Melodifestivalen 2024 in Schweden: Fröken Snusk wird zum Skandalproblem für Sender SVT

Foto: Instagram @frokensnuskofficial

Wenn jede PR gute PR ist, dann kann sich Fröken Snusk (Aufmacherbild) auf das Melodifestivalen freuen. Sie ist in diesem Jahr bereits mit zwei Skandäl(chen) konfrontiert, die genüsslich nicht nur von der Bouldevardpresse ausgeschlachtet werden. Ihr Ausschluss vom Melodifestivalen wurde bereits gefordert. Der austragende Sender SVT zeigt sich gar nicht amused: „Das ist natürlich nicht gut.“

Im Vorfeld der schwedischen Vorentscheidung für den ESC im Mai wird die PR-Arbeit sowohl von den Künstler/innen als auch den Medien hochgefahren. Die (ehemaligen) Fan-Favoriten Samir & Viktor (Post unten) platzieren bewusst Themen, um in die Presse zu kommen. Konkret geht es bei ihnen um Ängste und Burn-out – und wie sie damit beim Melodifestivalen umgehen wollen.

Eine andere Teilnehmerin muss keine Themen in der Öffentlichkeit platzieren, sondern eher PR-Brände löschen: Das auf Polarisierung ausgerichtete Fröken Snusk (auf Deutsch etwa Fräulein Schmutzig oder Versaut). Sie wird in der zweiten Vorrunde am 10. Februar in Göteborg mit dem Titel „Unga & fria“ (jung und frei (in der Pluralform, also wir oder ihr seid jung und frei)) auf der Bühne stehen.

Wenn es nach einigen Akteuren in der schwedischen (Medien-)Öffentlichkeit wie der zweitgrößten Boulevardzeitung Expressen geht, soll es aber gar nicht so weit kommen. Denn sie fordert den Ausschluss der Künstlerin von der schwedischen Vorentscheidung. Der Grund hierfür sind Unregelmäßigkeiten in den Streaming-Zahlen bei Spotify.

Am 12. Januar meldete die größte und angesehene Tageszeitung Dagens Nyheter, dass Spotify plötzlich mehrere Lieder von Fröken Snusk und ihrem Mitstreiter und musikalischem Mastermind Rasmus Gozzi offline genommen habe. Der Grund: Am 11. Dezember sollen sich z. B. die Streams ihres Songs „Gynekologen“ (Der Gynäkologe) im Vergleich zu den Vortagen von 40.000 auf 184.000 vervierfacht haben, wodurch der Track der meistgespielte des Tages auf Spotify in Schweden war. Am Tag darauf sei er wieder auf sein normales Niveau und Platz 79 zurückgefallen.

Im Jahresabschluss der Gozzi Records AB (Aktiengesellschaft von Rasmus Gozzi) gibt es auch Hinweise darauf, dass er große Investitionen getätigt habe, um bessere Platzierungen auf verschiedenen Musikplattformen zu erreichen. Das wiederum thematisierte die angesehene bürgerliche Tageszeitung Svenska Dagbladet bereits am 9. Januar. Gerade heute (21. Januar) sollen wieder einige der Songs bei Spotify offline genommen worden sein.

Für den verantwortlichen Projektleiter des Melodifestivalen, Anders Wristbacka vom Fernsehsender SVT, sind das äußert ungünstige Entwicklungen. Gegenüber Expressen sagte er dazu:

„Wenn wir Informationen erhalten, auf die wir reagieren können, werden wir natürlich darauf reagieren. Aber wir haben keine Möglichkeit, in Spotify-Streams zu gehen und zu untersuchen, wer was getan hat. Das können wir nicht tun. Also warten wir im Moment einfach ab.“

Er wies auch darauf hin, dass ein solcher Fall weder in den Regeln des ESC, noch des Melodifestivalen geklärt sei. Außerdem rechtfertigte er, dass Fröken Snusk zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werde:

„Wenn wir die Künstler/innen auf Basis des Streamings auf Spotify ausgewählt hätten, dann hätten wir ein großes Problem. Aber das ist nicht der Fall. Natürlich fließt das in unsere Gesamtbeurteilung ein, aber es ist nicht so einfach, ins Melodifestivalen zu kommen.“

Während die Manipulationsvorwürfe gegen Rasmus Gozzi und Fröken Snusk also weiter im Raum stehen, kam am Wochenende ein weiteres Skandälchen hinzu: Bei einem Weihnachtskonzert der Sängerin im småländischen Ljungby wurde ohne Lizenz nikotinfreies Snus im Fanshop verkauft. Dies wurde nachträglich von der Umwelt- und Gesundheitsschutzinspektörin der Kommune beim Lesen einer Reportage über das Konzert in der Lokalzeitung Smålänningen festgestellt. Die Polizei bestätigt nun gegenüber Aftonbladet, dass eine Anzeige vorläge, es aber noch keinen Verdächtigen gäbe.

