BILD wärmt kalten ULfI-Kaffee wieder auf

Artikel BILD Unser Lied für Israel S!sters NDR

Ganze sechs Tage hat eine „Chefreporterin“ von der BILD gebraucht, um das Ergebnis von „Unser Lied für Israel“ zu analysieren, um nun eine mit einer Suggestiv-Frage aufgemacht Meldung zu veröffentlichen. Was steckt dahinter?

Reißerisch titelt die BILD: „Schiebung? Wirbel um deutsche ESC-Sisters [sic!]“. (Ob es wohl einen Grund hat, dass BILD in der Online-Ausgabe auf das Wort „Schiebung“ im Titel verzichtet?) Inhalt: Teilweise berechtigte Fragen, die aber zum Beispiel hier auf dem Blog und in der Fan-Community schon seit vergangenem Freitag (man möchte fast sagen: ausreichend) diskutiert wurden, teilweise auch hanebüchenes Halbwissen, das nicht gerade von gründlicher Recherche zeugt.

Der Beitrag besteht im Prinzip aus drei Vorwürfen, die beweisen sollen, dass es bei „Unser Lied für Israel“ eine „Schiebung“ gab. Die einzelnen Punkte wollen wir uns im Folgenden näher anschauen:

1. „Beweis“: S!sters sind erst nachträglich in die Show gerutscht

Das ist eigentlich ein Fakt, den man nicht leugnen kann. Es ist aber gleichzeitig natürlich überhaupt kein Hinweis auf irgendeine Art von Schiebung, weil dieser zusätzliche Weg im Voraus frühzeitig angekündigt worden war und auch nichts direkt mit dem Ausgang der Show zu tun hat. Trotzdem kann man darüber selbstverständlich diskutieren. Statt aber über die Notwendigkeit oder Legitimität diese „Nebenweges“ zu sprechen (wie wir es etwa hier in einem Kommentar und hier in unserem Interview mit Thomas Schreiber getan haben), konzentriert sich der Streitpunkt zwischen BILD und NDR-Sprecher Ralf Pleßmann lediglich auf die Frage, ob man hier nun von einer „Wildcard“ für S!sters reden kann oder nicht. Als ob das Problem oder Nicht-Problem an diesem Punkt wäre, wie man die Nachnominierung/Nominierung über einen anderen Weg nun bezeichnet.

Noch dazu wird der Schwarze Peter etwas unfein einer Redakteurin zugeschoben, die – vermutlich nach bestem Wissen und Gewissen – den Begriff „Wildcard“ auf der NDR-Seite Eurovision.de verwendet hat, was BILD nun als Beweis dafür heranzieht, dass es eine Wildcard gab. Noch einmal: Die Nominierung über einen anderen Weg ist doch unstrittig und wie man das nun nennt, ist total egal. Die nachträglichen Bekanntgabe wird teilweise kritisch gesehen und der NDR hat hier – vielleicht unnötigerweise – eine Flanke geöffnet, aber das Wort Schiebung ist in diesem Zusammenhang bestimmt fehl am Platz.

2. „Beweis“: Bevorzugung der S!sters durch Jury-Mitglied Johannes Strate

Im Prinzip ist der Sachverhalt hier ganz ähnlich. Die BILD hat jetzt herausgefunden, was wir schon vor sechs Tagen berichtet haben: Johannes Strate von Revolverheld, der Teil der internationalen Experten-Jury bei „Unser Lied für Israel“ war, ist mehr oder weniger gut bekannt mit Carlotta Truman von den S!sters. Hätte man ihn deshalb in der Jury, der er bereits seit August 2018 angehörte, ersetzen müssen? Ja! Nicht, weil es irgendwelche Zweifel an der Integrität von Johannes Strate gibt, sondern einfach, um sich nicht angreifbar zu machen. Hätten S!sters „Unser Lied für Israel“ auch gewonnen, wenn Johannes Strate nicht in der Jury gewesen wäre? Ja! Das aber verschweigt die BILD-Zeitung natürlich lieber. (Sie verschweigt übrigens auch, warum sie den Artikel mit einem Foto von Aly Ryan bebildert, die ja schließlich Vierte wurde und damit von kleineren Änderungen in der einen oder anderen Jury-Wertung sicher nicht maßgeblich profitiert hätte.)

3. „Beweis“: Der Manager von Lauritas Schwester heißt Lars Ingwersen und ist auch für das Song Writing Camp verantwortlich

Spätestens hier kann ich der Argumentation der BILD leider gar nicht mehr folgen. Der Witz ist doch gerade (siehe „Beweis“ 1), dass die S!sters eben nicht im Song Writing Camp waren. Mit dem Rest des Prozesses und vor allem mit den Entscheidungen hatte Lars Ingwersen nichts zu tun. Wie er hier Laurita und Carlotta also einen Vorteil verschafft haben soll, verliert sich in den Nebeln von Norwegen.

