Nach unverhältnismäßiger Online-Werbung: EBU ermahnt israelischen Sender und erinnert an ESC-Regeln

Screenshot Voting-Aufruf Noam Bettan – Bild: X

Der größte Aufreger des Eurovision Song Contests im letzten Jahr war wohl das Voting im Finale. Bekanntlich hat Israel 2025 die meisten Punkte im Zuschauervoting erhalten, was in der Fan-Community und bei teilnehmenden Rundfunkanstalten für Unmut sorgte. Begründet wurde die Skepsis am Televoting-Ergebnis vor allem durch das vorherige, umfangreiche Schalten von Online-Werbung für die Vertreterin Yuval Raphael. Wiederholt sich die Kontroverse nun etwa?

Tatsächlich scheint das israelische Team auch für den diesjährigen israelischen Vertreter Noam Bettan die ESC-Regeln ausreizen zu wollen. Gestern erschien ein für viele YouTube-Nutzer sichtbares Werbevideo von Noam, in dem der Musiker zum Abstimmen aufgerufen hatte. Dieses ist offenbar vor allem vor oder während YouTube-Videos mit ESC-Bezug angezeigt worden.

Während Aufrufe zur generellen ESC-Unterstützung erlaubt sind, liegt das Problem der israelischen Promo in einem bestimmen Detail. Noam Bettan ruft in seinem Werbeclip dazu auf, alle verfügbaren 10 Stimmen, die eine Person pro Voting-Kanal hat, für Israel zu nutzen (siehe unten). Genau diese unverhältnismäßigen Aufrufe, die zu Massen-Votings animieren, wurden von der EBU in diesem Jahr jedoch ausdrücklich verboten.

Im Dezember hatte die EBU neue Regeln zum Voting verkündet, nachdem es durch das 2025er Voting so viele Beschwerden gegeben hatte. Um möglichst viele Länder von einem ESC-Rückzug abzuhalten, wurde „unverhältnismäßige Werbung“ ausdrücklich verboten. Auch das Steuern dieser Werbung von dritten, koordinierten Organisationen ist nicht mehr erlaubt. Damit soll vor allem verhindert werden, dass Marketingkampagnen die musikalischen Darbietungen des Wettbewerbs in den Schatten stellen.

Da Noam Bettan mit diesen Werbeclips, die wohl in 13 verschiedenen Sprachen geschalten wurden, gegen die offiziellen Regeln verstößt, wurde der zuständige Sender KAN nun von der EBU verwarnt. Der israelische Sender beteuert zwar, dass die Clips von Noam Bettan selbst und nicht von Dritten koordiniert und finanziert wurden. Doch die Art des Votingaufrufs ist dennoch nicht erlaubt, was die EBU wie folgt kommentiert:

„Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, dass Videos veröffentlicht und verbreitet worden waren, in denen der Künstler, der KAN vertritt, dazu aufrief, zehnmal für Israel abzustimmen. Innerhalb von 20 Minuten nahmen wir Kontakt mit der israelischen Delegation auf und forderten sie auf, die Verbreitung dieser Videos unverzüglich einzustellen und sie von allen Plattformen zu entfernen, auf denen sie veröffentlicht worden waren. Diesem Verlangen kamen sie nach.

(…) ein direkter Aufruf, die zehn verfügbaren Stimmen ausschließlich für einen einzelnen Künstler oder Titel abzugeben, steht zudem weder im Einklang mit unseren Regeln noch mit dem Geist des Wettbewerbs.

Wir haben eine formelle Verwarnung an KAN ausgesprochen; wir werden deren Werbeaktivitäten weiterhin genau beobachten und bei Bedarf entsprechende Maßnahmen ergreifen.“

Die EBU macht also ernst und droht an, bei weiteren Vergehen „entsprechende Maßnahmen“ zu ergreifen. Inzwischen sind die israelischen Promoclips tatsächlich verschwunden. ESC-Direktor Martin Green hat nun angekündigt, die Werbekampagnen und Promoaktivitäten aller 35 Teilnehmenden genauestens zu beobachten.

Wie findest du das EBU-Statement? Können solche Voting-Aufrufe deiner Meinung nach tatsächlich das Ergebnis verfälschen? Lass uns deine Meinung gerne da.