Bei Snus handelt es sich um eine Art Kautabak, der außer in Schweden in der gesamten EU verboten ist. Der Tabak wird lose oder in kleinen Beutelchen zwischen Kiefer und Backe platziert, häufig auch hinter der Oberlippe. Durch den Speichelfluss wird das Nikotin gelöst und kommt schnell in den Blutkreislauf. Neben dem klassischen nikotinhaltigen Snus gibt es auch nikotinfreies, das auch als „vitt snus“ (weißes Snus) bezeichnet wird.

Wirkliche Skandale sind im Umfeld des Melodifestivalen selten. Letztes Jahr gab es Plagiatsvorwürfe gegen Loreens Siegersong „Tattoo“, die aber folgenlos blieben. 2016 wurde Anna Book mit dem Titel „Himmel för två“ kurz vor dem Auftritt disqualifiziert, weil er schon 2014 in der moldawischen Vorentscheidung dabei war. Die Künstlerin durfte den Titel dann außerhalb der Konkurrenz in der Show präsentieren.

In Deutschland gab es im Jahr 2005 Manipulationsvorwürfe gegen den Manager der späteren deutschen ESC-Vertreterin Gracia. Dieser soll den Kauf einer Vielzahl von Singles (Streaming gab es damals noch nicht) initiiert haben, um den Titel „Run & Hide“ zu einer besseren Chartposition zu verhelfen. Das wurde erreicht und damit erhielt Gracia auch eine Wildcard für die deutsche ESC-Vorentscheidung „Germany 12 Points!“ Dort erreicht der Song das Superfinale, was auch gegen „A Miracle of Love“ von Nicole Süßmilch und Marco Matias gewonnen wurde. Trotz der Manipulationsvorwürfe hielt der damalige Head of Delegation, Jürgen Meier-Beer, an dem Beitrag fest. Beim ESC in Kiew landete Gracia mit „Run & Hide“ mit vier Punkten auf dem letzten Platz.

Was ist Deine Meinung zu Künstlerinnen und Künstlern, die versuchen, Chartplatzierung zu manipulieren? Sollten sie in einem solchen Fall von einer ESC-Vorentscheidung ausgeschlossen werden? Und bist Du gespannt auf den Mello-Beitrag von Fröken Snusk? Lass uns Deine Meinung in den Kommentaren da. 



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23 Comments
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Rainer Knuth
Rainer Knuth
2 Jahre zuvor

Wie schon richtig geschrieben, wenn die streaming Zahlen keinen Einfluss auf die Platzierung bzw Teilnahme beim VE hat dann ist das kein Skandal. Allerdings sollte man bei dieser Gruppe jetzt vorsichtiger sein und nicht sofort alles glauben.

elkracho
Mitglied
elkracho
2 Jahre zuvor

„Unregelmäßigkeiten in den Streaming-Zahlen bei Spotify.“

Darf das sein ????
Manche Leute bauen hierauf ihre unumstössliche Wahrheit.

Rainer Knuth
Rainer Knuth
2 Jahre zuvor
Reply to  elkracho

🤣👍

Festivalknüller
Festivalknüller
2 Jahre zuvor
Reply to  elkracho

….oder starten damit Petitionen.😏

AlexESC
AlexESC
2 Jahre zuvor

„Germany 12 Points!“ 2005 und das Unheil mit den hinteren und auch letzten Plätzen für Deutschland beim ESC nahm seinen Lauf! Trotzdem ist es beim Mello was anderes, eben weil halt da die Streaming/Verkaufszahlen nicht zählen. Dies war beim deutschen Vorentscheid 2005 anders, da dort halt hohe Verkaufszahlen wohl Mindestvoraussetzung für eine Teilnahme waren. Übrigens gab es, wenn ich es richtig im Kopf hab, damals noch kein öffentliches Bewerbungsfenster -also dass sich auch Newcomer bewerben konnten- so wie es heutzutage beim deutschen Vorentscheid ist. Ausnahme war natürlich das Castingformat von Stefan Raab 2004 aus welchen Max Mutzke entsprungen ist. Ansonsten gab es ein öffentliches Bewerbungsfenster das erste mal beim Vorentscheidshow losen Jahrgang 2009.
Dass 2006 der deutsche Vorentscheid komplett geändert und in den folgenden 3 Jahren auch kleiner veranstaltet wurde (bzw. es 2009 gar keinen Vorentscheid gab), war wohl eine Folge der Manipulationsvorwürfe von 2005. Aber ist nur eine Vermutung von mir.

