ESC-Barometer 2026 (5): Finnland und Australien holen sich Doppelspitze, Deutschland Vorletzer

Linda Lampenius und Pete Parkkonen – Foto: eurovision.com

Es war ein Erdrutschsieg mit Ansage: Erwartungsgemäß haben sich Linda Lampenius und Pete Parkkonen beim finnischen Vorentscheid UMK 2026 durchgesetzt und das Ticket für den Eurovision Song Contest 2026 in Wien gesichert. Und auch bei Euch kommen die Führenden der ESC-Wettquoten hervorragend an: In unserem neuen ESC-Barometer stürmen sie auf Platz 1. Doch auch die Australierin Delta Goodrem ist mit ihrem Beitrag „Eclipse“ bei Euch auf offene Ohren getroffen. Weniger gut sieht es mit dem deutschen Beitrag aus, für den seid Ihr alles andere als „Fire“ und Flamme.

Seit unserem letzten ESC-Barometer sind gleich acht neue Songs für Wien dazugekommen (die Abstimmung für Rumänien läuft noch und wird deshalb noch nicht berücksichtigt). Und diese acht Acts haben unsere Ranglisten anständig durcheinander gewirbelt. Denn Ihr habt nicht mit Lob gespart, mit Kritik aber auch nicht. Aber der Reihe nach.

Wir schauen uns für das ESC-Barometer jeweils drei Auswertungskategorien gesondert an: die durchschnittliche Bewertung, den Anteil der Höchstwertungen und das Polarimeter. Letzteres fasst die besten und die schlechtesten Wertungen zusammen. Und dann ist da noch unser Blog-eigener ESC-kompakt-Index, der EKI. Hier werden die Wertungen gewichtet, geschüttelt und gerührt und anschließend neu ausgewiesen. Damit konnten wir schon manche ESC-Platzierung besser vorhersagen als die Buchmacher. Andere hingegen weniger gut.

Bereits beim Durchschnittswert zeigen Linda Lampenius und Pete Parkkonen aus Finnland, was die neue Benchmark ist, die man schlagen muss, um in dieser ESC-Saison noch eine Chance zu haben. Sie setzen sich an die Spitze, direkt dahinter folgt dann Delta Goodrem aus Australien. Für Alis aus Albanien, der in den letzten zwei Monaten die Spitze fest im Griff hatte, bleibt da nur noch Rang 3. Dahinter folgen Dänemark und Kroatien.

Alle anderen Neueinsteiger finden sich erst in der zweiten Hälfte des Klassements. Am besten bewertet Ihr hier noch Sal Da Vinci aus Italien und seinen Song „Per sempre sì„. Direkt hinter ihm folgen Jonas Lovv aus Norwegen und – durchaus überraschend – Lion Ceccah aus Litauen. DARA aus Bulgarien verschreckt vermutlich zu viele, die eine durchgängige Melodie zuschen, um einen besseren Durchschnittswert zu erreichen. Für Sarah Engels und ihren Beitrag „Fire“ reicht es aktuell nur für Rang 20 von 22. Der letzte Platz fällt dem frischgekürten Song aus Serbien zu – aber hier gibt’s durchaus auch etwas Licht. Mehr dazu gleich.

Entscheidend ist beim ESC nicht die durchschnittliche Bewertung, sondern wie viele Zuschauer*innen man als Künstler*in aktivieren kann. Das gelingt am einfachsten bei denen, die einem Beitrag die Höchstwertung geben. Und hier zeigen die Finnen was eine Harke ist: Jedes zweite Voting (49,6%) von Euch war die Höchstwertung „ist ganz ausgezeichnet“! Mit deutlichem Abstand dahinter folgen Lelek aus Kroatien, ganz knapp vor Delta Goodrem aus Australien.