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319 Comments
Bertha21
Bertha21
2 Monate zuvor

Auf die Absage der Abstimmung bzgl. Ausschluss gab es natürlich mehrere mögliche Reaktionen seitens Israel. Eine wäre gewesen zu dem Schluss zu kommen, sich innerhalb der Regeln zu bewegen. Eine andere, zu entscheiden, dass die Regeln für einen selbst nicht gelten, denn aus verschiedenen Gründen wird es ohnehin keine Konsequenzen geben. Ich bin nicht überrascht für welche Möglichkeit sich Israel entschieden hat.

Tim S.
Tim S.
2 Monate zuvor

Ich sag dazu nichts mehr!

Matty
Matty
2 Monate zuvor

Noam Bettan im offiziellen ESC-Podcast:

https://youtu.be/2-jWg1e8GNs?is=WL0n22q0CAfMBpc0

Anni 🕳️🕳️🕳️
Anni 🕳️🕳️🕳️
2 Monate zuvor

Recht und Regeln, alles relativ, je nach Auslegung und Standpunkt

Von mir aus kann dieser post gelöscht werden, weil er ein Video verlinkt vom Kanal Israel National News, aber ich finde es interessant mal sowas anzuhören, bin heute zufällig drauf gestoßen

Marko +++
Marko +++
2 Monate zuvor

Video von 17.12.2023.

Tobiz
Mitglied
Tobiz
2 Monate zuvor

Furchtbare Frau. Die ist so hasserfüllt.

Zeppelin
Zeppelin
2 Monate zuvor

Ich mag den Song ! Aber ich lach mich scheckig wenn Israel im public Voting 1er wird und Finnland den Sieg streitig macht . Denn ich sehs kommen. Zweikampf Israel Finnland / Sieger knapp Finnland hauchdünn vor Israel.

Alex John
Alex John
2 Monate zuvor

Die New York Times hat die spanischen Televoting-Prozentsätze aus dem Eurovision 2025 Grand Final erhalten.

Israel erhielt etwa ein Drittel der Televotes. Laut der NYT hätte es „nur ein paar hundert Menschen gebraucht, die massenhaft abgestimmt hätten, um den Sieg [Israels] zu sichern.“

https://archive.is/fPQdo

Marko +++
Marko +++
2 Monate zuvor
Reply to  Alex John

Und sogar weniger wegen die 20x Anruf + 20x SMS + 20x Kreditkarte = 60 Stimmen pro Person.

Was sich deckt mit der Beobachtung aus NL, dass für Israel dauerhaft auf einer niedrigen Ebene abgestimmt wurde und für andere Länder immer unmittelbar nach dem Auftritt und nach den letzten Song.

Könnte dieses Jahr wieder passieren. Hier war der Vorentscheid in Bulgarien einen Testlauf für Digame, weil dort nur 1 Stimme pro IP-adresse erlaubt war.
Laut meine IT-Leute sendet die Eurovision-App mehr Daten, darunter Anrufnummer, Kreditkartennummer, IP-Adresse, Gerätenummer. Mal sehen ob es eine Mitteilung geben wird ob Stimmen ungültig erklärt werden.

Last edited 2 Monate zuvor by Marko +++
cc.cc
cc.cc
2 Monate zuvor
Reply to  Marko +++

Aus der offiziellen FAQ:

Personal data is not shared across different voting channels. This means it is not feasible to determine whether the same individual has voted via multiple methods, such as both SMS and online.

https://www.eurovision.com/newsroom/release/may-we-have-your-votes-please-everything-you-need-to-know-about-how-the-eurovision-song-contest-voting-system-works/

Marko +++
Marko +++
2 Monate zuvor
Reply to  cc.cc

Schlüsselwort ist different. Ich habe mich bezogen auf den App.

Last edited 2 Monate zuvor by Marko +++
dunefan5000
dunefan5000
2 Monate zuvor

Ich finde man unterschätzt das Publikum. Wenn der Song mir nicht gefällt, dann rufe ich dafür auch nicht an, egal wie oft dazu aufgerufen wird. Schließlich kostet der Anruf ja auch Geld. Also man unterschätzt da das Publikum. Man könnte ja allgemein ein Aufruf für alle Teilnehmenden Künstler starten, anzurufen.

