ABBA Voyage – Die Tage nach der Veröffentlichung der beiden neuen Songs

Wenige Tage sind vergangen seit dem ABBA Voyage Big Bang: ein eigener Theaterpalast im hippen East London für „ABBA Voyage – The Concert“ und ein neues Album am 5. November diesen Jahres namens „ABBA Voyage – The Album“. Nie in den letzten Jahren hat ein popkulturelles Ereignis ein solches Medienecho erzeugt, und das überall auf der Welt. ABBA: Yesterday, Today, Forever.

ABBA Voyage – The Days After: Wie ist die Lage drei Tage nach der großen Show? Es ist unmöglich, das Medienecho in einer Presseschau (wie wir sie sonst gerne machen) abzubilden, aber einige Duftmarken wollen wir wenige Tage nach der ABBA Voyage Premiere (hier nachzulesen) dennoch setzen.

Und dann bin ich Euch auch noch einzige Zeilen zu meiner persönlichen „Verarbeitung“ der beiden neuen ABBA Songs „I Still Have Faith In You“ und „Don’t Shut Me Down“ schuldig und wurde auch schon viel danach gefragt. Im Live-Blog hatte ich mir eine solche Kommentierung wie dort begründet ja selbst untersagt.

Grundsätzlich lässt sich das, was seit dem ABBA Voyage Auftakt gesagt oder geschrieben wurde, in vier Kategorien einteilen.

  1. ereignis- und newsbasierte Berichterstattung
  2. Money, Money, Money
  3. euphorische Fans
  4. enttäusche Fans

Der Reihe nach:

zu 1. ereignisbasierte Berichterstattung

Die Infodichte und die zugehörige Bilderflut von dem, was ABBA als ihre Reise in die Gegenwart angekündigt haben, ist so umfangreich, dass sich die allermeisten Medien tatsächlich darauf beschränkt haben, das unglaubliche Comeback emotional (nachzu)erzählen.

Das haben wir hier auf dem Blog bekanntlich sogar live sehr umfangreich getan (und die neuen Songs stellt Benny hier im Detail vor). Nachzureichen ist aber die inzwischen ebenfalls veröffentlichte Tracklist des neuen ABBA Albums „Voyage“, welches am 5. November 2021 weltweit erscheint:

  1. I Still Have Faith In You (vorab veröffentlicht am 2. September 2021)
  2. When You Danced With Me
  3. Little Things
  4. Don’t Shut Me Down (vorab veröffentlicht am 2. September 2021)
  5. Just A Notion
  6. I Can Be That Woman
  7. Keep An Eye On Dan
  8. Bumblebee
  9. No Doubt About It
  10. Ode To Freedom

Mit einer Hymne an die Freiheit also endet das neue ABBA-Album, das erste Studioalbum seit dem bittersweet-genialen „The Visitors“ aus 1981.

Hinter der „Little things verbirgt sich der „christmas song“, den Benny im Interview während der ABBA-Voyage-Premierenshow angekündigt hat (bei 38:42). Nach „Happy New Year“ (vom Album „Super Trouper“) gibt es von ABBA im November 2021 noch einmal Jahreswechsel-Romantik. Können sie damit die diesjährige Weihnachts-Nummer-1 stellen?

Spannend ist ferner, dass nur die beiden bereits veröffentlichen Titel in der Hologramm-Show „ABBA Voyage – The Concert“ enthalten sind. Da diese mit Schwerpunkt im IV. Quartal des letzten Jahres produziert wurde, heißt das, dass die anderen Songs des Albums tatsächlich erst in diesem Jahr entstanden, also sozusagen „Frischware“ sind, während „Faith in You“ und DSMD bekanntlich erstmals bereits 2016 angekündigt wurden.

zu 2. Money, Money, Money

In vielen Reportagen und Veröffentlichungen werden die Fakten mit Auslassungen darüber garniert, welche Gelddruckmaschine ABBA mit dem Comeback angeschmissen haben und das wird dann akustisch und optisch zumeist mit ihrem Nummer-1-Hit „Money, Money, Money“ aus dem Album „Arrival“ angereichert.

