh, das war eine Reise! In keinem einzigen Jahrgang waren sich Jury und Publikum über alle 20 Halbfinalist:innen einig, die das Finale erreichen sollen. Dennoch spricht EBU-Mitglied Sieste Bakker von nur „minimalen Unterschieden“ bei den Qualifikanten, sobald die Jurys ab kommendem Jahr wegfallen. Die Statistiken sprechen eine andere, klare Sprache: Die Länder, die am häufigsten ohne Jurywertung weiter ins ESC-Finale gekommen wären sind die Schweiz, Nordmazedonien und Finnland. Sie alle haben drei Mal den Sprung ins Finale nicht geschafft, obwohl es das Televoting gerne so gehabt hätte. Im Falle Nordmazedoniens beziehen sich zwei dieser Fälle allerdings auf 2008 und 2009, als es noch keine 50/50-Gewichtung gab. Ob diese Länder künftig aber tatsächlich bessere Qualifikationschancen haben, ist natürlich schwer zu sagen.

Genauso kann man nicht pauschal sagen, dass es die Länder schwierig haben werden, die oft ohne Jury gar nicht erst das Finale erreicht hätten. Dennoch lässt sich statistisch beweisen, dass ein Land am häufigsten im Halbfinale gescheitert wäre, wären keine Juror:innen am Werk gewesen: Aserbaidschan. Ganze drei Mal hätte das Land bei reinem Televoting Pech gehabt – damit sind die Aserbaidschaner absolute Spitzereiter. Aber auch die Schweiz, Malta, Georgien, Dänemark, Israel, Ungarn und Albanien hätten ohne die Hilfe der Jury zwei Finalteilnahmen weniger auf ihrer Liste. Zudem zeichnet sich ab, dass Länder wie Australien und Malta generell besser von den „Musikexpert:innen“ bewertet werden als vom Publikum, unabhängig von der endgültigen Halbfinal-Platzierung.

Zusammenfassend kann man bei genauem Betrachten jedenfalls sagen, dass das Televoting Beiträge, die auf- bzw. aus dem Raster fallen, eher wertschätzt als die Juror:innen. Viele Beiträge in nicht-englischer Sprache, wie beispielsweise Bosnien und Herzegowina 2016, Finnland 2010 oder Bulgarien 2012, hatten es im Televoting bisher leichter durchzukommen. Aber auch traditionelle Klänge wie die aus Bulgarien 2013, Irland 2014 und Albanien 2022 scheinen es schwer zu haben, Jurys zu begeistern. Beiträge, die verrückt oder humorvoll daherkommen, wirkten auf Juror:innen zudem wahrscheinlich nicht professionell genug (Dänemark 2021, Montenegro 2013…). Auch wenn der Wegfall der Juroren sicher seine Nachteile hat, werden der Wettbewerb und vor allem das Finale in Zukunft höchstwahrscheinlich noch vielfältiger und spannender.

Siehst Du gewisse Länder ohne Juror:innen generell beim ESC ab 2023 in Gefahr? Welche Televoting-Qualifikanten hättest Du gerne im ESC-Finale gesehen? Diskutiere gerne hier direkt unter diesem Beitrag mit.


69 Kommentare

  1. Ich habe Sekret geliebt, heute noch hören immer wieder, deswegen habe nichtmal mehr Finale angesehen gehabt, aber was soll’s

  2. Diese Liste zeigt ja eindrücklich, dass diese Änderung ein riesiger Fehler ist. Reines Televoting im Finale, o.k., bin ich einverstanden. Aber in den Halbfinals? Ich sehe da Übles auf uns zukommen

  3. Mit Finnlands Blackbird ist einer meiner Meinung nach besten ESC-Songs ever im Semi geflogen. Und Polens Tulia habe ich auch heiß geliebt 🥰