Jorge
Jorge
2 Jahre zuvor

In der irren Annahme, hier Schweinereien zu lesen, habe ich auf diesen Artikel geklickt. Kein FSK-Material, keine Affairen – Ich bin enttäuscht!

lasse braun 🏴‍☠️
lasse braun 🏴‍☠️
2 Jahre zuvor
Reply to  Jorge

ich dachte auch,daß es hier jetzt etwas schweinskram für den schweinischen lasse gibt aber fehlanzeige – die schweden sind schon ein komisches völkchen geworden,seitdem die sich voll und ganz dem sogenannten kommunitarismus verschrieben haben.

4porcelli - keep the 🦦 warm United24
4porcelli - keep the 🦦 warm United24
2 Jahre zuvor

Endlich ein Artikel über Spotify, kommen sicherlich gleich 30 Absätze dazu.

Lola
Lola
2 Jahre zuvor

Spotify Streaming Zahlen kaufen ist doch nix Neues. In Deutschland haben wir da doch Mero? Mero? als Paradebeispiel 😀 Mein Spotify wurde mal gehackt, und was ich fand waren Playlisten mit der damals im Raum stehenden Methode die angeblich bei Mero/Nero genannt wurde. Playlisten die irgendwie im Hintergrund laufen und nen random Act streamen.

elkracho
Mitglied
elkracho
2 Jahre zuvor

In der irren Annahme, hier Schweinereien zu lesen, habe ich auf diesen Artikel geklickt. Kein FSK-Material, keine Affairen – Ich bin enttäuscht!

Das wird hier mit Clickbaiting auch immer schlimmer.🙂
Ist wohl dem Katjes-Sponsoring geschuldet.

Aber für Anna Book hat es sich wieder gelohnt.
Hatte auch 2007 nen tollen Song am Start.
Sowas wäre mir lieber als „Naiv“.
Die Arme ist leider momentan im Krankenhaus (Knie-OP)
Von mir gute Besserung.💐

Last edited 2 Jahre zuvor by elkracho
rainer1
rainer1
2 Jahre zuvor
Reply to  elkracho

Super song. Hat seit jahren einen festen platz in meiner playlist

Jorge
Jorge
2 Jahre zuvor
Reply to  elkracho

Ist wohl dem Katjes-Sponsoring geschuldet.

Nachdem @Peter den Song „Katze“ als Schlager und gaga gedisst hat, müssen wir mit Katjes-Rationierungen rechnen.

floppy1992
Mitglied
2 Jahre zuvor
Reply to  elkracho

Ich mag ihren Beitrag von 1987 am liebsten. Aber nur die Studioversion, live ist das damals leider sehr verunglückt.

lasse braun 🏴‍☠️
lasse braun 🏴‍☠️
2 Jahre zuvor
Reply to  elkracho

also dafür hätte ich im schwedenspiel auch noch eine stimme übergehabt.
endlich mal ein richtiger gute laune schlager – kannte ihn noch nicht – danke für’s kennenlernen. 🥳

Cherry-Juice
Mitglied
Cherry-Juice
2 Jahre zuvor

Ich kann die schwedischen Skandale irgendwie nicht so ernst nehmen. Und das liegt zu 100% an den Begriffen 😅. „Fröken Snusk“, „Snus“, „Vitt Snus“… Wenn man das mit einer deutschen Brille liest, klingen selbst hässliche Worte wie Kautabak total niedlich.

Kennt jemand von euch die Serie Brooklyn 99? Da gab’s auch Mal eine Folge mit Schwedischen Cops. Daran hat mich das auch sehr erinnert 😅.

Last edited 2 Jahre zuvor by Cherry-Juice
lasse braun 🏴‍☠️
lasse braun 🏴‍☠️
2 Jahre zuvor
Reply to  Cherry-Juice

„Fröken Snusk“, „Snus“, „Vitt Snus“

klingt total versaut für deutsche ohren. 😃

Matty
Matty
2 Jahre zuvor

Gib doch zu, daß dir das gefällt!

lasse braun 🏴‍☠️
lasse braun 🏴‍☠️
2 Jahre zuvor
Reply to  Matty

gegen eine prise gepflegten schweinskram habe ich nie etwas einzuwenden. 🏴‍☠️

Malte (@mascho_)
Mitglied
Malte (@mascho_)
2 Jahre zuvor

Thematisch zwar nur am Rande angeschnitten, aber ich beichte hiermit, dass Gracia in meiner Top 3 der deutschen ESC-Beiträge ist 🙈😅

Porsteinn
Mitglied
Porsteinn
2 Jahre zuvor

Auf ESC Radio habe ich mal die Akustikversion des Songs gehört. Die hat mir auch gefallen.

