Advent der besten ESC-Momente (5): Platz 20 – Der „Deutsche-Siege-Verhinderer“

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Wir haben Euch im letzten Monat nach Euren ESC-Lieblingsmomenten gefragt. Momente, die Euch berührt haben, Momente die Euch ausflippen und zum ESC-Fan haben werden lassen. Einen lieben Dank an dieser Stelle an alle die dabei mitgemacht und so insgesamt 224 unterschiedliche ESC-Momente in die Auswahl gebracht haben. Diese haben wir ausgewertet und präsentieren Euch nun Eure liebsten 20 Momente – jeden Tag einen neuen. Bis Heiligabend!

 

Platz 20: Johnny Logan „Hold me now“ (33 Punkte)

Also… eigentlich … ja eigentlich dürften wir unseren Lieblings-Schmalzballaden Sänger aus Irland ja nichtmal mögen. 1980 trat er das erste mal beim Eurovision Song Contest an und schnappte der damaligen Favoritin Katja Ebstein („Theater“) die Trophäe vor der Nase weg.

1987 trat er abermals an: „Hold me now“ stammte aus seiner eigenen Feder (arrangiert übrigens von Bill Whelan, der sieben Jahre später nochmal für Aufsehen sorgen sollte). Das Lied hatte Johnny Logan für seine Frau geschrieben. Obwohl seine Ehe wenige Tage zuvor zerbrochen war, trat er mit der Ballade in Brüssel im jungfräulich weißen Anzug auf die spacige Bühne und schmetterte mal gedankenverloren, mal in die Knie gehend-energisch seinen Schmachtfetzen über die Sehnsucht zum Ex-Partner.

„From now on you’ll be with someone else instead of me. So tonight… let’s build this memory. For the last time… Hold me now!“

Das Leben schreibt manchmal die skurrilsten Geschichten.

 

Für Deutschland starteten wiederum die unglücklichen Zweitplatzierten Wind von 1985. Diesmal hatten Ralph Siegel und Bernd Meinunger der Gruppe den locker-flockig leichten Reggaesong „Lass die Sonne in dein Herz“ mitgegeben. Als Favoriten und samt Schulterpolstern wippten Wind gutgelaunt im Takt hin und her und hatten als Luftgitarre-spielenden Backgroundsänger sogar einen zukünftigen Megastar und Sexidol mit auf der Bühne (Rob Pilatus, der schon ein Jahr später mit Milli Vanilli weltweite Erfolge feierte – hättet Ihr es erkannt?).

Doch auch diesmal blieb für Wind wieder nur der zweite Platz. Johnny Logan berührte die Jurys, die schließlich reihenweise die Höchstwertung zogen (insgesamt 8 mal, Wind erhielten die begehrten 12 Punkte nur aus Island und Dänemark).

Nachdem Logan gewonnen hatte, rief er in Anspielung auf seinen früheren Sieg: „I still love you, Ireland“. Bei der Siegerperformance konnte er gar, von seinen Emotionen überwältigt, die hohen Töne kaum noch singen.

Das stand dem Erfolg des Titels aber nicht im Weg – ganz im Gegenteil. „Hold me now“ wurde ein europaweiter Hit, erreichte unter anderem in Irland und Großbritannien, der Schweiz und Österreich höchste Chartplatzierungen und schaffte es auch in Deutschland bis auf Platz 2 der Verkaufscharts.

1992 schrieb Johnny Logan abermals den irischen Beitrag für den ESC. Mit „Why me?“ siegte Linda Martin ebenfalls und holte den mittlerweile schon vierten Sieg Irlands – und den dritten an dem Johnny Logan irgendwie beteiligt war. Chapeau!

Heute lebt der mittlerweile 65-jährige Johnny Logan lustigerweise in Deutschland (in Hofolding südöstlich von München). Und das ist gut so, denn wirklich böse waren wir ihm je sowieso nie.

