Interview mit Thomas Schreiber: „Ich frage mich, was Stefan Raab geraucht hat.“

Song Writing Camp 2018 Unser Lied fuer Lissabon Thomas Schreiber in den Kung Fu Studios in Berlin
Thomas Schreiber im Song Writing Camp Ende 2018 in Berlin

Dass der ESC in 2020 abgesagt ist, spürt man in dieser und der letzten Woche keinesfalls. Nie war der ESC-Medienangebot größer. Statt dass es EINEN ESC und zwei Halbfinal-Shows gibt, gibt es neben der übergeordneten EBU-Show „Europe Shine A Light“ in sehr vielen Ländern lokale Inselkonzepte. In Deutschland ist der Wettbewerb spezifisch intensiv. Allein das Erste sendet am 16. Mai 2020 über acht Stunden ESC-Unterhaltung. Zu allen Hintergründen hat ESC kompakt mit dem NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber gesprochen.

ESC kompakt: Der 16. Mai 2020 rückt näher. Sie haben kurzfristig einen ESC-Abend konzipiert und gestaltet, der in Europa seinesgleichen sucht und für den Sie schon im Vorfeld viel begeistertes Feedback bekommen haben. Wie kam es dazu?

Thomas Schreiber: Bei der Absage des ESC am 18. März war klar, dass wir im Ersten am 16. Mai ja kein Schwarzbild senden wollten – ich habe nach einigen Telefonaten u. a. mit Barbara Schöneberger, mit Volker Herres, mit Stefan Raab und Sietse Bakker in den Niederlanden noch in der Nacht begonnen, mein Konzept zu schreiben. Nachdem Herr Raab das gelesen hat, habe ich es am 19. März mittags an die EBU und an die niederländischen Kollegen geschickt. Parallel dazu habe ich mit meinem Team begonnen, für den Fall, dass es international keine Mehrheit gibt, über ein deutsches Konzept zu sprechen.

Werden neben Ben Dolic noch weitere Eurovisionskünstler live auf der Bühne der Elbphilharmonie stehen?

Ja, die Musikerinnen und Musiker aus Dänemark, Island und Litauen – Ben & Tan, Daði Freyr og Gagnamagnið und The Roop. Dazu kommen Ben Dolic und Michael Schulte. Wir hatten vor dem deutschen Halbfinale alle 40 Länder angemorst und danach, als die zehn Finalteilnehmer feststanden, jeden eingeladen. Bei Diodato aus Italien ist klar, dass er leider nicht reisen darf. Victoria aus Bulgarien wäre sofort gekommen, hätte aber bei der Rückreise in ihr Heimatland 14 Tage in Quarantäne gemusst. Auch Destiny aus Malta und Efendi aus Aserbaidschan dürfen leider nicht reisen.

Die zehn Beiträge, aus denen das Publikum in Deutschland seinen Favoriten wählt, wurden in einer fast vierstündigen Hablfinalshow ermittelt. Wie ist Ihre Zwischenbilanz aus diesem Halbfinale?

Gut, dass wir es gemacht haben. Beim nächsten Mal, falls es ein nächstes Mal geben sollte, machen wir es besser. Ich bin aber allen Beteiligten – funk, ONE, der ARD Mediathek und natürlich dem „World Wide Wohnzimmer“ – für das kurzfristige, kollegiale auf-die-Beine-Stellen sehr dankbar.

Beim Halbfinale hat auch die Eurovisions-Jury abgestimmt. Wird das auch im Finale wieder so sein?

 Ja.

Es erfolgt auch in der ARD-Liveshow bereits eine Verschränkung mit „Europe Shine A Light“. Wie sieht diese aus?

Nee, andersrum – wir sind aus der Elbphilharmonie auch bei „Europe Shine a Light“ dabei.

„Europe Shine A light“ will auch die Helden der Corona-Krisenbewältigung würdigen. Gibt es vergleichbare Planungen für die ARD-Liveshow?

Nein, das schaffen wir aus Zeitmangel nicht – die internationale Sendung beginnt ja um 21.00 Uhr, wir senden etwas zeitversetzt ab 21.55 Uhr. Später möchte ich „Europe Shine a Light“ nicht starten, denn wir wollen ja beide Sendungen an diesem Samstag einem möglichst großen Publikum zeigen.

Stefan Raab hat sich von Ihnen inspirieren lassen und veranstaltet auf ProSieben mit dem FreeESC zeitgleich ein Wettbewerbsprogramm hart an der Grenze zu Copyright-Fragen. Wie bewerten Sie diese Copycat-Initiative?

