Slowenien beim ESC 2026: Teilnahme hängt jetzt offiziell von Israels Zulassung ab

Bild: Alma Bengtsson/EBU

Die Diskussion um eine mögliche Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest 2026 in Wien sorgt weiter für Spannungen. Nachdem die EBU in einem Schreiben an ihre Mitgliedssender die entsprechende Abstimmung für November angekündigt hatte, verschärft Slowenien nun seinen Ton: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk RTV Slovenija stellte am gestrigen Freitag in einer offiziellen Stellungnahme klar, dass man im Falle einer israelischen Teilnahme nicht beim ESC 2026 antreten werde.

Das Statement wurde zunächst vom Eurovision-News-Portal Eurovoix veröffentlicht. Auch die Website von RTVSLO bezieht sich am Samstagmorgen auf diese Quelle.

Das Statement wird bei Eurovoix wie folgt zitiert:

„Eurovision ist ein Projekt des Friedens, der Gleichheit und des Respekts unter den Nationen.

Wenn Israel weiterhin zu den teilnehmenden Ländern gehört, wird RTV Slovenija nicht am Eurovision Song Contest 2026 teilnehmen.

Als öffentlich-rechtlicher Sender mit einer wichtigen öffentlichen Mission betont RTV Slovenija, dass die grundlegenden Prinzipien des öffentlichen Rundfunks unvereinbar sind mit dem schweren menschlichen Leid, der Unterdrückung freier Medien und dem Missbrauch kultureller Veranstaltungen für politische Zwecke, wie wir es in den vergangenen Jahren erlebt haben.

Seit 69 Jahren verfolgt die Eurovision das Ziel, Nationen durch Musik zusammenzubringen und Brücken im Schatten von Kriegen und Spaltungen zu bauen. Ihre Werte basieren auf Frieden, Gleichheit und Respekt. Angesichts der verheerenden Situation in Gaza stellt RTV Slovenija infrage, ob Israels Teilnahme mit diesen Werten vereinbar ist. Es ist entscheidend, dass für alle teilnehmenden Länder dieselben Regeln gelten.

Gleichzeitig äußern wir als öffentlich-rechtliches Medium tiefe Besorgnis über die gezielte Behinderung unabhängiger Berichterstattung und den Tod von mehr als 200 Journalist:innen. Wir stehen zudem an der Seite der Familien in Israel, die noch immer auf die Rückkehr ihrer Angehörigen warten, ebenso wie an der Seite all jener, die sich für Frieden einsetzen.

Sollte die Entscheidung über Israels Teilnahme revidiert werden, ist RTV Slovenija bereit, wieder an dem Wettbewerb teilzunehmen.“

Dass Slowenien eine israelische ESC-Teilnahme kritisch sieht, ist bereits seit einigen Wochen bekannt. Neben politischen Fragen spielten dabei auch Zweifel an der Transparenz des Televotings beim ESC 2025 in Basel eine Rolle, bei dem Israel ungewöhnlich hohe Stimmenanteile beim Televoting erhielt. Zudem kritisierte RTV Slovenija wiederholt den Umgang der EBU mit kleineren Rundfunkanstalten.

Das aktuelle Statement ist also politischer und meinungsstärker als bisherige Veröffentlichungen. RTV Slovenija äußerte auch Solidarität: sowohl mit den Familien in Israel, die weiterhin auf die Rückkehr verschleppter Angehöriger warten, als auch mit den Menschen im Gazastreifen. „Es ist entscheidend, dass dieselben Regeln für alle teilnehmenden Länder gelten“, betont der Sender.

Ob Israel in Wien antreten darf, wird die EBU-Mitgliederversammlung im November entscheiden. Neben Slowenien haben auch Irland, die Niederlande, Island und Spanien einen Boykott für den Fall angekündigt, dass Israel zugelassen wird. Damit hängt die Teilnahme mehrerer Länder am ESC 2026 unmittelbar von dieser Entscheidung ab.

Beim ESC 2025 in Basel wurde Slowenien von Klemen (Aufmacherbild) vertreten. Der Sänger konnte sich aber nicht für das Finale qualifizieren.

