Noch ein ABBA-Jubiläum: Der Eurovision Song Contest 2024 in Malmö markiert das 50-jährige Jubiläum von ABBAs legendärem „Waterloo„-Erfolg im englischen Seebad Brighton in 1974. Die Emotionen rund um dieses „Goldene Hochzeit“-Festival sind so groß, dass nach dem Erfolg von Loreen in Liverpool schon wirre Spekulationen ins Kraut schossen, dass dieser siebte ESC Sieg Schwedens extra dafür irgendwie herbeimanipuliert wurde – und dass sich ABBA selbstverständlich für dieses magische Anniversary wieder vereinen würden.
Letzteres hat das ABBA-Management schnell abgeräumt, aber genauso sicher ist, dass ABBA in diesem Jahr in der Bubble eine prägende Rolle spielen werden – und schon gespielt haben. In Schweden durfte die Irgendwie-ABBA-Revival-Band A*Teens bereits im ersten Melodifestivalen-Semi ein ABBA-plus-Medley zur Reunion nutzen. Eingestiegen sind die Schweden (u.a. besetzt mit Marie Sernehold, der Ex von Måns „QX Man of the year“ Zelmerlöw) mit „Mamma Mia„, ausgestiegen mit dem TikTok-Burner „Gimme! Gimme! Gimme!“.
In Deutschland gab es in der Vorentscheidung „Das deutsche Finale 2024“ ein eher missglücktes ABBA-Medley als Intervallshow (gerissen unter anderem von der missglückten Songreihenfolge und einem unvorbereiteten Florian Silbereisen), aber in Serbien war die ABBA-Show in der Votingpause des ersten Halbfinales von „Pesma za Evroviziju 2024“ großes Kino.
Was sich das schwedische Fernsehen SVT für den ESC noch an redaktionellen ABBA-Überraschungen ausgedacht hat, verliert sich mit einer Ausnahme (siehe weiter unten) noch in den Nebeln von Norwegen, aber fünf Organisationen/Institutionen, die beauftragt und erfolgreich damit sind, den ABBA-Songkatalog merkantil zu verwerten, haben sich in dieser Woche bereits mit dem Joint Venture „ABBA World“ zu Wort gemeldet.
ABBA World ist ein Pop-Up-Store mit verkaufsintensivierender Ausstellung und zwar während der beiden ESC-Wochen vom 29. April bis zum 12. Mai 2024 in der Malmöer City (Södergatan 28). Auf zwei Stockwerken gibt es Exponante aus dem ABBA-Museum in Stockholm zu besichtigen und die fünf ABBA-World-Joint-Venture-Partner präsentieren sich wohl mit eigenen Desks, um ihre ABBA-Produkte zu verhökern:
- ABBA The Museum: Museumsbesuche und Merchandise
- ABBA Voyage: Showtickets und Merchandise
- MAMMA MIA!: Musicaltickets
- MAMMA MIA! The Party: Dinnershow-Tickets
- Polar Music International AB: ABBA in allen Facetten und Formaten (Vinyl, CD, Kaffeetassen, Kofferanhänger, Textilien etc. – you name it)
Spin-Doktoren aller dieser Rechtevermarkter sind übrigens die ABBA-Männer Björn Ulvaeus und Benny Andersson persönlich, die sehr offen darüber sprechen, dass das ABBA-Comeback und alles drumherum durchaus auch „Money, Money, Money“ im Blick hat.
Was sich genau hinter „ABBA World“ verbirgt, bleibt noch offen. Laut Presseinfo gibt es eine Mini-Ausstellung und eine „pop-up experience“, was erstmal sehr beliebig klingt. Auch in Liverpool gab es bereits eine kleine ABBA-Pop-Up-Initiative, wo in allererster Linie für ABBA Voyage, die sehr lohnenswerte ABBAtar-Show in London, getrommelt wurde.
Aber es geht um ABBA und das Museum ist fantastisch, die ABBA Voyage Show ist mega und das Musical lohnt sich immer und fast überall. Also why not?
Tickets für ABBA World gibt es ab sofort hier. Der Eintritt in das ABBA Marketingparadies kostet umgerechnet knapp 5 Euro.
Die maximale ABBA-Cash-Cow-Strategie ist sehr kalkuliert, but so what? Es geht schließlich um ABBA und das Allermeiste aus dem Merchandise-Katalog ist großartig und „value for money“. Der Autor dieser Zeilen kann das beurteilen, denn ich habe gleich zwei altar-ähnliche ABBA-Stuff-Lager (einen im Office, einen zuhause).
Und es gilt: Zuviel ABBA geht nicht. Das gilt auch für ein ABBA-EBU-Projekt. Es gibt ungezählte ABBA „Dokumentationen“ (am besten und wahrhaftigsten ist da übrigens unverändert der in Australien produzierte Spielfilm „ABBA The Movie„), aber im Vorfeld des ESC 2024 wird es noch eine geben, die unter Federführung der EBU Mitglieder DR (Dänemark) und SVT (Schweden) entwickelt wurde.
Als Copyright-Leader von „ABBA – Against All Odds“ (ist das ein gut gewählter Name?) wird die „EBU Documentary Group“ genannt, die für die größte Kollaboration der EBU-Geschichte zwölf EBU-Mitglieder als Produktionspartner versammelt hat. Regie führt der britische Filmemacher James Rogan. Die vier ABBAs persönlich waren nicht involviert. Mindestens 15 EBU-Sender werden die Doku ausstrahlen, Premiere war am Wochenende auf dem „Copenhagen International Documentary Film Festival„.
