Schweden: Melodifestivalen ändert Namen und Ablauf der Andra Chansen – Kartenverkauf startet am 8. November

Das Melodifestivalen steht vor der größten Veränderung in seinem Ablauf seit 2007. Damals wurde die Andra Chansen (die zweite Chance) als eigene Wettbewerbswoche mit großer Show eingeführt. Nun geht es wieder um die Andra Chansen. Sie wird zu einem „Semifinale“, und statt der gefürchteten Duelle um die Finalplätze gibt es jetzt ein Stechen in Vierergruppen.

Wie das schwedische Aftonbladet mit Bestätigung durch die Verantwortlichen beim Schwedischen Fernsehen SVT meldet, bleibt bei den ersten vier Halbfinalen alles beim Alten. Hier treten sieben Beiträge an; die zwei Songs mit den meisten Stimmen kommen direkt ins Finale, die Acts auf den Plätze 3 und 4 müssen in der fünften Show noch einmal ran. Diese Show hieß bisher Andra Chansen. Nun soll sie „Semifinale“ heißen.

Anette Brattström, die Projektverantwortliche bei SVT für das Melodifestivalen sagt dazu: „Das Ziel der Andra Chansen war ursprünglich, dass die Künstler/innen die Möglichkeit bekommen sollen, ihre Auftritte zu verändern, wenn sie das Gefühl hatten, dass das notwendig sei. Allerdings ist heute alles bis zur Perfektion geprobt, so dass es keine großen Veränderungen mehr vorgenommen werden. So gut wie niemand ändert etwas, womit die Idee der Andra Chansen hinfällig ist. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass die Sendung nicht als Höhepunkt vor dem Finale erlebt wird, sondern eher einen etwas schlechteren Ruf hat.“

Anette Brattström vom schwedischen Fernsehen SVT

Weiter sagte sie der Zeitung: „Wir wollen ja jedes Jahr das Programm hinterfragen und eine so spannende Show wie möglich für unsere Zuschauer und Follower in der App schaffen. Die Duelle in der Andra Chansen mussten dafür verändert werden. Eine Steigerung zum Finale ist ja ein „Semifinale“, wodurch es klar war, dass wir das machen wollen.“

Dieses „Semifinale“ soll nun so ablaufen: Die acht dort antretenden Beiträge werden in zwei Gruppen aufgeteilt (persönliche Vermutung des Autors: Beiträge, die bereits gegeneinander angetreten sind, werden verschiedenen Gruppen zugeordnet. Außerdem könnte man es so gestalten, dass je zwei dritte und zwei vierte Plätze in einer Gruppe vertreten sind). Die jeweils vier Beiträge treten gegeneinander an; die beiden Songs mit den meisten Stimmen kommen ins Finale.

Für Deutschsprechende wird die Bezeichnung der Shows etwas komplizierter. Die ersten vier Shows des Melodifestivalen laufen in Schweden unter der Bezeichnung Deltävling, also Teilwettbewerb. Wir übersetzen das bisher entweder als Semi- oder Halbfinale. Das geht natürlich nicht mehr, wenn die fünfte Show, die ja nun einmal anders ist als die ersten vier, offiziell Semifinal heißt. Eine Lösung wäre z.B. der Begriff Vorrunde.

Der Autor findet die Bezeichnung „Semifinal“ aber auch im Schwedischen ungünstig. Denn ein Semifinale vermittelt den Eindruck, dass sich darüber alle Teilnehmer/innen qualifizieren müssen, die ins Finale einziehen wollen. Das ist aber nicht der Fall.

Ebenfalls fest steht, dass der Ticketverkauf für alle Shows des Melodifestivalen 2022 am 8. November um 10:00 Uhr vormittags beginnt. Einzige offizielle Plattform für die Eintrittskarten ist Ticketmaster. An diesen Tagen und in diesen Stadien und Städten finden die Shows statt:

4.-5. Februar Malmö Arena, Malmö
11.-12. Februar Scandinavium, Göteborg
18.-19. Februar Saab Arena, Linköping
25.-26. Februar Sparbanken Lidköping Arena, Lidköping
4.-5. März Hägglunds Arena, Örnsköldsvik
11.-12. März Friends Arena, Stockholm


40 Kommentare

    • Da gebe ich dir recht, wenn ich nicht ein absoluter Gegner von dieser Geldmachersendung „Andra Chansen“…äh, ich meine „Semifinale“ wäre. Ich finde, man muss auch verlieren können. Da ist eine „Zweite- Chance-Show“ die reinste Mogelpackung. Es geht nicht nur darum, Lieder bzw. Künstlern nochmal eine Chance zu bieten, sondern die pfiffigen Schweden wollen Geld verdienen und das nicht zu knapp.