 

Die bisherigen Adventstürchen findet Ihr übrigens hier:
Teil 1 – Die frühen Jahre (1956 bis 1999)
Teil 2 – Alles Neu? Die Jahre 2000 bis 2019
Teil 3 – Das große Drumrum (Openings & Interval-Acts)
Teil 4 – Und bei uns so? Deutsche Beiträge


35 Kommentare

  1. Erst mal ein (advents)kränzlein an @manu. Die neue serie find ich echt interessant und gut gemacht. Man merkt richtig, das er für den esc brennt und passt vom schreibstil her bestens ins esc-kompakt team.
    Das da rob pilatus im background war hab ich echt noch nie gehört. Allerdings assoziiere ich mit im nicht „sexidol und superstar“ sondern eher der „luftgitarre spielende backgroundsänger“

  2. Jonny Logan fand ich schrecklich, aber Wind mit „Lass die Sonne in Dein Herz“ auch. Mein Favorit war damals Italien. Den Song höre ich heute noch sehr gerne.

  3. Es gab ja noch jemand, der den Sieg Deutschlands verhinderte: die Schweiz! Die hatte 1981 mit ihrer Wertung Großbritannien zum Sieg verholfen!

    • Da hast du recht, matty. Das hat damals auch bei uns für viel aufsehen gesorgt im damals noch rauschenden blätterwald. Die deutschen( d schwobe, die vom grosse kanton)waren sehr unbeliebt damals und das voting eher als politisches statement betrachtet.
      Das hat sich übrigens stark geändert. Die stimmung ist mittlerweile, auch durch die grosse, deutsche zuwanderung, sehr deutsch-freundlich

      • Wieso war Deutschland in der Schweiz unbeliebt und warum hat Österreich 1982 uns nureinen Punkt gegeben?

  4. @Matty
    Es könnte u. a. mit unserer Geschichte zu tun haben, der 2. Weltkrieg war halt in vielen Köpfen doch noch recht präsent. Das ist aber nur eine Vermutung, andere Länder u. a. die Niederlande waren, so weit ich weiss, auch nicht gut auf uns zu sprechen.

    • Na ja, das hatte in diesem Fall hatte das wohl eher weniger mit dem 2. Weltkrieg zu tun: Die Österreicher haben ja begeistert mitgemacht und auch heute ist die Politik dort erstaunlich rechts. Das gilt auch für die Schweiz, die zudem die Grenze für jüdische Flüchtlinge dichtgemacht hat, aber deren Geld gerne genommen und in vielen Fällen auch Jahrzehnte später nicht an die Menschen bzw. deren Erben rausgerückt hat. War glaub ich eher eine generelle Antipathie gegen den „großen Bruder“ D; die wenigen Punke aus den beiden Ländern waren ja immer so vorhersehbar wie heute die 12 Punkte aus Belarus und Azerbaijan.

      • Das waren doch damals alles nur Entscheidungen von ein paar Jury-Hanseln.
        Hätte es damals schon Televote gegeben, wäre das Ergebnis ein völlig anders.

      • Das kann ich mir gut vorstellen; schließlich waren Ebstein, Valaitis u.ä. Auch in A und deutsch-CH Stars; die Juroren standen allerdings meist zu D wie AZE zu ARM. Putzigerweise war die Schweizer Jury meine ich eine der wenigen, die Punkte für s!stärZ hatten.

      • Tststs, das hat garantiert nichts damit zu tun. Eher damit, das deutschland damals als ziemlich überheblich, grosskotzig und so wahrgenommen wurde. Ich kann das sagen weil ich selber so ein „schwobe-bueb“war

      • @Rainer
        das gilt vielleicht für die Schweiz, aber Nicole hätte niemals nur einen Punkt aus AT vom Publikum bekommen. Trotz damals noch weiter verbreiteten „Minderwertigkeitskomplexen“ gegenüber Deutschland.
        Behaupte ich mal so als österreichischer Hobby-Psychoanalytiker 🙂

  5. Fun Fact: Johnny Logan und Alexander Rybak haben am gleichen Tag Geburtstag!

    Als ich mir vor ein paar Jahren eine Zusammenfassung aller Sieger anhörte, dachte ich mir bei Hold me now: „Moment mal! Das war beim ESC? Das kenne ich doch“ Das Lied hatte ich auf jeden Fall schon gehört, aber außer Waterloo kannte ich kein anderes Siegerlied bis 2005 (das Jahr, seitdem ich den ESC verfolge)