  4. Na, es ist mal so, mal so.
    Während ich Jurij, Andromache, Gromee, Kooit & Laura, Timebelle und vor allem Can-Lin wirklich sehr ungern im Finale gesehen hätte, fand ich das Jurybedingte Ausscheiden von Fyr og Flamme, Norma John und Tulia wirklich skandalös. „Oniro Mou“ mochte ich zwar gerne, aber gegen „Mall“ (für mich der beste albanische Beitrag bis heute) hätte ich es trotzdem ungern ausgetauscht.
    2015 und 2016 waren wiederum so starke Jahrgänge, so dass in beiden Semis gute Beiträge ausscheiden mussten. Trotzdem hätte ich lieber Marta & Václav im Finale als die üble Wolfsshow aus Aserbaidschan (aber auch nur wegen der Inszenierung, gesanglich fand ich Elnur gut).
    Kurzum, ein eindeutiges Bild, kann ich für mich nicht erkennen, skeptisch bin ich ob der Entscheidung der EBU trotzdem. Dennoch, mit guten Songs haben alle Nationen Chancen ins Finale zu kommen, genauso wie Deutschland mit einem guten Song/Auftritt gewinnen kann.

    • Oh ja, deshalb will ich Jurys im Halbfinale, weil sie damals Eugent mit Mall (sehr verdient) ins Finale katapultiert haben. Es stimmt aber, dass ich immer noch nicht darüber hinwegkommen bin, dass gerade die Jurys Montenegro (Igranka) 2013 im Finale verhindert haben.

  5. Also dass Yiani Terzi „Oniro mou“ aus Griechenland im Halbfinale beim ESC 2018 „Dank“ des Televoting das Finale verpasste, hat mir bei der Verkündung des Ergebnisses im Halbfinale meinen guten Glauben an ein alleiniges Televoting – ohne Jury – genommen.

    Entweder war und bin ich schwer von Begriff was die Qualität des Songs aus Albanien betrifft. Oder die Mehrheit der Televoter (m/w/d) hat es schlichtweg nicht begriffen, dass der Song „Oniro mou“ die griechische Mythologie in seiner Melodie perfekt rüberbrachte, und dass das zarte Stimmvolumen von Yiani Terzi dem Song fast schon etwas Zerbrechliches verleiht, wovon der Song lebt.💔

    • 100 % Zustimmung bei „Oniro mou“. Musikalisch ist das für mich einer der stärksten ESC-Beiträge der letzten 10 Jahre, und auch wenn die Liveausführung nicht perfekt war, hätte das locker fürs Finale reichen müssen.

      • Der Fehler ist ja 2018 schon bei der Auslosung passiert. Das erste Semi 2018 war das mit Abstand stärkste, das es je gab, und da hätten gut und gerne 15 Beiträge weiterkommen dürfen. Im zweiten Semi waren es vielleicht fünf. Da hilft dann auch keine Jury mehr.

      • @Tamara:

        Porsteinn hat es eigentlich sehr gut auf den Punkt gebracht. Um den ganzen noch einen „Nörgel-Charakter“ zu geben füge ich noch hinzu, dass Sowohl Yianna Terzi aus Griechenland, als auch Eugen Bushpepa aus Albanien nicht gerade die besten Sänger (m/w/d) sind. 😀 😀 😀

      • @ Tamara, bzgl. Eugents Gesangskünsten hatten meine Eltern am ESC-Abend eine lange Diskussion. Mein Vater war ganz hin und weg, und meine Mutter fand die Darbietung etwas zu viel. Ich glaube, dass sie ihn, als es etwas hitziger wurde, einen „singenden Traktor“ genannt hat.

        Ich bin nur der Bote, also bitte nicht schimpfen. 😉😀

      • @Timo: Soso. Das sagense alle. Pfffft. Ich schick gleich mal drei Ladungen Ohrenpopels rüber, und dann reden wir nochmal!

