Advent der liebsten Blogger-ESC-Momente (12): Mamma-Mia-Musical-Premiere in Hamburg

Am Nikolaustag habe ich Euch mitgenommen auf eine Zeitreise zum 25. Oktober 2019, als ich das erste und einzige Mal die erfolgreichste ESC-Band aller Zeiten (Måneskin, bitte aufpassen, das ist Eure Benchmark) live erleben durfte.

Heute machen wir einen Zeitsprung von (fast) exakt 19 Jahren zum 19. Oktober 2002. An diesem Tag durften wir die allererste Aufführung des ABBA Musicals „Mamma Mia“ in deutscher Sprache erleben.

Ich könnte diesen Adventskalender ganz alleine und ausschließlich mit ABBA-related Erinnerungen vollschreiben, aber dieser Hamburger Musical-Abend war speziell herausragend.

Über den Welterfolg des Musicals „Mamma Mia“ und wie es seit der Premiere am 6. April 1999 die Karriere und den Welterfolg von ABBA re-aktiviert und beflügelt hat, habe ich hier auf dem Blog schon häufiger geschrieben. Ich hatte die Londoner Version im Prince Edward Theatre in London auch schon zweimal sehen dürfen (nicht die Premiere), bis die Ankündigung kam, dass es eine deutsche Version gibt – mit (Achtung – ESC Bezug) deutschen Texten von Michael Kunze, der auch für den 77er-ESC-Beitrag „Telegram“ (Silver Convention) den Text geschrieben hat. Vor allem zeichnete MK aber auch für Silver Conventions „Fly Robin Fly“ verantwortlich, einem US-No.-One-Erfolg, der für den Autor dieser Zeilen zu den besten Songs ever ever ever gehört und von mir bis heute bis zum Anschlag glorifiziert wird (wie hiermit wieder geschehen).

Für die „Mamma Mia“ Deutschlandpremiere im Operettenhaus in Hamburg hatte sich die Stage Holding (ebenfalls mit Sitz in HH) etwas ganz besonderes ausgedacht. Vor der offiziellen Premiere gab es mehrere Liveerprobungs-Vorstellungen mit Publikum. So wie man es auch vom Westend oder Broadway kennt und die allererste davon machte die Stage Holding zur „1. Fan-Vorstellung“ und dafür reiste sogar extra Benny Andersson an (sehr zu Freude von Freund Harald und mir, die nur wenige Reihen hinter ihm Platz nehmen durften).

Das Mamma-Mia-Ersterlebnis in Hamburg war logischerweise magisch und wiewohl ich „Mamma Mia“ schon kannte, waren wir alle komplett hingerissen. Zwar ist die Geschichte (wie so oft bei Musicaladaptionen) nicht Pulitzerpreis-verdächtig, aber die ABBA-Hitklassiker und die großartigen Texte von Michael Kunze (den wir bei Ralph-Siegels Zeppelin-Premiere wiedergesehen haben) haben für ein Adrenalin-Feuerwerk seinesgleichen gesorgt.

Was ich heute hervorheben möchte: Das Musical ist gespickt mit ABBA-Hits, aber im zweiten Akt gibt es einen Song, der in der ABBA-Aktivzeit unter ferner liefen wenig beachtet wurde und der erst durch den weltweiten Musical-Siegeszug und vor allem auch durch die Hollywood-Filmversion von Mamma Mia zu einem ABBA-Signature-Song wurde: „Slipping Through My Fingers“ vom Spätwerk „The Visitors„. „Slipping“ fehlt heute in so gut wie keiner ABBA-Top-Ten auf TikTok, dafür dürfte vor allem Meryl Streep gesorgt haben.

Wir waren am 19. Oktober 2002 mit einer großen Clique dabei (an alle, falls sie dies hier lesen, superherzliche Grüße und eine feste Umarmung), aber bis auf das damalige Original-Fanticket, was gleichzeitig auch die Einlasskarte für die After-Show-Party im Kult-Café Keese war, sind keine Bilder überliefert. Denn 2002 waren das iPhone/Smartphone und die Gründung des PRINZ-Blogs noch weit weg (das war 2008), aber mit Janni und Tjabe waren schon zwei spätere PRINZ-Blogger und Freunde bei der Fanpremiere dabei.

Gerne denke ich auch an die After-Show-Party im Café Keese zurück. 2002 waren Partys, auf denen ausschließlich ESC-Musik gespielt wird, noch superexotisch und superselten. (Die ersten ESC-Party-Only-Erfahrungen durften wir ein, zwei Jahre später nach den Melodifestivalenfinalshows in Stockholm im Linos sammeln, wo damals übrigens noch der Lynda-Woodruff-Co-Erfinder Edvard af Sillén auflegte. Aber auch die Nächte im Linos waren eher Mello- als ESC-Partys.) Aber einen ganzen Abend nur ABBA-Musik wie im Café Keese, das war einzigartig! Ich erinnere mich noch gut, wie ich mit Petra bis zur Erschöpfung auf dem Dancefloor herumgetobt habe, eben nicht nur zu den „größten ABBA Hits“ wie es auf dem Fanticket steht, sondern auch zu Songs „Kissed Of Fire„, „As Good As New“ oder „Me and I„.

