Italiens Beitrag für den ESC 2022: „Brividi“ von Mahmood und Blanco

Mahmood und Blanco – Foto: Instagram @mahmood

Mahmood und Blanco haben das 72. Festival di Sanremo fulminant mit „Brividi“ gewonnen. Die beiden waren von Anfang an die ganz großen Favoriten auf den Sieg. Ihr erster Auftritt am Ersten Abend des Festivals sorgte für viele begeisterte Reaktionen, die Like-Zahlen nach Veröffentlichung des Liveauftritts auf YouTube schossen in die Höhe und auch in den italienischen und internationalen Streamingcharts feierte der Song bisher nicht gekannte Erfolge. Am heutigen fünften Abend konnten sie ihren Favoritenstatus gerecht werden: neben Gianni Morandi und Elisa gelangten sie ins Superfinale, wo sie mit 51,80% der Stimmen gewannen. Den Live-Blog zum Fünften Abend des Sanremofestivals findet ihr hier, die Abstimmungsergebnisse des Abends haben wir hier veröffentlicht.

Update 2:47 Uhr: Sie haben in der Pressekonferenz offiziell bestätigt am Eurovision Song Contest teilzunehmen! 

„Brividi“ ist eine moderne Ballade, in der die komplizierte Liebesbeziehung zweier Personen beschrieben wird. Mit dem Stück bewegen sich Mahmood und Blanco auf für sie eher ungewöhnlichen musikalischen Terrain. Mahmoods Stil findet sich sonst mehr zwischen Soul, RNB und Pop mit leichten elektronischen und arabischen Einschlag, Blanco ist zwischen Rap und Elektropop zu Hause. Das musikalische Experiment, dass die beiden für Sanremo eingegangen sind, könnte aber nicht besser funktionieren: ihren Stimmen harmonieren auf wundervolle Weise, als Duettpartner werfen sie sich auf der Bühne gekonnt den Ball zu und schaffen es überzeugend Emotionen an die Zuschauer zu übertragen.

Im Text von „Brividi“ wird eine komplizierte Liebesbeziehung beschrieben. Es geht darum, welche Gefühle beide füreinander haben, von einem fast schon kitschigen Zusammensein träumen, diese Gefühle aber nicht aussprechen können. Gleichzeitig machen sie immer wieder Fehler, tun sich gegenseitig nicht gut, sind Gift für den anderen. Sie merken, dass sie den anderen loslassen sollten und haben zugleich vor nichts mehr Angst als verlassen zu werden. Sie wollen diese Beziehung – und wollen sie nicht. Und so stehen sie sich immer wieder nackt mit Gänsehaut gegenüber…

Geschrieben wurde „Brividi“ von den beiden Interpreten Mahmood und Blanco selbst sowie von Michelangelo (Michele Zocca), der auch Produzent des Liedes ist und beim Liveauftritt am Klavier zu sehen ist.

Für das Sanremo-Festival ist eine von zwei Männern gesungene Liebesballade eine Novität. Trotzdem ist „Brividi“ kein gezieltes politisches Statement. Mahmood und Blanco verkörpern einfach die Geschichte der zwei Protagonisten, so wie unzählige Mann-Frau-Duette vor ihnen die Geschichten anderer Protagonisten verkörpert haben. Nicht mehr und nicht weniger. Genau diese Selbstverständlichkeit ist dann auf gewisse Weise gegenwärtig doch noch etwas Besonderes. Aber Dank Mahmood und Blanco ist der nächste Schritt getan, dass das Selbstverständliche selbstverständlich wird.

Mahmood dürfte allen nach seiner Teilnahme beim ESC 2019 in Tel Aviv mit „Soldi“, wo er einen phantastischen zweiten Platz belegte, bekannt sein. Der Sänger mit den bürgerlichen Namen Alessandro Mahmoud wurde in Mailand als Sohn einer italienischen Mutter und eines ägyptischen Vaters geboren. Nach seiner Teilnahme an der Castingshow X-Factor professionalisierte er seine musikalischen Ambitionen. Zunächst arbeitete er als Songwriter mit bekannten italienischen Acts, u.a. Marco Mengoni. Nach einem ersten Anlauf bei Sanremo Giovani 2016 konnte er sich 2019 im zweiten Versuch über den Nachwuchswettbewerb für das Sanremo-Festival qualifizieren, welches er für viele überraschend mit „Soldi“ gewann. Daraufhin konnte Mahmood viele Chartserfolge in Italien verzeichnen: sein erstes Album „Gioventù bruciata“ erreichte Platz eins der Albumcharts, sein zweites Albums „Ghettolimpo“ Platz zwei. Neben „Soldi“ konnten sich außerdem die Singles „Barrio“, „Dorado“, „Moonlight popolare“ und „Rapide“ in den Top 10 der Single-Charts platzieren.

Hinter Blanco verbirgt sich der (noch) 18-Jährige Rapper Riccardo Fabbriconi, der in Brescia und dem Ort Desenzano am Gardasee aufgewachsen ist. Im Juni 2020 veröffentlichte er seine erste EP „Quarantine Paranoid“ auf Soundcloud, woraufhin Universal auf ihn aufmerksam wurde und ihn unter Vertrag nahm. Nachdem sich mit seiner Debutsingle „Belladonna (Adieu)“ noch kein Erfolg einstellte, gelang ihm mit der Folgesingle „Notti in bianco“ 2020 der Durchbruch: der Song erreichte Platz zwei der Charts. Im darauffolgenden Jahr konnten sich alle fünf veröffentlichten Singles in den Top 10 der Charts platzieren, zwei davon („La canzone nostra“ und „Mi fai impazzire“) erreichten sogar die Spitzenposition. Insgesamt haben seine Singles 23-mal Platinstatus erreicht, sein Debutalbum „Blu celeste“ wurde bisher 3-mal mit Platin ausgezeichnet.

