ESC-Songcheck kompakt (6) – Schweden: „Voices“ von Tusse

Bild: SVT / Stina Stjernkvist

Der schwedische Beitrag für den Eurovision Song Contest wurde auch in diesem Jahr wieder über das sechsteilige Melodifestivalen gesucht und gefunden, auch wenn die Shows diesmal corona-bedingt alle aus Stockholm kamen. Im großen Finale konnte sich Tusse mit „Voices“ sowohl bei der internationalen Jury als auch – noch viel deutlicher – beim nationalen Publikum durchsetzen und löste so das Ticket nach Rotterdam.

Der 19-jährige Tusse Chiza ist in Schweden vor allem durch seine Teilnahme und seinen Sieg bei „Idol“, der schwedischen Version von „Deutschland sucht den Superstar (DSDS)“, bekannt. Seitdem hat der Sänger mehrere Singles veröffentlicht und außerdem im Sommer 2020 an verschiedenen Songwriting-Camps für das Melodifestivalen teilgenommen. Ursprünglich kommt Tusse aus dem Kongo, musste als Fünfjähriger vor dem Krieg nach Uganda fliehen und kam schließlich mit sieben Jahren als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling über ein humanitäres Kontingent nach Schweden.

Der Song

„Voices“ wurde von Joy Deb, Linnea Deb, Jimmy „Joker“ Thörnfeldt und Anderz Wrethov geschrieben. Dabei handelt es sich um einen radiofreundlichen Popsong mit und Soul-Einsprengseln. Textlich orientiert sich das Lied am gängigen Motiv „Wir gegen den Rest der Welt“. Während es in der ersten Strophe noch ausschließlich um Tusse und eine weitere Person zu gehen scheint („We’re thousand miles apart, but we’ll overcome, I’ll never let you down“), kann der Text in der zweiten Strophe stärker in Richtung einer gesellschaftlichen Veränderung gelesen werden („Painting all the scars in the colors of change, don’t let them hold you down„).

Der Check

Song: 3/5 Punkte
Stimme: 4,5/5 Punkte
Instant-Appeal: 4/5 Punkte
Optik: 4/5 Punkte

Benny: „Voices“ ist für mich ein durchschnittlicher Melodifestivalen-Song, der sehr auf die großen Effekte setzt und in Schweden hauptsächlich durch Tusses Bekanntheit und seine Ausstrahlung gepunktet hat. Die Schwächen werden gut durch die wie immer professionelle Inszenierung kaschiert und ich bin gespannt, ob die schwedische Delegation damit auch in Rotterdam durchkommt. Tusses (auch stimmliche) Leistung ist definitiv ein Pluspunkt. 6 Punkte.

Berenike: „Voices“ wirkt ganz typisch „mello-schwedisch“ sehr professionell-glatt produziert. Jedoch: Tusse kommt auf mich sehr authentisch rüber, wodurch ich eine Verbindung zum Song und zur Aussage des Songs aufbauen kann. Außerdem klebt sich der Refrain unablösbar im Gehörgang fest. Tracks, in denen der Chorus der stärkste Teil ist, werden ja seltsamerweise auch immer seltener. 7 Punkte.

Douze Points: Zunächst einmal möchte ich feiern, dass Schweden das dritte Mal in Folge ein*e farbig*e Künstler*in zum ESC schickt. Für mich war „Voices“ nicht beste Song des Melodifestivalen für den ESC und ich habe die Stärke nicht erkannt. Es ist kein Lied, dass ich gezielt einschalte. Wenn es aber läuft, bleibe ich gern dran. Und auch vom Auftritt fühle ich mich gut unterhalten. 8 Punkte.

Florian: Tusse liefert einen wirklich zeitgenössischen und gleichzeitig kalkulierten ESC-Beitrag – man könnte schon sagen, dass man nicht mehr und nicht weniger aus Schweden erwartet hätte. Doch Tusses Persönlichkeit und sein Bühnenauftritt könnten dem Song in Rotterdam die Ausstrahlung verleihen, um letztlich ein mehr als respektables Ergebnis erzielen zu können, schließlich konnte er bereits die schwedischen Zuschauerinnen und Zuschauer klar überzeugen. Und vielleicht gibt es auch nach dem ESC eine erfolgreiche Karriere für den jungen Sänger über die Grenzen Schwedens hinaus. 7 Punkte. 