        Wobei man ja eine Sache wirklich sagen muss: Neben allen zehn Finalisten im ersten Semi in dem Jahr hätten noch mindestens Griechenland, Belgien, Armenien und die Schweiz weiterkommen müssen. Ich fands um alle vier schade. Auslosung is ne Bitch.

      • Ups, sorry, da hab ich mich jetzt gerade vertan. Timo, ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil, meine Antwort bezieht sich auf Toggie. Aber auch da schick ich dann mal Ohrenpopels rüber (ist ja in dem Falle auch nicht so weit). Singender Traktor bzw singender Mähdrescher – also wirklich!!! Was sagt sie dann zu Angelica Aggrobitch oder Anna Bergendahl? Singende Säge?

      • @Tamara:

        Also um Haue bettele ich nicht. Dazu würde ich dich auffordern ! 😀

        €togravus ceterum:

        Meine Mutter hat ihn einen „singenden Traktor“ genannt.

        Ich ziehe jetzt Mal den Rückschluss, dass du dein sprachliches Ausdrucksvermögen von deiner Mutter geerbt hast. 😉 😀

      • @ Tamara: Angelica war, glaube ich, „ein schlecht geölter Kleiderständer“. Bei Anna kann ich mich leider nicht erinnern. Da müsste ich noch mal die Notizen meiner Schwester checken, die jedes Jahr die besten Kommentare protokolliert. Meine Mutter ist für ihre ESC-Bonmots bekannt.

        Meine erste Erinnerung ist AUT79: „explodiertes Sofakissen“ (bezog sich in diesem Falle allerdings auf die Frisur)

      • @Tamara:

        LOL

        Also früher in meiner Kinder- und Jugendzeit hatte ich meinen zwei Jahre älteren Cousin immer ganz gut „im Schwitzkasten“ gehabt. 🤣

      • @Toggie: Das explodierte Sofakissen hätte auch ganz gut zu FRA 2004 gepasst. Und apropos Frisur: LUX 89? Ist da was überliefert?

        (Ich stell Deine Mutter sofort bei uns zum Bloggen ein!)

        Mein Lieblingszitat im ESC-Zusammenhang kommt trotzdem von meinen Kindern, die bei der Betrachtung des Jahrgangs 2017 noch nicht gut Isländisch konnten und den Namen der isländischen VE als „Söngelwackelpien“ gelesen haben (die lettische wenig später hieß „Suppennova“).

      • @ Tamara, mit FRA04 hast Du recht. 🙂 Ich muss mir von meiner Schwester mal das Archiv ausleihen. Dann kann ich hier ja mal ein Best of posten.

        Das Kompliment gebe ich an meine Mutter weiter. Sie hat wirklich ein Gefühl dafür, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Sie hat ja auch keinen ESC seit 1957 verpasst.

        @ Timo, ich habe demnach nicht nur die Liebe zur Sprache, sondern auch die Liebe zum ESC mit der Muttermilch aufgesogen …

      • @Tamara:

        Ich bin nichht Jahrgang 1986. Das ist nur das Jahr, in dem ich zum ersten Mal den ESC / damals noch Grand Prix im Fernseher gesehen habe. Bin Jahrgang 1975.

        Dass du mich jetzt quasi genötigt hast, mein tatsächliches Alter offen zuzugeben ist schon fast so etwas wie Schläge. 🤣

      • @Timo: Sagen wir mal so: Ich hab hier schon geschrieben, dass meine erste ESC-Berührung 1981 als Zehnjährige heimlich vor dem Fernseher meiner Eltern war (Tamara war allein zuhaus, die Eltern waren beide aus). Also keine Schläge, nur kluge Schlussfolgerungen (mit anderen Worten: Du hast da gerade nix erzählt, was ich noch nicht wusste).

    • Da hast du jetzt aber glaube ich was falsch verstanden. Im reinen Televoting wäre Yianna weitergekommen, die Jury hat aber Eugent den Vorzug gegeben.

