
Say Yes! Say Yes! Say Yes! Äähh wir meinen natürlich: Sag „Ya Ya Ya“! Mit diesem affirmativen Titel hat Jonas Lovv den norwegischen ESC-Vorentscheid Melodi Grand Prix (MGP) gewonnen und darf deshalb für Norwegen beim Eurovision Song Contest 2026 antreten. Der bereits 64. MGP bestand dieses Jahr wieder nur aus einer einzigen Finalshow und fand Ende Februar in der Håkons Hall in Lillehammer statt. Jonas Lovv gewann dabei sowohl das Jury- als auch das Televoting und verwies den ESC-Gewinner von 2009, Alexander Rybak, mit dessen Titel „Rise“ auf Rang zwei.
Die Buchmacher hingegen hatten andere Favoriten und sahen den 31-Jährigen gerade einmal auf Platz 4 von 9 – mit einer Siegeswahrscheinlichkeit von 7 Prozent. Jonas Lovv selbst wirkte im Moment seines Sieges allerdings gar nicht so überwältigt und nahm die MGP-Trophäe cool in Empfang. Alles andere hätte wohl auch nicht zum lässigen Image des volltätowierten Sängers gepasst, der beim Melodi Grand Prix sicherlich auch wegen seiner Bühnenpräsenz gewonnen hat.
Jonas Lovv Hellesøy kommt aus Bergen, Austragungsstadt des Eurovision Song Contest 1986. Den ESC vor 40 Jahren hat er noch nicht mitbekommen – nun aber hat er die Chance, selbst ESC-Geschichte zu schreiben. Seine Karriere als Musiker lief langsam an. 2014 nahm er an Auditions zur norwegischen Idol-Show teil. Später sang er im Synthpop-Trio Shuffle Baby. Dieses Projekt bezeichnet er heute als eines, „an dem ich am härtesten gearbeitet und an das ich am meisten geglaubt habe“. Trotzdem ging es im Jahr 2020 erst einmal nicht weiter damit, weil ein Bandkollege zum Jurastudium nach Oslo zog.
Jonas Lovv allerdings fand Spaß daran, vor Publikum aufzutreten. Für ihn musste das nicht einmal zwangsläufig etwas mit Musik zu tun haben. Er moderierte Bingo-Spiele in einer Bar in Bergen und erstellte TikToks zu den Themen Essen und Mode. Nach einigen Jahren Zögern wurde er 2025 schließlich Kandidat bei The Voice, wo seine dynamische Art des Performens sofort auffiel. Im Team von Mentor Espen Lund erreichte er das Halbfinale.
Das Lied
Der Song für den ESC 2026, „Ya Ya Ya“ wurde von Jonas Lovv selbst zusammen mit Sondre Skaftun geschrieben. Letzterer hat den Titel auch produziert und stand als Bassist mit auf der Bühne beim Vorentscheid. In einem Bericht seiner ehemaligen Uni erzählt er, dass der Arbeitstitel des Songs zuerst „FIFA haha“ lautete und wie surreal es sich anfühlt, dass dieser Song nun Norwegen beim ESC repräsentiert. Der Name kam daher, dass ihn der Sound an etwas erinnert, „was man in einem frühen 2000er FIFA-Spiel hören würde“. Aus dem Titel wurde später „FIFA Rock“ und schließlich „Ya Ya Ya“. Dass es überhaupt zu einer Teilnahme am Melodi Grand Prix kam, liegt an Tarjei Strøm. Der Musikdirektor des MGP fragte nach Jonas‘ The Voice-Zeit an, ob er einen Song für den Wettbewerb schreiben wolle.
Jonas Love performte den Eher-Pop-als-Rocksong „Ya Ya Ya“ in Lillehammer mit einer komplett rot gekleideten Band – bestehend aus Sondre am Bass und außerdem einem Schlagzeuger und einem E-Gitarristen. Jonas Lovv selbst trägt schwarz und steht oberkörperfrei auf der Bühne, wobei lediglich zwei breite Hosenträger über seinen Schultern hängen. Schwarz, rot und dazu weiß sind auch die dominierenden Farben im Bühnenbild. Teile des Textes werden mehrfach auf der Leinwand animiert eingeblendet – insbesondere zahllose „Ya“s während des Refrains.
Inszenierungstechnisch interessant ist besonders der Anfang der zweiten Strophe, in dem die Kamera Jonas von unten zeigt – und zwar endlose 16 Sekunden lang. Im YouTube-Video ist dies auch die am meisten wiedergegebene Passage. Zeitgleich zur Bridge, die nur aus Instrumentalmusik und Backing-Gesang besteht, arbeitet sich Jonas auf eine kleinere Bühne im Publikum vor. Während der Song ebenso auf Backing-Gesang endet, gibt er Leuten im Publikum die Hand und tanzt über die Bühne. Hinter ihm schießen Pyrofontänen in die Höhe. Das Wort „Ya“ fällt in dem Song übrigens ganze 91-mal.
