
Nach dem Abschied des sehr sichtbaren Martin Österdahl vom Posten des Executive Producers des ESC, hat diese Aufgabe im Oktober geradezu geräuschlos der Este Gert Kark übernommen. Das heißt nicht, dass er weniger intensiv an der Ausgestaltung des Wettbewerbs arbeiten würde. In einem ausführlichen Interview mit dem estnischen Rundfunk ERR sprach er nun über die neue Regel für Live-Instrumente, seine ersten Monate im Amt, Gastgeber Bulgarien – und erklärte, warum Russland für ihn keine Zukunft beim ESC hat.
In Sachen Live-Instrumente beim ESC räumt Gert Kark auch direkt mit einem Missverständnis auf. Während in Fankreisen und den sozialen Medien darüber diskutiert wurde, ob für Finnland und Linda Lampenius in Sachen Live-Geige eine Ausnahme beim ESC in Wien gemacht worden sei, stellt er klar: Das Gegenteil war der Fall.
„Eigentlich bin ich hinter dem ,Skandal‘ um Finnlands live gespielte Geige verantwortlich“, sagt er im Interview. Die Möglichkeit sei durch eine neue Regel ausdrücklich geschaffen worden. Viele Delegationen hätten die Änderung schlicht nicht aufmerksam genug gelesen. „Ich bin sehr glücklich, dass sie ihre Geige spielen durften.“
Auch jetzt, kurz nach dem Wiener ESC, arbeitet der Este schon wieder am Regelwerk für den Wettbewerb im nächsten Jahr. Dieses umfasse inzwischen rund 300 Seiten und werde jedes Jahr angepasst. „Es scheint vielleicht so, als blieben die Regeln immer gleich, aber tatsächlich gibt es jedes Jahr viele Änderungen – je nachdem, was im Vorjahr passiert ist oder eben nicht passiert ist.“
Eine weitere Änderung beim ESC geht ebenfalls auf Gert Kark zurück. Während früher kurz vor Beginn der Punktevergabe der Executive Producer vor die Kameras trat und bestätigte, dass das Voting ordnungsgemäß verlaufen sei, wurde dieser Moment in Wien gestrichen. Der Grund ist denkbar einfach: Kark möchte selbst gar nicht Teil der Show werden, sondern lieber eine unbekannte Person bleiben (und sicher nicht wie seinerzeit Martin Österdahl in Malmö ausgebuht werden).

Dieser Wunsch passt durchaus auch zu seinem ungewöhnlichen Werdegang. Gert Kark wollte ursprünglich Schauspieler werden und arbeitete nach gescheiterten Aufnahmeprüfungen zunächst an estnischen Theatern. Später wechselte er zum estnischen Fernsehen, wo er erst am Empfang arbeitete, bevor er als Produktionsadministrator und schließlich als Regisseur tätig wurde. Über den Junior Eurovision Song Contest kam er schließlich zur EBU. Dort arbeitet er inzwischen seit zehn Jahren.
Auf den ESC in Wien, seinen ersten als Executive Producer, schaut er äußerst positiv zurück. Die Zusammenarbeit mit dem ORF und dem österreichischen Team lobt er ausdrücklich. „Ich glaube nicht, dass ich jemals mit einem Team gearbeitet habe, mit dem wir so dieselbe Denkweise hatten wie mit den Österreichern.“
Die nächste Herausforderung wartet allerdings bereits. Nach dem Sieg von DARA wird Bulgarien den Eurovision Song Contest 2027 ausrichten. Mitte Juni reist Gert Kark erstmals zu Gesprächen mit dem Gastgeberland. Zwar verfüge der bulgarische Sender über keine Erfahrung als Ausrichter eines ESC (allerdings richtete das Land den Junior ESC 2015 aus, Anm. d. Red.) , viele Beteiligte kenne er jedoch bereits aus früheren Jahren. Besonders freut ihn, dass der Wettbewerb wieder stärker Richtung Osteuropa wandert.

