Talking Tel Aviv (1): Duncan Laurence, der lachende Dritte

Das gab’s seit 2016 nicht mehr: Der ESC-Siegerbeitrag war weder der Favorit der Zuschauer, noch der Juroren. Bei den Jurys war Duncan Laurence mit seinem Song „Arcade“ nur auf Platz 3, beim TV-Publikum auf Platz 2. Der Jurysieger fand sich am Ende auf Platz 7, der Favorit der Zuschauer auf Rang 6. Ist „Arcade“ also nur ein Kompromisskandidat oder einfach der lachende Dritte?

Schauen wir uns die Punktedifferenzen genauer an, wird klar, dass Duncan bei den Juroren mit 237 Punkten nur 10 Punkte weniger erreichte als die Erste, Tamara Todevska aus Nordmazedonien mit 247 Punkten. Dazwischen landete John Lundvik aus Schweden mit 241 Punkten. Also ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Dass die Wertung nur einer Jury hier zu relevanten Veränderungen führen kann, hat die Korrektur des weißrussischen Juryvotings gezeigt. Mit anderen Worten: Duncan hätte auch genauso gut der Jury-Sieger sein können.

Bei den Zuschauern war die Lage nicht ganz so knapp. Hier haben KEiiNO aus Norwegen mit 291 Punkten immerhin 30 Punkte Vorsprung auf Duncan Laurence (261) und dieser liegt wiederum nur 8 Punkte vor Mahmood aus Italien (253). Auch wenn der Niederländer es geschafft hat, aus allen Ländern Televotingpunkte zu bekommen und Norwegen bei drei Ländern leer ausging, so haben KEiiNO mit acht 12-Punkte-Wertungen doch anständig vorgelegt. Duncan erhielt von den Zuschauern lediglich zweimal die Höchstpunktzahl.

Ist das Ergebnis also ein Hinweis darauf, dass „Arcade“ nicht stark genug war? Nun, ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass mich das Lied nicht so emotional erreicht, wie viele andere ESC-Anhänger. Dennoch glaube ich, dass wir einen vergleichsweise guten Jahrgang mit starken Beiträgen in unterschiedlichen Genres und sowohl für Jurys als auch Zuschauer hatten. So musste sich Duncan mit Sergey Lazarev als post-sowjetischen Punktemagneten, norwegischer Euro-Disco, isländischem BDSM, australischer Popera und coolem italienischen Soft-Rap rumschlagen. Und dass es auch auf Juroren-Seite eng war, haben wir schon gezeigt.

Insofern war Duncan wohl der Primus inter pares, der einfach bei beiden Wertungsgruppen den vergleichsweise besten Stand hatte – und so letztlich verdientermaßen den Sieg davongetragen hat.

Seht Ihr das ähnlich oder seid Ihr anderer Meinung? Diskutiert gern unter diesem Artikel! Habt Ihr Ideen für weitere Themen und Aspekte, die wir hier diskutieren sollten, so notiert sie gern in den Kommentaren.



64 Kommentare

  1. In meiner ESC-Runde kamen Norwegen und Niederlande am besten an. Mein Freund, der im Vorfeld kein einziges Lied kannte, rief für beide an, für Niederlande allerdings nur einmal, für Norwegen hatte er drei oder vier Anrufe übrig. Wahrscheinlich ruft man an so einem Abend in gemütlicher, geselliger Runde eben einfach eher für Beiträge an, die begeistern und Spaß machen als für Beiträge die eher berühren wie halt „Arcade“. Das macht aber den einen Song nicht schlechter als den anderen. Und ich finde auch 30 Punkte Vorsprung nicht grad besonders deutlich.

  2. Da hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen, 2016 war der Gewinner zuletzt ein Kompromisssieger, 2015 hat der Jurywinner gewonnen.
    Im wesentlichen stimme ich Douze Points zu, „Arcade“ hat vielleicht nicht jeden voll erreicht. Bei mir geschah das auch erst damals beim zweiten Hören. Der Favoritenstatus kann auch hemmen, da Leute dann weniger oft anrufen oder Jurys weniger favorisierte Beiträge leicht bevorzugen.
    Man könnte über die einzelnen Votings nochmal reden, über die Kurzzeithypes, über die Show, über die Startpositionen, über das Problem der Schweden, über das langfristige Verschieben des ESCs und vielleicht auch eine Selbstreflexion.

