Interview mit Ulrikke Brandstorp: „Ich traue meinem Song ‚Attention‘ den ESC-Sieg zu“

Das Finale des 60. Norsk Melodi Grand Prix (MGP) nähert sich mit großen Schritten. Mit „Attention“ von Ulrikke Brandstorp (Fotos von Christoph Gun und Ronnie Ottem) ist bereits der vierte von fünf gesetzte Beiträgen fürs Finale veröffentlich worden. Ulrikke ist keine Unbekannte im MGP-Universum: 2017 schaffte sie es dort bis ins Goldfinale. Wir wollten mehr über ihren zweiten Versuch bei der Vorentscheidung wissen und haben mit ihr ein schriftliches Interview geführt. 

ESC kompakt: Hei Ulrike, wir erinnern uns noch an Dich beim Melodi Grand Prix 2017 mit blondem Haar. Jetzt bist Du ganz dunkel. Was hat sich noch alles bei Dir in den letzten drei Jahren verändert?

Ulrikke: Ich bin definitiv als Person erwachsener geworden und habe eine Menge mehr Selbstvertrauen. Das Gute ist, dass ich jetzt mehr erlebt habe. Daher gibt’s jetzt auch mehr, worüber ich Songs schreiben kann 😉 Dieses Mal strebe so ich viel mehr danach, den Melodi Grand Prix zu gewinnen und dann Norwegen beim ESC vertreten zu dürfen!

Du warst in vielen TV-Shows in Norwegen zu sehen, warst bei The Voice und Idol dabei und bist bei Stjernekamp 2018 Zweite geworden. Wie populär bist Du heute in Norwegen? Gibt es jemanden, der Dich noch nicht kennt?

Ich versuche, mit meinen Fans im Kontakt und auf vielen Plattformen präsent zu sein, von Facebook und Instagram bis YouTube und Podcast. Ich versuche auch als Künstlerin unterschiedliche Sachen zu machen, sowohl wenn es um die Musik geht, als auch bei den TV-Shows, an denen ich teilnehme. Nichtsdestotrotz bin ich mir sicher, dass es immer noch Leute gibt, die mich nicht kennen. Aber das will ich mit „Attention“ ändern.

Ulrikke Brandstop – Attention (beim vierten Halbfinale des Norsk Melodi Grand Prix 2020)

Letzten Sommer hast Du mit Ben Adams von A1 (MGP 2010) für viel Aufsehen gesorgt, als Ihr zusammen „Shallow“ bei Allsang på Grensen gesungen habt. Hat Dich das positive Feedback ermuntert, es wieder beim MGP zu probieren? Was waren die anderen Gründe für Dich, zu diesem „Zirkus“ zurückzukehren?

Zu allererst war es magisch, „Shallow“ mit Ben zu singen. Ich hätte niemals diese massive Reaktion von den Fans erwartet. Nicht nur in Norwegen, sondern überall auf der Welt. Wir sind in der selben Ausgabe der Show aufgetreten wie KEiiNO und die sagten dann: „Du musst am MGP 2020 teilnehmen – und Du musst mit Christian Ingebrigtsen ins Studio gehen.“ Und das habe ich gemacht. Es war sehr wichtig für mich, dass wenn ich wieder an dem Wettbewerb teilnehmen würde, dann müsste das mit dem richtigen Song sein. Einem Song, dem ich zutraue, nicht nur den MGP, sondern auch den ESC zu gewinnen. Also bin ich zu Christian ins Studio gegangen. Und zufälligerweise hatte Kjetil Mørland dort am selben Tag eine Session mit ihm. Irgendetwas machte dann Click als wir zusammen im Studio waren – und voilá, die Magie begann.

Wie hat sich das für Dich angefühlt, mit diesen beiden bekannten Namen zusammenzuarbeiten?

Es war so eine Ehre für mich, mit zwei MGP- und ESC-Ikonen zusammenzuarbeiten, aber auch etwas einschüchternd. Aber ich bin so zufrieden mit den Ergebnissen. Und ich hoffe, wir werden noch mehr Musik zusammen machen.

Das Ergebnis ist nun eine Powerballade. Wie lange habt Ihr daran gearbeitet? Was macht sie so besonders? 

