ESC-Bühne in Rotterdam mit halbtransparenten Riesen-Bildschirm

Der ESC war schon immer ein Spielfeld für neue Technologien. Wer – zumindest von den Älteren – erinnert sich nicht an die ersten Punktetafel beim ESC, die im Raum schwebte (siehe Post von HotelAzedo unten)? In Moskau gab’s 2009 die meisten und größten LED-Bildschirme der damaligen Zeit auf der Bühne. Die Aufzählung könnte man noch lange fortführen.

In Rotterdam wird das nun noch einmal getoppt: Ein großer halbtransparenter LED-Bildschirm wird in der Ahoy-Arena während der Live-Shows eingesetzt werden. Der Bildschirm ist 22 Meter breit und 5 Meter hoch und kann als Hintergrund für die kleinere B-Bühne dienen. Die B-Bühne kennen wir aus Düsseldorf noch unter dem Begriff Satellit. Auf dem unteren Bild ist gut zu erkennen, wie die beiden Bühnen angeordnet werden sein.

Der Bildschirm verbindet die Hauptbühne mit der B-Bühne und kann von den Delegationen kreativ genutzt werden, so heißt es dazu auf Eurovision.tv. Da diese LED-Wand halbtransparent ist, kann das Publikum die Bühne auch dann noch sehen, wenn sie benutzt wird. Wenn sie nicht in Gebrauch ist, wird die Leinwand vollständig eingefahren.

Sietse Bakker, der Executive Producer des ESC in Rotterdam, regt passend zu der Neuigkeit noch die Spekulationen an, wofür dieser zweite Screen genutzt werden kann: „Warum eine einzige riesige LED-Wand? Fügen wir einen zweiten, halbtransparenten, diagonal positionierten Bildschirm hinzu, um intime Einstellungen auf der B-Bühne zu schaffen! Und wer weiß, was noch…“

Und natürlich gibt es viele Möglichkeiten der Nutzung, die über die reinen Acts hinaus gehen. Das niederländische Fernsehen hat schon verschiedene, unterhaltsame Bestandteile angekündigt, für die man so einen Screen wie genau auch immer nutzen kann.

Das grundsätzliche Konzept für die Bühne in der Ahoy-Arena wurde bereits Anfang Dezember 2019 vorgestellt. Entwickelt wurde es von Florian Wieder. Seinerzeit sagte er dazu: „Das Bühnenbild zeigt die Verbindung zwischen Himmel, Meer und Land. Der Horizont ist das Bindeglied zwischen diesen Elementen und dieser Horizont wird ein Fenster sein, um die Welt der Eurovision 2020 zu öffnen. Der Grundriss des Designs ist inspiriert von den Kanälen und Brücken, die Land und Wasser in den Niederlanden verbinden. Damit wollen wir die Künstler so nah wie möglich an die Öffentlichkeit bringen.“

 


38 Kommentare

  1. Wahnsinn. Ich bin begeistert.
    Bei solchen Visualisierungssfotos kann man zwar kaum erkennen, wo genau was ist, aber das sieht schon einmal vielversprechend aus.
    Ich finde es super, dass es so viele unterschiedliche Elemente gibt, weil genau so kann jede Delegation etwas eigenes kreieren und alle Beiträge sind jeweils in einer anderen Form spektakulär.
    Wenn ich für Deutschland nicht optimistisch wäre, würde ich jetzt sagen, dass keines der Elemente und schon gar nicht die B-Bühne oder die Zusatzwand überhaupt von uns benutzt wird. Wir stellen ja gerne unsere Künstler statisch und jede Art von Deko oder Tänzern an den Mikrofonständer, weil „das ja vom Lied ablenken könnte und wir solche Feuerwerke und Schnickschnack nicht brauchen. Unsere Künstler können ja so gut singen.“ Ich ärgere mich jedes Jahr auf’s neue darüber. Immer werden die Künstler völlig „nackt“ auf die Bühne gestellt. Aber das scheint den Deutschen zu gefallen. Sonst gibt es ja ständig nur Gemeckere, wenn es mal was gibt:
    2013: Die Treppe von Cascada ist die Nottreppe von der Rückseite von IKEA
    2015: Blöde Scheinwerfer, blöde Scheinwerfer!
    2016: Bäh, ein Märchenwald, igitt.
    Und selbst bei den S!sters wurde wegen der Drehbühne gemeckert und dann wurden sie einfach „nackt“ auf die Bühne geworfen. Ich gebe euch allen Cocktails aus, wenn Deutschland die B-Bühne und die zusätzliche Wand benutzt 😉

    • Die Sisters hatten tatsächlich sogar bisschen Pyro. Ich fand die Inszenierung nicht ganz schlecht, ich fand nur, dass sie das Lied nicht gut verkauft haben. Sie haben es nunmal so gesungen, wie DSDS Siegersongs vom Bohlen gesungen werden – unauthentisch und mit falschen Emotionen.