Tatsächlich ist das Marketingfeuerwerk, dass Universal zum Launch von „ABBA Voyage“ entfacht, einzigartig. Wer sich auf der zugehörigen Website registriert hat, wird seitdem mit Salesmails rundumversorgt (siehe Screenshot). Wer etwa eine PreOrder für das Album platziert, erhält auch ein 48-stündiges Vorkaufsrecht auf ABBA-tar-Concert-Tickets usw .usw. usw.

Allerdings hat diese Berichterstattung über die professionelle Inszenierung von „ABBA Voyage“ so gut wie nie eine negative Tonalität. Das hat meines Erachtens mit zwei Dingen zu tun. Zum einen überschattet die Begeisterung über die Songs alles andere um zum anderen zeigen sich Björn und Benny im Release-Interview aus London erfrischend unverstellt.

Da wurden B&B gefragt: Was sei denn das Beste daran, bei ABBA dabei zu sein? Sich nie über Geld Gedanken machen zu müssen, antworten die beiden entwaffnend ehrlich. Und im Laufe des Gesprächs zeigte sich Benny authentisch erfreut darüber, wie jeden Monat dank des ABBA-Songkatalogs die Autoren/Songwriter-Erlöse sprudeln. Er hat davon ein „state of the art“-Tonstudio eingerichtet, wie es in Europa kaum ein zweites gibt. Dort ist auch „ABBA Voyage – The Album“ entstanden.

zu 3. euphorische Fans

Wenn das Gespräch auf euphorische Fans kommt, möchte auch ich die Hand heben. Am Premierentag habe ich mich zurückgehalten. Heute ärgere ich mich darüber, dass ich im Live-Blog geschrieben haben, dass „ABBA Voyage“ nicht das beste Album ihrer Karriere sein wird.

Warum denn nicht? Sag niemals nie. Wir sprechen darüber wieder im November diesen Jahres. Die ersten beiden Songs sind schon schon einmal FANTASTISCH. Sie hätten auch genauso etwa 1976-79 erscheinen können, nur die Stimmen von Agnetha und Frida sind würdevoll älter geworden. Gerade das gefällt mir.

DSMD hat es mir besonders angetan. Der Midtempo-Groover in der Tradition von „Kisses Of Fire“ und „Me And I“ hat ein bissel was von Carolas „Främling“ und gehört für mich schon jetzt zu den zehn liebsten ABBA-Tracks ever ever ever. Die halbe letzte Nacht habe ich bei TikTok & Co. verbracht, um das Fan- und Medienecho auf die beiden ABBA-Songs zu screenen und als ich am anderen Morgen einem Freund davon erzählen wollte, überwältigten mich die Emotionen und ich musste mit den Tränen ringen. ABBA bedeutet so vielen Menschen so viel, es ist atemberaubend. Ich bin also, wenn es um das ABBA-Comeback geht, ab sofort kein neutraler Beobachter mehr.

Zwei TikTok-Beispiele (je eins pro Song) möchte ich Euch aus der Bubble exemplarisch präsentieren:

@originalkeano

My reaction to one of ABBA’s best ever songs. Thankyou for this 🙂 #abba #abbavoyage #annifridlyngstad #björnulvaeus #bennyandersson #agnethafältskog

♬ I Still Have Faith In You – ABBA

Zu sehen, wie @originalkeano auf „I Still Have Faith In You“ reagiert, ist für mich wie eine Zeitreise. Das könnte auch ich sein, beim ersten Hören von „ABBA – The Album“ 1977.

