Deutschland beim ESC 2020: Zweimal nichts Neues vom NDR

Muss man über jedes Stöcklein springen, das einem der NDR hinhält? Ganz sicher nicht. Aber außer uns macht’s ja niemand und der 1. April ist noch über fünf Monate weg. Insofern: Es gibt zweimal nichts Neues vom NDR zum deutschen Engagement für den Eurovision Song Contest 2020 in Rotterdam zu vermelden.

Die handfeste Nachricht: „Ja, Barbara Schöneberger hat Filmaufnahmen für den ESC 2020 gemacht.“ Das hat NDR-Pressefrau Iris Bents auf Anfrage von ESC kompakt bestätigt. Weitere Fragen wurden nicht beantwortet. Damit sind wir zum einen so schlau wie zuvor (= einmal nichts Neues). Zum anderen wissen wir aber, dass Barbara Schöneberger für Deutschland irgendwie am ESC mitwirkt. Das ist insofern auch nichts Neues, weil sie das seit Jahren macht. Außer wenn sie zeitlich nicht kann und von Elton und Linda Zervakis vertreten wird.

Der Auslöser für unsere Anfrage beim NDR war eine Insta-Story von Barbara Schöneberger. Dort kündigte sie an, dass sie „heute schon für den ESC 2020“ drehen würde. Da sie Entertainerin-Profi ist und seit Jahren mit dem NDR zusammenarbeitet, kann davon ausgegangen werden, dass diese Information offiziell „geleakt“ werden sollte – und/oder potenziell Interessierte (wie die Leser dieses Blogs) in die Irre geleitet werden sollten. Das entspräche nicht unbedingt dem öffentlich-rechtlichen Ethos, wäre aber irgendwie lustig. Und, hey: It’s entertainment, baby!

Am 25.11., dem Termin, den Barbara auf ihre Story gedruckt hatte, postete sie das Aufmacherbild. Ihre Story selbst war aber von gestern (28.11.). An diesem Tag war sie mit dem Team Friebe in der grünen Hölle. Das ist ein Studio für Videoaufnahmen, in dem man den Hintergrund hinter dem Protagonisten visuell bespielen kann, wie man will.

Was genau dort aufgenommen wurde, wissen wir nicht. Vielleicht hatte es etwas mit dem ESC zu tun, vielleicht auch nicht. Dass sie tatsächlich „für den ESC“, also den in Rotterdam, gedreht hat, kann man aus rein praktischen Gründen mit größter Wahrscheinlichkeit ausschließlichen. So weit dürften die Niederländer mit ihren Planungen noch längst nicht sein. Wenn überhaupt, dürfte es sich um einen Inhalt (z. B. einen Aufruf) zum deutschen ESC-Vorentscheid gehandelt haben – so es den denn geben wird.

Während es im Norden also nichts wirklich Neues gibt, freuen wir uns hier im Westen (Köln) auf die neue Ausgabe des ECG-Fanclubtreffens, bei dem der NDR morgen zum ersten Mal seit mehreren Jahren nichts zur Auswahl des deutschen ESC-Beitrags sagen wird. Aber das können die Top-Acts Ingrid Peters, Tamara Todevska, Paula Seling und Ovi sowie Michael von der Heide sicher kompensieren.

Und nur zu gern halten wir es mit dem zweiten Antwortsatz, den uns Iris Bents in ihrer Antwort mit auf den Weg gegeben und damit – ganz ESC-Experte – die Brücke vom deutschen Abschneiden in Tel Aviv zum ESC in den Niederlanden geschlagen hat: „Lass‘ Dich überraschen!“ schrieb sie. Gesungen kennen wir das von Rudi Carrell, der 1960 beim ESC Vorletzter wurde.

NACHTRAG: Auf dem Instagram-Post vom Team Friebe ist, wie unser Leser Jaan richtig anmerkt, Philipp Abresch zu sehen (gelbe Mütze bzw. unten auch gelber Kapuzenpulli). Abresch war für den NDR Studioleiter in Singapur und Tokio. Er arbeitet aktuell aus Hamburg, auch wenn er auf Facebook als Wohnort Singapur angibt. Er scheint sich für Klima- und generell internationale Themen zu interessieren. Ein ESC-Bezug – und überhaupt zu Unterhaltung – ist aufgrund seiner bisherigen Arbeit überraschend. Wiewohl folgt er auf Twitter dem offiziellen ESC Deutschland-Account. 

