Erste Probe BELGIEN: Hooverphonic – The Wrong Place

Dass der belgische Beitrag in diesem Jahr polarisieren könnte, hätte bei seiner Veröffentlichung wohl niemand gedacht. Während es der Lieblingsbeitrag von Blogger manu ist, spricht Benny „The Wrong Place“ bisher nicht einmal Black-Horse-Qualitäten zu. Allerdings war ich gerade beim Blick auf die Wettquoten überrascht: Belgien liegt da doch tatsächlich vor Albina aus Kroatien. Ob das heute Abend so noch Bestand haben wird? Gleich wissen wir mehr.

Wir haben schon gehört, dass Sängerin Geike Arnaert wohl ein recht kurzes Outfit gewählt haben soll. Mal schauen, wie das in die Umsetzung passt. So richtig dynamisch kann man bei dem Lied auf der Bühne ja nicht agieren. Andererseits haben wir schon viele gute Umsetzungen von langsameren Songs erlebt. Es bleibt spannend.

Hier ist weiter Warten angesagt. Vermutlich läuft gerade der erste Durchlauf in der Arena schon. Und dann geht es auch los…

Geike trägt ein schwarze Outfit mit Glitzersteinen – mit Rollkragen. Im Hintergrund ist eine weitere Sängerin mit einem Tambourine zu sehen. Die Bühne ist sehr schwarz. Es ist ein reduziertes Band-Staging. Das sieht aus wie in einem Probenraum, in dem das Licht ausgefallen ist.

Foto: EBU / Thomas Hanses

Auf der LED-Wand im Hintergrund wird das Gesicht von Geike in schwarz-weiß gezeigt. Das erinnert entfernt mit ihrem leidenden Gesichtsausdruck an „Psycho“. Ältere Leser*innen werden sich erinnern.

Foto: EBU / Thomas Hanses

Benny meint, dass sich Geike vor dem Auftritt auch mal hätte kämmen können. Da hat er nicht ganz unrecht.

Es passiert wirklich nichts. Geike steht in der Mitte und singt. Um sie herum auf vier Podesten sind Klavier, Schlagzeug, Bass und Tambourine positioniert – jeweils mit einem/r Künster*in.

Foto: EBU / Thomas Hanses

In der Brücke des Liedes wird Geike in grelles, weißes Licht getaucht. Das ist aber auch schon alles an Effekten.

Das wirkt auch stimmlich sehr gepresst und leidend. Der Auftritt bewegt nicht wirklich und macht eher Angst. Sehr verhaltender Applaus im Pressezentrum. Wir sind nicht überzeugt. Benny sagt es, wie es ist: „Nee!“ Wir halten fest, dass sie so gesungen hat, wie sie halt ist. Das war gut.

Foto: EBU / Thomas Hanses

Ein solcher Auftritt war ja bei dem Oeuvre und dem Selbstbild der Band zu erwarten. Und ich will auch gar nicht, dass die hier einen auf Albina machen. Aber so ist das doch sehr negativ.

Foto: EBU / Thomas Hanses

Ich spüre auch im entferntesten keine Common-Linnets-Vibes. Ich sage mal so: Dark ist es. Ein Dark Horse aber ganz sicher nicht.

Foto: EBU / Thomas Hanses

Nichtsdestotrotz kann das natürlich auch seine Anhänger*innen finden.

Foto: EBU / Thomas Hanses

Zweiter Durchlauf. So kurz ist das Kleid von Geike nicht. Aufgrund ihrer hohen Overknee-Stiefel sieht man nur etwas von ihren Oberschenkeln. Als Effekt wird häufiger Flackerlicht eingesetzt. In der zweiten Strophe ist der Backdrop auch anders: da sind Hände zu sehen. Das ist ganz nett. Die Kamera fährt häufiger um die vier Podeste herum, so dass Geike mit ihrem Mikrofonsender auch mal von hinten zu sehen ist.