  6. Hätte dies,
    dann wäre das,
    und wenn das so gewesen wäre,
    wäre es anders.
    Alles Haarspalterei.
    Hätte, Hätte, Fahrradkette.
    So wie alles gekommen ist,
    so ist es nun mal.

  7. Mal so, mal so.
    Fragwürdige Schlußfolgerungen, die aufgrund zu vieler Variablen etwas gewagt, wenn nicht sogar gar nicht aussagekräftig sind.

    Anders wäre es, wenn das Teilnehmerfeld um mindestens die Hälfte ausgetauscht worden wäre. Aber so trifft es eher den eigenen Musikgeschmack mal in die eine oder andere Richtung.
    Da kann auch Statistik nicht weiterhelfen.

    • Ja und nein, Matty.
      Dass diese Version einen so extremen 80/90er-Disko-Einschlag hat, finde ich nicht so toll, aber diese Version ist immerhin nicht so abgehackt wie die von Laura & Koit. Da hab ich immer das Gefühl, der Song sollte eigentlich viel länger sein, wurde aber wegen dem ESC gekürzt, man wollte aber jeden musikalischen Teil drin lassen.

    • Also das Original hat mich weiland echt gequält. Aber diese Schwuppen-Disco-Version find ich wunderbar. Das läuft definitiv bei meiner nächsten betüdeöten Party – herrlich. Danke Matty

  8. In den meisten Fällen, in denen ich den Beitrag mag, war ich auch mit dem stattdessen weitergekommenen Beitrag zufrieden. Andromache, Gromee, Ivan, die Finnen und Verona hingegen fand ich ganz schlimm.
    Der Kommentar bei Albina ist auch nicht ganz korrekt. Sowohl die Jury als auch die Televoter wollten sie im Finale haben. Das kann man jetzt drehen und wenden, wer daran Schuld war, aber so zu tun als hätte die Jury sie verhindert ist nicht ganz richtig.

  9. Ganz schlimme Entscheidung…früher oder später haben wir, zumindest in den Semis nur noch effekthaschende Beiträge. Schlimm wie 2006, 2007, 2008…die schlechtesten Jahrgänge ever.
    Bin enttäuscht 😞 und raus.

  10. Wie schon verschiedentlich gesagt, bei einem Nicht-Weiterkommen von „Mall“ hätte ich mich wahrscheinlich entleibt.

    Und entleiben wollte ich mich eigentlich auch hier: „Stattdessen schaffte es aber Boggie aus Ungarn („Wars for Nothing“) am Samstagabend nochmal auf die Bühne. Ich bin der Jury an dieser Stelle ehrlich gesagt sehr dankbar…“ – ICH NICHT! ICH HASSE HASSE HASSE „Wars for nothing!“ * mit Schaum vorm Mund ab*

  11. Was übrigens in der Aufzählung noch fehlt, ist Montenegro 2014, das ohne Jurys leider, leider auch nicht weitergekommen wäre. Es bleibt ein zweischneidiges Schwert. Norma John, Fyr og flamme und beinahe auch Blanche (!!!!!) zu verhindern war allerdings schon echt, echt übel.

      • Stimmt, Du hast recht. Ich sollte wohl mal meine Quellen überprüfen … bei aufrechtgehn.de steht es nämlich anders, aber bei vielen anderen Seiten, die die detaillierten Ergebnisse aufführen, ist Montenegro 10. im Televoting. Frage mich, woher Oliver seine Infos hat – Herr Rau, falls Du das lesen solltest, könntest Du mich bitte aufklären?

      • @Tamara

        Das hängt damit zusammen, ob man die Jurywertungen der Länder, die kein gültiges Televoting einbringen konnten, als Surrogat auch den Zuschauer*innenstimmen zuschlägt oder nicht. Bis einschließlich 2015 ist die EBU so verfahren. Insofern lässt sich sagen, dass Moj Svijet sich qualifiziert hätte, wäre die klassische 100%-Televoting-Regel angewandt worden.