Die Idee ist sozusagen BuViSoCo – an und für sich ist die Idee charmant, nur bei der Wahl des Tages frage ich mich, was er geraucht hat. Dass der 16. Mai ESC-Tag ist, ist ja nix Neues. Das ZDF hat nach der ESC Absage schnell noch einen frischen Krimi auf den Tag gepackt, und deshalb werden die Mainzer wahrscheinlich mit ihrem fiktionalen Angebot gut abschneiden. Und bei zwei Musikshows werden sich die Angebote gegenseitig etwas kannibalisieren, befürchte ich. Wenn’s Stefan Raab um die Musiker gegangen wäre, hätte er es an einem anderen Tag gemacht, aber vermutlich ging es mehr um den Produktionsauftrag …. Eines aber weiß ich: In keinem deutschen Sender gibt’s mehr ESC als im Ersten.

Intendant Joachim Knuth hat den NDR Verwaltungsrat über Kürzungen im Bereich der Unterhaltung informiert. Was bedeutet das konkret? Hat das auch Rückkopplungen auf etwaige perspektivische ESC-Planungen?

Das bedeutet, dass wir unsere Planungen sowohl in der fiktionalen wie auch der non-fiktionalen Unterhaltung neu justieren müssen – das mache ich mit meinem Team nach dem ESC.

Ben Dolic – und das sagen sehr viele – wird mit dem Ausfall des ESC um eine sehr gute Platzierung für „Violent Thing“ beim ESC gebracht. Ist diese im EBU-Alleingang gefällte Entscheidung, die Songs aus 2020 in 2021 nicht zuzulassen, eine endgültige und wie bewerten Sie diese?

Was ich davon halte, habe ich ja mehr als einmal gesagt, und auch andere Vertreter der ARD in der EBU haben das deutlich kommuniziert. Wird das zurückgenommen? Das würde ich mit der Gegenfrage beantworten: Fließt Wasser nach oben?

Darf Ben Dolic beim ESC 2021 für Deutschland antreten – so wie es analog inzwischen mehr als ein Dutzend Länder ihren Acts versprochen haben?

Über 2021 sprechen wir, wenn wir wissen, ob es einen ESC 2021 geben wird – aber das wissen wir ja hoffentlich bald. Bislang gibt es noch keine verbindliche EBU-Bestätigung.

Das Interview wurde schriftlich geführt.


42 Kommentare

  1. (Zur Form) – Schriftlich geführte Interviews sind und waren ja schon immer die Speerspitze der hohen Journalistenkunst.

    (Zum Inhalt) – Oder anders ausgedrückt: Bla bla bla, bla bla bla bla, bla. Bla.

    • Naja, wenn’s anders nicht geht, isses schriftlich aber doch vollkommen okay.

      Aber stimmt schon: Schreiber erzählt in diesem Fall wirklich nichts Neues. Die Spitze gegen Raab kommt Peter natürlich gelegen. 🙂

    • (Zur Form) Eigentlich ignoriere ich solche Kommentare ja mittlerweile, aber gerade an einem Tag wie heute, an dem wir uns alle fast ein Bein rausgerissen haben, um Euch (mit Stand jetzt 9 Beiträgen – es werden mindestens 10 oder 11) neben unseren normalen Jobs eine möglichst umfassende ESC-Berichterstattung zu liefern, finde ich es sehr schade, wenn Du das so empfindest, um es mal nett auszudrücken.

      • Meinst du jetzt mich?
        Eure Mühe ist super. Ich hab das Interview auch gelesen und es ist gut geworden. Dennoch hat er für mich nichts Neues erzählt. Die Kritik muss doch erlaubt sein? Es ist ja keine an eurer Arbeit.

      • Andi ich denke Benny meint Cars 10. Ich finde es sehr schön das Herr Schreiber mal gefragt wird in welcher Form ist Schnuppe. Die Blogger sind dieser Zeit wirklich echt on Top und man kann sie nicht oft genug loben

      • Jajajajaaaa, ich wurde grad schon darauf aufmerksam gemacht, dass ich zu doof bin um zu checken, dass nicht ich gemeint war. 😀

        Ja, wie gesagt, die Form ist mir auch schnuppe.

      • Dann erkläre ich es Dir gerne noch einmal: Schriftliche Interviews führen nicht dazu, gerade in der Kommunikation mit dem NDR für Transparenz und Spontaneität zu sorgen.