Foto: EBU / Thomas Hanses

Es bleibt aber das Problem, dass Bands und ihre Mitglieder nicht in ihrer Vollständigkeit sinnvoll bei so einem Auftritt gezeigt werden können.

Foto: EBU / Thomas Hanses

Wir hadern nach wie vor mit dem Auftritt. Grundsätzlich ist daran nichts falsch. Es ist aber auch nicht sehr viel richtig. Positiv kann man sicher sagen, dass die Band sich für den Auftritt nicht verbogen hat, sondern sich treu bleiben konnte.


40 Kommentare

  1. Ich mag „The Wrong Place“ sehr gerne, und auch Geikes Stimme. Allein wegen der reduzierten Inszenierung wünsche ich Belgien den Finaleinzug, aber ich fürchte auch, dass Hooverphonic untergehen könnte.

    • Ich muss meinen Kommentar ein wenig revidieren: Ich glaube, die Chancen für Belgien steigen. Einfach, weil der Beitrag sich angenehm von den anderen abhebt. Der Song hat was angenehm beruhigendes.🙂

  2. Der Beitrag hat auf mich eine sehr Depressive Stimmung. Ob das in Zeiten wie diesen gut ankommt, wage ich tatsächlich zu bezweifeln. Die Zuschauer werden es Hooverphonic schwer machen. Einziger Lichtblick: Die Jury. Ansonsten sehe ich das aus im Halbfinale.

    • Ich weiß nicht… man wählt doch trotz allem nur was einem gefällt.

      Ich glaube eher dieses Credo, dass nur bunte Sachen und Happysounds in „diesen Zeiten“ von den meisten gewünscht ist, ist viel zu verkopft gedacht. Die Fanbubble stürzt sich jedes Jahr erstmal auf die „Happysounds“ und übersieht dabei oft die emotionalen und so meist ruhigeren Beiträge.

      Ich bin gespannt, gehe aber davon aus, dass die Verteilung zwischen ruhig und happy ähnlich ausgewogen sein wird wie immer.

      • Ja, und es ist gut, wenn es ausgewogen ist. Deshalb hoffe ich auch, dass es auch ein paar ruhigere Acts ins Finale schaffen. Nur Songs in der Machart von San Marino, Malta oder Kroatien wäre auf Dauer auch eintönig. Also, ich drücke die Daumen.🙂

      • Da ich stimme ich manu voll zu. Jeder hat die Coronazeit miterlebt und dennoch höre ich jetzt nicht lieber den typischen Happysound. Ich höre auch genauso viel emotionale und ruhigere Musik wie zuvor. Ich glaube zwar auch, dass es Belgien beim Televoting schwer hat, aber das würde ich bei dem Lied in jedem anderen Jahr auch denken.

  3. Das wird nix viel zu öde und dann alles schwarz und trist neee, hat 2018 schon Sennek ins Verderben gestürzt : D

  4. Ich habe mit sowas irgendwie gerechnet. Meiner Meinung nach findes besser wenn nur die Band auf der Bühne steht.

  5. Ich habe hier einen ganz anderen Eindruck. Ich fand die Inszenierung sehr harmonisch und Hooverphonic wurden sehr schön als Band in Szene gesetzt. Auch die ruhige Kameraführung hat mir gefallen. Und vor allem hatte ich hier wieder das Gefühl, dass es alles sehr stimmig ist.

    • Oh, spannend.
      Konntet ihr denn schon die Kamerabilder sehen, also so wie es dann im TV zu sehen sein wird – oder seht ihr die Bilder so, wie die Aufnahmen in den offiziellen Kurzvideos?
      Wenn die Kamera herumfährt (also ähnlich dem Auftritt der Common Linnets) hab ich schon noch Hoffnung, dass es gerade zwischen den bunt-überladenden Auftritten vorher doch sehr gut wirken kann. Gerade wenn es so dunkel gehalten ist…

  6. Ich finde die Bilder und das Video wirken sehr gut und passen zum ruhigen Song. Ich sehe immer noch absolutes Dark-Horse-Potential.