      Trotzdem würde mich ein bunter Auftritt mit Tänzern, Requisiten und Feuerwerk gleichzeitig mal freuen.

  2. Meine Güte! Endlich passiert mal was cooles auf der Bühne. Die Letzten Jahre waren ja ziemlich zurückhaltend. Für mich ist der ESC ein Show-Event und da möchte ich alles an Effekten und Feuerwerk geboten haben 😄
    Ich freue mich riesig dieses Jahr!

    • „Die Letzten Jahre waren ja ziemlich zurückhaltend.“
      Schluck! Wie bitte???

      „Für mich ist der ESC ein Show-Event und da möchte ich alles an Effekten und Feuerwerk geboten haben“
      I slightly disagree. Mein Traum: Nie wieder Pyro-Technik, Lasershows und wilde Kamerafahrten. Am besten alles auf einer kleinen, gemütlichen Bühne (gerne auch mit Orchester, es muss ja nicht JEDEN Song begleiten). Zurück zu den Ursprüngen des SONG Contests 🙂

      • Und am besten wieder KAbelgebundene Mikrofone, dass man auch wirklich nur hin und her wippen kann 🤷‍♂️

      • Na ja, für mich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Ich finde auch, dass es mit der Pyrotechnik und auch mit den riesigen LED-Wänden etc. mitunter etwas übertrieben wird. Manchmal werden die Künstler regelrecht „verschluckt“.
        Gleichwohl habe ich nichts gegen stimmige, dezente Performances, gerne auch mit Tänzern. So lange es nicht von den Künstlern und Songs ablenkt. 2010 und 2013 waren für mich tolle Beispiele, wie man die einzelnen Acts wieder mehr in den Vordergrund rücken kann ohne allzu viel „Schnickschnack“. Mit den Kamerafahrten gebe ich Dir gerne Recht. Wird einem ja richtig schwindlig!
        Aber ich freue mich schon auf den ESC 2020, die Niederlande werden bestimmt eine tolle Show zaubern!!!

  3. Also die Bühne ist gigantisch. Es kommt drauf an was daraus gemacht wird. Der ESC ist nun mal kein reiner Gesangswettbewerb mehr. Grundsätzlich je größer und Spektakulärer die Bühne desto mehr Möglichkeiten hat man eine gute Show zu kreieren. Keiner ist ja gezwungen alles zu nutzen. Manchmal reicht es einen Künstler auf die Bühne zu stellen und sein Lied zu singen(Lena, Salvador Sobral, Duncan Lawrence) manchmal braucht es eine Gute Show um zu gewinnen( Jamala, Mans Zelmerlöw,) rein musikalisch finde ich ein back to the Roots mit einfacher kleiner Bühne und Orchester natürlich interessant. Das würde aber bei sovielen Liedern einfach zu ermüdend werden. Das Orchester sollte wiederkommen aber nicht zwingend für jeden, auch finde ich die Regelung das nur 6 Menschen auf der Bühne stehen dürfen nicht mehr wirklich zeitgemäß. Fazit: jedes Land soll seinen Beitrag perfekt in Szene setzten können und das kann ganz schlicht funktionieren aber auch mit viel Tam Tam. Ich möchte die große Vielfalt und ich glaube das kann der beste ESC werden

    • Da das Video ziemlich lang ist, hier nochmal ein kurzer Timestamp. Ab Minute 5:48 sieht man die halbtransparente LED Wand sehr gut im Einsatz.

  4. Finde ich eine gute Entscheidung, den Stand der Technik auch komplett auszunützen.
    Der ESC ist die Show, die europaweit die meisten Zuseher hat, deshalb sollten auch die besten Effekte gezeigt werden.
    Auch wenn sich manche eine Reduzierung der Effekte wünschen: Lissabon hat gezeigt, dass das nicht optimal ist.
    Da war keine LED- Wand im Hintergrund erlaubt und manche Delegationen tricksten dann mit einem Eisberg, einem Riesenkleid oder einer aufblasbaren Wand als Projektionsfläche.
    Auch wieder unfair.
    Und wenn man sich als kleines Land schon keine Pyroshow leisten kann, dann schafft eine halbdurchsichtige LED- Wand genug Möglichkeiten, diesen Rückstand kreativ aufzuholen.

