
Wer vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest 2027 in Burgas? Diese Frage wird zwar erst im Februar final geklärt, doch welche Artists im Vorentscheid Das deutsche Finale zu sehen sein werden, zeichnet sich bereits jetzt ab – wenn auch hinter verschlossenen Türen. Laut dem zuständigen SWR wurden erste Entscheidungen getroffen und fleißig Songs aussortiert. Während wir auf Updates hierzu warten, werfen wir heute (nochmals) einen Blick auf die Bewerber*innen.
In dieser Saison geben erstaunlich viele deutsche Acts ihre Intention einer Vorentscheid-Teilnahme bekannt. In den vergangenen Monaten haben wir daher über 50 Musiker*innen vorstellen können, die ihre ESC-Bewerbung angedeutet oder bestätigt haben. Aber auch jetzt, während der Auswahlprozess bereits angelaufen ist, erreichen uns noch Informationen über möglichen Kandidat*innen.
Eine nachträgliche Entdeckung gibt es dank Social Media zu verkünden. Der Musiker Ein Rosenkavalier (Aufmacherbild, links) wurde laut eigener Aussage schon für den deutschen Vorentscheid 2026 angefragt, hatte aber aus Zeitgründen abgesagt. Stattdessen will er wohl im kommenden Jahr an Das deutsche Finale teilnehmen. Vermutlich hat Ein Rosenkavalier die Nummer „Futurist“ beim SWR eingereicht, da er ein Video hierzu mit dem Hashtag #esc versehen hat (siehe unten).
Ob sich der Musiker vom diesjährigen „Mr. Silver“ Lion Ceccah aus Litauen hat inspirieren lassen, ist unklar. Fest steht: In seinem Song geht es um die Tatsache, dass menschliche Kreativität nicht von einer KI ersetzt werden kann. Sein silber-schimmernder Look passt thematisch also definitiv! Ein Rosenkavalier hält seinen bürgerlichen Namen geheim, stammt aus Köln und macht selbstironischen „Indie-Schlager“, wie er seine Musik selbst bezeichnet.
Von mehreren Leser*innen sind wir zudem darauf aufmerksam gemacht worden, dass wir noch nicht alle Artists aufgelistet haben, die in den Online-Einblicken des SWR-Writingcamps zu sehen waren. Eine Musikerin, deren Mitwirken an besagtem Camp uns beispielsweise entgangen ist, ist Lina-Mariah. Sie stammt aus Hamburg, macht Pop Punk (siehe unten) und ist vor allem für ihre Live-Gigs bekannt – egal ob in Fußgängerzonen, kleinen Eventlocations oder zuletzt beim Reeperbahn Festival.
Ebenfalls noch nicht näher vorgestellt haben wir die Band Corduroy County (Aufmacherbild, rechts). Darauf, dass sie sich im Bewerbungsprozess für den deutschen Vorentscheid 2027 befinden könnten, deuten ebenfalls die Songwritingcamp-Einblicke an. Mitglieder der Band wurden in einem Instagram-Reel von eurovision_de gesichtet. Wichtig: es ist nicht offiziell bekannt, in welcher Funktion sie am Start waren, also ob als Songwriter oder potenzielle Teilnehmer.
Nicht nur rein visuell erinnert die vierköpfige Band an die italienischen ESC-Sieger Måneskin. Auch musikalisch ist der Retro-Indie-Sound von Corduroy County ähnlich eigenwillig. Zwar ist die Band damit weit vom klassischen Mainstream entfernt, doch unangepasste Stilrichtungen haben beim ESC in den vergangegen Jahren ja immer wieder ihre Daseinsberechtigung bewiesen und Erfolge gefeiert.
Ein weiterer Musiker, der nur mit geschultem Analytiker-Blick im Instagram-Reel des Songwritingcamps zu erkennen ist, ist der 19-jährige Marc Atlas. Dass er beim deutschen Vorentscheid mitwirken will, wurde bereits im letzten Jahr vermutet und scheint nun bestätigt zu sein. Auch hier muss gesagt sein: Wir haben bislang keine Informationen darüber, in welcher Funktion Marc Atlas im Writingcamp des SWR dabei war.
Der Singer-Songwriter stammt aus Niedersachsen und wurde durch Coverversionen auf YouTube bekann. Marc Atlas bringt jedoch auch TV-Erfahrung mit, da er 2020 bis ins Finale von The Voice Kids gekommen ist. Dieses Jahr hat er sein erstes Album veröffentlicht. Noch ganz frisch ist die Nummer „Waste My Time“ (siehe unten).