  6. Ach herrje, die 80er Jahre … an der Spitze beinahe jedes Jahr die Wahl zwischen Pest und Cholera.

    Meine Sieger in den 80ern:

    1980: What’s Another Year 10/12
    1981: Playback 9/12
    1982: Mono i agapi 9/12
    1983: Per Lucia 10/12
    1984: Silêncio e tanta gente 12/12 (meine einzige Top-Wertung in den gesamten 80ern …)
    1985: Olé, olé 8/12
    1986: Halley 8/12
    1987: Gente di mare 10/12
    1988: For vår jord 9/12
    1989: To diko sou asteri 9/12

    • Naja, alles nicht so meins. Kann mich noch mit Playback und Mono i agapi am meisten anfreunden. Ich gebe Dir zumindest in einem Punkt recht: Die zweite Hälfte der 80er waren echt furchtbar. Wie Du allerdings in dem äußerst starken Jahr ’84 (dem letzten des Jahrzehnts) ausgerechnet dem halbgaren Klavierbrei aus Portugal den einzigen 12er der gesamten Dekade verpassen kannst….naja, wir haben ja alle unsere Fehltritte. 😉 😀

      • Ich war auf einem Musikgymnasium, und nach dem ESC1984 hat unser Musiklehrer ‚Silêncio e tanta gente‘ mit uns besprochen. Der ESC im Musikunterricht? Das ist sonst nie vorgekommen. Kann so schlecht also nicht sein. 🙂
        Wenn Du das Lied nicht magst, ist das trotzdem OK.

    • Aber immerhin scheinbar auch nicht jemand, der bei Wind-Liedern schreiend davonläuft 🙂 , 4 und 5 Punkte sind doch gar nicht mal so schlecht. Noch entzückter wäre ich allerdings bei einer 5-4-4 (statt 4-5-4)-Verteilung gewesen.

      Als ich 1987 feststellen musste, dass Goldkehlchen Rainer Hoeglmeier Wind verlassen hatte, war meine Wind-Fan-Zeit vorüber (immerhin hatten sie mit „Jeder hat ein Recht auf Liebe“ später noch einmal ein ganz nettes Lied).

      • Die niedrigen Punkte definieren sich wiefolgt:

        5/12 – reduziert die Lautstärke
        4/12 – läuft davon, ohne zu schreien
        3/12 – läuft schreiend davon
        2/12 – trinkt eine Flasche Lambrusco auf ex
        1/12 – schwört nach dem Lambruscokonsum lautstark, nie wieder etwas mit dem ESC zu tun zuhaben
        0/12 – wirft das Gerät, das die Geräusche verursacht, vom Balkon (In diese Kategorie fällt leider auch Dein geliebtes ‚Le papa pingouin‘ …)

        Du warst mal Wind-Fan? Ich glaube, dass ich Dir bei fast allen deutschen Teilnehmern kein anderes Lied als ihren ESC-Beitrag nennen kann, mit Ausnahme von Roger Cicero und Lena. Und in den 80ern schon gar nicht. Das war meine The Cure, Kate Bush und Siouxsie and the Banshees-Zeit. Ich muss auch gestehen, dass ich niemals die ZDF-Hitparade gesehen habe …

      • Wusst ich’s doch, dass Du nichts gegen Wind hast 😉

        Ich weiß nicht, wie Du „Fan“ definierst. Ich habe damals die leider ziemlich unbeachtet gebliebene Nachfolgesingle „Herz aus Stein“ geliebt und die Langspielplatte gekauft. Das war’s dann.

        Die drei von Dir genannten britischen Gruppen gefallen mir auch gut. Meine Lieblinge waren damals: Soft Cell (und später Marc Almond), The Human League, ABC, Echo and the Bunnymen, Blancmange und vieles andere Schöne aus dem UK aus dieser Zeit.

      • Soft Cell und The Human League waren bei mir auch sehr beliebt.
        Ich werde mir die von Dir erwähnte und einstmals käuflich erworbene Wind-Single mal anhören, sobald ich mit BBC Question Time von gestern durch bin. 🙂

      • Seitdem die BBC nur noch HD über Satellit ausstrahlt, kann ich sie nicht mehr im Fernsehen empfangen 🙁 Seitdem schau ich viel Sky News.

