
Es ist eigentlich kalter Kaffee, was die BILD-Zeitung heute vermeintlich brandheiß berichtet: Die Gesamtverantwortung für den Eurovision Song Contest soll im kommenden Jahr innerhalb der ARD vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) zum Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) wechseln. Mit einer ähnlichen Schlagzeile hatte das Branchenmagazin DWDL allerdings schon vor beinahe einem halben Jahr aufgemacht (wir berichteten). Neu an der heutigen Meldung ist eigentlich nur, dass es nach dem letzten Platz für Lord of the Lost im vergangenen Mai bereits sehr konkrete Überlegungen gegeben haben soll, dem NDR die Verantwortung zu entziehen und stattdessen den MDR schon für 2024 zu beauftragen. Diese Pläne seien jedoch an finanziellen Hürden gescheitert.
Wie weit die Übergabe- bzw. Übernahme-Pläne innerhalb der ARD nun fortgeschritten sind und vor allem, ob sie mittlerweile konkreter sind als noch im September, lässt sich anhand der nebulösen BILD-Meldung nur schwer erahnen. Die Wörter „sollen“, „wollen“ und „könnte“ dominieren den Text von Redakteur Mark Pittelkau, eine Entscheidung scheint in der ARD jedenfalls noch nicht definitiv gefallen oder zumindest noch nicht zur BILD durchgedrungen zu sein. Tatsache dürfte aber sein, dass die entsprechenden Gedankenspiele bei den Verantwortlichen weiterhin existieren und wenn diese Pläne schon sowohl bei DWDL als auch bei BILD angekommen sind, dürfte eine tatsächliche Umsetzung auch alles andere als unwahrscheinlich sein. Auf Anfrage wollten sich beide Sender inhaltlich nicht zum Thema äußern.
Sicher ist: Die ESC-Bilanz der vergangenen zehn Jahre unter NDR-Verantwortung ist verheerend. Die Verantwortung dafür liegt aber nicht allein beim NDR, auch die ARD-Verantwortlichen tun Jahr für Jahr alles, um den Eurovision Song Contest, einen ihrer größten Quotenhits, klein zu halten. Jüngstes Beispiel: Statt in dieser Saison die Vorentscheidung „Das deutsche Finale 2024“ finanziell besser auszustatten (größere Bühne, mehr Probenzeit, bessere Inszenierungen) und zur Primetime um 20:15 Uhr zu senden, wurde das Mediatheken-Nischenformat „Ich will zum ESC!“ geschaffen und für die Umsetzung die externe Produktionsfirma Bildergarten eingekauft.
Ob also wirklich alles besser wird, wenn der für „Musik-Kompetenz“ (O-Ton BILD) zuständige MDR übernimmt, darf zumindest mit einem Fragezeichen versehen werden, solange die ARD-Entscheidungsstrukturen weiterhin bleiben, wie sie sind. Zumal wenn, wie die BILD zumindest suggeriert, eines der wichtigsten Diskussionsthemen ist, ob Florian Silbereisen dann ab dem kommenden Jahr die Vorentscheidungsmoderation von Barbara Schöneberger übernimmt.
Aber wer weiß, vielleicht umfassen die Gedankenspiele ja auch, externe Expertise hinzuzuziehen. Mit Jan Böhmermann (ZDF) und Stefan Raab (plus seiner neuen Produktionsfirma Raab Entertainment) stehen zwei potenzielle Interessenten schon in den Startlöchern.
Die aktuelle ESC-Saison dürfte aus deutscher Sicht jedenfalls gleich aus mehrfacher Perspektive spannend werden. Und wer weiß, vielleicht sind sind alle diese Überlegungen bei einer guten Platzierung in Malmö ohnehin wieder Schnee von gestern. (Nicht frei von Ironie wäre es ja, wenn das dem NDR ausgerechnet mit „Naiv“ von Marie Reim auf dem MDR-Parkett Schlager gelänge…aber diese Gedankenspiele gehen zum jetzigen Zeitpunkt nun wirklich zu weit.)
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Also ich sollte den NDR verklagen wegen Körperverletzung😉 ich hab ein Schleudertrauma vom Kopfschütteln. Schöneberger, Kommunikation, Musikauswahl und jetzt noch Dietmann….
Ich möchte wirklich das ESC Deutschland ein neues Zuhause bekommt. Wir brauchen endlich Herzblut.
Ob jetzt aber die Gerüchte mit dem MDR stimmen und ob der MDR das besser macht wir müssen das abwarten, das wir ja gewöhnt. Wenn der MDR übernehmen sollte schreie ich trotzdem nicht Hurra. Für mich ist das neuer Wein in alten Schläuchen. Ich lasse mich aber gerne positiv überraschen.
