
Obwohl die Zeichen zuletzt auf Rückkehr standen, sieht es nun wohl doch so aus, als würde Spanien vorerst nicht zum Eurovision Song Contest zurückkehren. Am Dienstagmittag verkündete der Chef der spanischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt RTVE, José Pablo López, dass er dem Verwaltungsrat des Senders die Empfehlung ausgesprochen habe, den Wettbewerb weiterhin zu boykottieren.
Aufgrund der Teilnahme Israels und des andauernden Konflikts im Gazastreifen hatte Spanien sich zeitgleich mit anderen Ländern vom ESC zurückgezogen und war beim Contest in Wien 2026 nicht mit von der Partie. Die EBU versuchte zuletzt, durch Regeländerungen, etwa bei den Austragungsbedingungen, und andere Maßnahmen die Boykott-Länder wieder ins Boot zu holen. RTVE-Chef López erkannte das in seinem Statement am Dienstag an und unterstrich dabei, dass diese Neuerungen nicht zuletzt aufgrund des Drucks des spanischen Senders zustande gekommen seien.
Letztendlich sei dies für López jedoch nicht genug gewesen, da Israel weiterhin am ESC teilnehmen könne. Nun liegt der Ball beim Verwaltungsrat des Senders, der wohl bis Mitte Oktober eine Entscheidung treffen soll. Die EBU antwortete wenige Stunden danach mit einem Statement von ESC-Direktor Martin Green höchstpersönlich:
„Wir haben die heutigen Äußerungen des RTVE-Präsidenten zur Kenntnis genommen, in denen er empfiehlt, dass Spanien 2027 nicht zum Eurovision Song Contest zurückkehrt. Wir respektieren den Entscheidungsprozess bei RTVE und werden die endgültige Entscheidung des Verwaltungsrats abwarten.
Im vergangenen Jahr haben wir uns intensiv mit den Bedenken auseinandergesetzt, die von unseren Mitgliedern geäußert wurden. Infolgedessen hat die Reference Group, das zuständige Leitungsgremium des Wettbewerbs, umfangreiche Änderungen am Eurovision Song Contest vorgenommen. Dazu gehören stärkere Schutzmaßnahmen gegen unangemessene Einflussnahme und Werbung von außen, strengere Begrenzungen beim Voting, die Rückkehr professioneller Jurys in den Halbfinals, größere und vielfältiger zusammengesetzte Jurys, zusätzliche Maßnahmen rund um das Abstimmungsverfahren sowie weitere Änderungen, die gewährleisten sollen, dass der Wettbewerb jederzeit in einem sicheren und geschützten Umfeld stattfinden kann.
Wir bedauern, dass trotz dieser Änderungen nun die Empfehlung ausgesprochen werden soll, dass RTVE im kommenden Jahr nicht am Wettbewerb teilnimmt.
RTVE ist seit 1961 Teil des Eurovision Song Contest, und wir schätzen den langjährigen Beitrag des Senders zum Wettbewerb sehr. Wir würden es bedauern, Spanien in Bulgarien nicht dabei zu haben, und hoffen, RTVE in Zukunft wieder beim Eurovision Song Contest begrüßen zu können.“
Die 15 Mitglieder des Verwaltungsrats von RTVE werden von den Cortes Generales gewählt: Elf entsendet das Abgeordnetenhaus, vier der Senat. Da die linke Regierungskoalition unter Ministerpräsident Pedro Sánchez und ihre parlamentarischen Partner im Abgeordnetenhaus über eine Mehrheit verfügen, stellen sie auch die Mehrheit im Verwaltungsrat des Senders. Sánchez und sein Bündnis kritisieren die israelische Regierung besonders scharf. Die linke Mehrheit bei RTVE sorgte überhaupt erst für den ESC-Boykott des Senders. Nach Informationen aus ESC-Fankreisen hatte es zuletzt jedoch Stimmen im linken Lager gegeben, die eine Rückkehr Spaniens zum Contest forderten.
Hintergründe wären die geringe Aussicht darauf, dass Israel tatsächlich vom ESC ausgeschlossen wird, und nicht zuletzt der Verlust an Reichweite und Quoten durch den ESC-Boykott. Der Vorentscheid Benidorm Fest musste im ersten Jahr ohne ESC-Bezug einen Rückgang des Interesses hinnehmen. Sollte es im linken Lager tatsächlich Überläufer geben und das konservative oder rechte Lager an der Rückkehr Spaniens festhalten, könnte es trotz der Empfehlung von Senderchef López ein Comeback in Burgas geben. Ähnliche Entwicklungen gibt es ja auch in den Niederlanden.
Mit Blick auf die polarisierte politische Situation in Spanien und mögliche vorgezogene Parlamentswahlen sieht es jedoch eher nicht danach aus, als würden die Sozialdemokraten von ihrem Standpunkt abweichen. Der ESC ist hier eine Art Schachbrett, auf dem politische Grabenkämpfe ausgetragen werden – zum Leid einer der größten ESC-Fan-Communites überhaupt.
Was sagt Ihr zu den Entwicklungen in Spanien? Gibt es vielleicht doch eine Überraschung und es kommt zum Comeback? Lasst uns Eure Meinung in den Kommentaren wissen!
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War leider zu erwarten! Bleibt dennoch zu hoffen, daß sich der Verwaltungsrat bei der Abstimmung für eine Rückkehr Spaniens zum ESC entscheidet.
Ach jetzt plötzlich… wir können ja mal wetten, was schneller passiert: Spanien kehrt zum ESC zurück oder Matty schreibt einen Head-Kommentar, den er nicht editiert. Ich tippe auf Ersteres.
Dann bleibt weg und trällert bei der Hamas!
Nochmal zum Mitschreiben: Dass man Israel kritisiert, bedeutet nicht, dass man die Hamas gutheißt. Bitte mal anfangen, nicht in Schwarz und Weiß zu denken, das Thema hat viele Graustufen. Danke.
In Sofia sind noch genügend Zimmer frei!