Einen weiteren ESC-Bezug der „Mamma Mia“ Fanpremiere darf ich keinesfalls unterschlagen: Die Hauptrolle der Donna war mit Carolin Fortenbacher besetzt, die sechs Jahre später am Vorentscheid im Deutschen Schauspielhaus teilnehmen sollte. Im Finale war sie den „No Angels“ mit nur einem Prozentpunkt Unterschied im Televoting unterlegen. Moderator Thomas Hermanns kommentierte das Finale damals mit den Worten: „Es sind nur Acts mit Windmaschine weitergekommen.“ Das ist mir noch genauso in Erinnerung wie der Pausenact Charlotte Perrelli, die wir damals im benachbarten Hotel Maritim-Reichshof „gestalkt“ haben.

2008 haben übrigens – Achtung, Parallele zu 2022 – fünf Acts am deutschen Finale teilgenommen, so wie es jetzt erstmals wieder für das deutsche Finale im nächsten Jahr geplant ist. Wie es damals ausging, ist hinlänglich bekannt (12 Punkte für Deutschland aus Bulgarien), hoffen wir mal, dass der deutsche Zieleinlauf kein Indikator für das kommende Jahr ist…

Über 1.200 Mal hat Carolin F. die Donna im Hamburger Operettenhaus gespielt und dass „Mamma Mia“ der größte künstlerische Meilenstein ihrer Karriere ist, kann man auch in diesem aktuellen Hamburg Interview des Glossy-Mags Opium von Freund Gunnar (Henke) nachlesen.

Der weltweite Erfolg von „Mamma Mia“ ist ungebrochen (und lässt jeden Monat die Lizenz-Cash-Eingänge auf den Konten von Björn und Benny sprudeln) und wie der Zufall es will, kehrt die ABBA-Feelgood-Show (coronabedingt später als geplant) im Mai 2022 nach Hamburg zurück, diesmal in die Neue Flora. Hoffen wir mal, dass es wieder eine Fanpremiere gibt und Benny wieder aus Stockholm rüberkommt. History repeats itself, wir sind dabei.

Bislang in unserem Adventskalender erschienen:

(1) Mein „erstes Mal“
(2) Die BRAVO und ein Kindheitstrauma
(3) Der ESC 2000 in Stockholm
(4) Ein Hoch auf Moya Doherty
(5) Null Punkte und das Comeback von Ann Sophie
(6) Abba 1979 live in Dortmund
(7) Der Euroclub in Kiew
(8) Jamala Sieg in Stockholm
(9) Hier geht es nicht um Oslo und Lena
(10) Deutscher Vorentscheid 2019 und Eurovision in Concert in Amsterdam
(11) Aufregung nach einem Jahr ESC-Entzug

2020: Advent der besten DACH-ESC-Beiträge
2019: Advent der besten ESC–Momente


9 Kommentare

  1. Dann gehörte ich wohl auch zu einem der ersten Zuschauer, die das Musical auf deutsch sehen durften.

    Wobei, sehen ist das falsche Wort, erleiden trifft es besser. Hanebüchene Geschichte, professionell inszeniert und schreckliche Texte in deutscher Sprache.
    Als ABBA-Fan der ersten Stunde drehen sich noch heute bei mir die Fußnägel nach innen, so schmerzhaft ist mir das in Erinnerung geblieben.

    Fremdschämen war das geringste Gefühl, eher Zorn über das Sakrileg, ein ABBA-Lied auf Deutsch zu übersetzt zu haben.

    Mich schaudert‘s noch.
    Gottseidank sind die Gedchmäcker ja verschieden.

    PS. Um den Konzertbesuch beneide ich Dich, das ist mir nicht vergönnt gewesen.

    • Du hast wohl noch nie ABBA-Lieder in anderen Sprachen gehört,oder? Ob Ungarisch Portugiesisch, Japanisch oder oder oder. Ich finde es schön zu wissen, dass die Lieder in jeder Sprache verstanden werden.

  2. Ich bin ja gar kein Musicalfan, aber den „Mamma Mia“-Film habe ich gesehen, weil meine Nichten große Fans sind/waren. (Keine Ahnung, was ihnen momentan gefällt … das ändert sich in dem Alter so schnell …) Das war natürlich keine große Kunst, aber sehr kurzweilig.

      • „Muriels Wedding“ liebe ich auch. Habe ich mir erst vor ein paar Wochen noch mal angesehen. Und ja, vor allem der todtraurige Blick der Mutter kann einen schon bis in den Schlaf verfolgen.

  3. Danke Peter, für diesen Adventskalender-Beitrag.
    Ich schrieb neulich, dass ich bei der Welttournee 1979 noch hinter dem eisernen Vorhang saß. Aber 2002/03 war der längst Geschichte. Hatte erst im Herbst 2003 das Glück das erste mal im Operettenhaus sitzen zu dürfen, aber seitdem habe ich keine Mamma Mia-Produktion in Deutschland verpasst – Hamburg, Essen, Stuttgart, Berlin.
    Auf einer Stadtrundfahrt in Paris sagte meine Begleitung zu mir: Hast du das Mamma Mia-Plakat gesehen? Abends saßen wir dann im Theater und haben Mamma Mia auf französisch geschaut. Das Publikum lachte, wir hatten kein Wort verstanden: Da ich aber die deutschen Sprech-Texte praktisch auswendig mitsprechen kann, habe schnell erklärt, worüber gelacht wurde…
    In Basel habe ich die englischsprachige Tourvorstellung besuchen dürfen usw. usf.

    Eins muss ich noch gestehen an dieser Stelle: Wenn ihr mal in einer Mamma-Mia-Aufführung sitzt und in der Kunstpause bei „I Di, I Do,…“ jemand ruft „Donna sag ja“, dann bin ich es.

    Beste Grüße an alle auf dem Blog, ganz besonders an die treuen ABBA-Fans.

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