Das Publikum darf vorher abstimmen: Votingablauf des JESC veröffentlicht

Die EBU hat die Regeln des diesjährigen Votings für den Junior Eurovision Song Contest veröffentlicht. Wie schon im letzten Jahr wird das Ergebnis zu 50% durch ein Onlinevoting und zu 50% durch Länderjurys bestimmt.

Das Onlinevoting startet am 22. November auf https://junioreurovision.tv und endet zum Liveshowbeginn am 24. November. Die Fans können sich einen Previewclip der Proben anschauen und dann für 3 bis 5 ihrer Favoriten jeweils eine Stimme vergeben. Nachdem alle Teilnehmer aufgetreten sind, wird es für 15 Minuten ein weiteres Mal möglich sein online abzustimmen.

Dieses Prozedere wirft ein großes Problem auf: Ein Großteil der Zuschauer wird bei diesem Verfahren sein Urteil nur auf Grundlage der Studioversionen und der kurzen Probenvideos fällen. Ob der Liveauftritt an sich gelungen ist, fließt hier überhaupt nicht in die Entscheidungsfindung ein. Und dass „auf dem Platz gespielt wird“ und es auf die Liveauftritte ankommt, ist ja gerade eine Sache, die den ESC auszeichnet. Im offiziellen Video kann auch der Beitrag vom uncharismatischen, keinen Ton treffenden Sänger mit inszenierungsunfähigem Team toll wirken… Gerade beim Erwachsenen-ESC hat sich ja immer wieder gezeigt, dass Beiträge, die unter Fans als Studioversion sehr gut angekommen sind, durch schiefen Gesang und eine grottige Präsentation abgestürzt sind – oder umgekehrt unauffällige Studioversionen durch fesselnde Liveauftritte überzeugen konnten. Man denke nur an 2014, wo Aram Mp3 im Vorneherein schon als Sieger gesehen wurde und wo vor den Proben keiner Conchita oder die Common Linnets auf den Zettel hatte.

Wer sich als Zuschauer bewusst dafür entscheidet, die Liveauftritte abzuwarten und erst danach seine Stimmen zu vergeben, könnte am 24. November vor einem weiteren Problem stehen: Im letzten Jahr sind die Server während des 15-minütigen Votingfensters in der Show vollkommen zusammengebrochen, sodass es für viele gar nicht möglich war zu voten. Hoffentlich kriegen das die Verwantwortlichen in diesem Jahr besser hin.

Beim Onlinevoting kann jeder abstimmen, das Voting ist nicht auf die teilnehmenden Länder begrenzt. Außerdem ist es möglich, für das eigene Land abzustimmen. Hier stellt sich die Frage, inwieweit das Ländern mit größerer Einwohnerzahl (und/oder größerem Interesse), wie z.B. Russland oder Polen, einen Vorteil verschafft.

Und nicht zuletzt scheint eine zwei Tage andauernde Onlineabstimmung wesentlich anfälliger für Manipulationen im Vergleich zu einem 15-minütigen Telefon/App-Voting, das an eine Simkarte gebunden ist.

Man hatte in der Vergangenheit immer etwas das Gefühl, dass die EBU den JESC als „Versuchslabor“ für den „großen“ ESC genutzt und jedes Jahr ein anderes Abstimmverfahren getestet hat. In diesem Jahr erfolgt keine große Veränderung. Heißt das, dass die Verantwortlichen von dem Verfahren überzeugt sind? Oder wollen sie noch einmal versuchen, wie gut ein Onlinevoting während der Show funktioniert, wenn man ordentliche Server verwendet? Was auch immer sich die Verantwortlichen denken, auf eine Idee kommen sie hoffentlich nie: Dieses Verfahren beim Erwachsenen-ESC einzuführen. Es gibt einfach viel zu viele Schwierigkeiten bei einem Onlinevoting.

Die zweite Hälfte der Punkte wird durch Länderjurys vergeben. Aus wie vielen Juroren sich diese zusammensetzen und wie deren Einzelwertungen zusammengerechnet werden, wurde allerdings noch nicht bekannt gegeben. Im letzten Jahr bestanden die Länderjurys aus drei Personen, die im Musikbereich tätig waren, und aus zwei Kindern.

Auch noch nicht bekannt ist, wie die Punkte während der Show exakt präsentiert werden. Wahrscheinlich ist aber, dass das seit ein paar Jahren bei beiden Contesten übliche Verfahren wieder Verwendung findet: Zuerst vergeben die einzelnen Länderjuries die Punkte, danach werden die Onlinevotes in addierter Form bekannt gegeben.

Mittlerweile sind auch die Songs aus Frankreich, Malta und Nordmazedonien veröffentlicht. Mehr dazu in einem in Kürze veröffentlichten neuen Artikel. Stay tuned!

Hier findet Ihr weitere Informationen zum Junior Eurovision Song Contest:

Junior Eurovision Song Contest 2019: Was bislang bekannt ist
Junior Eurovision Song Contest 2019: Was bislang bekannt ist (2)
Junior Eurovision Song Contest 2019: Was bislang bekannt ist (3)
Das sind die Moderatoren des Junior Eurovision Song Contest 2019

 



5 Kommentare

  1. Wie ich bereits zum vorherigen Beitrag geschrieben habe: Das Onlinevoting ist riesiger Mist.
    Die oben genannten Argumente kann ich nur bestätigen:
    – die Serverkapazitäten reichen nicht aus, was 2017 bei der Premiere noch extremer war als 2018. Glaube damals wurde sogar ein Teil des Onlinevotings komplett gestrichen
    – die Zuschauer voten nur für die Studioversion , schlechte Liveauftritte werden ignoriert (siehe Kasachstan letztes Jahr)
    – Länder mit größerem Zuschauer-Interesse profitieren stärker
    – An den Aufrufszahlen auf YouTube und Co. kann man den Ausgang des Onlinevotings leicht vorhersagen
    Letztes Jahr hat es keinen überrascht dass Polen dort mit großem Vorsprung gewonnen hat, was dieses Jahr nicht anders sein wird

    Eingeführt wurde das ganze soweit ich weiß, da man sonst wohl einige Teilnehmerländer verloren hätte. Es hatten sich einige Osteuropäische Länder über die nicht gerade kinderfreundliche Uhrzeit beschwert weshalb die Show auf Sonntag Nachmittag gelegt wurde. Das passte aber einigen Ländern nicht in den Programmplan und führte zu dem Problem dass man die Show nicht mehr live zeigen konnte, was allerdings dank des Televotings Vorraussetzung für eine Teilnahme ist, also musste eine Alternative her. 2016 gab es noch 50% Erwachenen-Jury und 50% Kinder-Jury, und seit 2017 leider das aktuelle System

    • Finde auch nicht dass man nach so kurzer Zeit wieder was am System ändern muss, finde das aktuelle hat sich gut bewährt, obwohl ich anfangs auch sehr skepitsch war.

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