        Was lob ich mir die Road Show von früher, ist gar nicht so lange her. Spontane Fragen, spontane Antworten und eine zum Greifen wahrnehmbare Arroganz / Überheblichkeit auf Seiten des NDR.

        All das geht leider verloren, wenn man es schriftlich macht.

        @Andi
        Mit Corona hat diese Art der Interviewführung nichts zu tun. Der NDR macht seit zwei Jahren nichts anderes, wenn man mit den Fans „spricht“.
        Schau mal „framing“ und ARD im Internet nach, dann verstehst Du wo der Hase lang läuft, und zwar schon seit längerer Zeit 🙂

      • Ich finde, wir, die Kommentatoren hier bei ESCkompakt dürfen den Machern wie z.B. Benny, Douze Piot, Flo für ihre Arbeit loben und wertschätzen. Kritik darf geäußert werden, aber jeder ist aufgefordert auf Wortwahl und Inhalt zu achten.
        Wir müssen auch nicht einer Meinung sein, jeder hat seine Haltung – das ist demokratisches Verhalten.

      • Ihr macht das phantastisch. Lasse Dich nicht provozieren, es richtet sich halt immer leicht, wenn man selbst faul auf dem Sofa sitzt. Soll es doch jemand besser machen als ihr – aber das wird nicht passieren.

    • Machs doch besser. Fahre nach Hamburg-Lokstedt, mache einen Termin bei Herrn Schreiber und grille ihn ordentlich. Ich bin gespannt!

  2. Dass Raab den Liederwettbewerb dieses Jahr auf den ESC Termin legt, ist aus meiner Sicht sogar verständlich – schließlich war von einer europaweiten Ersatzshow zu Beginn der Free ESC Planungen schließlich noch nichts zu hören. Dass er aber den Free ESC für die nächsten Jahre auch angekündigt hat und Nicht kategorisch ausschließlich, dass dieser wieder auf den selben Termin wie der ESC fällt, zeugt für mich von absolutem Größenwahn. Ab hier stellt sich bei mir auch die Frage nach einer Einnahme bewusstseinserweiternder Stoffe.

    • Das ist so nicht richtig. Die EBU hat 2 Tage nach der ESC-Absage klar kommuniziert, dass es eine Ersatzshow geben wird – nur eben noch nichts näheres zu der Show, was zu dem Zeitpunkt ja auch nicht möglich war.

      • So ja nach meinem Informationsstand auch nicht: Dass es einen VERSUCH eines nicht näher spezifizierten gemeinsamen Contents geben wird, den man noch komplett abzustimmen hatte und nicht notwendigerweise aus dem Show- und Wettbewerbsgenre stammt, ja… die Planungen von SVT und BBC u.a. haben ja auch schon gezeigt, dass da erstmal keinerlei Bindung und Interesse bestand… und was nun als gesichtswahrender gemeinsamer Nenner herausgekommen und mit „Europe Shine A Light“ geplant ist, ist ja wirklich keine echte Eurovision Song CONTEST-ErsatzSHOW im Sinne eines Wettbewerbs (*Setzen Sie das Versicherungsblabla Ihrer Wahl hierrein*)… Der ESC ist ein CONTEST und abgesagt worden. Raab hat einen europareferenzierten CONTEST frühzeitig als ESC-Ersatz für den naheliegendsten aller Ersatztermine angekündigt.

  3. Ich als neutraler war noch nie anti-th. schreiber eingestellt. Neuerdings kommt mir bei 7hm immer in den sinn: vom saulus zum paulus😊
    @cars10. Ganz dummer kommentar, es verpflichtet dich doch niemand, etwas zu lesen.
    @esc-kompakt-team. Wenn ich denke, das mir schon das glatzköpfchen vom vielen lesen raucht, will ich mir nicht vorstellen, wieviel arbeit und koordination das heute gebraucht hat. Da ist wieder mal ein grosse DANKESCHÖN angebracht. Bei gelegenheit gibts wieder mal original schweizer schoggi für alle. Merci

  4. Das waren genau die Fragen, die gestellt werden mußten oder sollten. Sehr gute journalistische Arbeit. Mit ein paar blöden Sprüchen in den Kommentaren muß man leben, Ben, mach dir da mal nix draus. Und daß der Schreiber nix Neues rausgelassen hat, dafür kannst Du ja auch nix. Weiter so !

  5. Also ich freue mich eigentlich nur auf die EBU Sendung, von der ARD erwarte ich eine sterbenslangweilige Show wie immer, lass mich aber gerne positiv überraschen.