  7. „The Wrong Place“ ist schon nicht der stärkste Song und Geike jetzt auch nicht die charismatischste Sängerin, da ist dann so ein Staging, so klassisch und stimmig es auch sein mag, heutzutage einfach zu wenig.

    • Ich fühle mich etwas an Caroussels „That Night“ erinnert. Das mochten ja auch viele, das Finale hat es dennoch deutlich verfehlt.

  8. Frage an die Blogger vor Ort: Seht ihr schon das richtige Fernsehbild oder auch nur die Mitschnitte aus der Distanz?

  9. Die Touristengruppe aus Nordeuropa, die im letzten Jahr als einzige die Ersatzwanderung aller Touristen mieden und somit jegliche Sympathiepunkte bei Eichhörnchen und Co. verspielte. Darufhin wurde vor kurzem eine Trauerfeier für ihre Sympathie veranstaltet. Vor lauter Düsternis ihre Wechselsachen vergessend machten sie sich also in tiefschwarz getaucht auf ihre Wanderung zur Nordsee. Wie auch bei ihren Vorgängern aus Nordeuropa, sind die Landschaften, die sie passieren, eher bescheidend.
    Ob die düstere Stimmung reicht, um in die engere Auswahl des “ Wanderweg des Jahres “ aufgenommen zu werden, ist doch recht unwahrscheinlich.

  10. Hm, da hätte man ruhig mit Kerzenlicht arbeiten und noch ein wenig das Studiolicht reduzieren können. An sich sieht es nicht so schlecht aus, aber hmm. Den Backdrop finde ich noch zu massiv und Geike steht da ein bisschen gelangweilt rum – vielleicht wäre ein Mikrofonständer dabei besser? Da müssen wir wohl auf die zweite Probe warten…

  11. Also ich könnte mir gut vorstellen, dass Belgien gerade deshalb ins Finale kommen, weil sie so sehr auf die Musik und sich selbst reduziert sind. Das wird dann das erste Land, welches fürs Finale genannt wird.
    Und alle sagen: Ne, echt jetzt?

  12. Dass Hooverphonic auf Trickkleid, Windmaschine und Hamsterrad verzichten, war doch eigentlich klar. Schaut für mich gut aus, wie erwartet. Gefällt mir.

  13. Mir gefällt es auch, und ich finde, die Inszenierung passt zum Song und zu Hooverphonic. Alles andere wäre falsch.

  14. Ok, ich bleibe gespannt.

    Klar ist das in erster Linie Juryfutter und nicht für alle interessant. Und ein paar Televotingpunkte, mindestens aus den Niederlanden, kann ich mir auch gut vorstellen. Geike sollte dort ja noch recht bekannt sein. Sie hat ja vor 3 Jahren mit BLØF zusammen eine Coverversion von Bosse’s großartigem „Frankfurt Oder“ aufgenommen – und damit einen Überhit in den Niederlanden und Belgien. Ist meines Wissens sogar das erfolgreichste niederländischsprachige Lied aller Zeiten:

    https://youtu.be/N0OLEgc-Glk

  15. Einer meiner Favoriten im ersten Semi – das muß ins Finale. Stimmlich top und das düstere Ambiente paßt echt gut. Wird aber in erster Linie auf das Wohlwollen der Jury angewiesen sein.

  16. Ich weiß, Vergleiche hinken. Aber irgendwie habe ich bei Hooverphonic ein „Monster like me“-Gefühl….

  17. In der Totalen wirkt es tatsächlich etwas zäh inszeniert, ich kann mir aber vorstellen, dass es mit wechselnden Kameraperspektiven ganz gut kommt. Das etwas Düstere passt auch, das Lied wirkt ja eh ein bisschen wie ein melancholisches französisches Popchanson.

    Tja, wenn sie jetzt auch noch auf französisch singen würden, würden die Chancen auf das Finale exorbitant steigen (und wenn Geike sich die Haare kämmt).

  18. Das passt alles hinten und vorne nicht zusammen. Erinnert mit an den verkorksten Düster-Auftritt von Trijntje Oosterhuis.

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