
Habemus Startfeld! Seit der letzten Woche liegen alle 35 Beiträge für den Eurovision Song Contest in Wien vor. Mittlerweile sind auch unsere Befragungen für das ESC-Barometer abgeschlossen. Europa, vi har ett resultat! Die fünf letzten Neuzugänge konnten an der Spitze nichts mehr ändern; selbst Daniel Žižka aus Tschechien (Aufmacherbild) verpasst die Top 10 unseres EKIs. Hingegen ist für die ESC kompakt-Leser*innen der finnische Beitrag „Liekinheitin“ von Linda Lampenius und Pete Parkkonen nach der Vorentscheidsaison mit Abstand der beste. Dem deutschen „Fire“ stehen sie derzeit (noch) sehr zurückhaltend gegenüber.
Die Erwartungen an die drei Kaukasusländer, Tschechien und nicht zuletzt den ESC-Sieger von 2024, die Schweiz, waren hoch. Nach der Veröffentlichung dieser letzten fünf Beiträge für den Wettbewerb in Wien macht sich hingegen Enttäuschung breit. Aserbaidschan ist dabei gleich doppelt geschlagen: erst kommt das Lied „Just Go“ nicht wirklich an und dann gibt’s auch noch Vorwürfe, der Beitrag sei mit KI erstellt worden. Tatsächlich schafft es der Beitrag auf die letzten Meter auch noch, die rote Laterne im EKI zu übernehmen.
Wir schauen uns für das ESC-Barometer jeweils drei Auswertungskategorien gesondert an: die durchschnittliche Bewertung, den Anteil der Höchstwertungen und das Polarimeter. Letzteres fasst die besten und die schlechtesten Wertungen zusammen. Und dann ist da noch unser Blog-eigener ESC-kompakt-Index, der EKI. Hier werden die Wertungen gewichtet, geschüttelt und gerührt und anschließend neu ausgewiesen. Damit konnten wir schon manche ESC-Platzierung besser vorhersagen als die Buchmacher. Andere hingegen weniger gut.
Bei der Betrachtung der durchschnittlichen Bewertung der Lieder gibt es auf den ersten sechs Plätzen keine Veränderungen: Finnland führt vor Australien und Albanien. Tatsächlich schaffen es Bzikebi aus Georgien, sich auf Platz 7 einzusortieren. Ihr Beitrag hat 40% „gefällt mir gut“-Wertungen – mehr als jeder andere in dieser Saison. Auch Daniel Žižka schafft es mit seinen „CROSSROADS“ in die Top 10. Er kommt sogar auf mehr Höchstwertungen als der georgische Beitrag.
Veronica Fusaro aus der Schweiz führt die zweite Hälfte an. Um den armenischen Beitrag von Simón zu finden, muss man schon ganz schön weit nach unten blicken – Platz 27. Neues Schlusslicht ist „Just Go“ von JIVA aus Aserbaidschan. Sie erspart Senhit den letzten Platz, den sie letzte Woche gerade erst zugewiesen bekommen hatte. Nur 5% der Abstimmenden gaben JIVA die Höchstwertung. Das ist weniger als jeder andere Beitrag in diesem Jahr und sichert ihr damit auch den letzten Platz beim zweiten Auswertungskriterium.
Im letzten Jahr bekamen KAJ aus Schweden mit „Bara bada bastu“ von 51,2% der Abstimmenden die Höchstwertung. Diesen Wert erreichen Linda Lampenius und Pete Parkkonen aus Finnland in diesem Jahr nicht ganz. Aber auch ihre 49,6% sind hervorragend. Das gilt umso mehr, da sie damit 10%-Punkte Vorsprung von Lelek aus Kroatien auf Platz 2 haben. Den dritten Platz hält weiter Delta Goodrem aus Australien.
Von den fünf Neuzugängen sichert sich allein Daniel Žižka aus Tschechien einen Platz in der Top 10. Die Georgier schaffen es gerade so auf den letzten Platz der oberen Tabellenhälfte (konkret Rang 17).
Vergleichsweise traurig ist das Bild für die anderen drei Neueinsteiger. Simón sichert sich knapp vor Veronica Fusaro den 25. Platz. Naja, und über JIVA hatten wir oben schon gesprochen. Vielleicht kann es sie ja trösten: Im letzten Jahr lagen hier NAPA aus Portugal auf dem letzten Platz mit nur 6,6% Höchstwertungen – und am Ende hatten sie mit ihrem Song mehr Streams als alle anderen ESC-Beiträge des letzten Jahres.
Beim Polarimeter, für das wir die Höchst- und Tiefstwertungen zusammenzählen, gibt es in der oberen Tabellenhälfte gar keine wirkliche Änderung. Keiner der fünf Neuzugänge konnte sich hier platzieren. Das Spitzentrio aus Griechenland, Finnland und Kroatien hält sich natürlich auch auf dem Treppchen. Auch hier ein Vergleich zum Vorjahr: Damals lagen KAJ aus Schweden mit 58,1% auf Platz 1.
Von den Neuzugängen sind der tschechische und der armenischen Beitrag noch diejenigen, die den ESC kompakt Leser*innen am wenigsten egal sind. Georgien und die Schweiz fallen schon stark in die „I couldn’t care less“-Kategorie. Und es wird keinen überraschen, wer auch hier am Ende steht: Aserbaidschan. Letztes Jahr waren JIVAs Landsleute Mamagama übrigens vorletzte beim Polarimeter geworden – mit 17%.
Die verschiedenen Auswertungsansätze führen wir nun in unserem ESC-kompakt-Index zusammen. Der EKI (ESC-kompakt-Index) ist die durchschnittliche Platzierung eines Beitrags nach fünf Kriterien, die jeweils für sich gerankt werden: Einzelbetrachtung „ist ganz ausgezeichnet“, Top2-Betrachtung „ist ganz ausgezeichnet“ und „gefällt mir gut“ zusammen, Durchschnittsbewertung, Polarimeter-Index und umgedrehter Couldn’t-Care-Less-Index (Rangreihung von der niedrigsten „so la la“-Wertung (Platz 1) bis zur höchsten (letzter Platz).
Hier gibt es auf den ersten elf Plätzen keine Veränderungen mehr: Finnland bleibt der eindeutige Spitzenreiter beim EKI. Es folgen Kroatien und Australien. Hinter LOOK MUM NO COMPUTER aus Großbritannien, der den elften Platz verteidigen kann, sortiert sich Tschechien ein. Und auch Georgien schafft es in die obere Tabellenhälfte – wenn auch auf dem letzten Platz.
Die zweite Tabellenhälfte wird von Luxemburg angeführt. Armenien sichert sich Rang 21. Deutschland liegt auf Platz 29 und damit nur ganz knapp vor der Schweiz, die mit der Ukraine auf einem geteiltem 30. Platz landet. Dahinter startet dann direkt der Walk of Shame: Estland, Polen, San Marino und Schlusslicht Aserbaidschan.
Deckt sich unsere Auswertung mit Deiner Meinung über die Beiträge? Hättest Du erwartet, dass der tschechische Beitrag noch vergleichsweise gut abschneidet – und der aserbaidschanische so katastrophal? Diskutiere gern unter diesem Artikel.
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