@70srose

#duet with @chiquimila STREAM STREAM STREAM AND DUET🥰 Let’s show the world that ABBA can be just as successful now as they were in the 70s💙💛 #abba

♬ Don’t Shut Me Down – ABBA

Rose und Chiquimila machen in der Chain den Zauber von DSMD sichtbar, für „the people who have the moment of their lifes“ wie es @Chiquimila schreibt oder es gilt auch „ok so 2021 officially saved“, wie es @meandmyhappylife auch auf TikTok pointiert überhöht.

zu 4. entäuschte Fans

Nach intensiver Recherche mag ich sagen, dass etwa 90% des Fan- und Kritikerechos auf die Songs positiv, leidenschaftlich bis euphorisch ausfällt. Aber es gibt logischerweise auch diejenigen, die die Songs weniger mögen. Logo, jeder Jeck ist anders. International habe ich kaum jemanden gefunden, der unangemessen draufhat, aber hierzulande gibt es Fundstücke der Ablehnung und Verweigerung, manche schlicht furchtbar und furchtbar egozentrisch und manche ansprechenswert.

Nun habe ich schon gesagt, dass ich in Sachen ABBA sicher keine nüchterne Perspektive wahren kann. Muss ich aber auch nicht als ESC-kompakt-Blogger.

In der Kategorie „furchtbar“ ist mir Marion Kuchenny von Hessischen Rundfunk aufgefallen, die „die Stimmen der Mädels nach unten gesackt und etwas brüchig“ wahrnimmt. Nun, Frau Kuchenny wird andere Songs gehört haben als ich. Gerade dass man Agnetha und Frida anhört, dass sie im besten Sinne älter geworden sind, macht viel von der Eleganz der neuen Songs aus. Und 70-jährige Musikikonen als „Mädels“ abzuqualifizieren, scheint wohl auch ein Arroganz-Privileg beim Hessischen Rundfunk zu sein.

Während ich die Profilierungsneurose von Frau Kuchenny schnell in den Nebeln von Norwegen hinter mir lassen möchte, fällt die Kritikerin Patricia Dreyer von DER SPIEGEL in die Kategorie ansprechenswert. Sie artikuliert eine Angst, die mich vor der ABBA-Voyage-Premiere auch ergriffen hatte: Ist das, was ABBA für mich bedeutet, nicht viel zu groß, als dass neue Musik mich nochmal überwältigen kann?

Nun, bei mir hat es geklappt, bei Patricia nicht. Unter der Anklage „ABBA, warum tut ihr mir das an?“ schreibt Patricia, die ABBA als junger Teenager „unermeßlich liebte“:

„Der Song [‚I Still Have Faith In You‘] kommt mir belanglos vor, das Video ist nett: Siebzigerjahre-Nostalgie, ulkige Fashion, alles sehr clever zusammengestellt. Zum Ende hin aber gruselt es mich direkt, als die vier Abbas, die mittlerweile doch sicher auf die Achtzig zugehen, den neuen Song computeranimiert in junger Gestalt vortragen, als seien sie wieder Mitte dreißig.

[…] Ich hadere damit, dass wir als Gesellschaft ständig Dinge tun, weil wir es können, und nicht fragen, ob es tatsächlich sinnvoll ist. Wir können Autos bauen, die irre schnell fahren, also fahren wir schnell. Wir können jeden Tag Fleisch essen, also schieben wir uns die Currywürste in die Rachen. Popstars, die fast achtzig sind, können sich der Welt wie dreißig präsentieren, also wird mit musikalischer Nummer-sicher-Masche und Avataren noch mal abkassiert.

[…] Verstanden, Abba. Aber ich bin halt nicht mehr elf. Ihr singt künftig ohne mich.“

Ach, liebe Patricia, Dein Hilfeschrei erweckt fast Mitleid. Millionen anderen ABBA-Fans der Generation Golf (und davor) geht es anders als Dir. Mir zum Beispiel (wie oben geschildert). Ich empfehle eine ABBA-Exkursion auf TikTok. Die Begeisterung dort ist ansteckend, versprochen. Gerade die der 50-Somethings.

