Technische Schwierigkeiten: Ärger über das Produktionsteam wächst – Sonderanweisung an Juroren

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Schon in unseren Probenberichten (nachzulesen hier und hier) haben wir immer wieder von den vielen technischen Schwierigkeiten berichtet, die es bei den verschiedensten Inszenierungen gab. Portugal, die Niederlande und Estland sind nur drei Beispiele dafür, dass selbst in der zweiten Probe bei weitem nicht alles so lief, wie es sollte. Teilweise wurden für die Künstler sogar zusätzliche Sonderproben anberaumt – bei einem solch durchgetakteten Probenplan eigentlich nur in absoluten Ausnahmefällen möglich. Viele Delegationen waren und sind mehr als unzufrieden.

Das bestätigen auch die Einlassungen von Moldaus ukrainischer Sandmalerin Kseniya Simonova, von denen wiwibloggs heute unter der Überschrift „Kill the Dream“ berichtet. Auch sie berichtet davon, dass die Delegation immer und immer wieder Änderungswünsche an die Produktion weitergegeben habe. Diese hätten versichert, die Wünsche umzusetzen – und das dann nicht getan. Ein Vorwurf, der uns auch von anderen Delegationen bereits zugetragen wurde. Den gesamten Facebook-Post im Wortlaut könnt ihr hier nachlesen.

Und offenbar hat auch die EBU mittlerweile den Glauben an das Produktionsteam aufgegeben. Wie das schwedische Aftonbladet berichtet, sollen die Juroren speziell angewiesen worden sein, sich auf das Lied und den Gesang zu konzentrieren und nicht darauf, wie die Inszenierung im Fernsehen aussieht. Eigentlich ist die Performance nämlich mindestens eines von vier Bewertungskriterien: „By judging each song each jury member will focus on the vocal capacity of the artist(s), the performance on stage, the composition and originality of the song, and the overall impression by the act“, heißt es offiziell von der EBU. Das gilt jetzt wohl nicht mehr – eigentlich eine Bankrott-Erklärung für eine Fernsehshow.

Hoffen wir also, dass heute technisch alle einwandfrei läuft, die Künstler bestmöglich eingefangen werden und bestmöglich klingen. Es wäre schade, wenn die technischen Schwierigkeiten über Qualifikation oder Nicht-Qualifikation entscheiden würden…



19 Kommentare

  1. Ach deswegen haben wir so ein plattes Staging… 😉

    Nein, ehrlich. Ist natürlich absolut unschön, wenn sowohl die Fernsehsendung an sich, als auch der Wettbewerb durch derartige Probleme, die einfach nur unprofessionell sind, kaputt gemacht werden. Und die Anweisung, sich auf den Gesang zu konzentrieren, ist ja schön und gut, wird aber mit Sicherheit nicht bzw. nicht von allen umgesetzt. Wenn dann auch noch Tonprobleme wie beim 1. Semi dazu kommen, bringt die Anweisung sowieso nichts. Da kann man ja gar nix mehr bewerten, sondern könnte einfach gleich losen.

  2. Ehrlich gesagt finde ich diese Probleme schon bezeichnend.. ich meine, was wird da z.T für ein technischer Aufwand betrieben, damit ein paar leidlich begabte Sänger/innen ein paar harmlose Liedchen trällern. Bei einigen Beiträgen merkt man, finde ich, wirklich das Bemühen, aus einem kleinen Lied eine Monstershow zu machen. Jeder Beitrag wird zum Tanztheater erklärt und eigentlich könnte man die gesamte Veranstaltung umbenennen : Eurovision Show Contest .
    Und Nein: ich nenne bewusst keine Beispiele weil ich auf unsachliche Antworten nicht scharf bin, jeder darf sich heute Abend gern selber ein paar Gedanken machen, ob da der betriebene Aufwand eigentlich gerechtfertigt ist .

    • KAN sagt sich diese Jahr immer wieder. No we KAN’T. Anscheinend funktionieren nur die Euro Club……. Hauptsache Tel Aviv kann Party.

  3. Ja, ja und ja, ABER KAN ist zwei Jahre alt. Die EBU wusste mit wem sie es zu tun bekommt. Und ich finde dafür sah das erste Semi super aus. Und ich freue mich aufs zweite genauso.
    Und btw, wenn es Moldau nicht ins Finale schafft, lag es sicher nicht am Produktionsteam. Immer erst die eigene Nase pudern.

    • Dann hätte KAN ja auch wieder – wie manches Mal vorher – das Komplettpaket kaufen können oder die Ansprüche vorher runterschrauben müssen in Richtung der Delegationen.