        Warnung: „Herz aus Stein“ ist noch für-all-iger als „Für alle“ !

        So, und jetzt mache ich für heute wirklich mal den Computer aus 🙂

      • „Für-alliger“ ist ein extrem charmantes Adjektiv. Muss ich bei Gelegenheit auch mal ausprobieren.
        BBY, Sky … die britische Medienlandschaft ist leider zur Jauchegrube verkommen. Da lobe ich mir Channel 4.

        Viel Spaß beim offlie sein. 🙂

  7. „Hold me now“ – bester Siegersong ever ever ever. Dennoch nicht meine Nummer 1 1987, „Gente di mare“ finde ich noch einen Tick besser.

    Ich schließ mich dann mal togravus ceterum an mit einer Jahrgangswertung für die 80er:

    1980 Amsterdam 11/10 (alles über 10 ist in meiner Alltime-Top-25)
    1981 Making your mind up 7/10
    1982 Mono i Agapi 7/10
    1983 Rücksicht 11/10
    1984 Ik hou van jou 11/10
    1985 Elaköön elämä (oder so ähnlich) 7/10
    1986 Das schwedische Ding da mit Kärlek 4/10 (der Jahrgang war einfach universalgrottig)
    1987 Gente di Mare und Hold me now beide 11/10
    1988 Take him home 8/10
    1989 Avrei voluto 11/10

    Ganz viele Lieblinge dabei, wobei es aber auch dran liegt, dass 1981 der erste ESC war, den ich geschaut hab. Bis auf 1983 und 1987 ist alles nach meinen Siegern nicht der Rede wert.

    Wind: Nu ja. „Für alle“ war super (aus damaliger SIcht!!!), „Lass die Sonne in dein Herz“ recht nett, sehr gut performt, und über Versuch Nummer 3 breiten wir hier mal den Mantel des Schweigens.

  8. Hold me Now . Mein erster real miterlebter ESC Sieg und von daher schon unvergessen, aber auch sonst ist das schon fast mein ESC Lieblingssong, obwohl ich hab schon noch einige bis viele mehr.

  9. Nun, da kann ich auch nicht widerstehen. Hier sind meine Lieblinge der 80er-Jahrgänge (Höchstpunktzahl 10):

    1980 Papa Pingouin (vor Amsterdam mit 9 Punkten) 10
    1981 Johnny Blue & Playback 8
    1982 Hora & Ein bisschen Frieden & Cours après le temps 9
    1983 Hi & Si la vie est cadeau & Rendez-vouz 10
    1984 I treni di Tozeur 10
    1985 Für alle 10
    1986 J’aime la vie 9
    1987 Mitt Liv 8
    1988 Stad i ljus & Ne partez pas sans moi & Ben Adam 8
    1989 Rock me & La dolce vita & Bana Bana 8

    Ich schließe mich Tamaras Dank für den Kalender an. Der ist mit dran „schuld“, dass mein Vorsatz, nach dem SCC etwas weniger Zeit hier zu verbringen, bisher grandios gescheitert ist!

      • Warum auch nicht? Manchmal verfestigen sich in der Fanszene bestimmte Urteile zu Glaubenssätzen, wie z.B. dass Edsilia 1998 toll ist oder Riva 1989 schlecht. Ich muss bei so etwas zugegebenermaßen aufpassen, dass ich mich nicht nur aus reiner Oppositionslust heraus in die Gegenposition locken lasse. Aber über Jugoslawiens Sieg habe ich mich 1989 wirklich sehr gefreut und mir sogar das Album der Gruppe gekauft.

        Manchmal bin ich mit den Fan-Glaubenssätzen sogar d’accord, „Ein Lied kann ein Brücke sein“ gefällt mir z.B. durchaus.

      • Ja, das Vorurteil der „Alten“ mit Rock Me ’89 ist mir auch bekannt. Wobei ernsthaft die Frage gestattet sein sollte, wer sonst hätte gewinnen sollen. Der Jahrgang bot schlicht nichts Besseres. Damit mag Rock Me nicht der beste Gewinner aller Zeiten sein – aber zumindest hat er den Sieg in seinem Jahr durchaus verdient

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