Man wird in der Doku unter anderem erfahren, dass Pete Townshend von The Who „SOS“ für den besten Popsong hält, der jemands geschrieben wurde. Hey Hey Helen, keep an eye on Pete.
Ein roter Faden der Doku befasst sich damit, dass ABBA zu ihren aktiven Zeit NICHT als die Pop-Ikonen identifiziert wurden, die sie nach fünf Jahrzehnten geworden sind (unter anderem dank Meryl Streep und TikTok)
Regisseur James Rogan beschreibt das so:
„ABBA lachen zuletzt, denn sie bleiben Kultur-Ikonen – und das beinahe auf der ganzen Welt. Die Menschen lieben ABBA und noch mehr, sie suchen ABBA-Erlebnisse. Die Erfahrung, diese Dokumentation zu machen, ist einfach wunderbar.“
In der Tat sind ABBA in der Musikindustrie neben K-Pop-Stars wie BTS oder Blackpink das Maß aller Dinge, wenn es um das intelligente und glaubwürdige „Melken“ des Musikkatalogs geht. Nur ein Beispiel: Die Best-Of-Compilation „ABBA Gold“ ist in dieser Woche Platz 12 der UK Albumcharts und dort seit 1.142 Wochen platziert.
Ich hab schon so viel über ABBA geschrieben (mein Lieblingsstück), will aber keinen ABBA-Beitrag ohne „something personal“ als Rausschmeißer abschließen:
Dafür habe ich eine ABBA-CD-Rezension fotografiert, die schon seit zwei Jahrzehnten meinen Kühlschrank schmückt. Sie ist in der Londoner „Gay Times“ anlässlich der Wiederauflage der acht klassischen Studioalbum mit hochwertigsten Bonusleistungen (Bonustracks, Booket, Luxus-Ausstattung) erschienen. Das war nach der ersten ABBA-Revival-Welle Mitte der 90er Jahre und ich habe das genauso krass gefeiert wie der Gay-Times-Rezensent. Seinen Schlusssatz „Please ignore the rest of this page“ finde ich bis heute megawitzig. Wieso sollte man überhaupt noch andere Musikrezensionen lesen, wenn es etwas Neues von ABBA gibt?
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Das ABBA eine große Rolle zum 50 jährigen Jubiläum spielen würde, war uns doch schon klar seit dem Sieg von Loreen.
Könnte mir vorstellen das per Photoshop jedes ABBA Mitglied eine der Jahreszahlen von 2024 hält auf vielen Flyern rund um den ESC.
Ach was freu‘ ich mich, wenn im Jahr 2034 Schweden zum achten Mal den ESC gewonnen hat – also sechzig Jahre nach dem Sieg von ABBA in Brighton. 😀
Sorry war nicht böse gemeint. Aber das konnte ich mir jetzt wirklich nicht verkneifen.
Das Abba Museum fand ich ebenfalls wie Peter schon super! Deshalb haben wir uns auch Karten geholt. Für etwa 5 Euro erwarte ich zwar nicht viel, aber wenn schon denn schon sage ich mal. Wenn wir schon fahren dann mit allem was dazugehört 😉
Ich kann den ABBA-Hype absolut nicht nachvollziehen und finde es persönlich auch nervig (und das deutsche Intervall-Medley war leider super peinlich). Vielleicht bin ich auch einfach zu jung, um diesen Hype ganz stilecht nachvollziehen zu können.
Aber jeder so, wie er und sie mag 🙂
Geht mir auch so.
Schweden hat NUR wegen des ABBA Jubiläums gewonnen. Das ist ärgerlich, da bessere Acts nicht so bewertet wurden, wie sie es verdient hätten
Na ja, das glaube ich nun wirklich nicht. „Tattoo“ hat halt viele Menschen erreicht, fand ja auch, dass es deutlich bessere Songs gab, … aber nun ja. Eher denke ich, dass es an der Persönlichkeit Doreen lag, ein gewisses Charisma kann man ihr ja auch nicht absprechen…
Wer ist denn diese Doreen??😉
Loreen natürlich.😅
Glaube ich nicht, alle Bekannte oder Freunde von mir, fanden Schweden viel besser als Finnland zum Beispiel. Finnland war für die meisten am Anfang zu „anders“ und/oder zu „nervig“.
Ich denke, dass unsere Sicht als Fan/Hardcore Fan manchmal unsere Sicht auf die Songs verändert.
@Peter: Hast du schon das SVT Video mit den vielen schwedischen Stars gesehen? https://www.youtube.com/watch?v=s8WF2H5STIo -> Vielleicht auch ein Vorgeschmack auf Malmö? Was ist deine Bewertung für diese ABBA Choreo?
Ich find’s mega und werde darüber noch ein eigenes ABBA Hommage Stück machen.
Ich muss bis zur Veröffentlichung nur einmal schaffen, die ThU4the🎶 Verbeugung durchzugucken, ohne vor Verzückung zu weinen.
Und ein Arrangement von Marti Fischer gibt es auch zu ABBA: https://www.youtube.com/watch?v=XRu6phWfuc8 (mit Gesang von [ESC Relevanz!] Leslie Clio)
Hier noch ein Tip für den 06.04. auf SVT.
https://www.svtplay.se/video/jE4B5G5/en-fest-for-abba