  1. Das Format ist mMn nicht das Problem. Die lieb- und leblose Inszenierung der Beiträge ist das Problem. Das sieht alles immer aus, als ob es gerade aus einem Ü-Ei gepurzelt wäre …

  2. Nach Slowenien orientiert sich hier wohl ein weiteres Land am ESC kompakt Second Chance Contest 🙂 Aber im Ernst: Die Namensänderung erschließt sich mir nicht – de facto ist es doch weiterhin eine Zweite Chance…naja, whatever.

      • Haha…eine Ehrenrunde bezeichnet etwas ganz anderes. – Denk mal an Schüler, die ein Schuljahr wiederholen müssen, weil sie schwache Noten vorweisen. Dies wird im Volksmund „Ehrenrunde“ bezeichnet.

    • Ich vermute mal, SVT hat sich da eine superschlaue Agentur an Bord geholt, die ihnen für 100.000 Euro gesagt hat, dass Semifinal (Spannend! Siehe Sport!) wertiger klingt als Andra Chansen, was eher nach Resterampe/Nachsitzen klingt. Ich finde das Semi klingt weniger spannend als die Duelle, aber geht in dieselbe Richtung – so geht kein Act als direkter „Verlierer“ vom Platz. Macht für mich keinen Unterschied, aber das ist wahrscheinlich die Denke dahinter.

  3. Egal, was für ein Name draufsteht: Ich finde einfach, dass sehr viele Songs zu steril durchgeformt werden, wie vom Fließband. Das ist schade. Es fehlt bei den meisten Darbietungen ein bißchen die „Seele“.
    Und die wenigen Acts, die Kreativität und Seele verkörpern, werden nicht gewählt. Es ist traurig.☹️

    • Es ist alles extrem generisch geworden. Ich hatte letztens Mans Cara mia MF-Auftritt angeguckt und von Beleuchtung zu Strahlelächeln US-style und vor allem Choreo war das Rezept fast identisch zu heute. Nur die Frisuren und Klamotten ändern sich, da sind sie immer genau im Trend (abgesehen von den Karnevalskostümen, die gerade bei Sängerinnen immer mal wieder auftauchen – aber auch das hat Tradition).

    • Auch der ESC hat seine Moden. War vor einigen Jahren die Schweden-Inzinierung noch das Maß aller Dinge, kann mich noch an die Bewunderung des vor den Solariumlampen tanzenden Unsympathen erinnern, wo es Lob gab, weil das wie ein VIdeoclip aussehe, so hat sich der Geschmack zu mehr Echtheit gewandelt. Wenn das die Schweden mitbekommen, werden wir nächstes Jahr die Emotionen pur erleben, Wobei, eigentlich versuchen sie es schon seit drei Jahren, hat aber noch nicht so geklappt, vielleicht ist Echtheit doch schwerer als Hochglanz.

  4. Ob man durch eine Namensänderung das Format großartig aufwertet, wenn es im Kern das Gleiche bleibt, möchte ich jetzt mal stark bezweifeln. im Zweifel verringert die Abschaffung der Duelle eher die Spannung und den Überraschungseffekt (man denke an Loreen 2017). Was bleibt, ist die sprachliche Verwirrung im deutschsprachigen Raum 😉

    • Caroline af Ugglas kam 2009 aus der Hoffnungsrunde und hätte beinahe gewonnen, und vier Jahre später hat es Robin Stjernberg über den AC-Umweg sogar zum Sieg geschafft. Allerdings hätte ich lieber 2009 Caroline als 2013 Robin beim ESC gesehen. „Snälla snälla“ ist ein tolles Lied, während „You“ in weiten Teilen wie eine DON’T PANIC-Alarmsirene klingt …

    • Die haben anscheinend eine ganze Serie über ihre Bewerbung beim ESC-Vorentscheid des NDR. Alles dazu findet Ihr auf dem Kanal von denen bei YouTube. Ich sehe die zum ersten Mal – aber singen können sie schon – man läuft wenigstens nicht gleich weg ^^.

      • Lieber Thorsten, ich will dir nicht zu nahe treten, aber singen kann der Typ – zumndest was diesen Clip angeht – nun wirklich so gar nicht.