Manu: Nachdem mich gestern noch die unbequemen Sounds aus Russland begeisterten, hier nun leider das glatte Gegenteil. Vom durchaus spannenden Künstler Tusse wurde in meinen Augen in dem Lied „Voices“ alles spannende konsequent wegproduziert. Das mag vielleicht den Hörgängen schmeicheln, spätestens bei der unsäglichen Rückung verdrehe ich aber leider die Augen. I’m sorry – 3 Punkte

Max: Sehr solider Beitrag aus Schweden – wie immer. Das Lied ist super produziert und vom Stil auch am Puls der Zeit. Gesungen von einem US-Star würde „Voices“ wohl auch hierzulande im Radio laufen. Tusse hat mit seiner Lebensgeschichte und seiner Message natürlich auch Momentum. 8 Punkte.

Peter: So sehr ich mich für Tusse freue und so sympathisch und ergreifend ich die Geschichte hinter dem Aufstieg von Tusse finde, die dann im Gewinn von Swedish Idol 2019 und dem Mello 2021 gipfelte, so möchte ich doch so ehrlich sein, dass ich fünf oder sechs andere Titel im diesjährigen Melodifestivalen lieber ganz vorne gesehen hätte. „Voices“ ist gut und sicher einer der am professionellsten und modernsten produzierten Titel im Finale, aber subjektiv fand ich andere Angebote besser. Unabhängig davon ist „Voices“ ein chancenreicher mitreißender Song und wird in Rotterdam sicher Top Ten. 7 Punkte

Gesamtpunktzahl: 46/84 Punkten

Beim ESC-kompakt-Index landet „Voices“ auf Platz 10 von 39.

Wie schneidet der schwedische Beitrag "Voices" von Tusse ab?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Technicolour“ von Montaigne
(2) Irland: „Maps“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „Discoteque“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „Here I Stand“ von Vasil
(5) Russland: „Russian Woman“ von Manizha


112 Kommentare

  1. Zu Schweden ist schon alles gesagt worden. Die Jury wird Tusse beschenken mit Punkten, das Televoting wird ihn dann auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Ich sage Platz 6 – 10.
    Was anderes, im Artikel wird der Begriff „farbiger“ Künstler verwendet. Ich finde die Bezeichnung problematisch, wenn man sich die Geschichte des Wortes anschaut und die daraus entstandenen negativen Konnotationen. Wäre „Schwarze“ oder „PoC“ (Person of Color, People of Color) nicht angebrachter?

    • In solchen Fällen wäre der Begriff „dunkelhäutig“ angebracht, da ist man auf der sicheren Seite. In den USA ist der Begriff „Afroamerikaner(in)“ am gebräuchlichsten gefolgt von „black“ (schwarz).

  2. Kompletter Kontrast zum russischen Beitrag. „Voices“ ist gefällig, mir aber dann doch zu sehr auf ESC gestylt, für schwedische Verhältnisse noch akzeptabel. Leider klingt die Gesangsstimme ein wenig quäkig – da gefällt mir der ähnlich komzipierte Beitrag aus den Niederlande definitiv besser.

    Könnte aber erneut der Juryliebling werden und knapp in den Top 10 landen.

    Versandet im oberen Mittelfeld und ich werte mit 5/10.

  3. @Thomas M.

    Ich meinte mit meinem Kommentar nicht Tusse, sondern Mr. Homophobia! Wer ein Kind in die Welt setzt, der dollte sich auch darum kümmern und nicht der Mutter die ganze Arbeit überlassen! Die meisten männlivhen Promis ziehen sich auch aus der Öffentlichkeit zurück, wenn sie Väter werden, um ganz für ihre Kinder da zu sein. Deshalb wäre es besser gewesen, wenn uns Mr. Homophobia beim ESC erspart geblieben wäre!

    • „Die meisten männlivhen Promis ziehen sich auch aus der Öffentlichkeit zurück, wenn sie Väter werden, um ganz für ihre Kinder da zu sein.“ Bist Du Dir da ganz sicher?

      Und zu Deinem Kommentar: Hätte es denn nicht gereicht zu schreiben, dass Du Mans nicht schon wieder beim ESC sehen möchtest? Wozu die Verbindung mit Corona? Und akzeptier doch endlich, dass Mans sich für seine Bemerkungen entschuldigt hat (was Du auch tun könntest, oder doch wenigstens zugeben, dass Du gestern weit übers Ziel hinausgeschossen bist). Du möchtest doch auch nicht, dass man Dich über Jahre hinweg ausschließlich über eine unüberlegte Äußerung, die Du mal gemacht hast, definiert?