  3. Ich finde es ja gut, dass wir einen Konsenssieger haben, es zeichnet Ja eben ein Lied aus, dass es gut und ausgewogen genug ist, von Jury und Televotern genug Punkte zu bekommen, um zu Siegen.

  4. Daß die Niederlande von den Zuschauern nur zweimal 12 Punkte bekam ist nicht verwunderlich. Wie sagt man so schön: das Auge ißt mit! Die Inszenierung des Siegertitels ließ sehr zu wünschen übrig. Es war die schlechteste aller 41 Wettbewerbsbeiträge. An zweiter Stelle der schwachen Inszenierungen liegt bei mir Belgien und an dritter Stelle Deutschland.

    • Auch wenn es ein anderes Punkte-System war, haben Ell und Nikki auch nur 3×12 Punkte bekommen und hatten weniger Tele-Punkte bei mehr Ländern. Und dass die Niederlande nicht der größte Punkte-Magnet ist, wenn es um Tele-Stimmen geht ist auch bekannt (siehe die teils massigen Unterschiede der letzten Jahre seit 2016).

    • Was hätte Dir denn als Inszenierung für Arcade gefallen?
      Halbnackt qualvoll auf dem Boden räkelnd oder im überdimensonalen Goldfischglas schwimmen und dabei den Text blubbern?

    • Na ja, wie hätte man den Titel inszenieren sollen? Der Auftritt war sehr passend für den ruhigen Song, und ich habe ihn als sehr angenehm empfunden.

    • Es war nicht automatisch die schlechteste aller 41 Inszenierungen nur weil Herr Matty dieser Ansicht ist! Mir fehlen bei deinen gehässigen Meinungsbekundungen Abgrenzungen a la „meiner Ansicht nach war es…“
      Dieses allgemeingültige Formulieren nervt ohne Ende und ist nichts als billige Polemik!

  5. Nach 44 Jahren hat es fuer die Niederlande mal wieder Dinge-dong gemacht !!! Duncan hat die meisten Punkte. PUNKT ! EUROPA hat gewaehlt und am 26. Mai wollen wir doch wohl auchdas unsere Stimme gezaehlt wird…

  6. Bei der Mischung von 2 Wertungen wird es immer die Möglichkeit eines Konsenssiegers geben. Vor allem wenn es wie dieses Jahr so eng ausfällt und es in keinem der Votings einen klaren Favoriten mit hohem Punkteabstand gibt.
    Mit 498 Punkten ist Duncan der Sieger mit der geringsten Punktzahl seit Einführung der getrennten Zählweise. Das allein zeigt schon wie breit die Punkte dieses Jahr verteilt worden sind.
    Das Starterfeld hatte keinen Titel wie Fairytale oder Euphoria der alle mitgerissen hat. Dafür gab es dieses Jahr mehrere Lieder die die verschiedenen Geschmäcker angesprochen und dort entsprechend gepunktet haben.
    Kann man doch als abwechslungsreichen und spannenden Jahrgang bezeichnen.
    Kann man natürlich, wen man will, auch negativ sehen. Nur mittelmässige Kost die nix besonderes hervorgebracht hat.
    Ich bevorzuge erste Sichtweise.

    • Mir gefällt es auch viel besser, wenn die hohen Punktzahlen gut verteilt sind auf mehrere Länder. Obwohl ich auch gerne an 2017 zurückdenke…..

    • Erste Sichtweise trifft es. Wäre alles mittelmäßig gewesen, hätte mein Sohn ohne zu zögern die Sendung abgeschaltet (2018). Er hört sofort ob ein Song gut, schlecht oder etwas dazwischen ist.
      In diesem Jahr gab es nur einmal ‚Zuschauen ohne Ton‘ und damit war es ein gutes Jahr.

  7. Da hat es einer immer noch nicht verwunden, hm? Vielleicht einfach mal akzeptieren, dass andere Leute einen anderen Geschmack haben?

