Georgien: Mit Hilfe von „The Voice Georgia 2023“ zurück ins ESC-Finale?

Foto: EBU / NATHAN REINDS

Gemeinsam mit Lettland gehört Georgien zu den Ländern, die mittlerweile am längsten nicht mehr in ein Eurovision-Finale eingezogen sind. „Kein Wunder“, werden an dieser Stelle sicher viele sagen, denn das Land sendet meist sehr spezielle Beiträge zum ESC. Anstatt das nächste Alternative-Rock-Indie-Projekt intern auszuwählen, setzt man 2023 auf ein etwas gängigeres Auswahlverfahren und bestätigt damit auch offiziell die Teilnahme in Großbritannien.

Zumindest der Act, der Georgien kommendes Jahr vertreten wird, wird mittels der 5. Staffel von „The Voice Georgia“ gewählt. Die internationalen Ableger der Castingshow haben mittlerweile in nahezu allen teilnehmenden Ländern gewisse Verbindungen zum ESC. So auch in der Kaukasusrepublik nächstes Jahr, denn der Sieger oder die Siegerin wird das Land beim ESC 2023 vertreten, wie „Eurovision Georgia“ jetzt auf Facebook verkündet.

Ab heute und bis zum 20. September können sich interessierte Acts für die Castingshow anmelden, die auf dem georgischen Sender 1TV ausgestrahlt werden soll. Anschließend folgen Castings, Battles und Live-Shows, so wie man es auch aus Deutschland kennt. Wann genau man mit der Ausstrahlung in Georgien beginnt, steht noch nicht offiziell fest.

Bislang hatten ESC-Berühmtheiten wie Anri Jokhadzse (2012 in Baku) oder auch Nodiko Tatishvili, der das Land 2013 in Malmö vertrat, die Ehre, als „The Voice Georgia“-Juroren zu fungieren. Wer dieses Mal in der Jury sitzt, ist noch ein Geheimnis. Hierzulande können aktuell – wie berichtet – Basti, der bereits als Backgroundsänger für San Marino 2018 beim ESC war, die Daumen gedrückt werden.

Aber kommen wir noch einmal auf Georgien zu sprechen: das Land im Kaukasus steht beim ESC vor allem für Kreativität und Mut zum Nischen-Sound. Dieser Mut wird seit 2016 allerdings nicht mehr belohnt. Weder mit georgisch/abchasisch-sprachiger Kampfeshymne 2019, monotoner Soul-Nummer von Tornike Kipiani 2021 oder auch der verrückten Alternative-Funk Nummer von Circus Mircus in Turin: Georgiens ESC-Reise endete jedes Mal im Halbfinale.

Ob man sich für kommendes Jahr also wieder für eine etwas kommerziellere Nummer entscheidet bleibt abzuwarten. Die vergangenen drei Final-Beiträge Georgiens sind übrigens alle vom Schweden Thomas G:son mitgeschrieben oder -produziert worden. Wie genau der Song für den ESC 2023 in Georgien gewählt wird, steht noch nicht fest. Eine interne Entscheidung gilt aber als wahrscheinlich. Vielleicht holt man sich dafür ja auch wieder Hilfe aus Schweden…

In Deutschland konnte eine georgische Künstlerin „The Voice“ bereits gewinnen. Natia Todua ist nach ihrem Sieg vor fünf Jahren sogar beim deutschen Vorentscheid 2018 angetreten, der von Michael Schulte gewonnen werden konnte. In den zwei darauffolgenden Jahren saß Natia bei „Georgian Idol“ in der Jury und konnte so mitbestimmen, wer Georgien beim ESC vertritt.

Was erhofft Ihr Euch von Georgiens ESC-Zukunft? Gefallen Euch die speziellen Beiträge des Landes oder darf es etwas mehr Mainstream sein beim kommenden ESC? Diskutiert gerne mit.


24 Kommentare

  1. Wie war das nochmal das man zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Infos für die VE 2023 braucht? Komisch wieso kriegen das andere Länder so gut hin. Aber die Schnarchnasen von der ARD nicht? Die können sich nur bereichern, siehe die RBB-Tussi. Was leisten für das Geld was sie kriegen? Wo kommen wir denn da hin.