      • Das ist zwecklos, Thomas, er versteht es nicht. Ich hab es gestern schon probiert.

        Am besten, man lässt ihn einfach links liegen und geht auf seine Postings nicht weiter ein. Mehr als das hat er nach dem Posting gestern eh nicht verdient.

  4. Wird so landen wie 2018 das tolle Flüchtlingslied „Mercy“. Nen paar Mitleidspunkte von den Jurys und das Televoting wird’s komplett übersehen.

  5. Bin mir gar nicht so sicher, ob die Jurys wieder Schweden so hoch bewerten. Mich persönlich langweilt das Lied. Es ist mir einfach zu langweilig und 3 min lang passiert nichts.

  6. Salü, ich habe zwar nicht viel vom Finale des „Melodifestiveln 2021“, aber von den wenigen „Nummern“, die ich sah/hörte, war/ist „Voices“ noch eines der besten gewesen. Und als Dinosaurier-Fan des ESC lag ich in den letzten über 10 Jahren (bis auf 2mal, bei Lena und bei Duncan Laurence) nur knapp mit meinem Siegerbauchgefühl falsch. Im Vergleich, was sonst so dieses Jahr an den Start geht, ist „Voices“ ein sofort eingängiges, leicht hymnisches Lied (und man kann tatsächlich von einem „Lied“ sprechen!) – ganz im Gegensatz zu den Beiträgen mit Lundvik und den Mamas der vergangenen Jahre, die so bemüht und künstlich auf ‚friendly-happy Soul/Gospel‘ getrimmt waren. Es würde mich wundern, wenn „Voices“ nicht mindestens unter die Top 5 im Finale landet, wenn nicht sogar den 7. Sieg für Schweden holt.

  7. Miau… Miau… Am Anfang will man diese Schöpfung schnell loswerden, danach wird es besser.

    Song: zu viele gedehnte Vokabeln
    Stimme: braucht noch Zeit um sich zu entfalten
    Instant-Appeal: schon volljährig?
    Optik: nette Nachbar von Nebenan

    • Lieber Marko, Du scheinst Dich ja prächtig auszukennen … bei und mit ‚was‘ weiss ich zwar nicht, aber mit „Gesang“ offensichtlich nicht, denn Tusse macht stimmlich einen guten Job.

  8. Natürlich wieder unauffälliger Schweden-Pop! Sticht nicht hervor, am ehesten noch durch Tusses Stimme. Der Refrain ist mir dann doch zu wiederholend. Da es Schweden ist, kommt das sicherlich ins Finale. Von mir gibt’s 7-8 Punkte

  9. Die Bezeichnung „farbig“ für Schwarze Menschen /Black people (und auch andere PoC) ist —wie hier auch schon angemerkt wurde- sehr problematisch,. Grund ist der kolonialistische Ursprung und da er äußere Merkmale benutzt und missbraucht/vereinfacht darstellt und somit „biologische“ Rassenideologien reproduziert. Bitte da nachbessern! Schön auch wieder zu sehen wie viele unterschwellig rassistische Kommentare zur schwedischen Auswahl hier auftauchen und ja auch die „Diversitäts Bonus“ Kommentare sind rassistisch.

  10. Ich stehe ja nun weiß Gott nicht im Verdacht, alles aus Schweden unbedacht hochzujubeln, wohl eher im Gegenteil. Aber aus irgendeinem Grund finde ich „Voices“ richtig, richtig toll. Tusse hat eine geniale Stimme, ist supersympathisch und wird am Ende des Tages hoffentlich mit vielen, vielen Punkten belohnt!

    • Auch ich finde „Voices“ einen der auffällig kompaktesten Beiträge. Klar, es handelt sich nicht gerade um eine ausgeklügelte, harmonisch interessante Komposition (wie zB „Amar pelos dois“ es war/ist), und ebenso der Text ist nicht gerade ein poetisches Meisterwerk. Dennoch hebt sich der Song mit Tusses Vortrag recht auffällig von den meisten anderen Liedern ab. Darum reiht sich „Voices“, neben „Discothèque“, „Shum“, „Sugar“, „10 Years“, „Tout l‘univers“, „Øve Os På Hinanden“, „Fallen Angel“ und „Tick-Tock“ vorest für mich unter die Favoriten ein.

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