      • Damit war nicht gemeint, dass die Veranstalter keine Pyro bereitstellen.
        Sondern dass sich die teilnehmenden Länder mit kleinem Budget wie etwa Moldawien oder Nordmazedonien sich keine teuren Spielereien leisten können.
        Da kosten 20 Schuss Feuerwerk oder ein Feuerregen von 15 Sekunden schon zigtausend Euro.
        Und das in vier Shows + Proben.

  5. Früher war weniger Lametta!

    Klar kann das, so denn richtig eingesetzt, die Song-Wirkung enorm steigern, geht aber zugleich auch immer stärker Richtung European Show Contest, Las Vegas Style.
    Auch wird somit die Notwendigkeit der Jurys weiter gefestigt, wobei diese schon jetzt konsequenter mit wirklichen Musik-Fachleuten (z.B. Journalisten) besetzt werden sollten als mit den üblich kommerz-orientierten Showgrößen.

  6. Man sollte auch auf live auftritte der künstler verzichten. Hologramme reichen völlig und da könnte man auch mehr technik, phyro und bumsfallera reinpacken.

  7. Dem visuellen immer mehr Vorzug vor dem audio zu geben ist eine Sackgasse. Der ESC ist ein Songwettbewerb und sollte sich nicht im ‚visuellen Wettrüsten‘ verlieren. Finde es nicht zielführend etwas ’nur für den Moment‘ zu erzeugen. Was nützt die tollste visuelle Show, wenn immer weniger Leute die Songs hören wollen.

    • Die Angst vor dem Sieg der Show gegenüber des Songs hat sich doch in den letzten Jahren schon als haltlos erwiesen.
      Von den Zusehern wurden etwa 2019 Moldawien (mit der Sandkünstlerin) als auch Kroatien (mit dem Engelflug) nicht belohnt- obwohl die Inszenierungen die schlechten Songs zu überdecken versuchten.
      Da hab ich genug Vertrauen, dass sich die Leute auch weiterhin nicht täuschen lassen und nur ein starkes Gesamtpaket gewinnen kann/ wird.
      Und Salvador Sobral hat gezeigt, dass auch eine total reduzierte Nummer Siegchancen hat.
      Wenn nicht sogar höhere, da es im Vergleich zur überinszenierten Konkurrenz noch deutlicher heraussticht.

    • @Trevoristos: Diese Übereinstimmung überrascht und freut mich jetzt aber. Ok, ich sehe, worauf Du hinauswillst, Du argumentierst gegen „den Moment“ und damit in Richtung chartsorientierter Musik. Aber gut, wenn’s dafür deutlich weniger Pyro und Laser gibt, bin ich gern bereit, den einen oder anderen chartstauglichen Titel beim ESC zu ertragen, womöglich sogar einen Rapbeitrag (Rancore und Junior Callys San-Remo-Beiträge gefallen mir übrigens immer noch, echt erstaunlich!) 😉

      @Benne: Ohne die überkandidelte, vom schönen Song ablenkende Inszenierung wäre Rokos „Dream“ ganz bestimmt locker ins Finale gekommen 🙂

    • bitte meinen Kommentar ruhig löschen, denn der Schmabi hat ein gutes Beispiel geliefert, wie man sich das vorstellen kann mit dem LSD Bildschirm 😀

  8. Der mit Abstand trefflichste Kommentar zu dieser Thematik kommt von Thilo mit Bobby.
    Alles kann, aber nichts muss. Soll sich jeder Act aus den hoffentlich reichlich vorhandenen Umsetzungsmöglichkeiten das für sich Passende rauspicken und versuchen, seine Chancen zu verbessern.
    Gut für die Zuschauer und gut für die Marke, wenn denn die Übung gelingt. ESC bedeutet nun mal Fernsehunterhaltung, also Vielfalt und Visualisierung und nicht über 3 Stunden nur Lieder hören in ewig gestriger Aufmachung. Das es der eine oder andere Fan hier nicht schafft, mal über seinen Tellerrand hinauszuschauen, ist verständlich und verzeihbar. Viel fataler ist es, wenn Entscheider schmale Horizonte ihr eigen nennen und ihre Ansichten dann auch noch in Stein meißeln, wobei eine Einschränkung selten allein kommt. Von den Folgen kann Deutschland ein ganz eigenes Lied singen.

  9. Weiß man eigentlich ob die Bühne wieder von M&m Production gebaut wird? Die machen nämlich immer einen echt interessanten Blog darüber

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