  2. Hmm. Ich bin hin- und hergerissen: Auf der einen Seite wünsche ich Georgien sehnlichst eine Finalqualifikation und ein Casting-Sternchen mit – mutmaßlicher – Nummer vom Reißbrett könnte da tatsächlich erfolgversprechender sein als die teils sehr abseitigen Songs der meisten letzten Jahre. Auf der anderen Seite war es ja gerade diese musikalische Wundertüte, die Georgien als Teilnehmerland immer so spannend gemacht hat.

    Plus: Tornike Kipianis Teilnahme schrie jetzt nicht unbedingt nach einer Wiederholung. Ich hoffe mal, dass die georgischen Casting-Shows auch Besseres in petto haben.

  3. Na ja, bisher hat mich Georgien nicht wirklich begeistern können. Schauen wir mal was nächstes Jahr dabei rauskommt.

  4. Es wäre Georgien zu wünschen, nach sieben Jahren wieder den Finaleinzug zu schaffen und mal so erfolgreich wie beim JESC zu sein (bis auf 2019, da belegte das Kaukasusland „nur“ den 14. Platz und damit seine bis dato schwächste Platzierung).

    Auf der anderen Seite kann sich Deutschland von Georgien mal ein Beispiel nehmen, was das Abschneiden beim JESC und die gewagten Beiträge beim ESC betrifft.

    • Sehe ich genauso. Schon ziemlich bitter wenn man seit 8 Jahren nicht mehr im Finale war (bei Tornike kann man jetzt nur spekulieren ob er es 2020 geschaft hätte), beim JESC aber Rekordsieger ist und zuletzt Platz 6 und Platz 4 geholt hat. Mich wundert es warum ausgerechnet in Georgien noch keiner den Sprung zum großen ESC geschafft hat

  5. Für ihre „speziellen Beiträge“ liebe ich Georgien beim ESC.❤️
    Glaube, sie wollen gar nicht jedem gefallen, und machen einfach ihr Ding. Sehr cool.
    Trotzdem wünsche ich mir endlich mal wieder einen Finaleinzug für Georgien. Der Mut sollte endlich mal wieder belohnt werden.

    • @Gaby

      Na ja, ich persönlich finde gute Songs sollten belohnt werden. Was bringt es denn bitte wenn ein Song „besonders“ ist und man ihn dann nicht hören kann??

      • Zugegeben, von dem Typen 2019 konnte man fast schon ein bißchen Angst bekommen. Wirkte nicht gerade wie ein Sympathieträger, obwohl ich den Beitrag in Gänze eigentlich ganz gut fand. Tornike hatte meiner Meinung nach schon einen schönen Song, leider hat er diesen recht blaß präsentiert.
        Dass Circus Mircus ausgeschieden sind, war ja irgendwie zu rechnen. Finde die Nummer aber nach wie vor cool. Für mich war es eine schöne Überraschung, dass es Georgien 2016 mit dieser außergewöhnlichen Nummer ins Finale geschafft hat.
        Aber ganz ehrlich, ich habe mich fast ein bißchen geärgert, dass es Georgien 2013 ausgerechnet mit dieser glattpolierten Nummer ins Finale geschafft hat.

      • @Gaby

        2018 fand ich besonders langweilig, gehört zu meinem Flop 5 in dem Jahr. Klang als ob man bei der Telekom (oder anderen Mobilfunkanbieter) in der Warteschleife hängt, fehlte nur noch folgende Durchsage: „Bitte bleiben Sie dran, der nächste freie Mitarbeiter wird sich gleich um Sie kümmern.“

      • @ESC1994

        Ups, ich lese weiter oben, dass Du mit den meisten georgischen Beiträgen nicht so viel anfangen kannst, wollte Dich nicht bekehren, sorry.🙂

      • Okay, aber ich will bekehren – irgendjemand MUSS diesem Heidentum einfach ein Ende bereiten …!