  12. Diese Aufteilung in zwei Teile passt mir sehr gut, weil 2014 das erste Jahr war, in dem ich den ESC „richtig“ verfolgt habe, von daher sind meine Aussagen hier viel fundierter 😉

    Auffällig finde ich, dass die Zahl der Abweichungen im Vergleich zu den ersten Jahren abgenommen hat, aber eine richtige Erklärung fällt mir dafür nicht ein.

    Letztlich sind die Präferenzen der Jurys aber doch ähnlich (gute Produktion, guter Gesang). Man sieht auch, dass sie durchaus den Job machen, für den sie mal eingeführt worden sind: „Trash“ aussortieren (Verona) und Diaspora-Voting ausgleichen (Polen 2018). Ersteres finde ich jetzt nicht so schlimm, ein bisschen Trash schadet dem Finale nicht (ganz im Gegenteil), und von zweiterem werden wir wohl jetzt wieder etwas mehr sehen, Auslosung hin oder her.

    Insgesamt hätte ich auch hier mit den Änderungen gut leben können, es ist aber wie @cars10 schon sagte alles subjektiv.

    Was Bakkers Aussage mit den minimalen Unterschieden angeht: Ist natürlich ein bisschen Wortklauberei, aber wenn sich in jedem Semi ein Beitrag ändert (wie es die letzten fünf Jahre der Fall war), ist das für mich schon „minimal“. Dass es gar keine Unterschiede gibt, hat wohl niemand erwartet.

  13. Die Liste der krassen Fehlentscheidungen der beiden Gremien hält sich so ungefähr die Waage. Die einzige Reform, die den ESC wirklich weiterbrächte wäre ja, dass ich allein die Teilnehmer des Finales bestimmen dürfte. 😉 Und am besten fängt man schon bei den Vorentscheidungen mit diesem Prinzip an.

  14. Im Grunde zeigt die Auflistung doch eines: Auf die platzierungsmäßig erfolgreichen Beiträge des Wettbewerbs hat die Änderung keinen Einfluss. Es betrifft keine 10% der Finalteilnehmer und dort auch die hinteren Plätze. Ihr sagt ja selbst, dass es ungewöhnlich ist, dass „Mall“ trotz des knappen Halbfinals im Finale sogar auf Platz 11 kommen konnte. Und dass Aserbaidschan von den Jurys profitiert, wo sie doch mutmaßlich die eine oder andere davon beraten haben, ist auch ein No-Brainer. Das ist ja auch der Grund, warum sie es für die Halbfinals jetzt wieder abschaffen. Auf die Show hat das keinen Einfluss, nur auf uns Nerds, die wir auch Jahre später noch jeden noch so kleinen Beitrag abfeiern ( ich liiiiebe „Mall“ btw.).

    Interessant ist höchstens, ob es einen strategischen Einfluss auf die Vorausscheide hat, welcher Song überhaupt geschickt wird. Es soll ja Länder geben, die ,anders als der NDR, versuchen Erfolg vorher an sinnvollen Kriterien abzuwägen…

  15. 2014 hätte ich auf Malta zugunsten von Irland verzichten können. Allerdings bin ich froh über Portugals Ausscheiden nach der Sauerei im FdC.
    Was die Juries sich 2016 bei Georgien gedacht haben, werde ich nie verstehen. Allerdings hätten es auch Nordmazedonien und Belarus nicht verdient, aber das Semifinale war einfach das schlimmste aller Zeiten.
    Und jetzt kommt der Grund, warum ich auf ewig sauer auf die Juries bin. Wäre Apollo ins Finale gekommen, wäre mir in dem Jahr einiges an Drama erspart geblieben. Verona mag ich allerdings, im Gegensatz zu den meisten anderen, nicht.
    2021 ist so nicht ganz richtig. Schließlich war Kroatien auch in der Top 10 der Juries. Der Endgegner war hier Mathe, und es war nach Apollo mein zweiter persönlicher Sieger, der von den Zuschauern ins Finale gewählt worden wäre.