  8. Wenn man schon durch zwei gremien wählen lässt, sollte man auch beide sieger zumindest in der show erwähnen, vielleicht sogar auszeichnen. Ich spinne den gedanken noch weiter. Warum nicht je ein halbfinal in nordmazedonien und norwegen und das final in holland? Jeweils als samstag-abend show.

    • Logistisch ist das extrem aufwendig, wenn nicht sogar unmöglich. Drei Hallen in drei verschiedenen Ländern in ganz Europa verteilt, und je Halle nur eine Show? Außerdem die Kandidaten, die Presse, die Fans und das gesamte Produktionsteam am laufenden Band quer über ganz Europa fliegen lassen? Nein, das ist keine gute Idee.

  9. Optimal finde ich die Punktewertung bei weitem nicht und ich wundere mich, dass alle Länder und alle Interpreten da einfach so mitmachen. Es gibt es eine Sache, die mich schon seit Jahren rumtreibt: es geht doch einfach nicht, dass Juries und Televoter unterschiedliche Auftritte bewerten. Das ist schlicht und einfach Wettbewerbsverzerrung. Wenn da wirklich mal jemand gegen klagen würde, könnte er damit durchkommen. Und man müsste sich was anderes einfallen lassen.

    • Warum sollte man da nicht „mitmachen“ ? Die Regeln sind nunmal bekannt und das Interesse hat definitiv nicht abgenommen.

  10. In meiner ESC-Runde (Fans und nichtFans) war Duncan auch nicht Favorit. Er lag bei den Meisten auf 4 oder 5. Favoriten waren Mazedonien, Schweden, Norwegen und Island 🙄

  11. Mein Freund (definitiv kein ESC-Fan) war ganz klar für Italien, er mag gerne guten Hiphop und Rap. Er fand auch, daß die Länder in Landessprache singen sollte (und er ist Englischlehrer)

  12. Themen und Aspekte

    Auch wenn S!siers leider wieder nicht in die Deutschen Charts eingestiegen sind ist es doch interessant wie es weiter geht. Aber auch mit anderen ESC Teilnehmern. Viel zu schnell vergessen wir heute Teilnehmer, die uns gestern begeistert haben. Wo finden Konzerte statt, etc.

    Wo holt Ihr Euch Eure ESC Infos ? Welche Community besucht Ihr, welche Foren ? Kann ESC kompakt nicht Links zu den anderen ESC Seiten hier hereinstellen. Auch die Foren in anderen Laendern. Es gibt doch auch in anderen Laendern sowas wie ESC kompakt oder wiwibloggs. Ein Beispiel: Bei GayRoyal -der eine ander andere ist da vielleicht angemeldet- gibt es eine Community: Grand Prix d’Eurovision de la Chanson . Da sind knapp 280 User angemeldet. Aber im Forum ist nichts los. Kaum Kommentare, so gut wie keine Infos. Vielleicht peppen ja einige von Euch das Forum auf? Ich bin da als: ESC-Fan, unterwegs.

    • Generell werden Themenbezogene Seiten besser gelesen als Seiten, die ein Thema so nebenbei anbieten. GayRoyal ist in erster Linie eine Kontakte-Vermittler, daher tote Hose in Sachen ESC. Obwohl du es gerne als Bedingung angeben kannst: ESC-Fan sucht ESC-Fan 😉

      Für ESC-Infos landet man am Ende doch auf Seiten wie diese.

  13. Meine Mama meinte ,das ihr der Holländer und die Frau in dem „tollem Kleid“ ( 👗 0h passendes Icon für N.Mazedonien ) am besten gefallen haben. „Wunderschön „.
    Der Schwede kam bei ihr später auf Platz 3.
    Sie versteht kein Englisch und achtet auf andere Dinge bzw. das Gesamtpaket.
    Sie hört und sieht die Lieder /Interpreten am Hauptabend mit wenigen deutschen Ausnahmen dann zum ersten Mal und ist für mich die unvoreingenommene „Jury “ schlechthin.
    Sie fand die Norweger Truppe „total sympathisch “ und das Lied klasse und hätte auch fast voreilig für dieses Land angerufen.
    Als Tamta auf die Bühne kam und sich auch noch später ihres Oberteils entledigte hatte sie bei meiner Mutter „verloren“. Es fiel ein anderes ,hier aber nicht hinpassendes Wort.
    Als zum Beispiel im letzten Jahr Netta gewonnen hatte „verstand sie die Welt nicht mehr “ und in diesem Jahr wollte sie bei Roko im Semi schon umschalten ….
    Da wir vor Jahren ausgemacht haben ,das sie für einen Interpreten bitte 1 x anrufen soll („ja so ein Schmarrn Junge meinst du wirklich das hilft“ ) tut sie es . In diesem Jahr war es Holland und interessanter Weise 2018 Dänemark.
    Jetzt muss ich sie echt mal fragen ob Roko mit „Arcade“ bei ihr gepunktet hätte ?

