Neues Tribute-Video zu „Thank You For The Music“ von ABBA mit vielen schwedischen Stars

ABBA – yesterday, today, forever. Am vergangenen Wochenende haben wir in unserem Stück über den „ABBA World“-Promo-Zirkus noch darüber spekuliert, welche ABBA-Überraschungen der ausrichtende schwedische EBU-Sender SVT in Malmö für uns bereithalten wird – und wenige Tage später wird neben der neuen Doku „ABBA – Against All Odds“ ein Feuerwerk von ABBA-TV-Initiativen bekanntgegeben, über die wir selbstverständlich step by step vollständig und mit der gebotenen Verzückung berichten werden.

Auftakt hat Anfang dieser Woche ein All-Star-Video gemacht, in dem sich insgesamt 31 (!) Sängerinnen und Sänger bzw. Künstlerinnen und Künstler auf Initiative von SVT versammelt haben, um an sehr unterschiedlichen Schauplätzen in Schweden das ikonische „Thank You For The Music“ aus dem Mini-Musical auf „ABBA The Album“ zu interpretieren.

Das ist mega-mitreißend, „easy on the eye“ und wirkt zuweilen auch wie ein Fremdenverkehrsvideo der schwedischen Tourismuswirtschaft. Redaktionell-dramaturgisch sind die Bilder und Locations kreativ und emotional inspirierend ausgewählt und zeigen in der Tat die Vielfalt Schwedens.

Erfreulich auch, dass zwischen 8 und 88 (alle meine Liebe an Siw Malmkvist) alle Generationen, die beim Televoting im Melodifestivalen einzeln abstimmen dürfen, vertreten sind. Folgende Interpretinnen und Interpreten konnte SVT zum Mitmachen motivieren, allen voran 25% von ABBA, nämlich Benny Andersson, am Piano (Aufmacherfoto), der den ABBA Signature Song auch mit Björn Ulvaeus geschrieben hat.

In der Reihenfolge des Video-Auftritts:

  • Miriam Bryant, erfolgreiche schwedische Soulpop-Sängerin aus Göteborg
  • Sebastian Murphy, Leadsänger der Stockholmer Post-Punk-Band „Viagra Boys“
  • Tommy Körberg, ESC 1969 („Judy min vän“) und 1988 („Stad i ljus“ – ein Klassiker)
  • Sarah Klang, die populäre Sarah Linnea Nova Klang hat bislang vier Singer-Songwriter-Alben veröffentlicht

  • Darin Foto oben, u.a. Vierter beim Melodifestivalen 2010
  • Felicia Takman, 26-jährige Stockholmer Sängerin mit frappierender Ähnlichkeit mit Agnetha
  • Victor „Eye Candy“ Leksell, sein No. 1 Hit „Svag“ ist der meistgestreamte schwedische Song, Mitglied von „Björnzone
  • Seinabo Sey, erfolgreiche Soulpop-Artistin aus Stockholm mit Wurzeln in Gambia
  • Hooja, Elektro-Künstlerduo aus der nordschwedischen Bergwerkerstadt Gällivare
  • Björn Skifs, schwedische Entertainment-Ikone, nahm mit „Det blir alltid värre framåt natten“ 1978 am ESC teil
  • Ann-Louise Hanson, Old-School-Schlagerdiva, in den 60ern und 70ern sogar auch in Deutschland überaus erfolgreich
  • Malena Ernman, Opernsängerin, 2009 beim ESC mit Frederik Kempes „La Voix“, Mutter von Greta
  • Titiyo, schwedische Alternative-Pop-Sängerin mit Hits seit dreißig Jahren
  • Daniela Rathana, bürgerlich Daniela Sörensen, früher Chorsängerin, macht seit 2020 solo Karriere als Sängerin