Und, liebe Patricia, Du solltest unterscheiden zwischen „ABBA Voyage – The Album“ und „ABBA Voyage – The Concert“. Was die Verlängerung von „ABBA – The Museum“ auf die digitalisierte ABBA-tar-Bühne in London angeht: mal abwarten. Aber die beiden Songs sind doch ABBA at it’s best. Gefallen nicht jedem (ist ja kein Must), aber sie gefallen den Fans. Wie es Björn und Benny im Interview in London so sympathisch sagten: „Wir wissen gar nicht, wie moderne Musik geht, wir kennen die Zutaten nicht, wir haben einfach das gemacht, was wir unser Leben lang gemacht haben.“ Genau! Strike!

Und, liebe Patricia, Du solltest mit Euer Schlussredaktion reden. Die Headline „Warum tut ihr mir das an?“ geht gar nicht. Wenn in China der vielzitierte Sack Reis umfällt, dann hat das nix mit Dir zu tun. Genauso wenig, wie es irgendwas mit ABBA zu tun hat, wie viele Currywürste in der VW-Kantine verzehrt werden.

Liebe Patricia, auf Insta und TikTok schreiben Fans, dass sie ihre Antidepressiva absetzen wollen, weil ABBA endlich wunderbare neue Musik veröffentlicht hat. Bitte verderbe uns nicht den Spaß. So ein Abkotz-Stück im Leitmedium DER SPIEGEL ist fast fahrlässig. Das ABBA-Revial findet ohne Dich statt. Das ist ok, aber auch schade. You know, I still have faith in you. Vielleicht überzeugt Dich ja das Album. I try to reach for you but you have closed your mind.

Ach, liebe Patricia, please don’t shut me down.

PS: Ich fasse es nicht – ABBA Voyage erscheint auch als Kassette. Das rechnet sich sicher nicht, ist aber eine wunderbare Verbeugung vor den 70ern. ABBA let the music speak.


37 Kommentare

  1. Also ich muss mich als Teil der 10% outen. Die neuen Songs lassen mich einfach kalt. Obwohl ich beide Songs bereits mehrmals gehört habe, ist das einzige, das mir im Kopf geblieben ist das „I still have faith in you“ von „I still have faith in you“
    Für mich, der ich schon mit Erwartungen an die Sache herangegangen bin, ist das irgendwie ernüchternd, aber mei, ich hab ja noch 8 Songs, auf die ich mich freuen kann…

    • @Lucius, ich stimme dir zu. Sternstunden sind beide Titel nicht. Wobei mir die Ballade deutlich besser gefällt. Musikalisch können ABBA weit mehr. Hier haben sie ihr Niveau noch nicht erreicht.

  2. Für mich ist der Song „I still have faith in you“ eine Enttäuschung. Ich finde ihn zum einen mit fünf Minuten zu lang und zum anderen zieht er sich wie eine zähe Masse oder – mit anderen Worten – er ist zu sperrig! Anders verhält es sich mit „Don’t Shut Me Down“, den ich deutlich stärker finde und auch gestern wieder im Radio – u. a. auf WDR 2 – gespielt wurde.

  3. Ich bin sehr auf das „Voyage“-Album gespannt. Allein schon die beiden älteren Songs „Just a notion“ und „Bumblebee“ in voller Länge zu hören. Die Lieder wurden bisher nur als Fragmente als ‚rare songs‘ veröffentlicht. Vielleicht kommen die anderen bisher unveröffentlichten Lieder auch noch zu Tage. In den Jahren 1982/83 haben ABBA Lieder vollständig produziert, aber nicht veröffentlicht. Laut Aussage von diversen Mitarbeitern in ABBAs Umfeld meinten sie im Buch „Licht u. Schatten“, dass ABBA zwei…drei Alben mit den Liedern füllen könnten.

  4. Hmmm – ein schöner Artikel. Ich gehöre zu den ABBA-Fans die tatsächlich ein paar Tränchen verdrückt haben. Für mich ist das so als wenn man nach 40 Jahren einen guten alten Freund wieder trifft, und es stellt sich sofort die alte Vertrautheit ein. Vielleicht ist escdeshalb für manche so emotional. Und natürlich hat Frau Dreyer recht. Das üble ist das wir in einer Zeit leben wo so ziemlich alles machbar ist und viele glauben deshalb muss man das auch alles machen. Aber was hat das mit ABBA zu tun ? Nix!