Beim 72 Festival di Sanremo traten in diesem Jahr 25 Acts an, darunter mit Mahmood, Fabrizio Moro, Emma, Massimo Ranieri, Gianni Morandi und Iva Zanicchi sechs ehemalige ESC-Teilnehmer. An fünf Abenden wurden mehrmalig die Wettbewerbsbeiträge sowie Coverversionen bedeutender Lieder der Musikgeschichte präsentiert. Am Ersten und Zweiten Abend wurden die Beiträge zum ersten Mal vorgetragen und von der Presse-Jury bewertet. Am Dritten Abend wurden die Wettbewerbsbeiträge noch einmal präsentiert und Zuschauer und demoskopische Jury konnten abstimmen. Am Vierten Abend sind die Teilnehmer mit Coverversionen wichtiger internationaler und italienischer Songs aufgetreten und wurden von demoskopischer Jury, Presse-Jury und Televotern beurteilt. Am Finalabend waren alle Wettbewerbsbeiträge noch einmal zu sehen die Zuschauer zu Hause konnten voten. Zu jeweils 25% gingen die Stimmen aus Ersten/Zweiten Abend, Dritten Abend, Vierten Abend und Fünften Abend in das Gesamtklassement ein. Die ersten drei des Gesamtklassement – Mahmood & Blanco, Elisa und Gianni Morandi – erreichten das Superfinale, in dem durch die demoskopische Jury (33%), Pressejury (33%) und Televoting (34%) der Sieger des 72. Festival della Canzone Italiana bestimmt wurde: Mahmood und Blanco mit „Brividi“.

Morgen Abend werden wir in unserem ESC kompakt LIVE über den italienischen Beitrag sprechen, genauso wie über alle anderen neuen Beiträge des Wochenendes. Folgt uns gerne morgen ab 18 Uhr im Live-Stream.

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106 Kommentare

  1. Bisher sicherlich der beste Beitrag.Ob Italien nochmal gewinnen möchte bezweifele ich.Aber die Top 10 sind für sie schon gebucht .

  2. Wie unkreativ wieder den Mahmood wieder zu schicken, wenn auch in Begleitung von seinem Freund. In Vergleich zu Soldi stinkt der Song total ab. Italien will halt nicht wieder gewinnen. Würde mich überraschen wenn sie damit wieder in den Top 10 landen würden. Aber man kann ja nicht jedes Jahr gewinnen.

      • Beim ESC ist vor der Bekanntgabe des Endergebnisses nix zu 100% sicher, weder im positiven noch im negativen Sinn. Mir persönlich ist der Song schlicht langweilig. Zum teil wird da mehr gejault wie gesungen.

      • ja DIR persönlich! Daraus kannst du aber keine Platzierungsvorhersage ableiten.Du musst das sachlicher bewerten. Klar kann man den eigenen Geschmack nie ganz wegdrücken. Vorstellbar wäre aber schon, dass brividi sich bis zum Finale etwas abgenutzt hat. Mag sich überheblich lesen, aber es ist schlicht ausgeschlossen, dass ‚Brividi´‘ ausserhalb der Top 10 landen wird.

  3. [fast ein Offtopic]

    …ich habe gerade entdeckt, ich koennte im Moment der typische spanische iTunes-User sein…. 🤔🤔🤔
    (mag sogar Tacones Rojos…. ich kannte das Lied noch nicht, aber ich mag es.)

    #1 Ay Mamá – Rigoberta Bandini
    #2 Tacones Rojos – Sebastián Yatra
    #3 Terra – Tanxugueiras
    #4 Brividi – Mahmood & Blanco
    #5 Música Ligera – Ana Mena

    #8 Perra – Rigoberta Bandini

    • PS: ich brauche unbedingt eine Platte von Rigoberta!! Am besten eine Schlallplatte, aber auch eine CD waere Ok. Eine Kassette, DVD, ein Buch, eine Postkarte, ihr Brusthalter, etwaaasssssss 😁🌹🌹🌹🥳

  4. Ich fall vom Stuhl – Brividi ist jetzt auch in den deutschen und österreichischen Charts (mindestens bei Apple Music) Zwar noch ausserhalb der Top 100. Ist aber ein klarer Hinweis darauf, dass ‚Brividi‘ echt grosses Potential aufweist! Mal noch die Apple Music Platzierungen aller Länder:

    Italien #1
    Schweiz #1
    Slowenien #3
    Litauen #4
    Luxemburg #11
    Kroatien #14
    Spanien #65
    Zypern #76
    Belgien #96
    Griechenland #112
    Deutschland #162
    Österreich #169
    Serbien #179
    Niederlande #191

    Brividi tauchte übrigens auch in den UK iTunes Charts (im unteren Bereich) kurz auf!

    14 Länder-Platzierungen ist herrausragend! Hat es für einen ESC Teilnehmersong noch nie gegeben!

    In den üblicherweise sehr ESC affinen skandinavischen Ländern noch keine Platzierungen. Ebenso in fast allen osteuropäischen Ländern, wobei Litauen, Kroatien, serbien und Slowenien bemerkenswerte Ausnahmen bilden.

    Man muss davon ausgehen, dass es für Brividi haufenweise 12er geben wird.

  5. Grazie Italia ! Wieder steht der Stiefel für Qualität und Mahmood kann auch zerbrechlich-lyrische Sachen singen. Ist vielleicht kein Siegertitel, landet aber wohl in den Top 5. Von mir gibt es 11 von 12 Punkten und nach dem Trash aus Irland und Israel und dem Langeweiler aus Nordmazedonien ist das echt Genuß für den Gehörgang.

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