    • Hallo @ Felix

      Ja! Deine Mama ist die unvoreingenommene Jury. Ist das wahrhaftig und schoen. Hinter vielen Fenstern am ESC Abend Flimmert die Glotze, in vielen Laendern und am PC im livestream Weltweit auch. Und unsere Mama ruft einmal an. Da koennen wir doch einpacken, wir Oberprofis. Da zaehlt doch nur der Bauch . Der erste Augenblick, ein Moment . Die Wahl ist schnell getroffen und wird nicht in einer Rangliste von 1 bis 41 eingeteilt. Felix , Du hast den treffensten Kommentar geschrieben, den ich hier je gelesen habe. Gruesse mir Deine Mama und vielen Dank!

  14. @Matty: die Niederlande haben kein Budget für große Auftritte. Pyrotechnik kostet. Gute Bider im Hintergrund fragen viel Zeit (Montage). Mehr Leute auf der Bühne heißt eine großere Delegation, damit extra Kosten für die Reise und Unterbringung.

    Konsens sehe ich nicht so. Eher hat die Reihefolge, das Publikumsverhalten im Saal und die schlechte Regie sich nachteilig auf den ruhigen Songs ausgewirkt. Hätte man, wie auf Konzerte üblich, ein ruhiges Teil in der Mitte gebracht, hätten Nord Mazedonien und die Niederlande wirklich abgeräumt und sich abgehoben von den Rest. Ein Indiz dafür ist das 2. Halbfinale, wo Tamara nach Duncan dran war und beiden besser bewertet wurden als im Finale.

    Mein Fazit ist eher, dass Arcade so ein starker Song ist, dass er sich immer durchgesetzt hätte, egal unter welche Umstände. Girl kommt nahe dran und danach lange Zeit nichts.

    Alle anderen Songs haben für einen ESC ein erhebliches Nachteil. Vom Stil her sind sie nicht in ganz Europa nachgefragt, wo Arcade und Girl immer ein Publikum finden werden.

      • Wer ist Frau Todolev und wie geht „Girl“? 😂
        Du meinst bestimmt „Proud“ von Tamara Todevska 😉

      • Danke. Ich bringe wieder einmal alles durcheinander. *seufz* Dabei trinke ich kein Tropfen Alkohol *lach*

      • Ergänzend – bevor jemanden glaubt, dass ich bereits von Demenz betroffen bin – Frau Todolev rief heute Mittag an, da sie mit ihrer Familie eine Woche Urlaub in unserem Ferienhaus machen möchte. Und den Titel ‚Proud‘ verwechsele ich durchgehend mit ‚Girl‘. Dabei hilft es auch nicht, wenn man jemanden um sich herum hupfen hat, der an dieser Stelle immer ‚Boy‘ singt / hummt / spielt.

  15. Ich find’s viel schöner, wenn’s knapp ausgeht als wenn ein Titel so klar dominiert. Es gab halt einfach starke Konkurrenz da vorne. 2019 war ein ganz besonderer Jahrgang, in dem ich jeden der Top 9 als Sieger ok gefunden hätte.

  16. Als die Wettquoten hochschossen, fand ich ein Video vom Juryfinale am Mittwoch, das aussah wie am TV. Da hat sich das Nachbestellen der Lampe aus Belgien gelohnt. Im Stehen hätte Duncan mehr Höchstwertungen erhalten, nun bin ich gespannt, ihn live zu erleben.