In dem Interview werden auch die großen politischen Themen rund um den ESC angesprochen: Israel und Russland. Während er sich zur Debatte um Israels ESC-Teilnahme zurückhält, wird er bei Russland umso deutlicher. Eine Rückkehr sieht er derzeit nicht. „Der russische Sender ist kein Mitglied der EBU mehr. Er wurde ausgeschlossen. Deshalb lautet die Antwort definitiv nein – natürlich werden sie nicht zurückkommen.“ Gleichzeitig ist er aber auch froh, dass er diese Entscheidungen nicht fällen muss: „Was mich betrifft, muss ich mich glücklicherweise überhaupt nicht mit Politik beschäftigen. Ich arbeite mit denen zusammen, die mir zugeteilt werden.“
Bei all der langen und intensiven Arbeit von Gert Kark für die EBU und den (J)ESC überrascht seine Aussage, dass er kein klassischer Fan des Wettbewerbs sei, womit er sich von vielen anderen Verantwortlichen unterscheide, die aus der ESC-Fanszene stammen. „Ich war nie Eurovision-Fan und bin es auch heute nicht“, sagt er offen im Interview. Für ihn sei der Wettbewerb vor allem eine Fernsehsendung und eine große Produktionsaufgabe. Freie Zeit nutze er deshalb gern für Theaterprojekte oder andere Fernsehformate.
War Dir bewusst, dass für das Spielen der Live-Geige in Wien gar keine Ausnahmeregelung vorgenommen werden musste? Wie bewertest Du ansonsten das Agieren von Gert Kark als Executive Producer des ESC im Hintergrund? Und überrascht es Dich, dass er gar kein Fan des Wettbewerbs ist? Lass uns Deine Meinung in den Kommentaren da.
Entdecke mehr von ESC kompakt
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.



Die cleveren Finnen scheinen die Einzigen gewesen zu sein, die sich das Regelwerk zu Gemüte geführt haben.
🎻🇫🇮🔥
Tampere 2028!
Gert Kark ist nicht Executive Producer der EBU, sondern Executive Supervisor. Martin Österdahl hatte ebenfalls die Bezeichnung.
Im Artikel des estnischen Rundfunks ist von „Head Producer“ die Rede. Aber es stimmt, dass Martin Österdahl Executive Supervisor war.
https://news.err.ee/1610038996/head-producer-of-eurovision-russia-will-definitely-not-return
Das ist falsch.
Erst prüfen, dann meckern! 🙄
Douze Points hat recht:
„Im Sommer 2025 gab die EBU bekannt, dass der seit 2021 amtierende Executive Supervisor des ESC, Martin Österdahl, vor Ablauf seines Vertrags von seinem Amt zurücktritt und dass die Position nicht neu besetzt wird.[15] Der Executive Supervisor war bis einschließlich 2024 der oberste hauptamtliche ESC-Funktionär der EBU und für die Überwachung aller Prozesse verantwortlich. Bereits zum ESC 2025 war zusätzlich die neue Position des ESC-Direktors geschaffen und mit Martin Green besetzt worden. Dieser trägt nun die Gesamtverantwortung für den ESC und repräsentiert diesen nach außen. Anstatt der Position des Executive Supervisors wird nun Gert Kark als Executive Producer geführt.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Eurovision_Song_Contest_2026
Typisch Besserwisser dieser M..
Ich hab gedacht, es gibt keinen Executive Producer bzw. Supervisor mehr und dass die Rolle durch den Director (also Martin Green) ersetzt wurde.
Es wäre mal interessant, die Aufschlüsselung zu sehen, wie genau die EBU diese ganzen Rollen definiert.
Gert Kark: „Ich war nie Eurovision-Fan und bin es auch heute nicht“
Ich glaube es tut dem ESC insgesamt sehr gut, mal einen „Chef“ zu bekommen, der dem Wettbewerb pragmatisch interessiert und unter’m Strich neutral gegenüber steht. 😀
Denn was der ESC seit vielen Jahren braucht ist ein Vermittler, der alle ESC-Interessen, welche von Fans (m/w/d), Künstler (m/w/d), den nationalen Rundfunkanstalten sowie den nationalen Head of Delegations (m/w/d) geäußert werden so unter einen Hut gebracht werden, dass niemand bevorzugt und gleichzeitig auch niemanden vor den Kopf gestoßen wird. 😀
Ich traue Gert Kark diese schwierige Aufgabe nach meinem ersten gewonnenen Eindruck von ihm durchaus zu. 😀
Gert hat zudem die Haare schön.☺️
Die hatte Martin Österdahl auch schön. Nur hat’s halt dem ESC leider nichts gebracht. 😀
Aha
Ich stelle eines fest: Deine Begeisterung kennt keine Grenzen. 😀
Ich muss mich dazu erst sammeln werde mich später noch offenbaren.