Jonas Lovv tritt mit „Ya Ya Ya“ auf der letzten Startnummer, Startplatz 15, im zweiten Halbfinale am 14. Mai an.
Der Check
Song: 3,5/5 Punkten
Stimme: 4/5 Punkten
Darbietung: 3/5 Punkten
Instant Appeal: 4/5 Punkten
Bennett: Obwohl der Refrain lyrisch recht monoton ist, nimmt mich der Song vor allem durch die Melodie komplett mit. Den Song fand ich zunächst nur „gut“, die Performance im Vorentscheid hat mich dann aber überzeugt. Und die Interaktion der Band mit toller & freudiger Stimmung hat mich zum Fan diesen Beitrags gemacht. 10 Punkte
Benny: Der Song ist Mittelmaß und für den ESC nicht wirklich erfolgsversprechend. San Marino ging vor drei Jahren mit einem ähnlichen Genre baden. Allerdings hat Jonas eine starke Stimme und echte Entertainerqualitäten. So lässt sich vielleicht doch noch etwas retten… 5 Punkte
Douze Points: Ok, eine gute und kräftige Stimme hat Jonas Lovv. Und er ist auch einer der wenigen erwachsenen Männer, die Latzhosen tragen können. Ansonsten fühle ich mich durch den Song an Abende in Hannoveraner Rockkneipen erinnert, wo ich bei Titeln wie diesem ein neues Bier geholt habe oder zur Toilette gegangen bin. 4 Punkte
Marcel: Ich sage definitiv Ya Ya Ya. Norwegen hat sich – für mich überraschenderweise – für einen unterhaltsamen Pop-Rock-Song entschieden, bei dem man besser auch nicht zu genau auf den Text achtet. „Ya Ya Ya“ macht Spaß und Jonas Lovv bleibt mit seiner Erscheinung sicherlich in den Köpfen der Zuschauer hängen. 8 Punkte
Peter: In der Nachfolge des sympathischen smarten und cuten Kyle gibt’s den interessant tätowierten Jonas. Ich frage mich, ob hinter solchen Ink-Stillleben ein Konzept steckt oder ob das Hautgemälde einfach so step by step nach Tagesform entsteht. Jonas ist jedenfalls cool, hat Eigenständigkeit und Ausstrahlung und eine einprägsame Stimme. Ich finde auch lässig, dass die Band in Anzügen in rot auf die Bühne geht. Das Gebrülle – naja, man spürt eine Melodie, aber auf Måneskin-Level ist „Ya Ya Ya“ nicht, wiewohl der Songtitel sehr eurovisionskompatibel klingt. 6 Punkte
Punktzahlen der anderen Blogger*innen:
- Berenike: 8 Punkte
- Giulia: 4 Punkte
- Laureen: 2 Punkte
- Manu: 1 Punkt
- Max: 8 Punkte
- Rick: 5 Punkte
Gesamtpunktzahl aller Blogger*innen: 61/132 Punkten.
Beim ESC-kompakt-Index landet „Ya Ya Ya“ auf Platz 27.
Bisher erschienene Songchecks:
Erstes Halbfinale
- Finnland: „Liekinheitin“ von Linda Lampenius & Pete Parkkonen
- Georgien: „On Replay“ von Bzikebi
- Griechenland: „Ferto“ von Akylas
- Kroatien: „Andromeda“ von Lelek
- Moldau: „Viva, Moldova!“ von Satoshi
- Portugal: „Rosa“ von Bandidos do Cante
- Schweden: „My System“ von FELICIA
- Belgien: „Dancing on the Ice“ von ESSYLA
- Estland: „Too Epic To Be True“ von Vanilla Ninja
- Israel: „Michelle“ von Noam Bettan
- Litauen: „Sólo quiero más“ von Lion Ceccah
- Montenegro: „Nova zora“ von Tamara Živković
- Polen: „Pray“ von Alicja
- San Marino: Superstar von Senhit feat. Boy George
- Serbien: „Kraj Mene“ von LAVINA
Zweites Halbfinale
- Armenien: „Paloma Rumba“ von SIMÓN
- Aserbaidschan: „Just Go“ von JIVA
- Bulgarien: „Bangaranga“ von DARA
- Luxemburg: „Mother Nature“ von Eva Marija
- Rumänien: „Choke Me“ von Alexandra Căpitănescu
- Schweiz: „Alice“ von Veronica Fusaro
- Tschechien: „Crossroads“ von Daniel Žižka
- Albanien: „Nân“ von Alis
- Australien: „Eclipse“ von Delta Goodrem
- Dänemark: „Før vi går hjem“ von Søren Torpegaard Lund
- Lettland: „Ēnā“ von Atvara
- Malta: „Bella“ von AIDAN
Bereits gesetzt für das Finale
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