    Ob Maruv die Herren der Top5 eingeheizt hätte, ob Sheppard am Spieß auch funktioniert hätte oder ob uns britische Freaks den letzten Platz überlassen hätten? Es gab wieder einige Perlen der Vorentscheidungssaison, die erwähnt oder bespielt werden sollten 🙂

  17. In meinen Augen sind Keiino die einzig legitimen Sieger dieses Jahrgangs. Duncan Laurence ist ein blasser Verlegenheitssieger. Ich finde seine Ballade ganz nett und höre ‚Arcade‘ auch ganz gerne mal, aber die Spitzenposition in den Wettquoten habe ich nie verstanden und es gab eben etliche bessere Beiträge in diesem Jahrgang, die dann ja auch die Einzelabstimmungen verdient gewonnen haben.

    Was nicht heißen soll, dass ich ihm oder den Niederländern den nach den aktuellen Regelungen nun mal faktischen Sieg missgönne: Holland musste ja lange genug drauf warten, ich freu mich für sie, und Duncan ist ja auch ein Sympathischer, für den ich mich ebenfalls freue. Ich bin halt bekanntermaßen ein explizierter Gegner der Jury, und der diesjährige Eklat um die weißrussische Jury und das falsche Fake-Resultat bestätigen mich ein weiteres Mal in deren Ablehnung. Es komme mir jetzt keiner mit „aber das Nachbarschaftsvoting“: es waren ja die Jurys, deren Spitzenwertungen man auch diesmal wieder verlässlich vorhersagen konnte.

    Ich weiß, dass ich hier gegen Windmühlenflügel kämpfe, aber ich werde es nie verstehen, wie sich die Fans freiwillig und gerne von einem willkürlich zusammengesetzten Panel bevormunden lassen. Wenn die Leute clever konstruierten Pop-Trash wollen, dann ist es einfach nicht okay, den absichtlich so weit nach unten strafzuvoten, dass sein Siegeszug verhindert wird. Und nein, ‚Spirit in the Sky‘ war, wiewohl ich es mag, nicht mein Lieblingssong, das war ‚Hatrid mun sigra‘. Und vor Keiino hätte ich noch lieber Mahmood als Sieger gesehen, aber für mich gilt halt grundsätzlich: Musik ist immer und ausschließlich persönliche Geschmackssache, und es gibt nur einen gültigen Beurteilungsmaßstab, und das ist das Publikum.

    Die Jurys dienen ja, wenn man ehrlich ist, vor allem dazu, den westlichen Vormachtsanspruch beim ESC zu sichern und einen möglichen Sieg von Ländern wie Russland, Albanien oder Polen zu verhindern, und um den zahlenmäßig nun mal unterlegenen Balladenfreunden zu ihrem vermeintlichen Recht zu verhelfen. Wenn dabei aber der Sieg eines Kompromisskandidaten rauskommt, der sich eben nicht „auf jeden Fall durchgesetzt hätte“, und zudem durch das aufgedeckte Jury-Chaos das Vertrauen in die Rechtmäßigkeit des Ergebnisses erschüttert wird, ist das halt einfach Kacke und wertet für mich diesen Jahrgang deutlich ab.

    • Ja, ja, ja das immer wiederkehrende Jurybashing von Aufrechtgehn, Hausherr des gleichnamigen, sehr unterhaltsamen Blogs.
      Leider verliert er sich zu oft in politischen Spekulationen und sieht die Einführung der Jurys als den Untergang der Demokratie an sich 🙄 Die Jurys haben gute Beiträge und mehr Abwechslung erst wieder möglich gemacht. Ich meine damit, die Länder machen sich wieder Gedanken, über gute Beiträge. Die reinen Televoting-Zeiten, mit singenden Truthähnen und den immer gleichen Ländern im Finale, (2005-2008) möchte ich nicht wieder.

      • Der singende Truthahn war aber leider nicht im Finale, aber alleine das Finalergebnis 2008 reicht als Legitimation der Jurys aus. Außerdem hat das auch einen Effekt auf das Televoting, sodass das Punktegeschachar in den meisten Ländern eingedämmt würde.