  • Kikki Danielsson, Kikki muss man nicht erklären; wenn es die Wörter „Schlagerikone“ oder auch „Steh-immer-wieder-auf-Ikone“ nicht schon geben würde, sie würden für Kikki erfunden. Und es ist eine so coole Idee vom schwedischen Fernsehen, die ESC-Teilnehmerin von 1985 („Bra vibrationer“) in einer öffentlichen Bücherhalle/Buchhandlung zu filmen.
  • Stor aka Ulises Infante Azocar ist Rapper, kam 1976 mit seinen Eltern aus Chile nach Stockholm
  • Oskar Linnros, Alternativ- Hip-Hop-Rapper mit großen schwedischsprachigen Charterfolgen
  • Lena Philipsson, noch eine Eins-Plus-Schlagerikone, 2004 mit „It Hurts“ beim ESC in Istanbul und live eine sensationelle „Rampensau“
  • Mikkey Dee, Schlagerzeuger aus Göteborg, erst Motörhead, dann Scorpions
  • John Norum, Lead-Guitarist der Hardrock-Band Europe („The Final Countdown“)
  • Howlin‘ Pelle, Howlin‘ Pelle Almqvist ist Leadsänger der Garage Rock Band The Hives
  • Molly Sandén (oscarnominiert), eine Liga für sich, mehrere grandiose Mello-Teilnahmen
  • José Gonzáles, hat argentinische Wurzeln, macht in/aus Schweden erfolgreich Weltmusik

  • Siw Malmkvist, mit 86 Jahren älteste Medley-Teilnehmerin, verdient eigentlich ein eigenes Stück (oder ein ganzes Biographie-Buch), war 1964 zwölf Wochen Nr. 1 in Deutschland („Liebeskummer lohnt sich nicht“), nahm 1960 für Schweden und 1969 für Deutschland am ESC teil, war 2017  auf Tour mit Lill-Babs und Ann-Louise Hanson (s.o.), das Programm hatte den Namen „183 år på scen“ und mit einen ähnlichen „Drei-Skandi-Damen-singen-live-zusammen-im-fortgeschrittenen Alter“-Konzept war sie zehn Jahre zuvor auch in Deutschland mit Wencke Myhre und Gitte (Hænning) erfolgreich (und das war mega). Siw ist Mitglied der schwedischen Music Hall of Fame.
  • Lilly Lexfors, schwedische Nachwuchssängerin (singt die letzte Zeile, ist aber auch quasi die Storyline des Videos)

Nach so einem Line-Up muss man erstmal durchatmen. In jedem Fall dürfte es weltweit kein All-Star-Medley mit so vielen Teilnehmern mit so vielen ESC-Connections geben, wie auch dieses Behind-The-Scenes-Video zeigt:

Ich hab’s schon in den Kommentaren geschrieben. Seit dem Release von „Don’t shut me down“ und „I still have faith in you“ hat mich kein Musikereignis so bewegt, hier sehr nahe am Wasser aufgeschrieben.

Dabei ist die Idee nicht neu, All-Star-Videos gibt’s wie Sand am Meer (die bekanntesten sind sicher die Charity-Initiativen „Do they know it’s Christmas?“ und „We are the World“) aber für den Thank-You-For-The-Music-Clip von SVT gibt es eine klare Vorlage: 2014 hat die BBC mit einer Hommage an den Beach-Boys-Klassiker „God Only Knows“ (in der Bubble verschmäht) die Vielfalt des eigenen „BBC Music“-Angebots großartig gefeiert.

Wie bei SVT ist auch bei der BBC der Song-Komponist (Brian Wilson) als Repräsentant der Copyright-Inhaber (The Beach Boys) am Klavier vertreten (ein Klavier mit einen Tiger drauf, dem mystischen Lieblingstier des Autors dieser Zeilen, welches gleichzeitig ein ABBA-Song ist) und auch hier ist eine mega-coole Crowd von Musikerinnen und Musikern vertreten. Wer beim Schauen des hier verlinkten Videos nicht mitraten möchte, findet alle Namen hier. Nur soviel dazu: Kylie ist schlicht zauberhaft und Chris Martin sah nie besser aus. Und es ist witzig, den Blickwechsel von Liam Payne und Harry Styles zu verfolgen zu einer Zeit, als noch niemand wusste, dass einer der beiden mal der erfolgreichste männliche Solokünstler der 20er werden wird.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass „Thank You For The Music“ für ein solches All-Star-Projekt ausgewählt wurde. Die bekannteste Verbeugung war sicher die Verwendung als Schlusssong des ABBA-Medleys bei den Brit Awards 1999 (u.a. mit Steps und Tina Cousins). Mega-Retro und Retro-Wunderbar ist jedoch vor allem anderen das Thank-You-Medley beim deutschen Finale „Countdown Grand Prix“ im Raab-Jahr 2000. Da waren unter anderem auch Lotto King Karl (mit einer musikalischen Verbeugung vor Udo Lindenberg), Fancy, Knorkator, Corinna May und der Kult-Schlagerjüngling Marcel („Bin ich zu jung, Dich zu lieben?“) dabei.