Fazit: Dass es rund um die deutsche ESC-Vorentscheidung 2019 Diskussionspotenzial gab, wurde in den letzten Tagen an vielen Stellen deutlich. Es gab viel kritische Berichterstattung (und noch kritischere Kommentare) und der NDR hat sich – vor allem in Person von NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber – der Diskussion auch gestellt, zum Beispiel hier auf dem Blog und auf Eurovision.de mit ausführlichen Interviews. Statt sich in diesen Diskurs einzuklinken, kommt die BILD nun – wie man bei uns im Süden sagt – „wie die alt‘ Fasnacht“ knapp eine Woche zu spät um die Ecke, gießt erstmal ordentlich Öl ins Feuer und veröffentlicht eine halbgare Geschichte, in der der Name „S!sters“ nicht ein einziges Mal richtig geschrieben wurde. Wirklich schade, dass das jetzt vermutlich das Bild ist, das bei vielen ESC-Interessierten außerhalb der Bubble von „Unser Lied für Israel“ hängenbleibt.



39 Kommentare

  1. Ein schriftlich geführtes Interview ist sicher vieles, aber nicht eins gemäß der Prämisse „hat sich der Diskussion gestellt“. Und schon gar nicht eine kritische oder selbstkritische Auseinandersetzung mit einem
    Thema, egal welchem. Den Rest der Argumentation überlasse ich dem eigenen Geist.

    • Ich finde die Art des Interviews zweitrangig. Wir haben ein (schriftliches) Interview angefragt und Herr Schreiber hat ohne Umschweife zugesagt, insofern finde ich schon, dass er sich der Diskussion gestellt hat. Was übrigens auch dadurch unterstrichen wird, dass er hier sogar noch auf Kommentare geantwortet hat.

  2. Na ja , Hauptsache das Käseblatt erweckt das ESC-ignorante Volk wieder zum Leben. Für mich vollkommen irrelevant.

    Wird wohl nicht viel helfen …. Dieses Jahr rechne ich mit einer ganz schwachen Einschaltquote, willkommen zurück in den Neunzigern !

  3. Tja, Deutschland fällt wieder mal nur mit „Skandälchen“ auf. Anscheinend das einzige Mittel, um einen ziemlich belanglosen Titel interessant zu machen. ….

  4. Die BILD ist einfach die letzte dreckszeitung. Schlagzeilengeil wie nichts auf dieser Welt… und diese ständigen unsachmäßen falschen oder wie in dem Fall nur zum Teil korrekten ‚Hintergrundgeschichten‘. Journalistisch ne glatte 6

  5. Die Bild ist zum kotzen. Wieder versuchen sie den deutschen Beitrag zu boykottieren. Einfach nur ekelhaft ist das. Hoffentlich tut der NDR mal dagegen was.

  6. Bitte bezeichne dieses Käseblatt als „Zeitung“…..

    Ich kann auch auf die Schlagzeile dort verzichten, wenn es am 18.5. nicht klappen sollte. Dann kommen die wüstesten Verschwörungstheorien..

  7. Kalter kaffee. Vielleicht hat ja der eine oder andere esc-fan dadurch bild-plus abonniert☺
    @benny, schon wieder diese ominösen nebel von norwegen…..

  8. Na ja, so bleibt der deutsche Beitrag wenigstens im Gespräch. Wenn es um das Lied selbst geht, ist es ja eher ruhig.

  9. Verstehe den Aufmacher jetzt auch nicht wirklich 🤷🏻‍♂️
    Fakt ist, der Auftritt war der Beste der VE.
    Fakt ist auch, keiner interessiert sich für den Beitrag, null erwähnenswerte Platzierungen in irgendwelchen deutschen Charts.
    Aka, verdient gewonnen…aber no Chance auf nen Top10 Platz beim ESC

  10. Gut, dass der schlecht recherchierte Artikel hier korrigiert wird.
    Dass die Ungereimtheiten des Vorentscheid in der Bild vor einem großen Publikum thematisiert wird, ist meiner Meinung nach positiv zu bewerten, auch wenn es etwas verspätet und BILD-typisch reisserisch daher kommt. Immerhin wird die Veranstaltung somit gesellschaftsrelevanter als erwartet. Der NDR muss sich nun mit der entstandenen Kritik noch mehr auseinandersetzen, was eigentlich nur zu begrüßen ist und auf Besserung hoffen lässt.
    Die Verbindung des Managers Ingwersen zum Song Weiter Camp verstehe ich als Hinweis auf Verfilzung des Auswahlsystems. J.Strate hätte im übrigen auch freiwillig auf seine Jurorentätigkeit verzichten können und somit seinem Schützling negative Berichte erspart.

