Estland bleibt 2020 beim beliebten Vorentscheidsformat Eesti Laul

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Auch im kommenden Jahr vertraut Estland auf sein beliebtes Format zum Vorentscheid Eesti Laul: Wie der ausführende estnische nationale Rundfunk (ERR) in seiner Ausschreibung bekanntgibt, wird es neben einer internen Vorrunde, wieder zwei Halbfinale und ein Finale geben.

Die Halbfinale finden am 13. und 15. Februar statt, das Finale am 29. Februar 2020, ab 20:35 Uhr (MEZ).

Zwischen dem morgigen 1. September und dem 6. November um 12 Uhr kann jeder, der kein weiteres Lied für ein anderes ESC-Teilnehmerland einreicht, über die Internetseite des Senders bis zu fünf Beiträge hochladen. Weder Text noch Musik dürfen dabei vor dem 1. Dezember veröffentlicht oder öffentlich zugänglich gemacht werden. Musiker und Songschreiber, die nicht Staatsbürger oder Einwohner der Republik Estland sind, können in Kooperation mit estnischen Künstlern teilnehmen, solange sie diesen zahlenmäßig nicht überlegen sind. Der ERR behält sich allerdings hier das Recht vor, Ausnahmen von dieser Klausel machen zu können.

Die zu entrichtende Teilnahmegebühr schwankt zwischen 25 und 150 Euro, je nachdem wann der Beitrag eingereicht wird und in welcher Sprache dieser ist (die estnische Sprache wird finanziell bevorzugt).

Ablauf beim Eesti Laul 2020
Eine Jury wählt „blind“ aus den eingereichten Titeln insgesamt 24 (plus 2 sogenannte Reservelieder, falls eines der ausgewählten Lieder ersetzt werden muss) für die beiden Halbfinale aus. Die Mitglieder der Jury werden erst nach Bekanntgabe der Ergebnisse der Vorrunde veröffentlicht. Die Teilnehmer der beiden Halbfinale werden bis zum 22. November bekanntgegeben, ab dem 1. Dezember sollen die Beiträge dann veröffentlicht werden.

In beiden Halbfinalen, deren Startreihenfolge ERR festlegt, werden jeweils 12 Beiträge aufgeführt. In einer ersten Wertungsrunde wählen Jury und Zuschauer jeweils zu 50 Prozent vier Titel direkt in das Finale, in einer zweiten Wertungsrunde vergeben dann allein die Zuschauer noch 2 weitere Finaltickets. Im Finale wählen Jury und Zuschauer jeweils zu 50 Prozent die 3 Beiträge aus, die in das Superfinale einziehen. Dort bestimmen dann allein die Zuschauer schlussendlich den Sieger. Bei technischen Problemen wird nur die Wertung der Jury herangezogen, bei Punktegleichstand entscheiden die Stimmen der Zuschauer.

Bezüglich des kompletten Stagings (inklusive Kostüme, Frisuren und Inszenierung) behält sich der Sender das letzte Wort vor – die Inszenierung des Siegerlieds soll beim Eurovision Song Contest dann unverändert bleiben, es sei denn die Bühnenshow des Siegerlieds kann nicht gemäß der Eurovisions-Regeln verwendet werden. In dem Fall müssen die Autoren des Siegerliedes bis zum 3. März eine neue Inszenierung gemäß der Regeln einreichen. Im Gegenzug verpflichtet sich ERR mit Songwritern, Interpreten, Produzenten usw. zusammenzuarbeiten, um die Bedingungen für die Teilnahme am Eurovision Song Contest zu erfüllen und die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.

Estland beim ESC
Die estnische Vorentscheidung ist immer wieder für Überraschungen gut – egal ob Kaia Tamm in diesem Jahr „Wo sind die Katzen?“ fragte, Mick Pedaja 2016 in seinem sperrig-folklorischem Lied „Seis“ die Zuschauer in seine ganz eigene mystische Welt entführte oder im selben Jahr die Moderatoren den Auftritt der Vorjahressieger unterbrachen, um Stig und Elina zu zeigen, wie ihr Lied „Goodbye to Yesterday“ ihrer Meinung nach hätte sein sollen.

Trotzdem schied Estland beim ESC bisher schon 9 mal im Halbfinale aus. Dagegen stehen allerdings bei 26 Teilnahmen auch schon 10 Platzierungen unter den besten Zehn, 2001 konnten Tanel Padar, Dave Benton & 2 XL den Contest mit ihrem Lied „Everybody“ überraschend gewinnen.

In diesem Jahr versuchte es Stig Rästa zusammen mit dem gutaussehendem schwedischen Sänger Victor Crone erneut als Songschreiber beim Eesti Laul. Ihr Popsong „Storm“ begeisterte anfangs, entpuppte sich aber vor allem für die Jury schnell als laues Lüftchen und wäre so fast im Finale des Vorentscheids gescheitert.

Nicht nur die stimmliche Qualität des Sängers wurde zum Gesprächsthema, auch die 30-sekündige Sturmsequenz, in der der Sänger nicht mehr live auf der Bühne, sondern lediglich als zuvor aufgezeichnete Videoeinspielung zu sehen war, gab Anlass zu Diskussionen – auch in Tel Aviv.

Nichtsdestotrotz erreichte „Storm“ beim ESC in Israel für viele überraschend mit 198 Punkten den 4. Platz im ersten Halbfinale . Im Finale konnte Victor dann aber nur noch mit 76 Punkten Platz 20 belegen.