  5. Mein absoluter Favorit ist grade „Don’t Shut Me Down“, der am Donnerstag durch die seltsam lieblos zusammengeschnittenen Fan-Bilder dazu ja leider etwas kurz kam. Aber das ist wirklich ein klasse ABBA-Song!

    • Hi Benni da stimme ich Dir zu. Für mich ist Voyage schon jetzt das Album des Jahres, obwohl ich erst 2 Titel kenne. Bisher wurde ich nie von ABBA enttäuscht und das wird auch so bleiben….

  6. Bei mir laufen die Songs in Dauerschleife. Und ich bin sehr dankbar, dass ABBA ihrem Stil treu geblieben sind und nicht versucht haben, die Songs in aktuelle Sounds zu pressen. Das wsr meine größte Befürchtung. Ich bin begeistert und finde es immer noch unfassbar, dass die Lieder jetzt raus sind inkl. Album-Ankündigung. Und hier schon geschrieben wurde, kam ein Stück Vertrautheit zurück, ein tolles Gefühl.

  7. Nun, ich gehöre auch eher zu den Kritikern, aber richtig enttäuscht bin ich jetzt nicht. Vielleicht ist es auch ein bißchen unfair, die neuen Songs mit ABBAs früheren Werken zu vergleichen. Es ist ja logisch, dass sich die Stimmfarben verändern. Das wirkt gerade bei „I Still have Faith in You“ sogar richtig gut. 🙂

  8. Thank you for the Music. Ich verneige mich vor ABBA
    Ja die Songs sind keine großen Ohrwürmer und würden keinen Wettbewerb gewinnen. Aber das ist auch nicht Anspruch von ABBA. Die Songs sind ein Geschenk für uns Fans. Und jeder Fan wird sie lieben, den einen mehr den anderen noch mehr.
    Ja ich hätte mir auch gerne gewünscht das die vier persönlich auf die Bühne kommen und singen. Aber ich kann verstehen das das anstrengend und problematisch sein kann wenn man das so lange nicht mehr oder nicht oft macht. Im Studio kann man nachhelfen so das die Stimmen sauber klingen aber auf der Bühne kann der eine oder andere schiefe Ton passieren was man auch gerade beim ESC oft merkt wo ja live gesungen wird. ABBA wird sich aber das nicht mehr antun wollen und haben sich darum für den Weg der Abbatare entschieden und das sollte man akzeptieren schließlich sind sie auch schon Anfang bis Mitte 70. Es ist trotzdem ein großes Geschenk an die Fans und dafür Danke Danke Danke tusen Tak

  9. bezüglich kritik muß man hier klar unterscheiden zwischen den generationen – ich habe abba als teenager und jungtwen wahrgenommen bzw. erlebt,zusammen mit einer vielzahl anderer guter acts aber abba hatte damals schon zumindest in meinem umfeld ein besonderes standing im popuniversum und zwar zusammen mit slade,roxy musik,queen die alle eher poprockig waren und noch ein paar,die mir gerade nicht einfallen.
    im reinen pop war abba zu deren hochzeit aber das maß aller dinge.
    da liegt dann die latte sehr hoch und die gefahr,sie dann 40 jahre später zu reissen,ist dann mehr als hoch.
    ich hätte sowas nicht gemacht aber vielleicht überrascht uns ja das album,denn wer 40 jahre zeit hat,dem muß bei der begabung doch was besseres einfallen oder nicht?
    die jüngeren semester sehen abba sicher ganz anders,wohl auch bedingt durch den musicalboom?
    der popstandard der 60iger,70iger und 80iger war ein anderer,höherer und war sicher auch durch die damaligen (lebens)umstände bedingt.
    in der allgegenwärtigen social platform und smartphone welt anno 2021 ticken die dinge aber anders – da reicht selbst biederer durchschnitt aus,um ein gigantisches feuer zu entfachen.
    fazit:als alter knacker hatte ich keinerlei erwartungen und wurde auch nicht enttäuscht. 😀