  11. die Bild Zeitung taugt noch nicht mal dazu, das man sich damit den Arsch abwischt. Geschweige das sie etwas zur einer Diskussion beiträgt. Dieses Drecksblatt will nur mal wieder den deutschen ESC-Beitrag mit Dreck bewerfen. Sollten Sisters gut abschneiden, schwenken sie dann wieder um. Genauso wie bei Schulte.

  12. Nun haben ja schon viele Länder ihre Beiträge veröffentlicht. Den Sieger-Song habe ich bisher aber noch nicht gehört. Auch Italien könnte ich jetzt nicht als Sieger-Song einstufen. Vielleicht sind die Karten Deutschlands dann doch nicht so schlecht. Die „Bild“ als Boulevard-Blatt ist da kein Mass-Stab für Bewertungen.

    @ escfan05: Du bevorzugst immer noch das edle Klopapier, gelle? Ja, da sollte man schon wählerisch sein, genauso wie bei der Musik!! 🙂

  13. Bin ja selber mit dem Vorentscheid und den Schwestern nicht wirklich zufrieden, aber die Bild kann man echt in die Tonne hauen. Die haben Michael Schulte sogar am Tag des ESC letztes Jahr noch ohne Ende verrissen.

    War aber auch positiv überrascht, noch etwas vom Beitrag zu lesen/hören. Der ESC ist leider wieder so dermaßen tot in Deutschland…

  14. Die BILD ist übrigens nicht die einzige Zeitung, die darüber berichtet. Viele andere Zeitungen haben das gleiche Thema aufgegriffen – und alle auch erst so spät. Bei Google kommen mindestens fünf Meldungen zu diesem Thema aus den letzten 24 Stunden.
    Ich jedenfalls nehme nun die albanische Nationalität bis Mai an. Das ist das erste Lied der Saison und kein anderes Lied hat Albanien von meinem Platz 1 abgelöst in dieser schwachen Saison.

  15. Die BILD hat hier leider Recht. Natürlich ist sie ein Decksblatt. Aber unser Song ist auch Dreck. Totaler. Das Schreiber das verteidigt ist wohl klar. Dafür wird er auch bezahlt.

    ER wollte diesen Song als Deutschen Beitrag haben. Die ganze Show war eben auf S!isters ausgerichtet. Wer das hier bestreitet hat sicher ne andere Sendung gesehen.

    Der 7. Startplatz ist eben kein Zufall. Das es bei der internationalen Jury voreingenommene Juroren gab, zumindest 2 die Bezug zu S!isters haben ist auch kein Zufall.

    Schreiber und der NDR wollten S!isters. Wenn der Song zumindest noch ein wenig gut wäre und modern und zeitgemäß, könnte man das sogar noch verkraften.

    So hat man jetzt seinen „Concept-Song“… allerdings hat der Song kein Konzept, weil ein Konzept eben eines sein muss – authentisch. Schulte war das im letzten Jahr. Authentisch und echt.

    S!isters sind einfach nur Retortenkacke wie Black Smoke, Ghost und Perfekt Life.

  16. In welcher Verschwörungswelt manche leben ist echt erstaunlich. Die Zuschauer, die für Sisters die meisten Stimmen abgegeben haben, sind nur halb so einfälltig wie manch ein Kommentierer hier. Und jetzt bin ich mal gespannt wer sich angesprochen füllt.

  17. Zumal sich Retortenact und Erfolg beim ESC auch nicht gegenseitig ausschließen. Nach Tel Aviv kann man immer noch herummosern.

    Ohne Strate in der Jury und mit der letzten Startposition ausgestattet, die eventuell die knapp 30 Anrufe gebracht hätte, um Aly Ryan im Televoting zu überholen, hätte Makeda gewonnen. Und es hätte ebenfalls einen Aufschrei gegeben, nur in dem Fall eben weil S!sters als Televoting-Sieger nicht gewonnen hätten.

    Wenn es nicht gerade eindeutige Favoriten gibt wie Lena, Roman Lob, Michael Schulte etc. kann der NDR irgendwie nur verlieren. Allein für diesen ganzen Stress wünsche ich mir fast schon eine gute Platzierung in Tel Aviv, damit die Verantwortlichen (die Zeit und Arbeitskraft investieren) als Ausgleich zumindest ein wenig Genugtuung haben.