Wir haben den Titel während einiger Sessions geschrieben und haben dann viel Zeit mit der Produktion verbracht. Es war mir sehr wichtig, dass der Sound natürlich und ehrlich sein sollte. Deshalb haben wir mit richtigen Streichern im Studio gearbeitet, anstelle von entsprechender Musik vom Computer. Ich finde, die Art, wie der Song die Zuhörer mit auf eine Reise nimmt – sowohl textlich als auch musikalisch – macht daraus einen guten Titel für den MGP und den ESC. Ich wollte, dass der Song die Zuhörer ergreift und mitnimmt, und ich finde wirklich, dass uns das mit der Brücke besonders gelungen ist. Die ist übrigens mein Lieblingsteil des Songs.

Und wie schwierig ist es für Dich, das Lied zu singen?

Das Gute daran, am Schreiben eines Liedes beteiligt zu sein, ist, dass wir das Lied für meine Stimme geschrieben haben, also in der besten Tonart für mich. Aber ich mache mir nichts vor: Der Titel ist schwer zu singen und stellt damit natürlich auch ein Risiko dar, wenn er live im TV gesungen werden soll. Andererseits: das Leben macht keinen Spaß, wenn Du Dich nicht herausforderst und auch mal Risiken eingehst. 😉

Kannst Du uns sagen, wovon der Song handelt?

Der Song stellt grundsätzlich die Frage: Warum verändern wir uns und unser Verhalten, um anderen Menschen zu gefallen, wenn wir verliebt sind? Das Lied ist auf Basis persönlicher Erfahrungen geschrieben. Aber ich bin mir sehr sicher, dass sich viele Menschen damit identifizieren können – gerade auch wenn sie ihn hören und die Emotionen spüren, wenn ich ihn mit voller Hingabe singe.

Der MGP und der ESC leben nicht nur von den Liedern, sondern auch von der Bühnenshow. Das ist oft schwierig bei Balladen. Kannst Du uns sagen, was wir bei der Show am Samstag erwarten können und dann auch im Finale?

Es ist in der Tat eine Herausforderung, eine Ballade so auf die Bühne zu bringen, dass es nicht langweilig wird. Mein Team und ich haben lange Tage und Nächte an dem Auftritt gearbeitet: die Kamerawinkel, das Kleid, der Bühnenaufbau und die Spezialeffekte. Da der Song eine solche Powerballade ist, wollte ich auch, dass die Bühnenumsetzung das spiegelt und der Text und der Gesang die „Attention“ auf sich ziehen. Aber ich hoffe, und glaube, die Fans werden sehr zufrieden sein mit der Komposition und der Show. Ich kann auch schon sagen, dass wir ein paar Elemente am Samstag noch nicht zeigen werden, damit die Leute beim großen MGP-Finale noch mehr überrascht sein werden.

Viel Glück dafür, Ulrikke, und vielen Dank für das Interview.

Diese Beiträge stehen bereits für das MGP-Finale fest (die Videos sind in den entsprechenden Artikeln verlinkt):

1. Halbfinale: Raylee – Wild
2. Halbfinale: Rein Alexander – One Last Time
3. Halbfinale: Kristin Husøy – Pray for Me

Gesetzter Finalist 1: Sondrey – Take My Time
Gesetzter Finalist 2: Didrik & Emil Solli-Tangen – Out of Air
Gesetzter Finalist 3: Akuvi – Som du er
Gesetzter Finalist 4: Ulrikke Brandstorp – Attention


19 Kommentare

  1. Hatte noch nicht mitbekommen, dass da Mørland mitkomponiert hat – das erklärt natürlich ein bisschen was. Von den norwegischen Songs, die ich bisher hörte tatsächlich der mMn beste (wenn auch das Niveau nicht besonders krass ist). Mir gefällt auch wie „Attention“ sowohl die Aufmerksamkeit des/der Angebeteten als auch die des Zuhörers bedeuten kann, so’n bisschen meta-mäßig.

  2. Na ja, es ist wohl noch ein bisschen früh, vom ESC-Sieg zu sprechen, so wie es in der Überschrift steht. Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass er das norwegische Finale gewinnt. Ist auf jeden Fall einer der besseren Songs aus Norwegen dieses Jahr, meiner Meinung nach.

  3. Also die Frau, das muss man ihr lassen, hat ein großes Selbstbewusstsein….zu glauben mit dieser nicht schlechten, durchschnittlichen Nummer den ESC zu gewinnen. Träume können wahr werden aber in dem Fall..leider nicht

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