  5. Auch wenn die Mellomusik nicht immer meins ist (Ausnhamen bestätigen die Regel) muss ich doch immer wieder anerkennend den Hut ziehen, wie SVT es seit inzwischen fast Jahrzehnten schafft, fast das ganze Land wochenlang mit der VE in Atem zu halten. Von der Musik abgesehen: Die Moderationen sind fast immer super, das Rahmenprogramm und die Einspieler witzig, kreativ und unterhaltsam, vormalige Teilnehmer werden geehrt, es wird nix künstlich in die Länge gezogen – also das ist immer noch eine Klasse für sich, find ich.

  6. Eine andere Namensgebung ist mir völlig wurscht. Ich hoffe so sehr das die neuen Leute im Team für ein breiteres Angebot der musikalischen Beiträge sorgen. Ich persönlich fand das Angebot der letzten Jahre immer langweiliger und sehr austauschbar. Die hier genannte Caroline af Ugglas fand ich klasse. So etwas anspruchsvolles kommt überhaupt nicht mehr vor bei Mello.

  7. Finde ich eine gute Idee. Das Format 4 statt 2 kann die Ergebnisse im Positiven verändern. Sollte Norwegen für seine Semis auch machen. Statt 4 in 2 Duellen auszulosen, einfach alle 4 gegeneinander antreten lassen, damit nicht die der Mehrheit nach „besten 2“ in ein Duell gegeneinander müssen…

  8. Ich denke es bedarf für Schweden noch eine weitere mittelmäßige oder schlechte Platzierung beim ESC um zu verstehen das auch in Schweden mehr individuelle und kreative Songs und nicht so gleichförmig getrimmte Konserven eine Chance bekommen sollten.

    • War Platz 14 für Schweden nicht schon eine Katastrofe? Außerdem wird Schweden nie so abschneiden wie Deutschland in diesem Jahr, weil sie durch den schwedischen Chef so etwas wie Welpenschutz durch die Juries haben.

      • Der schwedische Chef ist keiner der den Jurys zu sagen hat was die Abzustimmen haben. Schweden hat sogar einmal das Finale verpasst war also schlechter als Deutschland. Manchmal haust du Sachen raus wo man nur den Kopf schütteln muss

      • @Thilo Unvergessen das Ausscheiden von Anna B. In dem Jahr hat lovely Lena dann die Show gerockt. Weiter auseinander hätten SWE und GER gar nicht liegen können.

  9. Hoffentlich nicht wieder Gospel-Pop.
    Das ist für mich irgendwie eine total gruselige Kombination und ich hoffe, das ist bald durch.

  10. Ich frage mich welchen Sinn diese Show noch macht. Warum lässt man nicht einfach jeweils die drei Besten ins Finale und spart sich diese Andra Chansen oder wie es jetzt heißt Semifinale?

      • Geld? Wie macht den SVT Geld mit Andra Chansen? Wird die Sendung oft mit Werbung unterbrochen? Oder ist das Melodifestivalen in Schweden so beliebt, das man da viel Merchandising verkauft?

      • Naja schon alleine die Ticketverkäufe für diese zusätzliche Show zahlen sich bestimmt aus.

  11. @Trakol: Die Andra Chansen-Show, verursacht aber auch Kosten. Es wird sich wohl doch irgendwie lohnen, denn inhaltlich macht die Sendung wirklich Sinn. Denn kaum ein Song, der sich über die Andra Chansen qualifiziert hat, hat dann auch das Melodifestivalen gewonnen.

  12. Auch mit neuem Namen bleiben es die „Reste“ bzw. Mittelfeldplätze der Vorrunden. Dadurch wird das Kind auch nicht hübscher.

  13. Aus dem Sportbereich kenne ich den Begriff „Zwischenrunde“, der hier meiner Meinung nach passen würde.
    Im Schwedischen heißt zwischen „mellom“. Daraus hätte man auch so was wie Mellom-Mello etc. machen können.
    Schade, Chance vertan und ungenaue Bezeichnung in Umlauf gebracht.

  14. Es gibt Neuigkeiten aus der Ukraine! Der für den ESC und JESC zuständige Sender UA:PBC hat heute verkündet, daß der JESC-Vorentscheid auf den 24. Oktober 2021 verlegt wurde:

    https://eurovoix.com/2021/10/19/ukraine-junior-eurovision-national-final-october-24/

    Moderiert wird die Show von Darina Krasnovetskaya, die vor drei Jahren die Ukraine beim JESC vertrat sowie Viktor Dyachenko. Die Liveübertragung erfolgt auf dem Sender UA:Kultura und startet um 18 Uhr MESZ.

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