Das Openair Gampel fand vor kurzem über vier Tage im Kanton Wallis in der Schweiz statt. Es waren gleich mehrere ESC-Acts vor Ort: Nemo, Windows95man, Kaleen und Remo Forrer. Wir waren am Donnerstag vor Ort und haben nicht nur ein Interview mit Versengold geführt, sondern auch die Liveauftritte von Joost Klein und Electric Callboy angesehen.
Joosts Auftritt beginnt früh – um 16:45 auf der etwas kleineren White Stage. Schon zu Beginn wird von einer Stimme aus dem Off Bezug auf die ESC-Disqualifikation genommen: Unter anderem hören wir „They stole his dream“. Und kurz bevor es losgeht, sehen wir auf den Bildschirmen „Switzerland 2025“ aufblitzen. Joost lässt von Anfang an keine Zweifel daran, dass er das Drama instrumentalisieren bzw. eine Meme-gefüllte Show abliefern wird. Dies als Anzeichen einer möglichen Teilnahme in 2025 zu interpretieren ist aber etwa genau so aussagekräftig wie das, was er angeblich einer holländischen Journalistin zurief: „Absolutely not“
Der erste Song ist „Luchtballon“, ein Cover von Richard Marx‘ „Right Here Waiting“. Joost hüpft über die Bühne und scheint grundsätzlich eine gute Zeit zu haben. Nach dem Song scherzt er ein bisschen herum. Es wird nicht das letzte Mal bleiben. Er meint er sei jetzt „free“ (wir berichteten) und er habe eine Nachricht an die Schweizer Medien, die ihn als „Gangster Rapper“ bezeichnet haben sollen: Er sei gar kein Rapper.
Weitere Songs die gespielt wurden (nicht abschließende Liste): „Antwoord“, „Ome Robert“, „Friesenjung“, „Fußball (World Cup 1998)“, „Trafik“, „Buurman Uit Berlijn“ und „Ratata“.
Joost zeigt auch deutlich, was er von der Aktion hält, die zu seiner Disqualifikation geführt hat. Zusammen mit seinem Kamerafreund mimt er eine Situation, in der dieser ihm mit der Kamera aufdringlich auf die Pelle rückt. Und schließlich macht Joost eine Bewegung mit dem Ellenbogen, als wolle er jemanden wegchecken.

Kurz vor Schluss gibt’s dann noch eine Version von „Europapa“. Wie so viele andere Lieder aber nicht in der Originalversion, sondern ziemlich stark mit Gabber-Einflüssen geremixed. Das klingt ehrlich gesagt nicht besonders gut und nicht jeder Fan, der wegen des Songs angereist ist, dürfte darüber happy sein.
Allgemein sind viele der Songs relativ chaotisch. Joost spricht von einem neuen Album, das „Gabber Pop“ heißen soll und sagt, dass ihm Ruhm und Geld ziemlich egal sind. Und irgendwie glaube ich ihm das. Seine Auftritte und Songs sind definitiv nicht darauf ausgelegt, maximale Beliebtheit zu erreichen.
Den Abschluss macht eine Kurzversion von „The Winner Takes It All“. Ganz offensichtlich ist die Wahl das ABBA-Titels alles andere als Zufall.
Pyros und Growling bei Electric Callboy
Electric Callboy bewarben sich ja bekanntlich mit „Pump It“ als deutsche Teilnehmer für den ESC 2022 – und wurden nicht zum Vorentscheid eingeladen. Bei ihrem Konzert geht es etwas anders zu als bei Joost. Die Show startet, als es schon dunkel ist, und bald kristallisiert sich auch heraus, wieso: Die ganzen Pyros, die trotz des Feuerverbot wegen der Dürre zum Einsatz kommen, entfalten so einfach eine viel eindrücklichere Wirkung.


Electric Callboy vollziehen mehrere Kostümwechsel. Das Highlight der Songs ist für mich „RATATATA“, wobei natürlich Babymetal nur auf dem Bildschirm zu sehen sind (im Gegensatz zu Rock am Ring). Aber auch sonst ist die Show einfach nur Energie pur und lässt einen hüpfen. Das Growling, welches man in der Studioversion noch ein bisschen übertrieben findet, macht live, kombiniert mit Bässen, die man spürt, und der ganzen Show einen viel cooleren Eindruck.