Und noch zwei weitere Neuzugänge haben es in die Top 10 der Höchstwertungen geschafft: Italien und – Überraschung – Serbien! Ihr Beitrag „Kraj mene“ mag viele Menschen abschrecken, aber es gibt auch gar nicht so wenige (20,5%), die genau diese Art von Musik lieben. Das reicht für Platz 10.

Auch der bulgarische Banger von DARA kann bei den Höchstwertungen besser abschneiden als nach dem Durchschnittswert. Ganz anders verhält es sich bei Litauen. Lion Ceccahs „Sólo quiero más“ scheint nicht sehr viele Menschen zu verschrecken; allerdings scheinen auch nicht allzu viele den Beitrag zu lieben. Für den deutschen Beitrag „Fire“ gibt’s da leider nicht so einen Unterschied: Mit nur 13,2% Höchstwertungen reicht es für Sarah Engels nur für den vorletzten Platz. Dahinter liegen dann nur noch die Vanilla Ninjas aus Estland.

Beim Polarimeter, für das wir die Höchst- und Tiefstwertungen zusammenzählen, kann sich das finnische Duo nicht auf den ersten Platz vorkämpfen, sondern muss Akylas aus Griechenland weiter die Spitze überlassen – und das mit starken 6%-Punkten Vorsprung. Es gibt halt kaum jemanden, dem „Liekinheitin“ gar nicht gefällt. Auf Platz 3 liegt Kroatien vor – Achtung – Serbien! Hier zahlt sich also aus, dass so viele „Kraj mene“ ganz furchtbar finden. Das heißt auch, dass Cosmó aus Österreich aus der Polarimeter-Top3 fällt und jetzt auf dem 6. Rang liegt.

Tatsächlich sieht es auch für Bulgarien und noch mehr für Deutschland ganz gut beim Polarimeter aus. Ob das allerdings am Ende reicht, um beim ESC die Unterstützer des Beitrags so zu motivieren, dass sie dafür power-voten, bleibt abzuwarten. Noch mehr Sorgen müssen sich aus dieser Perspektive Litauen und Norwegen machen. Sie sind vielen dann doch eher egal – wenn auch nicht so vielen der belgische Beitrag.

Die verschiedenen Auswertungsansätze führen wir nun in unserem ESC-kompakt-Index zusammen. Der EKI (ESC-kompakt-Index) ist die durchschnittliche Platzierung eines Beitrags nach fünf Kriterien, die jeweils für sich gerankt werden: Einzelbetrachtung „ist ganz ausgezeichnet“, Top2-Betrachtung „ist ganz ausgezeichnet“ und „gefällt mir gut“ zusammen, Durchschnittsbewertung, Polarimeter-Index und umgedrehter Couldn’t-Care-Less-Index (Rangreihung von der niedrigsten „so la la“-Wertung (Platz 1) bis zur höchsten (letzter Platz).

Nach den bisherigen Ergebnissen kann es nicht überraschen: Finnland holt sich auch bei unserem EKI den Spitzenplatz! Schon recht deutlich dahinter liegen Australien und Kroatien, die es ebenfalls aufs Treppchen schaffen. Albanien wird entsprechend auf den vierten Platz verdrängt und liegt damit vor Dänemark und Griechenland, die sich in Wien sicher auch über gute Ergebnisse werden freuen können. Die Neuzugänge aus Serbien und Italien schließen aktuell die Top 10 ab.

In der zweiten Hälfte des EKIs holt sich DARA aus Bulgarien die beste Platzierung (Rang 14), direkt vor Litauen. Trauriger wird’s dann schon für Jonas Lovv aus Norwegen, der auf Platz 17 steht. Sarah Engels sortiert sich zwischen der Ukraine und Estland auf dem vorletzten Platz ein.

Deckt sich unsere Auswertung mit Deiner Meinung über die Beiträge? Bist Du für den deutschen Beitrag auch so skeptisch, wie es der EKI suggeriert? Diskutiere gern unter diesem Artikel.



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