Zu guter Letzt noch ein Duo, das uns selbst kontaktiert und über seine Bewerbung beim SWR informiert hat. Hierbei geht es um Dávid Varró x Beni. Die beiden Musiker haben den ungarisch-sprachigen Rocksong „Nincs időm“ für die deutsche Vorentscheidung eingereicht. Ob sie noch im Rennen sind, ist uns – wie bei allen heute vorgestellten Acts – nicht bekannt. Die komplette Nummer von Dávid Varró und Beni kann hier angehört werden.
Welche Acts würdest du gerne im deutschen Vorentscheid 2027 sehen? Wer soll Deutschland in Burgas beim ESC vertreten? Lass uns deine Ideen gerne da.
Diese ESC-2027-Interessenten aus Deutschland haben wir bereits vorgestellt:
Teil 1: Enemy Inside
Teil 2: Ragazzki, JUU, Freezy One und The Great Leslie
Teil 3: Klangschmiede, Linnea May und Abhinav Singh
Teil 4: Ikke Hüftgold/Nina Reh, wavvyboi, Molly Sue und Anica Russo
Teil 5: TULPE und David Vidano
Teil 6: Hänsel
Teil 7: OSWALD, ROXY und Ava Vegas
Teil 8: Songs von Keltania, David Vidano, Klangschmiede & Friends, WAIT! WHAT? und Res Publica
Teil 9: Songs von siovo, Maverick Miles, EMMA EX und Tilly Electronics
Teil 10: SPIELHAGEN, Noel Andre, From Fall To Spring, BLINDS, German Gents und Yasola
Teil 11: Kelvin Jones, Jenny & Joy, Alexander Lipka & Marita Burger und Juan Geck
Teil 12: KATYA & SUSAN OS, KUULT und baztjan
Teil 13: Aphrodite Vox, mille (Songwriterin), Zapfenzwerg und SEDAT
Ralph Siegel bestätigt Bewerbung mit Dschinghis Khan
SWR-Songwritingcamp Teil 1: Ela, Salena, wavvyboi und Emma Powda
SWR-Songwritingcamp Teil 2: Noah Kraus, DUEJA, Enemy Inside (und JJ)
Absagen: GOOD WEIBS, FRANI, Molly Skinn, baztjan
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Gut zu wissen! Drr Rosenkavalier ist eine Oper von Richard Strauss und daß es auch einen Künstler gibt, der so heißt, hätte ich nicht gedacht.
Einen ungarischsprachiger Wettbewerbstitel gab es bis jetzt auch noch nie beim deutschen Vorentscheid und ich hoffe, daß wir Ungarn nächstes Jahr beim ESC als Rückkehrer begrüßen dürfen.
Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, das der SWR einen Song in Ungarisch in die VE lässt. Wäre originell, aber wir reden hier vom SWR. Also eher nicht.
Und vielleicht sollte man die Finger lassen von Acts, die in einer Castingshow mitgemacht haben. Das ging in den seltensten Fällen gut aus. Michael Schulte, Roman Lob und Lena sind diese seltene Fälle. Alles andere endete im Desaster. .
Keltania, Enemy Inside und Wavyboi.
Mit Wavvyboi und Enemy Inside gehe ich gerne mit, mit Keltania habe ich so meine Probleme … 😉
Keltana sind leider nicht mehr bei den möglichen Vorentscheidteilnehmern dabei.
Ach okay, danke für die Info! 🙂
Tulpe 🌷 sind auch raus
Och nöööööööö!
Leider ist auch von diesem Line-up nichts für mich dabei, nichts davon klingt, als ob es etwas beim ESC reißen könnte. Mein Gefühl sagt mir eh, dass die, die beim VE dabei sein werden, sich erst allmählich aus der Ecke wagen …
Wenn wirklich 25 der 40 noch verbliebenen Songs aus den Songwritingcamps sind, dann sind in dieser langen Artikelreihe wahrscheinlich schon viele derjenigen genannt worden, die wir dann im Februar sehen werden.
Ich versuche die Acts nicht so sehr danach zu beurteilen, was für eine Musik sie bisher gemacht haben. Man kann seinen Stil ja an den ESC anpassen und sich aus seiner Komfortzone wagen. Muss man vielleicht auch. Hauptsache man kann singen und tanzen und verfügt über eine gewisse Ausstrahlung.
