Malta: Destinys „All Of My Love“ wäre beinahe von Poli Genova für Bulgarien gesungen worden

Destiny Malta ESC 2020 Eurovision All Of My Love
Bild: Albert Camilleri

Mit „All Of My Love“ hat Destiny die Herzen vieler ESC-Fans erobert und Malta in die Favoritenriege für den mittlerweile abgesagten ESC in Rotterdam katapultiert. Doch bevor Destiny den Song interpretiert hat, stand es schon in der engeren Auswahl für gleich zwei andere Künstlerinnen: Poli Genova für Bulgarien sowie Bernarda Brunovic in Kroatien.

Poli Genova vertrat Bulgarien im Jahre 2016 mit „If Love Was a Crime“ und erreichte einen tollen vierten Platz, das bis dahin beste Ergebnis für das Land (mittlerweile übertroffen von Kristian Kostovs zweitem Platz 2017). Doch es hätte auch anders kommen können, wie die Sängerin jetzt in einem Instagram-Live mit Krista Siegfrids verriet. Der Refrain von Destinys „All Of My Love“ habe in dieser Form bereits 2016 bestanden und wäre ihre zweite Option für den ESC gewesen. Der Song hatte damals allerdings andere Strophen.

Poli war demnach auch am Songwriting-Prozess von „All Of My Love“ beteiligt, da der Refrain in gleicher Form übernommen wurde. Unter den Songschreibern für den diesjährigen maltesischen Beitrag wird sie allerdings nicht aufgeführt – sie sei einfach vergessen worden, erzählte die bulgarische Sängerin auf Instagram. Gleichzeitig lobte sie Destiny für ihre tolle Version und hofft, dass der Song auch ohne Auftritt beim ESC in Rotterdam erfolgreich sein wird.

Nachdem Poli sich 2016 gegen „All Of My Love“ entschieden hatte, hat Bernarda Brunovic das Lied mit neuen Strophen für die kroatische Vorentscheidung Dora 2020 eingereicht. Unter die 16 Finalisten, die im Finale auftreten durften, schaffte sie es allerdings nicht. Bernarda hat bereits 2019 an der kroatischen Vorentscheidung (Platz 6) teilgenommen, versuchte es 2011 aber auch im Schweizer Vorentscheid (2. Platz mit „Confidence“) und war außerdem 2018 als Teilnehmerin bei The Voice of Germany dabei.

Dort schaffte sie es nach ihrer Blind Audition in das Team von Coach Michael Patrick Kelly und später bis ins Halbfinale. Interessanterweise wurde Ben Dolic in derselben Staffel Zweiter, auch Sandro, der in diesem Jahr für Zypern ausgewählt wurde, war in dieser Staffel dabei und erreichte im Team von Mark Forster die Sing-Offs.

Im vergangenen Jahr war Bernarda zudem Teil des internen Auswahlprozesses in der Schweiz, nachdem sie vom Schweizer Rundfunk SRF kontaktiert wurde. In diesem Rahmen traf sie erstmals auf Borislav Milanov. Letztendlich entstand ihr Song zu spät, um für die Auswahl berücksichtigt zu werden. Allerdings arbeiteten die beiden danach weiter zusammen, woraus „All Of My Love“ in der aktuellen Fassung resultierte.

Nachdem Bernarda Brunovic mit „All Of My Love“ nicht für die kroatische Vorentscheidung ausgewählt wurde, reichte das Team den Song in Malta ein. Nur kurze Zeit später wurde der Song dann auch intern ausgewählt und stilistisch an Destiny angepasst. Bernarda wäre Teil des maltesischen Teams in Rotterdam gewesen und hätte Destiny dort als Backgroundsängerin unterstützt. Wer weiß, vielleicht schafft sie es eines Tages auch selbst noch zum ESC.


8 Kommentare

  1. Na, gut dass Poli sich für „If Love Was a Crime“ entschieden hat. Ich glaube nicht, dass sie mit „All Of My Love“ den Erfolg gehabt hätte.

    • Dem schließe ich mich an. ILWAC ist ein absoluter Bop, mein Platz 2 des Jahrgangs und wohl einer der am wenigsten umstrittenen Beiträge, wenn ich die Frage aufkommt „welcher Song wird von 99 Prozent der Bubble geliebt?“ (außer Euphoria natürlich). Hat Poli alles richtig gemacht!

  2. Das Verwerten „alter“ bzw. verbrauchten Songs in neu ist ja nichts Neues. Der Weißrusse Ivan konnte damit geschickt sich mit seinem eh Plagiat durch die EBU-Regeln schlingeln. Nur gebracht hat es ihm nichts. Mega schlecht gesungen und im Semi angeschlagen. Levina wurde auch hart bestragt. Andere Beispiele könnte ich hier weiter nennen.
    Es ist nur Schade, dass die Kreativität und Innovation für neue Songs auf der Strecke bleiben.

    • Ich finde, es ist allerdings ein Unterschied, ob ein Song wirklich ein Plagiat ist oder ob – wie anscheinend bei „All of my love“ – ein unveröffentlichter Song verbessert bzw. in einem künstlerischen Prozess verändert wird. Einem Maler würde man auch zugestehen, ein begonnenes Bild „liegen zu lassen“ und später daran weiter zu arbeiten. Das gilt auch für Komponisten.

  3. Plagiat hin oder her – für mich bleibt es eine blutleere Auftragskomposition, die außerhalb des ESC wohl keinerlei Aufmerksamkeit bekommen würde. Auch nicht alle Castingshowsieger waren kommerziell erfolgreich. Zudem ist auch die gute Destiny nicht dagegen gefeit zu schreien. Da geht bei mir schnell die Klappe runter

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