    Ich hätte mir auch einen moderneren, auffälligeren Act gewünscht, aber wenn Deutschland momentan nur auf Nummer sicher spielen und das dann zumindest qualitativ hochwertig geschieht und mit einem entsprechenden ESC-Erfolg belohnt wird, kann man zumindest die ZUfriedenheit genießen, sich nicht blamiert zu haben.

    Und sollten wir wieder einen der letzten Plätze belegen, können wir uns wie gesagt immer noch ärgern und versuchen uns ans konstruktiver Kritik zu üben.

  18. Abwarten. Kann mir aber nicht vorstellen, dass es so schlecht wie 2015 – 2017 wird. Dafür ist allein schon die Konkurrenz dieses Jahr so schlecht. Wenn die beiden das auf der Bühne gut hinbekommen, kann schon auch der eine oder andere Funke zum Publikum überspringen. Die Jurys sollten auch ein paar Punkte locker machen. Denn singen können die beiden ja. Auch könnte der eine oder andere sich von dem Thema angesprochen fühlen. Wer weiß?

    Und außerdem waren wir jetzt schon zwei mal in Folge nicht letzter. Es wäre also auch nicht ganz so schlimm, wenn der Worst Case wieder mal eintreten würde 🙂

  19. Nachdem ich nun den „She Got Me“ gehört habe, kann ich feststellen: mir gefällt „Sister“ wesentlich besser. Keine Erleichterung, keine Enttäuschung – ist einfach mehr mein Fall (aber hey, ich gehöre mit kurz vor 50 wohl zum senilen ARD-Publikum).
    Gut möglich, dass Österreich dieses Jahr den (für mich) besten DACH-Beitrag liefert. Ich würde mich freuen!

  20. Bei der berechtigten Diskussion um den #ESC2019 Vorentscheid kommen oft @NDR Funktionäre zu Wort. Warum fragt eigentlich niemand mal die Künstler danach, ob sie das Verfahren als fair empfunden haben? Wäre doch auch ein interessanter Einblick
    Liebe Grüße von einer Aly Fangruppe

  21. Ja, die BILD hat ganz viele Infos nicht, anscheinend hat hier nicht ein Journalist sechs Tage recherchiert. Sonst hätte die BILD nämlich alle längst bekannten Hinweise aufegeführt, die klar darauf deuten, dass der NDR und dein Unterhaltungschef Thomas Schreiber von Anfsng an ihren Sieger längst ausgeguckt hatten. Oder wieso wird die Facoritin Aly Ryan auf dem schlechtesten Startplatz plaziert? Der NDR weiß, je weiter hinten plaziert ein Kandidst ist, desto größer die Chance, dass für ihn angerufen wird. Das war schon in den Jahren davor so. Und tatsächlich haben ausgerechnet die Kandidaten, die am Position. 5-7 auftraten die meisten Stimmen im televoting bekommen, man muss dich das nur mal genau anschauen, dann wird klar: Aly Ryan sollte nicht gewinnen. Die Frage die sich mir stellt: warum wollte der NDR das verhindern, obwohl doch schon jetzt nach alle. Umfragen klar ist: mit Sisters wird Deutschland nicht unter die top 10 kommen.

    • @Frankawuest@gmail.com: Nein das Ergebniss von Sisters ist erst nach dem ESC klar. Nicht davor. Diese Umfragen bedeuten nix. Bei Michael Schulte waren die Wettquoten bis zu den Proben beim ESC ganz schlecht, erst in Lissabon gingen sie nach oben. Also die Entscheidung wo am Ende Sisters landen werden, gibt es erst in Tel Aviv und nicht durch Umfragen vorher. Das Schreibst du doch nur, um Stimmung gegen Sisters zu machen.

      • @escfan05 ich möchte keine Stimmung gegen Sisters machen. Auch wenn ich persönlich lieber Aly oder Makeda für uns in Israel gesehen hätte wünsche ich mir, dass Deutschland gut abschneidet. Es macht ja auch keinen Sinn jetzt Stimmung gegen Sisters machen zu wollen – die Entscheidung ist gefallen.

        Ich wünsche mir nur wie viele andere Kritiker dass der NDR den Wettbewerb künftig fair austrägt, denn sonst kann man keinem ernstzunehmenden Künstler raten daran teilzunehmen. Dass Thomas Schreiber vom NDR jetzt schon auf den Song hinweist für den er 2020 einen männlichen Sänger suchen möchte deutet nicht darauf hin, dass er die Kritik an seinem Vorgehen, die ja nicht nur von der Bild geäußert wird, erst nimmt.

        Ob sich Sisters in real Aviv durchsetzt wird sich in der Tat erst im Mai zeigen, wir dürfen gespannt sein.

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