4porcelli - give The 🦦 what he needs
4porcelli - give The 🦦 what he needs
2 Monate zuvor
Reply to  dunefan5000

Mach ich auch so aber andere Gruppen sehen das anders. Ich denk nur a die dauernden Punkte von uns für die Türkei damals, völlig unabhängig vom Genre.

David
David
2 Monate zuvor
Reply to  dunefan5000

Es wurden gerade die Zahlen des spanischen Televotings von 2025 veröffentlicht. Israel hat unter 25 Teilnehmenden 33% (!) aller Stimmen erhalten.

Da kann doch wirklich Niemand erzählen, der Song hätte einfach sooooo gut gefallen, besser als jeder andere Song in der ESC-Geschichte. Völlig unabhängig davon ob das jetzt durch politisches Voting oder Manipulation zustande kommt, dieser Zustand schadet dem Wettbewerb massiv.

Uwe72
Uwe72
2 Monate zuvor
Reply to  David

Noch deutlicher wird es, wenn man dazu erwähnt, dass Platz 2 des spanischen Televotings 6,7 % hatte. Oder in absoluten Zahlen: 47.570 Stimmen für Israel, 9620 für die Ukraine, der Rest dann 4-8.000.
Der israelische Beitrag war ok. Kann der das Publikumsvoting in Spanien gewinnen? Klar. Aber mit so einem Abstand? Bei aller Liebe….

cc.cc
cc.cc
2 Monate zuvor
Reply to  David

die ukrainische diaspora in spanien ist nach belegten zahlen mindestens 300’000. die diaspora des televote-siegers ist ungefähr 50’000.

und der ukrainische song war jetzt auch nicht unbeliebt…
trotzdem hat die ukraine nur ein fünftel der stimmen gekriegt. bei 6-facher vertretung im land.

In Vinci
In Vinci
2 Monate zuvor
Reply to  cc.cc

Der zweite Platz der Ukraine also Ziferblat im Vorjahr, ist übrigens auch ein Song den man immer unter der Dusche singt….vielleicht lag da das gute Ergebnis auch nicht rein am Songmaterial….

cc.cc
cc.cc
2 Monate zuvor
Reply to  In Vinci

Ich mag den Song überhaupt nicht, aber er hat seinen Platz bei den Fans gefunden. Und dein Argument funktioniert nicht. Wenn die Ukraine eigentlich weniger Votes hätte kriegen sollen, verstärkt das nur die proportionale Differenz.

Ihr habt auch immer das Gefühl, wenn andere Länder sich so verhalten würden, hätten wir damit kein Problem. Weils halt einfacher ist alles mit Antisemitismus zu erklären. Wenn die Ukraine mit einer Werbekampagne zum Schummeln aufruft können wir sie gerne auch ausschliessen.

Last edited 2 Monate zuvor by cc.cc
In Vinci
In Vinci
2 Monate zuvor
Reply to  cc.cc

Na dann raus mit Malta!

Alex John
Alex John
2 Monate zuvor

Ynet berichtet, dass die EBU einen Vorschlag diskutiert hat, Israel vom Hauptwettbewerb des europäischen Contests in den Eurovision Asia zu verlegen, der im November dieses Jahres debütieren soll.

Der Vorschlag stößt auf teilweisen Widerstand von Sendern, die ihre Teilnahme bereits bestätigt haben.

Der Artikel enthüllt auch eine neue Regel: Sender, die am ESC teilnehmen, dürfen nicht am Eurovision Asia teilnehmen.

Es bleibt unklar, ob ein anderer Sender aus demselben Land teilnehmen darf, da eine EBU-Mitgliedschaft für Teilnehmer am Eurovision Asia nicht erforderlich ist.

https://www.ynet.co.il/entertainment/article/ryr0vz1kzl

togravus ceterum
Mitglied
togravus ceterum
2 Monate zuvor

Das Schöne ist ja, dass die ganzen Idioten irgendwann wieder weg sind, unser Alki Bernd aber bleibt. 😊

Marko +++
Marko +++
2 Monate zuvor

Alki Bernd lockert viele Kommentaren auf 😉

Alki Bernd
Alki Bernd
2 Monate zuvor

Muss ich mir noch überlegen

Alki Bernd
Alki Bernd
2 Monate zuvor

Was willst Du damit sagen? Nur unser Hausidiot bleibt hier? Na, warte ! 😉