
Die Folgen der EBU-Generalversammlung, Israel nicht per Beschluss vom Eurovision Song Contest 2026 auszuschließen, werden immer skurriler: Am Freitagabend forderte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder einen deutschen ESC-Boykott im nächsten Jahr. Mit diesem „Kontra-Boykottaufruf“ wolle er ein Zeichen gegenüber den Rundfunkanstalten setzen, die sich nun vom ESC zurückgezogen haben. Fast zeitgleich wurde ein Video des irischen ESC-Siegers von 1994, Charlie McGettigan, veröffentlicht. Er möchte es Nemo gleich tun und der EBU aus Protest seinen ESC-Pokal zurückgeben – wenn er diesen denn findet.
Man müsste lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Im Moment nutzt fast jeder, der etwas öffentliche Aufmerksamkeit haben möchte, die aktuellen Diskussionen um Israels ESC-Teilnahme in Wien – und die daraus resultierenden Boykotte von den Niederlanden, Irland, Spanien, Slowenien und Island. Wie die BILD-Zeitung berichtet, nahm nun auch CSU-Chef Markus Söder das Thema beim CSU-Parteitag in München auf und machte eine „Knallhart-Ansage an Israel-Hasser.“
Er kritisierte die Länder, die den ESC in Wien boykottieren und sagte: „Wenn die es nicht wollen, dann machen wir es halt auch nicht. Wir zahlen eh nur alles.“ Weiter soll er ausgeführt haben, dass Deutschland und Bayern fest an der Seite Israels stehen würden. Diese Reaktion auf den Boykott der anderen Länder nannte die Zeitung „Kontra-Boykottaufruf“.
Tatsächlich zahlt Deutschland alles andere als „alles“ beim ESC. Der Großteil der Kosten der Veranstaltung in Wien wird im nächsten beim ORF verbleiben. In diesem Jahr betrug die Startgebühr für den NDR 472.277 Euro. Derweil beliefen sich die Kosten für die SRG, die den ESC in Basel ausgerichtet hat, auf 15 Mio. Franken. Der deutsche Anteil lag also bei überschaubaren 3,3%. Insgesamt soll der ESC die Schweizer 54 Mio. Franken gekostet haben. Der Rückzug der fünf boykottierenden Rundfunktstationen im nächsten Jahr soll übrigens nicht zu einer Steigerung der Kosten für die anderen teilnehmenden Länder führen.
In Anlehnung an Nemos Video mit der Ankündigung, aus Protest gegen Israels Teilnahme in Wien den ESC-Siegerpokal an die EBU zurückzuschicken, hat nun Charlie McGettigan angekündigt, dasselbe zu tun. Zusammen mit Paul Harrington hatte er 1994 den ESC mit dem Titel „Rock ’n’ Roll Kids“ für Irland gewonnen. McGettigans Ankündigung entbehrt nicht einer gewissen Tragikomik. So sagt er am Ende seines Statements: „Leider war unser Sieg bereits 1994 und ich habe keinen Zugriff auf welche Trophäe wir damals auch immer bekommen haben. Aber wenn ich sie finde, werde ich auch meine Trophäe zurückschicken.“
🇮🇪 #Eurovision 1994 winner Charlie McGettigan will return his trophy to the EBU in protest of Israel’s inclusion.
“In support of Nemo I would like to return my trophy to the EBU. Unfortunately our win was in 1994, but if I do find it I will return [it]” pic.twitter.com/UoLMtw6OWm
— ESC Discord (@ESCdiscord) December 12, 2025
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Das muß man erst einmal sacken lassen.