      • Ja klar war der nicht im Finale. Ist für mich nur ein Synonym für die schlimmen Auswüchse in den Televoting only Jahren 😊

  18. Für die Niederlande habe ich mich wirklich sehr gefreut, es ist mir auch völlig wurscht, dass er weder beim Publikum noch bei den Jurys den ersten Platz belegt hat. Er hat nun mal die höchste Punktzahl erreicht.
    Ich gebe zu, es hat ein wenig gedauert, bis der Song mich gepackt hat. Das ging mir dieses Jahr übrigens bei einigen Songs so. Beispiel Slowenien. Der Song hat mich sogar erst am Finalabend wirklich abgeholt. Als er vorgestellt wurde fand ich ihn total langweilig. Mittlerweile liebe ich ihn. Oder Tschechien: Der Song konnte mich erst beim Semi mitreissen, Und wenn ich ihn höre, gibt er mir nicht sehr viel. Aber die Truppe wirkte so frisch und sympathisch, das musste ich einfach gut finden. Seltsames Phänomen.

  19. Ich halte Duncan nur bedingt für einen sogenannten Kompromissgewinner. Der Act vermag zwei unterschiedliche Votimggruppen (Jury und Televoter) für sich zu gewinnen, so dass es für einen Sieg reicht. Die anderen Acts hatten diese Fähigkeit einfach nicht . Die Stärke des Siegers liegt in der Kunst diese Fähigkeit auszuspielen.

    Davon abgesehen ist das Jurysystem unbedingt reformbedürftig. Qualitätssicherung bei der Auswahl der Juroren ist ausgesprochen notwendig . Wir brauchen einfach ein vernünftig funktionierendes Korrektiv zum Televoting. Ein Voting, das sich rein populistisch zusammensetzt, ist wie man in der Politik sieht nicht zufriedenstellend.

  20. Dieses Jahr sind halt beide Einzelsieger (aus nachvollziehbaren Gründen) bei der jeweils anderen Wertung nicht bis gar nicht angekommen, was die Sache ja so „besonders“ macht. Letztlich hat die Kombination dann aber dazu geführt, dass die beiden mMn musikalisch überzeugendsten Beiträge deutlich und verdient vorne gelandet sind. Insofern finde ich das 50/50-System auf jeden Fall sehr geeignet und sinnvoll (auch abgesehen davon, dass – bei allem Respekt für Keiino – Norwegen als Sieger ein absoluter GAU gewesen wäre).

    • Bitte, der GAU wäre Australien gewesen, dann würden wir nächstes Jahr nur Songs sehen, die sich rein über Staging definieren oder ein Gewinn von Russland, nichts gegen Sergei, aber nicht eines einwandfreien Landes mit einer aufmunternden, positiven, zeitlosen Dancepopnummer.

      • Ja, dieses Jahr gab es gleich mehrere GAUs 😉 „Spirit in the Sky“ ist halt ein ziemlicher ESC-Klischee-Song, und wenn der dann auch noch gewonnen hätte, wären diese Klischees halt bestätigt worden und das fände ich nicht so toll.

    • Sehe ich genauso – dieses Jahr fand ich das 50/50-System sehr gelungen und spannend. Früher habe ich mich oft über manche Juryentscheidung gerärgert – aber sorry, bei reinem Televoting war das bisweilen auch nicht anders.

  21. Ja, das ist schon gut so mit den Jurys. Die 200 Mio Europäer, die das schauen, verstehen irgendwie nicht dass sie manchmal Rotz und Rübe wählen. Das ist so ein Experten-Panel unbedingt nötig!
    Sollte auch unbedingt bei der nächsten Bundestags-Wahl auch mal versucht werden!
    Sonst wählen die Leute womöglich wieder die Parteien aus den 30ern, und das kann ja keiner wollen!

    • Ich möchte hier jetzt keine Politik betreiben. Aber die einzigen Parteien, die in Deutschland zur Wahl stehen, und nicht aus den 30ern sind, sind die AfD, die Grünen und die Linkspartei.

  22. …jetrzt hast Du aber ueber 20 Parteien vergessen auf zu zaehlen, die gab es auch in den 30ern noch nicht.
    Langer Wahlzettel, schaut es Euch ALLE am 26. an und Stimmt ab. …wir stimmen doch so gerne ab, hier ALLE miteinander!