Wie haben hierzu eine Anfrage an die Pressestelle des NDR gerichtet. Der NDR hat zwischenzeitig bestätigt, dass Philipp Abresch bei den Dreharbeiten dabei war. Er hat uns auch darüber informiert, dass Abresch nicht der neue Head of Delegation wird. 

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Ausflug ins Grüne.

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28 Kommentare

  1. Fragt doch mal das Aftonbladet, vielleicht wissen die ja schon etwas Neues vom deutschen Vorentscheid (Sarkasmus off)! Nach der Melodifestivalenleaks-Affäre, die uns das Aftonbladet beschert hat, ist der NDR noch vorsichtiger geworden und läßt uns weiter im Unklaren. Ich schlage deshalb dem SVT vor, es genauso im nächsten Jahr zu machen.

    @Tobiz

    Ich denke eher, es handelt sich um eine Bildungsreise in die Stadt, in der wir Deutschen nach wie vor verhaßt sind.

    • Kleiner Tipp: SVT gibt die Informationen zum Vorentscheid gebündelt und zu vorher intern festgelegten Zeitpunkten heraus. Insofern agiert der dortige Sender in Sachen Kommunikationsarbeit wie der NDR.

  2. Meine Güte, so verzweifelt ist man schon, das es schon eine Nachricht wert ist, wenn der NDR zweimal nix neues verkündet. Meine Güte was ist der NDR, jedenfalls die, die für den ESC zuständig sind, für eine Stümpertruppe. Macht der NDR überhaupt was bezüglich ESC?

    • Auch wenn man sich bedeckt hält, kann man gute Arbeit leisten. Ob wieder „herumgestümpert“ wurde, wissen wir, sobald wir das Ergebnis des ESCs in Rotterdam kennen.

  3. Herr Schreiber saß heute im 14-Uhr-Flieger von Hamburg nach Köln. Er wird doch nicht beim morgigen Clubtreffen auftauchen und große Ankündigungen machen?

    • Er kommt ja ursprünglich aus Köln. Da kann es auch andere Anlässe geben, dorthin zu reisen. Von den ECG-Veranstaltern geht aktuell niemand von seinem Erscheinen beim Fanclubtreffen heute Abend aus.

    • Bei dem, was er leider abliefert, ist das eben nur gerechtfertigt. Sollte er durch Abwesenheit glänzen, könnte das auch sehr gut seiner legendären Dünnhäutigkeit geschuldet sein. Da reicht dann schon die Frage, woher der Kredit kommen soll, um Überraschungen noch glaubhaft ausloben zu können und spoing!, schon fliegt der Draht aus seiner Mütze quer durch den Saal. Für diesen selbstgefälligen Monk packe ich jedenfalls keine Glacehandschuhe mehr aus. Liefern oder freiwillig abdanken, mehr Möglichkeiten sind da nicht drin. Ahou!

      • Das stimmt schon, der Herr Schreiber reagiert häufig sehr empfindlich. Auch wenn ich glaube, dass manche Fans den ESC ein wenig zu ernst nehmen, ist immerhin noch ein Spiel. Er wurde schon heftigst verbal attackiert in der Vergangenheit. Andererseits: Wenn man in einer gewissen Position ist, sollte man sich schon ein einigermaßen dickes Fell anschaffen. Und sich vor allen Dingen selbstkritisch fragen, wie kann man Fehler der Vergangenheit künftig vermeiden.

      • Ich finde: Wer sich so einen Job wie Schreiber aussucht (beim Fernsehen), muss auch mit der Kritik anderer leben können bzw. zumindest damit umgehen können! Wenn er so empfindlich darauf reagiert, kann er den Job gerne an mich weitergeben!