Moderator Axel Bulthaupt war kaum noch zu halten – gerade auch für seine Niedrigtemperatur-Verhältnisse. Das Medley fand zu einer Zeit statt, als das deutsche Finale noch mehr Zuschauerinnen und Zuschauer hatte als heuer das internationale ESC-Finale (im ARD Vorentscheid um die Jahrtausendwende etwa 10 Mio. Zuschauerinnen und Zuschauer).

Und alles war live. Wiewohl einige Acts (Knorkator, Marcel) sich ihren Text in Ermangelung eines Teleprompters mit Tinte auf die Hand geschrieben hatten, war das um Welten besser als der verunglückte, synthetische ABBA-Vollplayback-Mix beim deutschen Finale 2024. 2000 waren alle zusammen auf der Bühne und man hat die Chemie gespürt. Als Axel Bulthaupt rief: „Wir schicken Euch alle hin“, da will man bei aller Campness spontan zustimmen. Grau ist dagegen die unauthentische Aneinanderreihung von ohne nachvollziehbare Logik wahllos ausgewählten ABBA-Schnipseln beim VE-Intervall-Act in diesem Jahr 24 Jahre später. Speziell beim Lipsynch-Versager Flo Silbereisen fragt man sich: How low can you go?

Weitere All-Star-ABBA-Medleys werde ich demnächst mit einem eigenen Stück zelebrieren. Und es gibt noch viel mehr ABBA-News und -Anekdoten, mit denen ich Euch bereits in den nächsten Tagen zu erfreuen versuche. Lay all your love on ABBA and stay tuned!

„I am behind you, I’ll always find you, I am the tiger“ (vom ABBA Album „Arrival“)

…und schöne Ostertage.



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25 Comments
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undeuxtrois
undeuxtrois
2 Jahre zuvor

Schöne Idee und toll umgesetzt.
Und natürlich toll beschrieben, danke Peter;
Dir auch frohe Ostern 🙂

Matti Meikäläinen
Matti Meikäläinen
10 Monate zuvor
Reply to  undeuxtrois

Ach wat schön. Ich habe mich besonders über das Wiedersehn mit Ann Louise Hanson und Siw Malmkvist gefreut. Letztere war einer der erfolgreichsten Sängerinnen in den Sechzigern in Deutschland.😍🥰.

Sophia ESC
Sophia ESC
2 Jahre zuvor

Weiß eigentlich jemand ob man die Pre party aus Madrid irgendwo streamen kann?

Funi_Cula
Mitglied
Funi_Cula
2 Jahre zuvor
Reply to  Sophia ESC
byJannik
byJannik
2 Jahre zuvor
Reply to  Funi_Cula

Leider kein offizieller Stream, ich frage mich warum sie sich dieses Jahr dagegen entschieden haben. Die Barcelona Pre-Party nächste Woche wird dann übrigens wieder offiziell wie die letzten Jahre bei betevé gestreamt, das haben sie schon auf Twitter bestätigt.

Funicula
Mitglied
Funicula
2 Jahre zuvor
Reply to  byJannik

Ich vermute mal der Verzicht hat mit der streckenweise sehr bescheidenen Soundqualität zu tun. Die heutigen Auftritte sollen nachträglich auf YT hochgeladen werden.

byJannik
byJannik
2 Jahre zuvor
Reply to  Funicula

Stimmt, von gestern sind schon ein paar Auftritte online.

Meikel
Meikel
2 Jahre zuvor

Ach wat schön. Ich habe mich besonders über das Wiedersehn mit Ann Louise Hanson und Siw Malmkvist gefreut. Letztere war einer der erfolgreichsten Sängerinnen in den Sechzigern in Deutschland.😍🥰

duracellhase
duracellhase
2 Jahre zuvor

😍

TADD
Mitglied
TADD
2 Jahre zuvor

Wunderschön, ich liebe es♥️

Matty
Matty
2 Jahre zuvor

Felicia Talkman wäre auch eine Bereicherung für das Melodifestivalen. Einer ihrer aktuellen Songs heißt „Vad är det för fel på, Felicia?“ (Was ist falsch mit Felicia?):

https://www.youtube.com/watch?v=DQ-xgh6aYNI

Miriam Bryant und Victor Leksell duetteten mal zusammen, und zwar handelt es sich dabei um den Song „tystnar i luren“ (Verstummt am Telefon):

https://www.youtube.com/watch?v=F5vK1bN8zmU

Miriam Bryant und Hooja haben auch einen gemeinsamen Song veröffentlicht und der heißt „Vem Fan E Du?“ (Wer zur Hölle bist Du?):

Matti Meikäläinen
Matti Meikäläinen
2 Jahre zuvor
Reply to  Matty

Tystnar i Luren ist so so so schön.