    • Das wäre doch auch einmal ein interessanter Ansatz: Qualifikation nicht nach Punkten, sondern nach Rängen. Dann wäre Kroatien (Durchschnittsrang 9,5) statt Norwegen weitergekommen (Durchschnittsrang 10). 😆

  16. Na, zum Glück sind die Unterschiede, außer in der Statistik, nicht ganz soooo gravierend! Und wenn man das Ganze weiterspinnt, dann hätte das Final-Endergebnis vermutlich auch anders ausgesehen. Und, wenn die Länderzusammensetzung in den Halbfinals anders gewesen wäre, dann….!? Oder was wäre, wenn auch in den Halbfinals alle Länder abstimmen könnten und nicht nur die teilnehmenden? Also, was soll’s?
    Trotzdem finde ich, dass die Jurys bleiben muss! Auch wenn bestimmt viel gemauschelt wird, sind sie dennoch eine, zumindest im Ansatz, neutrale Instanz was den Act betrifft. UND es ist ein Komponistenwettbewerb und keine Gesangswettbewerb!
    Abgesehen von den genannten Beispielen: „Mall“ wäre rausgeflogen, unvorstellbar, und „Secret“ weitergekommen, Danke, lieber Musikgott, für die Juryrettung, ist der Wegfall der Jurys in den Halbfinals nur halb so schlimm. Hauptsache die EBU kommt nicht auf den Trichter im Finale auch nur Televoting einzuführen. Dann ist „Gute Nacht“!

  17. Kurze Off-Topic-Frage: die beiden Frontmänner von Litesound (Belarus 2012) sind wohl verhaftet worden, hat da jemand was zu gelesen?

  18. Off-topic:

    Flashdance-Sängerin Irene Cara mit ihrem Welthit „What a feeling“ ist gestorben.

    Es war irgendwie schön, dass es genau diesen Song gab. Denn Lästern ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen hat irgendwie Spaß gemacht. Selten war ich in meiner Schulzeit mit meinen heterosexuellen Klassenkameraden (m) was Musik betrifft so einig wie bei diesem Song.

    R.I.P. 🖤

  19. TV-Tipp

    Heute Abend gibt es im MDR- und SWR-Fernsehen die Beatrice Egli Show und zu Gast sind u. a. die ehemaligen ESC-Teilnehmer Münchener Freiheit und Ireen Sheer sowie die ehemalige ESC-Vorentscheidteilnehmerin Maite Kelly. Beginn der Show ist 20 Uhr 15.

  20. Dass die Jurys „Verona“ aber auch einen Sieg von den 3 knödeligen Amore-Trällerern oder Lazarev verhindern konnten, macht sie schon wertvoll. Es hätte gereicht, die Gewichtung zu verändern: 60% Televote:40% Juryvote.

  21. Es gibt 3 Lieder, die ich im Finale sehr vermisst habe: Quero ser tua (Portugal 2014), Black bird (Finnland 2017) und vorallem Øve os på hinanden (Dänemark 2021). Bei Finnland 2017 habe ich bis heute keine Ahnung an was es gelegen haben könnte. Wäre für mich im Finale sogar Top 10 gewesen. Verona fand ich auch klasse, live war es aber gesanglich ziemlich schwach und oftmals war einfach zu viel Distanz zwischen den beiden. Zumindestens haben die Jurys das schreckliche Aina mun pitää verhindert. Für mich der allerschlimmste Beitrag in der ganzen ESC Geschichte.

    • *Grummel*
      Die Jurys mögen „Aina mun pitää“ verhindert haben, aber dafür haben sie „Wars for nothing“ weitergelassen. Und das ist wiederum für MICH der schlimmste Beitrag der ESC-Geschichte.