  4. ich finde es spannend, dass Herr >Schreiber und sein Team noch den Song in Geschenkpapier verhüllt hat. Es ist ja auch noch nicht Weihnachten und wir freuen uns VOR ! Erstmal müssen alle Blätter verwelken und dann kommt aber Schwung in den Laden. Es liegt noch Schnee, dann haut das ESC Kompakt Team in die Tasten. Ruht Euch doch ein bisschen aus. WIR SIND DOCH TRÄU !

  5. Sollte es wirklich eine Direktnominierung geben, kann ich irgendwie schon verstehen, dass der NDR sich mit der Bekanntgabe des Interpreten noch zurückhält, wenn man an den „Shitstorm“ gegen Xavier Naidoo denkt.
    Nicht ausgeschlossen, dass so etwas wieder passiert.

    P.S: Ich hätte auch lieber eine VE, aber besser ein sorgfältig ausgewählter Act, als eine Verlegenheits-VE, wo man im Grunde nur zwischen Pest und Cholera wählen kann (Meine Meinung).
    Bleibt nur zu hoffen, dass sich der NDR mit der Auswahl des Künsters oder Künstlerin/Band bzw. Song wirklich Mühe gibt. Man kann es nicht jedem Recht machen, schon klar. Aber wenigstens einigermaßen konkurrenzfähig sollte er schon sein.

  6. Jede Art von VE ist mir lieber, als so ein intern nominierter Schnösel, bei dem ich als Zuschauer und Gebührenzahler nicht die Möglichkeit hatte, zu entscheiden, ob ich den überhaupt will. Sollte es zur einer internen Nominierung kommen, gilt das für jeden Künstler der ausgewählt worden ist. Mit einer internen Nominierung schürt man kein Interesse am ESC. Wenn das andere Länder wie Schweden oder Norwegen können, dann kann Deutschland das doch auch. Und bei den Stümper die beim NDR fuhrwerken, zweifele ich sehr an dem Fachwissen in Sachen Musik. Dann sollen lieber die Zuschauer entscheiden.

    • Da hast Du natürlich Recht. Aber dann wäre ich gleich dafür, mehrere Vorrunden wie z. B. in Schweden zu veranstalten. Mit einer großen Auswahl an Künstlern (von mir aus auch Newcomer), denn es kommt ja zuerst auf den Song an. Das wird wohl, vor allem in der Kürze der Zeit, nicht zu machen sein. Und es kostet Geld und muss entsprechend beworben werden. Sorry, das traue ich den
      Herrschaften leider nicht zu. Den Act für den ESC an einem Abend abzuhandeln, halte ich einfach für zu wenig. Ach, manno, keine Ahnung, ein Dilemma und sehr, sehr schade, dass die Verantwortlichen keine wirklichen Ambitionen haben, ein „Deutsches Musikfestival“ zu etablieren.
      Genau, das wäre doch etwas, z. B. wie in Italien. Man muss es ja noch nicht einmal als VE verkaufen,
      aber der Sieger fährt zum ESC, wie in Schweden.
      Das Ganze sollte aber auf einem Sender stattfinden, meiner Meinung nach, nicht so wie von 2010 bis 2012, denn mehrere Sender würden die Zuschauer eher irritieren, glaube ich.

  7. Man kann es drehen und wenden wie man will: Der NDR beweist ein weiteres Mal, dass ihm der ESC nicht wirklich eine Herzensangelegenheit ist.
    Denn man merke: Auch nichts zu kommunizieren kommuniziert im Wesentlichen „Es ist uns egal“ oder „Ihr seid uns egal“.

    Die diesjährige/bisherige Totalverweigerung irgendeiner Art an Kommunikation gerade auch im Hinblick auf die Bedürfnisse der Kernzielgruppe (d.h. die Fans) sollte man m.M.n. auch nicht kleinreden. Da geht gerade sehr viel Vertrauen den Bach runter und der Shitstorm ballt sich schon erkennbar am Horizont zusammen. Egal wen man dann am Ende nach Rotterdam schickt, außer es wird Deichkind 😁😁😉.

    Es bleibt spannend.

    Herr Schreiber saß übrigens erwartungsgemäß am Sonntag im 12.15-Uhr-Flieger zurück nach Hamburg. Nur so am Rande.

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