MarkusK
Mitglied
MarkusK
2 Jahre zuvor
Reply to  Matty

Für Hooja hab ich mir vor paar Tagen erst ne Konzertkarte gekauft. Irgendwie bin ich zwar zu alt dafür, aber find die trotzdem irgendwie geil

Banana orgánach
Banana orgánach
2 Jahre zuvor

Habe ich schon gesagt, dass ich dieses Jahr die Abba-Blogs von Peter mitzähle?

Uli Wagner
Uli Wagner
2 Jahre zuvor

Vielen Dank, lieber Peter! Die hellblonde Brillenträgerin, die bei 3:37 gezeigt wird direkt nach Siw, kommt mir bekannt vor…!?

Matti Meikäläinen
Matti Meikäläinen
2 Jahre zuvor

Ich hoffe ja jedes Jahr aufs Neue, Victor Leksell endlich auf der Mello-Bühne zu sehen. Der erste Schritt wurde in diesem Jahr ja schon gemacht als Teil von Björnzone 🥰

byJannik
byJannik
2 Jahre zuvor

Off-Topic:
Ihr hattet ja die Tage darüber berichtet, Nemo war heute im Schweizer Fernsehen zu sehen. Falls jemand den Auftritt verpasst hat, gerade ist er noch bei YouTube zusehen:

inga
inga
2 Jahre zuvor
Reply to  byJannik

Wow, starker Auftritt. Das Outfit halte ich allerdings für gewöhnungsbedürftig.

inga
inga
2 Jahre zuvor
Reply to  inga

Ich muss nochmal wiederholen, was ich bereits an anderer Stelle schrieb: Ich verspüre Gewinner-Vibes. Saustark.

Matty
Matty
2 Jahre zuvor

In Peters Artikel hat sich übrigens ein Fehler eingeschlichen! Siw Malmkvist nahm zusammen mit Towa Carson und Ann-Louise Hanson 2004 am Melodifestivalen teil und der Wettbewerbsbeitrag hieß „C’est la vie“ und das Trio erreichte damit auch das große Finale:

MarkusK
Mitglied
MarkusK
2 Jahre zuvor

Schöner Artikel, Peter! Auch für die Erklärungen der Künstler. Und viele Künstler mit ESC- bzw. Mello-Bezug (heißt es damit eigentlich, dass die anderen damit auch ESC-Bezug haben?).
Miriam Bryant hab ich letztes Jahr bei nem Konzert mit Veronica Maggio (ganz toll!) erlebt. Ich kannte und liebte Veronica und bin eigentlich wegen ihr zum Konzert, aber danach auch als Miriam-Fan rausgekommen. Die beiden haben 40(!!) Lieder gespielt.

Und Hooja hat sogar schon einen Auftritt mit Malin Aakerman gehabt – wenn das kein Vorbote auf Malmö ist? https://www.youtube.com/watch?v=_SzID14OYVY

AgnethaFrida
AgnethaFrida
2 Jahre zuvor

Danke für den Artikel, Peter, wäre sonst bestimmt an mir vorbeigegangen.

Kleine Ergänzung: Tommy Körberg und Björn Skifs waren nicht unmaßgeblich am Soundtrack zum Musical „Chess“ von den ABBAs Björn und Benny gemeinsam mit Tim Rice beteiligt, haben also schon immer eine gewisse Nähe zu ABBA gehabt.

AgnethaFrida
AgnethaFrida
2 Jahre zuvor
Reply to  AgnethaFrida

Ach ja, von mir auch Frohe Ostern an das Team von ESC-Kompakt und alle User hier.

Matty
Matty
2 Jahre zuvor
Reply to  AgnethaFrida

Wünsche ich dir auch