ESC-Teilnehmerin Nora Nova im Alter von 93 Jahren gestorben

Nora Nova vertrat Deutschland 1964 beim Eurovision Song Contest bzw. dem damaligen Grand Prix Eurovision de la Chanson mit dem Lied „Man gewöhnt sich so schnell an das Schöne“. Nun ist die Sängerin am 9. Februar 2022 im Alter von 93 Jahren in Bulgarien gestorben.

In Bulgariens Hauptstadt Sofia wurde Nora Nova 1928 als Ahinora Kumanova geboren. Dort studierte sie auch Schauspiel, bevor sie 1960 nach West-Berlin ging. Ihren ersten Erfolg feierte sie bereits ein Jahr später mit „Du bist so lieb, wenn du lächelst, Chéri“: Das Lied landete auf Platz 4 bei den Deutschen Schlager-Festspielen. 1963 schaffte Nora Nova es mit der Single „Männer gibt’s wie Sand am Meer / Nora (Telefon aus St. Tropez)“ bis auf Platz 20 der Deutschen Singlecharts. Die A-Seite wurde später im Rahmen der Neuen Deutschen Welle von Ideal gecovert.

1964 nahm sie dann mit „Man gewöhnt sich so schnell an das Schöne“ an der deutschen Vorentscheidung „Ein Lied für Kopenhagen“ in Frankfurt teil, über die wir vergangenes Jahr schon einmal ausführlicher geschrieben haben. Dort konnte sie sich gegen fünf Konkurrentinnen und Konkurrenten durchsetzen. Geschrieben wurde „Man gewöhnt sich so schnell an das Schöne“ von Rudi von der Dovenmühle unter dem Pseudonym Rudi Lindt, getextet wurde das Lied von Nils Nobach unter dem Pseudonym Peter Ström.

Beim ESC 1964 in Kopenhagen lief es für Nora Nova dann leider nicht rund und sie landete am Ende mit – zum ersten Mal in der deutschen ESC-Geschichte – 0 Punkten auf einem geteilten 13. Platz. Dafür ist „Man gewöhnt sich so schnell an das Schöne“ bis heute das Lied mit dem längsten Titel in der ESC-Geschichte.

Nach dem ESC veröffentlichte Nora Nova zunächst noch eine Single, zog sich dann aber aus der Öffentlichkeit zurück. Privat war sie Gastronomin, Inhaberin einer Boutique und später auch Antiquitätenhändlerin. Ab 1989 lebte sie wieder in Bulgarien, wo sie gelegentlich öffentlich auftrat und zeitweise politisch engagiert war.

Ruhe in Frieden, Nora Nova.

19 Kommentare

  1. Ein sehr unterbewerteter Song, qualitativ sicher einer der besten, den wir je geschickt haben. RIP, Nora.

  2. Ich schließe mich an. Total unterbewertet. „Man gewöhnt sich so schnell an das Schöne“ hat Tempo und eine Art melancholischen Drive, der den Song in dem Umfeld einzigartig macht.

    • Ich finde ja, dass der Text eine Binse ist – aber halt trotzdem wahr:
      Man gewöhnt sich so schnell an das Schöne. Ist es vorbei, ist die Enttäuschung groß.

      Musikalisch mochte ich das immer. War vermutlich für 1963 eine Spur zu modern arrangiert.

  3. Auf ihrer Visitenkarte stand:

    Nora Nova

    Sängerin
    Schauspielerin
    Import / Export

    Meines Wissens war Nora Nova die erste Künstlerin aus Bulgarien, die am ESC teilgenommen hat.

  4. Danke, Benny, für diese Erinnerung on Nora Nova. Ich mag mich meinen Vorrednern anschließen: Der Song ist unterbewertet und – wie Porsteinn es toll formuliert – mit seinem „melancholischen Drive“ ein viel zu wenig gewürdigtes Juwel der deutschen Schlagerpop- und ESC-Geschichte. Alles Gute, Nora, wo immer Du jetzt bist.

  5. Ich mag ihren Beitrag auch sehr. Am geilsten finde ich aber „Nora (Telefon aus St. Tropez). Wäre ’ne coole Nummer für den Grand Prix gewesen.

  6. Danke für den Nachruf! Ich wusste gar nicht, dass „Männer gibt’s wie Sand am Meer“ im Original von Nora war. Kannte ich bisher nur von Ideal. Wieder was gelernt 🙂
    Ruhe in Frieden, Nora!

  7. Danke für den Nachruf! Definitiv interessant, etwas über sie zu erfahren, schließlich war sie wohl bis heute eine der unbekanntesten Künstler, die wir je zum Wettbewerb geschickt haben. Und die Platzierung hat sicherlich nicht gerade geholfen…
    „Man gewöhnt sich so schnell an das Schöne“ finde ich persönlich eher so mittelgar. Ganz nett, recht beschwinkt, und doch irgendwie leicht zu vergessen, weswegen ich die Punktzahl nachvollziehen kann. Wobei: So viel Brauchbares gab es in dem Jahr nun auch nicht, weswegen bei mir so um Platz 5 noch herumschwirrt.

    Ruhe in Frieden, Nora!

  8. Ruhe in Frieden, Nora Nova.
    Die null Punkte waren natürlich auch dem doofen Wertungssystem damals geschuldet, der Song vielleicht auch etwas zu revuehaft für den ESC und die eigentlichen Hitschlager hob man sich damals eh für die Schlagerfestspiele auf. Aber egal: Es ist ein toller Song. Blagodarja Nora!

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