Gordon
Gordon
2 Jahre zuvor

Volle Zustimmung. Das war und ist ein großer Song von einer tollen Sängerin. Aber ein falscher Ton, ein „Skandal“ und Gracia hatte keine Chance mehr.

Thomas O.
Thomas O.
2 Jahre zuvor

Fröken Snusk gefällt mir
Das mit dem Streamingzahlen wirkt wie eine Trollnummer von Ihr 😂👍

Trevoristos
Trevoristos
2 Jahre zuvor

Songs von Fröken Snusk kann ich in den schwedischen Spotify Charts nicht finden. Weder vor noch nach Dezember.

Zum Abgleich immer noch recht hilfreich ist es auf die Apple Schweden Top 200 zu schauen. Dort ist lediglich der Song von Rasmus Gozzi & Fröken Snusk vertreten. Auf #141 aktuell. Der ist bei Spotify abspielbar.

Ist ein Song in den Spotify Charts Schwedens in den Top 10 aber in den Apple Music Charts nicht vertreten muss man hellhörig werden.

Was generell möglich ist, dass Playzahlen ‚erzeugt‘ werden können. Spotify und andere Dienste setzten dagegen Sicherheitsmaßnahmen ein.

Bei Spotify sind, anders als bei Apple, u.a. folgende Songs mit Erwähnung Fröken Snusk nicht (mehr) gelistet:

Rid Mig Som En Hollywoodfru, erschienen am 05.01.24
Bad Boy, erschienen am 23.12.23
En Helt Vanlig Helt, erschienen am 22.12.23
Ögonabums, erschienen am 15.12.23
Frimärke, erschienen am 08.12.23
Fake Taxi, erschienen am 01.12.23
Feliz Navidad, erschienen am 17.11.23
Grisana Till Bacon, erschienen am 10.11.23
Da Malar Vi Om, erschienen am 03.11.23
Polarens Brush, erschienen am 27.10.23

Turn Me On, erschienen am 09.02.23 (bei Apple viertbeliebtester Song bei dem Fröken Snusk, oder Rasmus Gozzi Erwähnung finden)

Trakten Till Epan, erschienen am 27.01.23 (bei Apple drittbeliebtester Song bei dem Fröken Snusk, oder Rasmus Gozzi Erwähnung finden)

Rig Mid Som En Dalahäst, erschienen am 25.03.2022 bzw 14.10.23 (bei Apple beliebtester und als Remix zweitbeliebtester Song bei dem Fröken Snusk, oder Rasmus Gozzi Erwähnung finden)

Der bei Apple fünftbeliebteste Song mit Titel ‚Fröken Snusk‘ ist auch bei Spotify abrufbar.

Mindestens 15 Songs bei dem Fröken Snusk Erwähnung findet, die es bei Apple gibt, gibt es bei Spotify nicht, darunter die bei Apple beliebtesten…

Allein 2023 hat es 55 Songveröffentlichungen mit Beteiligung/Nennung von Fröken Snusk gegeben. 55! Eine ganz unheimliche Zahl.

Komisch, dass sich ob dieses Dauerergusses bei den Melodifestivalen-Verwantwortlichen niemand drüber gewundert hat. Mal ganz zu Schweigen vom Inhalt der Werke. Damit wurde sich mal so richtig ins Knie geschossen…Reingefallen. Sowas darf Profis nicht passieren.

Sollte es Beeinflussungen gegeben haben, die vermutlich mind. 15 Songs betreffen, sollte so ein Künstlerkanal dauerhaft unschädlich gemacht werden und zwar durch Komplett-Löschung und zwar wg Verdacht des wiederholten Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen. Es wäre rechtlich gesehen vollendeter Betrug, wenn sich nachweisbar Tantiemenzahlungen erschlichen worden sind bzw versuchter Betrug, wenn es den nachweisbaren Versuch der Erschleichung von Tantiemenzahlungen, oder anderweitiger Vergütungen für Gozzi Records gegeben hat. Die Schadenssumme könnte 1 Mio € überschreiten. Betrug wäre es aber nur dann, wenn es von einem Gericht festgestellt wird.

Es versteht sich von selbst, dass so ein Act nicht Teil des Melodifestivalens sein kann und sein darf. Sofortiges Tabula Rasa ist angesagt.