Musikauswahl ????
Wirklich ????
2024 ist ja nicht wirklich das non plus ultra,aber habe auch schon schlimmere Jahre erlebt.Und auch maches jünsgst hochgelobte Länder schwächeln ja durchaus dieses Jahr.
Dietmann und Schöneberger sind Personen,auf die man im deutschen ESC-Kontext verzichten könnte.
Das Problem heißt nicht NDR, das Problem heißt ÖRR. Die Strukturen sind auch beim MDR völlig verkrustet und gehören…nun ja.
Und das Gemecker geht wieder los. 😉 Ob der MDR der richtige Partner für den ESC ist, kann Stand heute niemand beantworten. Wer nachher den VE moderiert ist mir aktuell völlig egal. Was aber sehr gut ist, dass etwas passiert. Die Signalwirkung eines Wechsels ist nicht zu unterschätzen und ich persönlich stehe dem sehr offen gegenüber. Was mich allerdings beunruhigt ist das Budget. 2 Millionen sind in der Tat nicht viel, was definitiv für einen zusätzlichen Sender wie Pro7 spricht. Ich verstehe nicht, wieso die Prioritäten so gesetzt werden, wie sie gesetzt werden. Für ein Land wie Deutschland ist so ein Budget für die größte Musik Veranstaltung der Welt lächerlich. Wie dem auch sei, sollte der Wechsel wirklich erfolgen, dann ist es doch positiv zu betrachten. Zum Wechsel müsste aber auch das Budget deutlich nach oben korrigiert werden. Der NDR hat gezeigt, dass er es nicht besser kann.
Ich höre immer etwas von Musikkompetenz beim MDR. Habe ich da was verpasst? Bei allen Musiksendungen bei denen der MDR die Verantwortung hat, kommt doch nur Schlager. Andere Musikrichtungen scheint es beim MDR doch gar nicht zu geben. Man kann ja von der Arbeit des NDR halten was man will, es waren ja auch neben den vielen Katastrofen auch gute Ergebnisse dabei und sogar ein Sieg. Aber es war zumindest immer das Bestreben zu erkennen, mehr als nur eine Musikrichtung in den Vorentscheid zu bringen. Das sehe ich beim MDR nicht.
Zugegeben, der MDR hat bislang eine etwas eingeschränkte Musikkompetenz, weil halt nur Schlagersendungen wirklich zuschauerträchtig sind.
Aber das heißt doch nicht, dass die auch anderes können, wenn sie mal die Chance dazu haben.
Finde es aber auch nochmal gut, die Erfolge des NDR zu erwähnen. Ja, auf 25 Jahre gesehen hätten es mehr sein dürfen. Aber man darf auch nicht vergessen, dass der NDR vor 2013 selten 2 schlechte Jahre am Stück hatte.
Das Bestreben nach Vielfalt war allerdings nicht immer zu erkennen. Man denke nur an 2017 und 2022.
was gibt es denn im TV im ÖR an Musiksendungen mit aktueller Musik, die NICHT Schlagersendungen sind und zur Primetime laufen. NULL ausser ESC und VE.
In den Privaten: ausser Castingshows und ggfs alte Kamellen ventilieren: NULL.
Daraus eine nicht vorhandene Kompetenz herausdröseln zu wollen ist mindestens unfair.
Einzige was mir einfällt ist das SWR3 New Pop Festival. Wird aber nicht vom TV, sondern vom Radio verantwortet. Keiner der deutschen Acts die dort 2023 auftraten werden wir je bei einem VE sehen…In der primetime lief es nicht.
„Der Ablauf der Show ist noch mitten in der Planung, Gäste usw. stehen noch nicht fest und es wäre noch zu früh, um etwas (im Livestream) anzukündigen.“ Tja, Frau W., Ende Januar ist das wohl noch deutlich viel zu früh. Der Vorentscheid ist ja erst Mitte Weihnachten oder so. Ich traue dem MDR auch nicht allzuviel zu, aber der ESC in Deutschland ein Problem. Und das Problem heißt Wolfslast.
Wir haben gerade mal knapp einen Monat vor der Show und da wissen die nicht den Ablauf oder wollen es nicht mitteilen? Interessant.