    • Ich bin zwar nicht ESC1994, aber ich guck trotzdem und find es superinteressant. An dieser Stelle schon mal ganz viel Liebe dafür, dass der beste aller ESC-Songs auch bei Dir in der Top 30 ist <3 <3 <3

      • ITA 2018. Überhaupt, ich war entzückt, mehr als die Hälfte meines Olymps in Deinen Kategorien 01, 02 und 04 vorzufinden und keinen in 09 und 10. Auch ansonsten stimme ich nicht in allem mit Dir überein, aber in sehr, sehr vielem. In 09 und 10 sind wirklich ein paar erlesene Scheußlichkeiten versammelt – allerdings auch das eine oder andere Guilty Pleasure, aber keiner, wo ich sofort wutschnaubend einen Kommentar ablassen müsste.

      • Natürlich ITA18! Ich habe mich gestern Nacht noch beim Zähneputzen daran erinnert, dass es das sein muss. 🙂

        Bei meinem letzten Durchlauf vor ein paar Jahren ist „Alle mine tankar“ auf der 1 gelandet, aber momentan habe ich auch ganz schwer CHE72-Schlagseite. Mal sehen.

        Und Traktor hin, Mähdrescher ist, „Mall“ ist bei mir ja auch ganz gut weggekommen. Das muss meine bäuerliche Ader sein. 😉

  22. Cooler Artikel, danke dafür! Das Lesen hat großen Spaß gemacht.
    Hab mir auch mal die Mühe gemacht, meine Präferenzen aufzuschreiben:

    2008: Televoting (Tamara > Charlotte, obwohl Schweden im Nachgang ein Trash-Highlight für mich ist:-))

    2009: 2x Televoting (Nordmazedonien & Cipela > Waldo’s People & Lijepa Tena)

    2010: 3x Televoting (Inculto ❤️, Kuunkuiskaajat & Anna B ❤️ > Milim auch gut, Vukasin & Niamh)

    2011: 1x Televoting (Haba Haba > Evelina Sašenko), 3x Jury (Getter Jaani, Anna Rossinelli ❤️ & Čaroban > I love Belarus, Boom Boom-Emmy & Yüksek Sadakat)

    2012: 3x Televoting (Joan Franka ❤️❤️❤️ – wieso, Juries?!, Sinplus ❤️ & Sofi Marinova > Compact Disco, Kurt Calleja & Gaitana)

    2013: 3x Televoting (Igranka ❤️, Heilsarmee & Elitsa/Stoyan > Birgit aber auch gut, Dorians & Waterfall), 1x Jury (Aliona Moon ❤️❤️ > Mižerja)

    2014: 1x Televoting (Suzy > Dilara), 1x Jury (Firelight ❤️ > Can-Linn)

    2015: 1x Televoting (Václav/Marta Jandová > Elnur), 1x Jury (Boggie > PKN)

    2016: 1x Televoting (Kaliopi ❤️❤️ > Hovi Star), 2x Jury (I Stand & Nika Kocharov ❤️ > Dalal/Deen & Ivan)

    2017: 3x Televoting (Blackbird ❤️, mein absoluter guilty pleasure-Favorit “Verona” ❤️❤️❤️ & Timebelle > Isaiah, Nathan & ganz schlimm: Anja Nissen)

    2018: 1x Jury (Waylon > Gromee), Oniro Mou und Mall beide stark, egal

    2019: 1x Televoting (Tulia ❤️ > Zena), 1x Jury (Leonora > Run with Lions)

    2021: 1x Televoting (Fyr og Flamme > Karma), Albina und Hooverphonic waren beide finalwürdig imo

    2022: 1x Televoting (Andromache trotz schlechter Vocals > Fade to Black), Sekret mochte ich nicht besonders, aber auch kein großer Fan von Boys Do Cry, daher keine Wertung

    Mir hätte somit 22x das Zuschauerergebnis besser gefallen, 10x habe ich die Jury-Entscheidung begrüßt. Interessant, hätte mich eigtl immer mehr als Jury-Anhänger gesehen 🤣

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