Nebsen den Pyros kommen auch Papierschnipsel, Funkenregen und Papierschlangen zum Einsatz – zusammen mit den Lichteffekten und Bässen ebenfalls ein besonderes Gefühl. Die Bilder können dem nicht ganz gerecht werden.


Die Band erzählt uns auch noch von der ersten goldenen Schallplatte in der Schweiz, welche sie am selben Tag für „Hypa Hypa“ verliehen bekommen hat – absolut verdient!
Electric Callboy live zu erleben ist etwas, das ich jedem, der diese Musik mag, uneingeschränkt empfehlen kann.
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Nein, ich schreib ’s jetzt nicht.
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Danke Chris für den ausführlichen Bericht. 🙂
Bei Electric Callboy sieht man schon an den Fotos, wie viel Spaß das gewesen sein muss.
Die Kritik zu Joost Klein klingt ja eher … durchwachsen. Hat der „Friesenjung“ dann komplett auf Deutsch gerappt?
Ich mag Luchtballon, Europapa und Friesenjung. Der Rest ist vom Genre her nicht ganz so meins, und ich denke viel vom Humor verpasst man wahrscheinlich wenn man die Sprache nicht spricht. Den Fans schiens aber zu gefallen und Joost hat gut entertained.
Off-topic:
Angelina Mango performte ihr ESC-Canzone „La Noia“ am 24.08.2024 live auf einem in Italien sehr populären und jährlich stattfindenden Open-Air-Konzert.
Ein heißer Sommer, ein italienisches Lebensgefühl und ein Konzertabend, wie man in nur in Italien erleben kann. 😀
Viel Spaß beim Ansehen.
https://youtu.be/LvaBVpsuqDQ?feature=shared
Gefällt mir gut👍
Ich schaue Eröffnungsfeier Paralympics .
Vielen Dank für das Video! Es macht direkt gute Laune. 😄
Merkwürdiges Festival …
eine verhinderte ESC-Teilnahme (EC)
eine verhinderte ESC-Finalteilnehme (Joost)
eine verhinderte ESC-Kameraeinstellung (Kaleen)
Wo war eigentlich MARUV? ^^
Gut, dass jemand die Verschwörung gegen We will Rave erwähnt!
Auch in der Schweiz keine Kamera?
Kann nirgendwo was ueber meinen Liebling finden
Was genau will uns der Autor dieses Artikels sagen, wenn er die Vermutung anstellt, dass Joost eine Meme gefüllte Show abliefern wird? Mein Deutsch ist da leider nicht gut genug, um den Inhalt zu erfassen.
Tschuldigung, sollte natürlich „Maimai“ heissen.
OT – aber mit ESC-Bezug:
Ich schau gerade die Eröffnungsfeier der Paralympics. Und eben dachte ich mir, das Gesicht und die Stimme kenne ich doch: Sébastien Tellier!
Mit “Devine“ vertrat er 2008 Frankreich beim ESC und ist damit bis heute einer meiner All-Time-Favorites. 🙂
No joke ich war so n Jahr später in Paris, wir gingen Sonntag (Nach)Mittag in ne Bäckerei und da war er inklusive Hunden!
Sehr cool! 😀
im Golfwagen?
Ne, er hatte aber nen Hut auf, was erst verwirrend war. Die vorher erwähnte Brille war tatsächlich da, war ein sonniger Tag.
Er ist quasi die „männliche Barei“ aus Frankreich – der erste Künstler, der (fast) nur englischsprachig unterwegs war beim ESC
Meiner auch …
Fand super, dass er damals für Frankreich angetreten ist.
Absolut. Schau mir den Auftritt regelmäßig an. Nach wie vor großartig. 🙂
Ich auch. 🙂
Sébastien Tellier und Les Fatals Picards. Zwei Jahre hintereinander haben es die Franzosen damit auf meine Favoritenliste geschafft. 🙂
Ach… und noch ein Jahr darauf Patricia Kaas. Die Frau mit der Gänsehaut-Stimme.
Top 3 für mich die letzten 3 Jahre.
Das war offensichtlich. 😉
Wäre sogar 3×1 gewesen, aber dann hatten Kalush und Chanel mich live mehr überzeugt.
Les Fatals Picards waren unterhaltsam, aber nicht so ganz mein Ding, aber 2008 und 2009 sind auch bei meinen Allzeitfavotiten.
Der Hüftschwung der kleinsten, bärtigen Lady rechts hat es dir sicher angetan! 😉
Nein, nein, ich bin ja nicht so oberflächlich.