        @ ESC1994
        „Sheni gulistvis“ war eine der schönsten, ausgefeiltesten und magischsten Kompositionen, die es in den letzten zehn Jahren zum ESC geschafft haben – wenn nicht sogar das Nonplusultra. Einfach in einem ruhigen, entspannten Moment so unvoreingenommen wie möglich noch mal das Musikvideo ansehen. Zur zweiten, dritten und vierten Wiederholung kommt es dann ganz von allein.

        Das Gefühl, das Chris Rea in „Driving Home for Christmas“ bloß besingt, strömt bei Iriao wirklich aus jeder einzelnen Note. Dazu ein wunderschöner poetischer Text in der zauberhaft mysteriösen georgischen Sprache. Und allein, wie kunstvoll der Song die Brücke vom traditionellen mehrstimmigen Gesang zur klassischen Power-Schmonzette schlägt, dabei aber in jedem Moment elegant und samtpfötig bleibt, könnte bestimmt noch Generationen von Musikstudenten Kopfzerbrechen bereiten. Dieser eine Song bietet teilweise zur gleichen Zeit Melodien für drei Lieder, die sich aber zu keiner Sekunde in die Quere kommen, sondern sich stattdessen behaglich um einen schmiegen wie ein dicker, flauschiger Dufflecoat im Herbst. All das, ohne überhaupt einen klar erkennbaren Refrain zu haben.

        (Leider auch ein Teil der Wahrheit: Live sprang der Funke allerdings wirklich überhaupt nicht über. Noch nicht mal mit Wohlwollen.)

      • @Nils

        Ist ja schön dass du mir den Song schmackhaft machen willst, klappt aber nicht und erst recht nicht wenn du es mit einem der abgedroschensten Weihnachtslieder überhaupt vergleichst 😉

        Und schöner poetischer Text?? Bringt gar nichts wenn er in einer Sprache gesungen wird die außerhalb des Landes niemand beherrscht und wenn man auch sonst nichts macht um es den Außenstehenden irgendwie verständlich zu machen.

        Muss auch gestehen dass ich allgemin kein großer Fan von Chören als Hauptact bin. So zur Unterstützung im Hintergrund passt das noch, aber im Vordergrund stört mich diese Mehrstimmigkeit eher da die Stimmen finde ich zu einem undefinierbaren Klangbrei werden.

  6. Ich fiebere ja immer besonders mit Georgien mit, weil ich schonmal dort war und mich in das Land verliebt habe. Dass der Teilnehmer jetzt über The Voice gesucht wird, muss nicht zwangsläufig heißen, dass es mainstreamiger wird. Der Sänger der „georgischen Kampfhymne“ kam ja auch vom „Georgian Idol“ 😄
    Bald wird Georgien ganz weit oben landen. Sie schicken immer irgendwas was „besonders & schlecht“ ist. Irgendwann muss ja mal was drankommen, dass „besonders & gut“ ist.

  7. Ach Georgien, die Wundertüte des Eurovision. Ich gönne es Ihnen sehr.
    Die Beiträge aus 2007, 2011 und 2015 fande ich am stärksten.

  8. Wo hier schon vom JESC gesprochen wurde, fällt mir noch eine Geschichte ein:

    2013 wurde The Voice of Armenia von einer Georgierin gewonnen: Anna Khanchalyan setzte sich im Finale der zweiten Staffel durch. Dabei war es nicht ihre erste Reise ins Nachbarland: Schon zwei Jahre vorher nahm sie, als Teil der Gruppe Candy, am JESC in Jerewan teil – und gewann! Beim Auftritt war sie die Zweite von links, die auch den letzten Ton singt:

  9. Viele der Beiträgen von Georgien in den letzten Jahren, waren sehr individuell, um es freundlich auszudrücken. Fand Georgien 2022 jetzt nicht so schlecht, aber wenn man wirklich ins Finale will und dann vielleicht mal in die Top 10, so sollte man doch mal, das ein oder andere Zugeständniss an den Mainstream machen. Wer nur Nischenbeiträge entsendet, der muss sich nicht wundern, wenn man ständig im Semi kleben bleibt.

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