  6. Wenn man bei einem schriftlich geführten Interview „frage ich mich, was er geraucht hat“ und „Fließt Wasser nach oben?“ fallen lässt, zeugt das von einer ganz schönen Angepiekstheit. Und das obwohl der Fragesteller mit ganz schon Schmeichel („seinesgleichen“, „begeistert“, bzgl Raab „Copycat-Initiative“) gefragt hat. Hohen Respekt für die Arbeit, Unverständnis für den Wohnzimmer-haften Ton…

    Hoffe nicht, dass das Schreiber-Raab-Verhältnis langsam zum inszenierten Siegel-Raab-Verhältnis der Jetzt-Zeit wird.

  7. Ich hoffe der Schreiber gibt dem Dolic noch ne weitere Chance. Vollkommen unabhängig davon was ich von einer internen Nominierung halte, aber Ben kann ja nix für Corona. Am besten auch noch mit Team Milanov. Der Song hätte mit absoluter Sicherheit viel besser abgeschnitten als die Sisters.

    • Da gebe ich Dir recht, Ben Dolic sollte für nächstes Jahr gesetzt sein. Dann sollte aber eine kleine VE aus mehreren Songs vom Publikum gewählt werden, meiner Meinung nach.🙂

  8. „nur bei der Wahl des Tages frage ich mich, was er geraucht hat“

    Da stimme ich Herrn Schreiber vollumfänglich zu.

    • Weil grad niemand weiß, ob und wie der ESC 2021 stattfinden kann. Das wird vemutlich auch noch etwa 10 Monate dauern, um das definitiver sagen zu können.

      • Jein. Es gibt mehrere Möglichkeiten den ESC 2021 auszutragen. Nur muss man JETZT richtige Entscheidungen treffen. Wenn man nur abwartet zb bis zum Winter um dann zu entscheiden, dann kann man jetzt auch schon absagen.

    • Also ganz ehrlich eine 2 komplette Absage des ESC halte ich für ein Armutszeugnis und kann es mir nicht vorstellen. Das in einem Jahr Corona nicht verschwunden sein wird ist realistisch und das wir den nächsten und vllt auch übernächsten nicht mehr so erleben werden wie gewohnt sondern mit Einschränkungen liegt auf der Hand. Aber das wird man doch in einem Jahr planen können das trotzdem der ESC wie auch immer in irgendeiner Form stattfinden kann. Einerseits kann ich Herr Schreiber verstehen das er eine gewisse Planungssicherheit möchte für Ben andererseits fände ich es Ben gegenüber fairer wenn man ihm Gewissheit gäbe ob er nun wieder antreten darf oder nicht

  9. Bin ja mal gespannt, ob und wie sich die massiven Sparmaßnahmen beim NDR auf den ESC in Deutschland auswirken….

  10. Herr Thomas Schreiber berichtet, dass ihm keine Interviewanfrage erreicht hat.

    Merkwürdig? Wer hat dann auf die Fragen des Interviews geantwortet?

    Liebes ESCkompakt-Team, ich bitte um eine Erklärung !!!

  11. Das bezog sich doch auf den ironischen „Vorschlag“ von bisschenfrieden, cars10 solle nach Hamburg-Lokstedt fahren und einen Termin mit Herrn Schreiber machen… nicht auf dieses Interview von ESCkompakt!

  12. Dass Thomas Schreiber nichts Neues erzählt hätte, stimmt ja so nicht. Mitunter kommt es eben auch auf Details an. Dass Victoria gerne gekommen wäre, aber dies aufgrund der Quarantänebestimmungen nicht möglich war, für Destiny und Efendi wahrscheinlich ähnlichliches gilt, ist doch schon mal eine Info. Klar, eher eine Kleinigkeit, aber wer hat denn davon gewusst?
    Man muss eben auch mal mit solchen Details zufrieden sein, nicht glauben, man bekäme ständig Knaller-Nachrichten serviert. Schon gar nicht, wenn es die aktuell gar nicht gibt.
    Daher ein Dankeschön an Benjamin und Thomas Schreiber für dieses Interview.

  13. Der NDR mit Herrn Schreiber und den anderen alten Herren verkackt diese tolle Veranstaltung Jahr für Jahr und fragt was Stefan geraucht hat? Stefan kann ESC, also ist es nur konsequent das er den Abend übernimmt. Dem Würgereiz, wenn Frau Schöneberger wieder Witze über ihre Oberweite macht und die NDR Greise alles wieder schön reden, erspart er mir damit. VEs schaue ich mir lieber in anderen Nationen an, die grand nuit gehe ich lieber mit Werbung. Danke Stefan 😘

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