      • Heute ist ja Rekordwahlsonntag: Europawahl, Bürgerschaftswahl in Bremen und dann noch in elf Bundesländern (!) Kommunalwahlen!

  23. Also ich kann mich nicht beklagen. In den letzten 4 Jahren hat 3 x mein persönlicher Favorit gewonnen und auch Netta war bei mir auf einem respektablen 4. Platz. Wenn man bedenkt, dass das zwischen 1970 und 2015 nur 2 x passiert ist (1978 + 2008), bin ich derzeit ein glücklicher ceterum. 🙂
    Klar, sowohl das Televoting als auch das Juryvoting haben blinde Flecken, aber solange das Gesamtergebnis stimmt, ist alles gut. *clapclap*

    • Wow, das möchte ich auch mal erleben! 😀
      Einzig Emmelie de Forest war in dieser Dekade in meiner Top 10, Duncan ist mit Platz 11 auch noch recht gut dabei, aber 2011, 2014 und 2016 kommen nicht mal in meiner Top 30 des jeweiligen Jahres vor; Salvador Sobral ist sogar mein Letzter in 2017. Das letzte Mal, dass mein Gewinner auch gewonne hat, ist…öhm…1977. Es wird wieder Zeit!

      • Emmelie de Forest ist der einzige Würgsieger dieses Jahrhunderts. Celebrate diversity!
        Und Salvador letzter? *schmeisstsichweg*

      • Emmelie de Forest als „Würgsieger“ zu bezeichnen, wo wir doch Salvador Sobral vor zwei Jahren ertragen mussten…
        Der Fehler sei Dir mal verziehen, niemand ist unfehlbar! 🙂

      • Ich meinte natürlich 1977 und 2007 …
        ‚Amar pelos dois‘ gehört für mich zu den 4 herausragenden Siegern des ESC. Die anderen 3 sind ‚Un premier amour‘, ‚Dansevise‘ und ‚Un jour un enfant‘. <3 <3 <3

  24. @ togravus

    Ich bin ganz bei Dir….

    „Amar pelos dois“ ist mein absoluter ESC-Lieblingssiegertitel in diesem Jahrzehnt, ich kann ihn sogar singen…. Hat für mich am glaubwürdigsten „Spirit“ und „Diversity“ vertreten.

    „Only Teardrops“ finde ich gar nicht schlecht, aber es hätte 2013 andere Alternativen gegeben…..
    ,

    @ Cali

    Ich habe 2017 wiederum richtig genossen….

    Schön, daß wir wenigstens dieses Jahr einige Gemeinsamkeiten hatten.

  25. Weil hier schon kritisiert wurde, daß Duncan ein „Kompromißsieger“ sei: Er hat nunmal als Einziger aus allen Ländern Punkte erhalten. Es spielt keine Rolle, ob von den Jurys oder vom Publikum – beide sind gleich viel wert. So sind die Regeln und warum sollte man das nicht akzeptieren ?

    Oder wollt Ihr wieder zurück in die unseligen 2000er mit reinem Televoting ? Ich jedenfalls nicht – aber ebenso finde ich, daß die Jurys dringend reformiert werden müssen.

    • Bis einschließlich 2018 wäre ich gerne zum reinen Televoting zurückgekehrt. Dieses Jahr bin ich allerdings froh über 50/50.

  26. Nur leider sind bei reinem Televoting die Punkte einiger Länder schon vor den Auftritt vollkommen klar. Allerdings war ich letztes Jahr sehr froh, daß die katastrophale Juryabstimmung noch vom Publikum korrigiert wurde.

  27. Obwohl: Wo war dieses Jahr die griechische und die armenische Diaspora, die man im letzten Jahrzehnt noch deutlich merken konnte ? „Better love“ wäre ohne Zypern wohl aufgeschmissen gewesen…..

    Es gibt zudem einen weiteren Grund für doppelte Voting, für mich sogar noch gravierende: Mich hat früher extrem gestört, daß man den letzten Länderwertungen keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt hat, wenn der Sieger schon feststand und eine Kantersieg ist für die Zuschauer leider sehr, sehr langweilig. Wer möchte nicht Spannung bis zum Schluß ?

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