  4. Die Frage ist was die Probleme auslöst. KAN scheint sehr viele Stellen mit neuen Leuten besetzt zu haben, was ich generell ganz hübsch finde. Einerseits lasen sich die immer gleichen Namen in Ola Melzigs Diary der letzten Jahre so, dass es etwas nach Wandercircus klang, der einfach in ein neues Land verpflanzt wird. Aber andererseits war diese Kontinuität bei einer Produktion der Größe wohl nötig geworden, die immer ausgeklügelteren Inszenierungen der letzten Jahre brauchen vermutlich an vielen Stellen gut eingespielte Leute, wie die diesjährigen Probleme vermuten lassen.
    Man denke an die Inszenierung von Fairytale. Mit dem Hut-runter-tret-Trick vom umgenutzten Mikrofonständer könnte man heute doch keinen hinterm Ofen mehr vorlocken. Entweder deutlich mehr oder als Gegensatz ganz stark reduziert, dazwischen geht doch wenig.
    Ob einem mehr lokale Involviertheit, dafür weniger ausgefeilte Show besser gefällt oder das eingespielte Team, was jedes Jahr noch einen draufsetzt, ist dann wohl Geschmacksache.

  5. Hm, das erinnert mich an eine andere Sendung. Wie hieß diese nochmal? Ahja, UNSER LIED FÜR ISRAEL!
    Mit großer Trauer schaue ich immer wieder Aly Ryan an und bin immer noch geschockt, dass man sie im dritten Refrain den Background-Gesangsteil singen gelassen hat, weil es keine Live-Backings gab und der dritte Refrain ohne Hauptgesang stattgefunden hat. Den TV-Zuschauern, die die Studioversion nicht kannten, war das Fehlen des Hauptgesangs nicht bewusst und sie dachten, dass sie durchgängig schief gesungen hat im dritten Refrain, obwohl dieser Background-Teil wirklich tiefer gesungen wird. Schade…

  6. ‚Es wäre schade, wenn die technischen Schwierigkeiten über Qualifikation oder Nicht-Qualifikation entscheiden würden…‘

    Das war mMn am Dienstag bereits der Fall – alle Songs, ohne Ausnahme, klangen abgemagert im Vergleich zu den eingereichten Versionen hier beim Songchecks. Noch einige Tagen warten und die Punkten aus den Halbfinalen genau analysieren. Wer hatte Probleme, wann klang es vor Ort anders als daheim, usw.

    Ebenfalls einige Zeilen wert: die unterschiedliche Marktanteile der Sendung. Beispiel 1. Halbfinale: Niederlande 31%, Belgien ca. 40% (Flämingen 765 Tsd Zuschauer), Österreich ca. 8%, ARD-One 2%
    Wenn die Sendung weniger als 10% Marktanteil erreicht, sollte man sich fragen ob in solche Länder noch ein Publikumsvoting stattfinden soll.

    • Österreich und Deutschland konnten doch im 1. Halbfinale gar nicht abstimmen. Zumindest für Österreich rechne ich für mehr als 10 % heute.

    • Das alles ist Futter für die Diskussion ‚und nach dem ESC, wie weiter?‘

      Die Niederlande durften am Dienstag ebenfalls nicht abstimmen, trotzdem 31% Marktanteil. Wieso erreichen D und Ö nicht zumindest doppelstellige Werte?

      • Na ja… die Niederlande geht aufgrund der großen Chance das Ding endlich mal wieder zu gewinnen eh grad steil und die heimischen Medien kurbeln das auch kräftig mit an. War letzte Woche dort im Urlaub und überrascht, wie oft ich dort „Arcade“ zu hören bekam. Kein Wunder das sich das auch auf das 1. Semi auswirkt…

        Da kann man (und mit „man“ meine ich auch die Verantwortlichen beim NDR) mal sehen was ein für viele überzeugender Beitrag auslösen kann…

  7. Mein erste Gedanke war „Toll, dann wirkt sich die nicht vorhandene Show von den Sisters wenigstens nicht negativ auf die Jury-Bewertung aus“
    Zweiter Gedanke war dann „Shit gesanglich können wir auch nicht überzeugen“

    Hoffe dennoch das Beste für die Sisters und das sie uns morgen überraschen! 😉

  8. „sollen die Juroren speziell angewiesen worden sein, sich auf das Lied und den Gesang zu konzentrieren und nicht darauf, wie die Inszenierung im Fernsehen aussieht. “

    Dann müßte es nach dieser EBU-Anweisung am Samstagabend beim großen Finale viele Punkte für den deutschen Beitrag viele und für den estnischen Beitrag gar keine Punkte geben.

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