Ich frage mich sowieso, wie du Sébastien hinter der Sonnenbrille erkannt haben willst und dessen Hunde müssen sehr einschüchternd auf dich gewirkt haben!
Lol genau, Katzen oder Otter wären besser gewesen!
Mit Sicherheit hatte sie den besten Groove der bärtigen Backgrounds. 😉
Find ich auch.
So ein starker Auftritt und sooooo cool. Davon bin ich auch noch immer Fan.
Ach Gott, immer noch das Kamera-Trauma. Vielleicht doch lieber n Back Office Job?
Er ist eben auf Kameras im Smartphone-Format geprägt – professionelle Kameras verursachen offenbar disruptive Zuckungen des Ellenbogens!
Geht mir auch immer so.
Wenigstens wissen wir jetzt wie die Situation mit der Kamera gewesen ist. Vorraussetzung natürlich, dass diese Szene auch genauso nachgestellt worden ist, oder ob dies auf der Bühne gezeigte Szenario eine frei erfundene Bewegung ist und die Situation in Malmö dann doch anders ausgesehen hat.
Ich bin überzeugt davon, dass Joost die Situation ganz akkurat nachgespielt hat. /s
War ganz verwirrt, dachte erst du meinst dich selbst in Bezug auf Kaleen.
„Die ganzen Pyros, die trotz des Feuerverbots wegen der Dürre zum Einsatz kommen, …“
Sehr sympathische Band. (Und jetzt Ironiemodus wieder aus.)
Off-Topic: Netta predicted Genf als Eurovision Host City 2025! Bei ihrer Erfolgsquote geht es dann möglicherweise also eher nach Basel – oder sie liegt erstmals richtig! 😂
https://vm.tiktok.com/ZGeTun3uH/
Der Klein geht einfach gar nicht
Frauen gehen in Therapie. Männer machen, was auch immer Joost da macht.
Da haben sich ja die richtigen Zwei gefunden. Beide haben den ESC für PR genutzt und sonst nicht allzu viel für den Wettbewerb geleistet. Können dann jetzt auch beide in der Versenkung verschwinden und müssen nicht mehr durch Fans zwangsbetreut werden. NEEEEXT!
EC hat den ESC nicht für PR genutzt, sie wollten teilnehmen und das Einzige, was sie gemacht haben istm dass sie ihre Bewerbung öffentlich gemacht haven und dann ihre Ablehnung.
Die Fans sind auf die Barikaden gegangen, nicht sie selber!
Was sollten sie nach der Ablehnung auch für den Wettbewerb leisten?
Wenn sie nicht darauf angesprochen werden, erwähnen sie es gar nicht mehr.
Sie hatten die PR auch nicht nötig, denn seit „Hypa Hypa“ und „We got the moves“ sind sie in der Metal-Szene eine ständig wachsende Größe geworden.
Egal wo sie touren, selbst in Australien, sie füllen große Hallen und das Publikum ist außer Rand und Band!
Wer hier ernsthaft denkt das EC den ESC nötig hat der ist auf den Kopf gefallen. EC war bereits ein sehr großer Name vor ihrer bewerbung. Sie waren da schon auf den Weg zum Europa weiten erfolg. Ihre Teilnahme an den ESC hätte den ESC und Deutschland gepusht. Nicht umgekehrt.
Ich glaube zwar nicht das es die 0 Punkte in schuld war. Aber durch die absage von EC hatte Deutschland sich in diesen Jahr auch keine Freunde gemacht. Das wurde überall in allen Sprachen angesprochen wie dumm die entscheidung war.
Aber zeigt für mich nur das die ESC bubble manchmal gut daran tun würde die bubble zu verlassen um zu bemerken das der ESC für viele nicht als ernsthafte Musik wahrgenommen wird. Die EC ankündigung hatte wiederum wellen selbst bei hatern geschlagen.
Ich denke, Joost wäre schon gerne im Finale gestartet. Und er hat immerhin dem ESC seinen größten Charterfolg des Jahrgangs geliefert (wobei ein Nicht-Chart-Erfolg bzw. geringe Spotify-Zahlen und Youtube-Klicks keinen Einfluss auf meine Sympathien für einen Titel haben).
Klingt für mich so als wollte Joost den ESC komplett abhaken. Brauch sich also keiner sorgen machen das er sich erneut bewirbt wahrscheinlich.
Hoffentlich, das Theater brauchen wir nicht noch mal.