Was erwartet oder erhofft Ihr Euch vom Eesti Laul 2020?



17 Kommentare

  1. Der Eesti Laul gehört zu meinen Favoriten-Vorentscheiden und ich werde es zum vierten Mal mit allen Vorrunden verfolgen. Ich hoffe, dass wieder ein deutscher Song aka „Wo sind die Katzen?“ dabei ist.
    Meine Favoriten vom letzten Jahr höre ich immer noch: Hold Me Close, Little Baby El, Katzen, Follow Me Back und natürlich Storm.

  2. Immer mehr Länder geben Infos zu 2020 heraus. So nun auch Estland. Vielleicht sollten wir den NDR daran erinnern, dass der nächste ESC schon in Planung ist. Vielleicht gibt es dann auch Infos aus Deutschland.

    • Schreibemakers denkt erst 5 Minuten vor dem 16. Mai nach und wird sich vorher ausschließlich mit ausgeklügelten neuen Abstimmungsmodalitäten beschäftigen. Ach ja – auf den Resterampen der anderen europäischen Rundfunkanstalten wird er natürlich zu sehen sein.

  3. Finde ich super, daß Eesti Laul in die nächste Runde geht. Ich hoffe auch, daß die 24 Titel nicht nur musikalisch, sondern auch gesanglich einwandfrei sind. Vielleicht gibt es ja dann auch ein Wiedersehen mit großen Namen wie z. B. Kerli. Elina Born und Mick Pedaja gibt.

  4. Oh, ein als Eesti Laul-Update getarnter Victor Crone-Nachtretartikel vom Autoren. ^^ Der Victor muss da irgendeinen wunden Punkt in der Fancore-Seele getroffen haben …

    Und bis Oktober sind mir persönlich VÖ zum dt. Vorentscheid (oder VE-Verzicht) relativ egal. Kommen Fans anderer Länder auch mit klar.

    • Ich dachte eigentlich ich hätte das Thema um Herrn Crone sachlich dargestellt und meine eigene Meinung außen vorgelassen… 🤔

      Das sich der NDR bis dato noch nicht geäußert hat, empfinde ich persönlich nachvollziehbar. Gerade aber nach dem Wirbel in diesem Jahr, interessiert es wohl besonders, wie die Verantwortlichen mit der vorhandenen Kritik umgehen. Und manchmal ist die Zeit von Mai bis zum Jahreswechsel eben auch verdammt lang…

      • Jorge meinte wahrscheinlich, dass die (bis auf das „laue Lüftchen“) in der Tat sachliche Zusammenfassung der Victor-Crone-Story nicht unbedingt im Artikel stehen müssen hätte, aber Du hast auf jeden Fall auch positive Dinge erwähnt (Begeisterung am Anfang, vierter Platz im Semifinale).

        Völlig unabhängig davon ist der Artikel sehr interessant und informativ .- das doch nicht ganz unkomplexe VE-System Estlands habe ich darin bestens erklärt bekommen, vielen Dank! Schön, dass Du nun auch bei den ESC-Kompakt-Bloggern bist!

      • Das „.-“ nach dem Wort „informativ“ ist kein neuer Emoticon-Ersatz mit irgendeiner tiefgründigen Bedeutung, der Punkt vor dem Gedankenstrich gehört einfach nur weg.

      • Wenn man ein unterschwelliges (wenn auch sachlich formuliertes) Credo à la „der Song hätte nicht sein müssen“ mit der Eesti Laul-Ankündigung verknüpft, kommt dem Leser (oder mir) schonmal dieser Gedanke. Ansonsten – alles gut!

        Kommentar über den dt. VE bezog sich auf Kommentare, die am VÖ-Termin gerne ihre ErsatzKritik aufziehen möchten. Seh ich vielleicht auch deshalb so locker, weil ich die letzten 2 Veranstaltungen schon distanziert gesehen hatte.

  5. Ich würde mich freuen, wenn der Eesti Laul nächstes Jahr wieder ein bisschen mehr in Richtung der Qualität früherer Jahre geht. Besonders gerne erinnere ich mich da an 2016, für mich einer der besten VEs ever.

  6. Müssen wir uns Sorgen um Lettland machen? Nach derzeitigem Stand ist es noch nicht sicher, ob das baltische Land, das 2002 den ESC gewann, nächstes Jahr in Schlotterdam an den Start geht:

    https://escxtra.com/2019/09/04/latvia-participation-in-eurovision-2020-uncertain/

    Ich könnte es durchaus nachvollziehen, daß Lettland nächstes Jahr aussetzt, denn in diesem Jahrzehnt konnte es sich nur zweimal – 2015 und 2016 – für das Finale qualifizieren. Der wahre Grund ist aber – wie bei Bosnien-Herzegowina – das liebe Geld.

  7. Heute hat der seriöse Sender ERR die Teilnehmer des ersten und zweiten Halbfinals eingeteilt und das Ergebnis sieht so aus:

    https://eurovoix.com/2019/11/27/estonia-semi-final-split-eesti-laul-2020/

    Um Verwechslungen auszuschließen, wurden Inga und Inger getrennt. Erstere tritt im ersten und Letztere im zweiten Halbfinale an. In dem ist auch Augenweide Uku Suviste. Die Startreihenfolge für beide Halbfinals wird erst im nächsten Jahr bekanntgegeben, wahrscheinlich zwei Wochen vor dem ersten Halbfinale, das am 13. Februar steigt.

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