Das kann durchaus sein, denn mit Marc Atlas rechne ich wohl. Seine bisherigen Songs fand ich leider ziemlich mittelmäßig, aber stimmenmäßig ist er gut. Ich hoffe, dass er, sollte er dabei sein, auch einen guten Beitrag im Gepäck hat. Wavvyboi wurde ja auch genannt, da bin ich gespannt und hoffe, dass er dabei ist, musikalisch ist er klasse, aber an seinem Livegesang darf er noch üben. 🙂
Teja war ja auch im Camp, mal sehen, mit wem sie zusammengearbeitet hat.
„bird“ und „fragile machine“ sind sehr coole Songs und eine konsequente Weiterentwicklung des Weges, den er mit „black glitter“ eingeschlagen hat.
3 Minuten sind fast schon zu kurz für ihn. Seine Songs gehen in Richtung 4 Minuten und brauchen auch diese zusätzliche Zeit, um sich zu entfalten.
Lina-Mariahs Song geht in die Richtung von Aikos „Pedestal“. Ich mochte den Song ja ganz gerne, aber gerissen hat er beim Wettbewerb bekanntlich nichts.
Marc Atlas erinnert mich hingegen ein wenig an Isaak. Von den im Artikel Genannten finde ich Corduroy County mit am spannendsten 🙂
Übrigens: nicht schlecht, dass ihr gut 1/8 der 400 Acts hier vorgestellt habt 😀
Die Assoziation zu Pedestal hatte ich auch sofort.
Klingt sehr ähnlich
Hab neulich auf Insta auch noch jemanden gefunden: Esther Filly.
Sie beschreibt sich selber als preisgekrönte Soul Sängerin und will zum ESC..: https://www.instagram.com/reel/Derr_qRIka7/?xtok=MWQ2aGN5aDl6ZDU5Mw==
Heute hat Stefan Raab, der Deutschland vor 26 Jahren beim ESC vertrat, runden Geburtstag! Er wird 60 Jahre jung:
https://www.stern.de/lifestyle/leute/stefan-raab-wird-60–seine-unvergleichliche-karriere-in-bildern-38419334.html
Herzlichen Glückwunsch und vielleicht ist das ja eine Laudatio auf ESC kompakt wert?
Corduroy County werden den Maneskin-Vergleich bestimmt nur ungern lesen, aber es ist natürlich die erste Assoziation. Das hat die Mitglieder von The Great Leslie 2025 ja auch genervt. Stelle ich mir als Künstler sehr unangenehm vor. Auch wenn zwischen dem 60s Indie Pop/Folk Rock von CC und dem 70s Glam Rock von Maneskin natürlich ein Unterschied besteht. Aber beide Bands sind vierköpfig, haben weibliche Anteile und androgyne Ästhetik, und das reicht vielen schon für den Vergleich. „Summer ’23“, „Sabertooth“ und „Tired and Blind“ sind aber coole Songs. Für den ESC darf es aber gerne etwas auffälliger und showmäßiger sein.
Grundsätzlich ist es beim ESC aber nicht so vorteilhaft, wenn man reflexhaft mit anderen, erfolgreichen Acts der Vergangenheit verglichen wird. Das musste Sarah Engels ja auch erfahren. Originalität und Authentizität sind wichtig.
Lina-Mariah gibt mir ganz leichte Lena-Vibes. Lina und Lena ist ja nicht so weit entfernt. Zwar nicht vom Genre, aber dieses leicht mädchenhafte, verspielte, verrückte und unangepasste. Wirkt durchaus wie eine einnehmende Persönlichkeit, bei der die Punk-Attitüde eher mit Augenzwinkern zu nehmen ist, aber sehr sympathisch. Lina-Mariah scheint von der britischen Musikszene inspiriert zu sein und Lena hat sich damals auch mit ihrem eigenwilligen Akzent bemüht, britisch und international zu wirken. Ob ein deutsches VE-Publikum dafür bereit ist, weiß ich nicht, aber ich würde es gerne sehen, wenn der Song stimmt.
Mit Marc Atlas rechne ich mittlerweile fest beim VE, auch wegen den Absagen an ISAAK und Baztjan. Ich sehe ihn auch in der Pole-Position was das Finalticket anbelangt, weil das Publikum sich zumeist von einer tollen Stimme überzeugen (um nicht zu sagen „blenden“) lässt. Das ist von den vielen Castingshows in diesem Jahrtausend eingetrichtert. Da geht es eher um Leistungssingen und weniger um den Song und die Vision. Marc könnte es alleine mit der Stimme leicht haben, zu gewinnen. Hoffentlich stimmt der Song, denn allzu radiomäßig sollte es sich nicht anhören.
Den Rosenkavalier finde ich sehr sympathisch, aber „Tanzschein“ hat ja dieses Jahr gezeigt, dass das internationale Publikum den NDW-Sound leider nicht versteht.