  10. Ich war nie ABBA Fan, insofern konnten sie mich nicht enttäuschen. Ich habe mir beide Songs angehört, und finde es auch gut, dass sie nicht versucht haben, etwas Zeitgemäßes zu machen. Von I still have faith in you gefällt mir genau diese Textzeile, der Rest ist textlich schön, finde ich, aber musikalisch etwas zäh. Und der zweite Song klingt für mich genau nach ABBA, aber ich möchte ihn auch nicht nochmal hören. Diese Hologramm-Ausschnitte fand ich gruselig. Ich verstehe nicht, wieso ein eingefleischter ABBA-Fan sich so etwas live ansehen möchte.

  11. Ich bin immer noch berührt. „I still have faith..“ brauchte zwar zwei Anläufe, aber nun finde ich beide Songs toll. Vor allem, weil sie dort ansetzen, wo die Vier uns Fans vor 39 Jahren in die Pause geschickt haben. Beide Stimmen klingen auf ihre eigene Weise toll. Agnetha klingt in Passagen noch wie damals, als wäre die Zeit stehen geblieben. Frida wiederum überzeugt mit einer tollen Brüchigkeit in der Stimme. Beides macht die Songs, bei allen Geldmacherei-Vorwürfen glaubwürdig. Geld mussten die Vier sowieso nicht mehr machen, der Erfolg blieb über die letzten Jahre erhalten. Auch das alles (zwei Musicals, Filme mit ABBA-Musik und schließlich das erfolgreichste Best-of-Album aller Zeiten) gehört freilich zum Geschäftsmodell von Björn und Benny. Ich verzeihe es Ihnen gerne.

    • Fridas Stimme war schon immer ausdrucksstärker als die helle Stimme von Agnetha. Ich habe die schicksalhafte Lebensgeschichte von Frida gelesen: Mutter früh verloren, der totgeglaubte Vater taucht auf, ihr Mann Prinz v. Reuss stirbt an Krebs und ihre Tochter kommt mit 31 bei einem Verkehrsunfall in New York ums Leben. Einschneidende Erlebnisse. Und dann singt Frida dieses Lied „I still faith in you“ … der Hammer.

  12. Ich finde es einfach nur wunderbar das ABBA mit neuer “alter” Musik zurück sind!
    Ich setzte überhaupt keine Maßstäbe oder ziehe Vergleiche zu ihren alten Alben.
    Einfach nur klasse das sie auch mit Ü70 Spaß an ihrer Musik haben und sie mich endlich wieder teilhaben lassen.
    Beweisen müssen sie mir nix mehr und sich selber ganz sicher auch nicht.
    Bewundernswert das man auch noch mit über 70 seine Träume und sein Können auslebt.
    Ich freue mich auf das Album!