Wie bewertest Du die klaren Worte aus Slowenien? Glaubst Du, dass noch weitere Rundfunkanstalten in dieser Deutlichkeit nachziehen werden? Lass uns Deine Meinung gerne in den Kommentaren da, wenn Du Dir bewusst machst, dass der Ton die Musik macht. 



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Alkibernd
Alkibernd
6 Monate zuvor

Auch andere Flottillen-Mitglieder kritisierten queere Menschen für die Teilnahme an der Aktion, etwa die Aktivistin Mariem Meftah oder der TV-Moderator Samir Elwafi. Sie sprachen von einer „roten Linie“, die überschritten worden sei. „Homosexualität ist Privatsache“, sagte etwa Meftah auf Facebook und behauptete, die „LGBTQ+-Agenda“ sei mit islamischen Überzeugungen nicht vereinbar. Diese dürfe nicht mit der „palästinensischen Sache“ vermischt werden.

Das ist in der „queer“ zu lesen. Es sollte schon klar sein, wo der Feind ist

Marko +++
Marko +++
6 Monate zuvor
Reply to  Alkibernd

Oder wie man bei uns sagt: Zu faul sich ein richtigen Job zu suchen.

Teufelchen
Teufelchen
6 Monate zuvor

Das Dumme ist, KANs Position gegenüber der Rechtsextremen israelischen Regierung würde durch eine Nichtteilnahme geschwächt. Netanjahu könnte das zum Anlass nehmen, Einfluss auf (noch) freie israelische Medien auszuüben.

Israels demokratisches Gewand bröckelt immer mehr. Schlimm, dass diese Rechtsradikalen in der Regierung mehr oder weniger frei gewählt wurden.

(Uns wird das bald ähnlich passieren. Die Dummheit der Menschen ist halt unendlich.)

Teufelchen
Teufelchen
6 Monate zuvor

Das Blöde ist, KANs Position gegenüber der Rechtsextremen israelischen Regierung würde durch eine Nichtteilnahme geschwächt. Netanjahu könnte das zum Anlass nehmen, Einfluss auf (noch) freie israelische Medien auszuüben.

Israels demokratisches Gewand bröckelt immer mehr. Schlimm, dass diese Rechtsradikalen in der Regierung mehr oder weniger frei gewählt wurden.

(Uns wird das bald ähnlich passieren. Die Dummheit der Menschen ist halt unendlich.)

togravus ceterum
Mitglied
togravus ceterum
6 Monate zuvor
Reply to  Teufelchen

Die Dummheit der Menschen ist halt unendlich.

Das ist leider die einzige Lehre, die man aus der Menschheitsgeschichte ziehen kann. Die paar guten Menschen geraten ständig unter die Räder, weil die Bösen die Dummen aufhetzen.

Dascha
Dascha
6 Monate zuvor

Dänemark wird nicht für den Ausschluss stimmen – eine weitere Stimme der Vernunft!

https://www.dr.dk/nyheder/seneste/dr-vil-ikke-stemme-israel-ud-af-eurovision

elkracho
Mitglied
elkracho
6 Monate zuvor
Reply to  Dascha

Hoffen wir es mal.
Aber bin sehr zuversichtlich.
Denn bereits Otto wusste: „Dänen lügen nicht“ .

Dascha
Dascha
6 Monate zuvor
Reply to  elkracho

Ich vermute, dass es unter den europäischen Sendern keine Mehrheit für einen Ausschluss geben wird. Wenn allerdings nordafrikanische bzw. arabische Sender auch abstimmen dürfen, dann sieht die Lage vielleicht ganz anders aus. Reicht eigentlich eine einfache Mehrheit oder braucht es eine absolute Mehrheit?

elkracho
Mitglied
elkracho
6 Monate zuvor
Reply to  Dascha

Meines Wissens einfache Mehrheit.
Aber da müssten noch mehrLänder kommen.
Mit Libanon & Co dürfte es nicht reichen.

Dascha
Dascha
6 Monate zuvor
Reply to  elkracho

Bei einer einfachen Mehrheit würden bei der Frage „Soll Kan beim ESC 2026 dabei sein?“ schon mehr Nein-Stimmen als Ja-Stimmen ausreichen, und Enthaltungen wären quasi wertlos.

Matty
Matty
6 Monate zuvor