Wäre es theoretisch nicht auch möglich, den ESC mal an das ZDF abzugeben? Vielleicht sind da die Strukturen nicht so „verkrustet“ wie es jemand liebevoll genannt hat. Aber gut, die ARD will wahrscheinlich nicht eine der meistgesehenen Sendungen abdrücken.
möglich ist es, da auch das ZDF EBU Mitglied ist. Ginge nur mit beiderseitigem Einverständnis. Schliesse aber aus, dass die ARD auf den Quoten-Diamant ESC Finale verzichten wird. Verzichten zu Gunsten des ZDFs, das ständig Marktanteile hinzugewinnt?
Die Platzierung des deutschen Beitrages spielt dabei gar keine Rolle, denn die Quoten sind ja gigantisch, OBWOHL der deutsche Beitrag so oft schon ganz weit hinten landete. Eingeschaltet wird doch trotzdem und darauf kommt es an.
als jmd der nich weit vom MDR entfernt lebt, freut mich das ein bisschen, steigen so die Chancen, mal beim Vorentscheid dabei zu sein.
Ich denke – hoffe – viel schlechter kann es ja jetzt eig nicht mehr werden. Zumindest die Bühne und das technische Know-How für guten Sound der Vorentscheidungsshow stehen schon mal.
Ich vermute mal, die endgültige Entscheidung über einen Wechsel der Sendeanstalt würde nach dem ESC gefällt werden, wahrscheinlich im Juni oder Juli oder so. Nach der Sommerpause wird dann ein Team zusammengestellt, dieses muss ein Konzept erarbeiten und dann ist das Jahr schon fast vorbei, wenn der Bewerbungsaufruf rausgeht und wir bekommen nächstes Jahr dann wieder irgendwas halbgar fix zusammengeklöppeltes vorgesetzt.
Das ist es ja, darum fände ich ein Konzept wie in Belgien eigentlich gar nicht so schlecht, dass 2 Sendeanstalten sich jedes Jahr abwechseln. Jeder hat genügend Zeit sich Gedanken zu machen und man könnte direkt nach dem ESC mit der Auswahl beginnen
Trotzdem hoffe ich auf ein gutes Ergebnis. Schon alleine für den Act, der den Vorentscheid gewinnt, wäre es wünschenswert. So könnte sich der NDR mit einem guten Ergebnis verabschieden, denn ob es mit dem MDR wirklich besser wird, ist nicht gerade sehr wahrscheinlich. Anfang der neunziger war der MDR schon mal zuständig, mit sehr durchwachsenem Erfolg.
Wie die Auswahl auch dieses Jahr deutlich gezeigt hat:
Neue Leute in Verantwortung wären dringend nötig.
Und, klar ist: Schlechter kann es kaum werden.
Mit „Auswahl“ meine ich nicht nur die Kandidaten, sondern auch den gesamten, intransparenten und chaotischen Prozess dahinter.
Chaotisch war es meine ich nicht so sehr, würd eher sagen man hat sich im großen Musiklabyrinth verlaufen, währenddessen man rumdiskutiert hat.
Es gab da ein ganz klares Ziel nämlich ‚Jurypunkte‘ und ESCtauglich (whatever that is). Das war die Vorgabe. Dazu galt die übliche Vorgabe: in den VE kommen nur die Sachen, die wir als NDR Team bzw erweitertes Team da auch drin haben wollen.
Bin gespannt was das bringt und was man uns denn für ein Konzept präsentiert . Sehe dem erstmal entspannt entgegen und schlimmer als die letzten Jahre kann es ja nicht werden , also gehts nur noch bergauf ;).
Ich wäre ja eh dafür das ganze mal dem ZDF zugeben um zusehen was die daraus machen.Aber das macht die ARD wohl nicht mit.
Beim MDR gibt es nicht nur Schlagersendungen. Jeanette Biedermann und Gregor Myle moderieren die MDR- Sendung „Your Song“. Dort treten Künstler wie Adel Tawil, Wanda, Wincent Weiss oder Zoe Wees auf. MDR nur auf Schlager zu reduzieren ist falsch.
Vielleicht ist es ja in ein oder 2 Jahren obsolet, welcher Sender die Verantwortung für den ESC hat. Denn gerade werden große Strukturreformen für die ARD diskutiert, und die Auswirkungen auf die ESC-Teilnahme und wie dann ein Künstler gesucht wird, sind da noch nicht abzusehen. Was den MDR angeht, bin ich sehr, sehr skeptisch, ob er es besser macht als der NDR.
Ich persönlich fände ja den SWR oder WDR musikalisch gesehen viel besser geeignet. SWR haben zum beispiel das New Pop Festival (Weiß aber gerade nicht ob es das noch gibt) und WDR ist mit 1Live gut aufgestellt