  13. Ich gehöre ja bekanntlich zur Fraktion der Enttäuschten, aber ich glaube, dass diese Enttäuschung viel mit mir und wenig mit ABBAs neuen Liedern zu tun hat. Warum glaube ich das, und warum empfinde ich wie ich empfinde? Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der zwar schon seit den späten 50er Jahren der ESC ein Familienereignis ist, in der aber sonst fast nur klassische Musik und Jazz gehört wurde. Ab und zu waren auch noch die Beatles oder die Stones zu hören, aber das war es dann auch schon. Im zarten Alter von 9 Jahren entdeckte ich ABBA, verliebte mich Hals über Kopf in diese mir bis dahin unbekannte Musik und dachte, dass ich nun endlich musikalisch auf eigenen Füßen stünde. (Ich war ein wenig frühreif … 🤣) Endlich, so dachte ich mir, habe ich einen Soundtrack für mein Leben gefunden, der nur mir gehört. Bald konnte ich alle ABBA-Texte auswendig und die meisten ihrer Lieder auf der Gitarre und dem Akkordeon spielen. Auf den langen Urlaubsfahrten nach Griechenland, Andalusien und Portugal nervte ich meine Eltern und meine ältere Schwester (Pink Floyd, Jethro Tull, Kiss), weil ich immer nur ABBA hören wollte und unleidlich wurde, sobald die Musikkassette einer anderen Band eingelegt wurde. Mit großer Sehnsucht wartete ich stets auf neue Veröffentlichungen, und als ABBA 1982 den Vorhang fallen ließen, fand ich es toll, dass ihr letztes Album für mein Dafürhalten auch ihr bestes war. Damals war ich 14 Jahre alt. In den 80ern und frühen 90ern habe ich weiterhin ABBA gehört, aber meine musikalischen Vorlieben haben sich nach und nach verschoben, zunächst hin zu The Cure, Kate Bush, The Smiths, Talking Heads etc und ab Mitte der 90er auch zu Musik mit regionalem Gschmäckle (Ich mag den Begriff World Music nicht …). Diese letzte Verschiebung habe ich auch dem ESC zu verdanken, der in den 90er Jahren fantastische Beiträge mit traditionellen Wurzeln auf die Bühne brachte, vor allem aus Frankreich, Italien, Zypern, Griechenland und der Türkei, aber auch Norwegen 1993 oder Schweden 1996. Irgendwann habe ich dann ganz aufgehört, ABBA zu hören, was mir damals aber überhaupt nicht bewusst war. Wenn mich jemand nach meiner Lieblingsmusik fragte, antwortete ich weiterhin: ABBA. Ich finde es schade, dass ich mich nicht einmal erinnern kann, wann genau ich begann ABBA, die für meine frühen Jahre doch so bedeutend und prägend gewesen waren, zur Seite zu legen. Ich weiß lediglich, dass ich bis zur Veröffentlichung der beiden neuen Lieder ca. 25 Jahre lang keinen ABBA Song mehr bewusst angesteuert hatte. Bin ich trotzdem ein ABBA-Fan? Ich denke schon, weil ohne die Musik von ABBA wäre ich heute nicht der Mensch, der ich bin. 😀
    Und dann hörte ich die beiden neuen Lieder, die ich mit großer Spannung erwartet hatte, und sie erreichten mich nicht, wahrscheinlich weil ABBA sich treu geblieben sind, während ich mich verändert habe. Ich verstehe, dass viele Fans ganz aus dem Häuschen sind, weil sie nun noch mehr von dem bekommen, was sie lieben, und irgendwie ist dieser Ansatz der vier großen Schwed*innen ja auch als ehrlich und authentisch zu rühmen, aber ich existiere inzwischen eben in einer anderen musikalischen Landschaft, die weder besser noch schlechter ist als das, was ABBA bieten, nur anders … und für mich reizvoller. Einen Lieblingskünstler oder eine Lieblingsband habe ich schon lange nicht mehr; ich mag einzelne Lieder von ganz vielen Künstlern, und kaum ein Act hat mehr als fünf Lieder in meiner Playlist, in der sich alles findet: Pop, Metal, Schlager, Folk, Indie, Experimentelles, Rock, viel Mediterranes. Wenn mich heute jemand nach meinem Lieblingssänger fragt, antworte ich: Cristina Branco (v. a. auch wegen der fantastischen Liedtexte), aber letztendlich ist auch die nur eine von vielen Göttern und Göttinen in meinem musikalischen Pantheon.

    Ich hoffe, dass diese Zeilen ein schöner Tribut von jemandem ist, der einst ein Fan war, aber jetzt keinen Zugang mehr findet.

    • Cristina Branco… sehr interessant (obwohl… die Richtung war schon klar… 🙂

      Cristina habe ich sehr gerne gehört, aber es hat nicht so richtig gefunkt. Vor ca. 25 Jahren war ich aber ein richtiger Fan von Dulce Pontes. Ich habe sie zweimal live gesehen, fantastiche Auftritte, tolle Musiker, einfach klasse.

      Meine Lieblingssängerinnen sind (oder besser: waren) aber Natalie Merchant und Iris Dement. Ich habe auf ihre Platten so sensüchtig gewartet, so wie hier manche auf diese Abba-Platte. Bei Iris dauerte einmal die Durststrecke 8 Jahre, dann wieder mal 8 Jahre…

      • Merchant und Dement? Schön zu wissen, dass es hier auch noch andere gibt, die einen etwas ‚abseitigen‘ Musikgeschmack haben. 😀 Dulce ist unbestritten eine tolle Künstlerin, aber im Vergleich zu Cristina, die bei ihren Konzerten die Zerbrechlichkeit zelebriert, ist sie mir dann doch etwas zu … wie soll ich sagen? … robust. Ihr Album ‚El corazón tiene tres puertas‘ ist in seiner Mischung von Fado und mittelalterlicher Musik allerdings fantastisch. Und dann hat sie natürlich den Titelsong zu ‚Sostiene Pereira‘ beigesteuert. Toller Film nach tollem Buch. 😍
        Über Dulces ESC-Schlager breiten wir besser den Mantel des Schweigens …

    • Das ist das erste Mal, dass ich etwas lese, wo jemand überzeugend und entwaffnend darlegt, warum er mit den neuen ABBA Songs weniger anfangen kann. Mir geht es zwar völlig anders, aber diese reflektierten Zeilen überzeugen mich ungeachtet dessen.

      • Ich hoffe, dass man meine tiefe Zuneigung zu ABBA spüren kann, auch wenn mir die Musik der Gruppe nicht mehr viel sagt. Übrigens hört meine Schwester, mit der ich mich in jungen Jahren auf den Urlaubsreisen regelmäßig wegen der Musik in die Haare bekommen habe, seit ungefähr zehn Jahren sehr gerne ABBA. Wir sind alle immerzu auf der Reise, nicht nur, aber auch in der Musik. 😀

  14. Die Kassette war als ich sie bestellen wollte ausverkauft. Dann habe ich halt die andere Version vorbestellt und jetzt gibt es wieder die Classic. Nun ja. Hauptsache ist ich freue mich meinen Plattenspieler mehr und mehr mit neuen Stoff zu füttern.

  15. Herzlichen Dank, lieber Peter für diesen tollen Beitrag, der mir aus der Seele spricht – gerade auch, was die Passage zu den enttäuschten Fans angeht. Ich hatte im Vorfeld der Veröffentlichung der neuen Songs durchaus fantasiert, ABBA könnten mit dem neuen Material wieder die Popmusik revolutionieren. Aber das war natürlich Unsinn und spätestens, nachdem ich Björn und Benny im Interview gesehen habe, war mir klar, dass es nur darum ging, dass sie a) natürlich mit den ersten beiden neuen Stücken Werbung für die Hologramm-Show machen wollten, aber eben auch b) wieder Lust hatten, zusammen neue Musik zu veröffentlichen, und zwar genau die Musik, von der sie persönlich überzeugt sind. Und das hört man den beiden neuen Songs auch an. Die Lieder sind einfach toll komponiert und arrangiert und haben genau den glücklich machenden und zugleich melancholischen Zauber, der immer prägend für ABBA war. Mich haben beide Stücke von Anfang an „gehabt“ und ich habe beim Hören wiederholt die eine oder andere Träne vergossen. Das neue Album ist vorbestellt – Fanherz, was willst Du mehr?

  16. „Ich hadere damit, dass wir als Gesellschaft ständig Dinge tun, weil wir es können, und nicht fragen, ob es tatsächlich sinnvoll ist“ mault Der Spiegel. Wenn es aber darum geht, experimentelle Impfstoffe zu entwickeln, diese zu spritzen, weil wir es können, und nicht fragen, ob ein aufgepeitschtes Immunsystem tatsächlich sinnvoll ist, verfallen ausgerechnet Spiegel-Schreiberlinge in jene Denke, die sie bei Autos, Wurst und Abbataren anprangern.

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