Advent der liebsten Blogger-ESC-Momente (9): Hier geht es nicht um Oslo und Lena

Als es darum ging, diesen Adventskalender zu konzipieren, schrieb Kollege Douze Points in unsere Blogger-WhatsApp-Gruppe, wir sollten irgendwie sicherstellen, „dass nicht 6 mal der ESC in Oslo erwähnt wird“. Da hatte er natürlich Recht, aber gleichzeitig kann ich unmöglich meine liebsten ESC-Momente aufzählen, ohne den Eurovision Song Contest 2010 zu erwähnen. Das liegt bei mir aber nicht nur an der Lena-Mania und dem deutschen Sieg, sondern auch daran, dass es mein erster ESC vor Ort war und ich in diesem Jahr deshalb ganz viele erste Male erlebt habe. Um die soll es an dieser Stelle dann auch vorrangig gehen. Alles weitere haben wir bereits im vergangenen Jahr zum 10-jährigen Satellite-Jubiläum in einer ausführlichen Serie gewürdigt. Und alles, was es darüber hinaus zu Lenas Sieg zu sagen gibt, sagt das folgende Foto.

Ähnlich wie Douze Points das über seinen ersten ESC vor Ort berichtet hat, bin ich 2010 ganz und gar ahnungslos nach Oslo geflogen. Unvorbereitet, könnte man auch sagen. Das fing schon bei der Überlegung an, dass es sich während meines Auslandsjahres in Schweden doch anbieten würde, den ESC im benachbarten Norwegen zu besuchen. Nicht wirklich auf dem Schirm hatte ich aber, dass Umeå doch gar nicht so nah an Oslo liegt, wie man das denken könnte und dass es von dort außerdem keine direkten Flugverbindungen ins Ausland gibt (von Frankfurt dagegen schon). Immerhin hatte ich soweit mitgedacht bzw. mich informiert, dass ich noch 2009 in den Fanclub OGAE Germany eingetreten bin, um mir eines der begehrten Ticketpakete zu sichern. (Ich habe nochmal alte Mails durchgeschaut: Damals konnten ALLE Ticketwünsche der Fanclubmitglieder erfüllt werden!)

Was mir im Vorfeld jedenfalls nicht klar war: Dass es vor Ort jeden Abend eine Party geben würde, auf der den ganzen Abend lang ausschließlich zu Eurovision-Musik gefeiert wird. Der Euroclub (mehr dazu hat Peter bereits hier geschrieben) ist für mich jedes Jahr eines der Highlights und ich versuche ihn zwei Wochen lang jeden Abend voll auszukosten. Andere machen Fasnacht, Après-Ski, Urlaub in der Wildnis, Oktoberfest, Jakobsweg, Ballermann und alle möglichen anderen Sachen, meine jährliche Extra-Dosis Energie für die nächsten 50 Wochen tanke ich im Euroclub. Auf den Partys in Oslo hatte ich – trotz Blogs und Fanclubs – zum ersten Mal richtig das Gefühl: Hier gibt es noch mehr Leute, die das mögen, was ich mag.

Obwohl der ESC auch 2010 schon mehr und mehr zum (Vor-Ort-)Massenevent wurde, war damals alles noch viel entspannter: In den Euroclub kam man auch als Nicht-Akkreditierter problemlos rein, an Tickets kam man – wie oben geschrieben – auch mehr oder weniger problemlos und an einem Tag konnte ich sogar ohne Akkreditierung erstmals Pressezentrumsluft schnuppern. Auch ich war noch entspannter und verbrachte meine Woche in wechselnder Besetzung in einem 5-Bett-Zimmer im Hostel Sentrum Pensjonat. Wie man das als Student eben so macht…

Der wahrscheinlich wichtigste Aspekte aber war, dass ich ganz schnell ganz viele nette ESC-Fans gefunden habe, die dann teilweise auch meinen weiteren Weg in der ESC-Welt geprägt haben. Peter zum Beispiel, der mich einige Jahre später als Blogger für den PRINZ-Blog rekrutiert hat, habe ich schon zwei Monate vor dem ESC bei meinem ersten Live-vor-Ort-Melodifestivalen kennengelernt. Douze Points und ich haben uns dann später in Oslo getroffen. 2010 ist also so gesehen auch ein wichtiges Jahr für das Projekt ESC kompakt – auch wenn wir davon damals noch nichts wussten.

Bislang in unserem Adventskalender erschienen:

(1) Mein „erstes Mal“
(2) Die BRAVO und ein Kindheitstrauma
(3) Der ESC 2000 in Stockholm
(4) Ein Hoch auf Moya Doherty
(5) Null Punkte und das Comeback von Ann Sophie
(6) Abba 1979 live in Dortmund
(7) Der Euroclub in Kiew
(8) Jamalas Sieg in Stockholm

2020: Advent der besten DACH-ESC-Beiträge
2019: Advent der besten ESC–Momente


27 Kommentare

  1. Ach…. Das Gefühl und die Erfahrung kenne ich ganz gut….
    Bei mir heißt es halt Karneval (Fastelovend, Fasteleer)

    Ich meine, was für dich Euroclub 2010 war, war für mich Oma Kleinmann 1998 😂

  2. Ich verbinde Oslo vor allem mit 2 Dingen:

    1. Meine Lieblingsbühne
    2. Jeder im Wohnzimmer meiner Eltern hatte im Finale einen anderen Lieblingsbeitrag. Mein Favorit Estland ist damals leider schon im Halbfinale ausgeschieden, weshalb ich im Finale Team Türkei war.

    • Die Bühne fand ich auch sehr gelungen. Da sieht man mal, was möglich ist, ohne Riesen-LED-Wände.🙂
      Mein Favorit war im Finale war auch die Türkei, (Estland fand ich doch etwas „gewöhnungsbedürftig“).
      Dafür habe immer Sieneke nachgeträllert – „Schala-li, Shalala“ – putzig😀. War natürlich klar, dass sie keine Chance hat.😉
      Lena war schon gut und erfrischend, aber irgendwie war sie nicht meine Favoritin. Aber da ich den Jahrgang musikalisch nicht als sooo stark eingeschätzt habe, rechnete ich schon mit einer guten Platzierung. Aber „Taken By A Stranger“ war schon großartig. Hat mir viel besser gefallen.🙂

      • Eigentlich war klar, dass Lena gewinnen würde, aber da man 2010 seit 10 Jahren immer wieder gelesen und gehört hatte, dass die traditionellen ESC-Länder nicht mehr gewinnen könnten, weil man sich im Osten und Norden die Punkte hin- und herschiebt, habe ich damals auf ESC Today tatsächlich vollkommen peinlichen Unsinn geschrieben: „I am sure that Lena would win if she represented any country east of Gorizia.“ Heute schäme ich mich für diesen dummen, unhöflichen und aus Vorurteilen gespeisten Kommentar. Wenn man sich z. B. den Jahrgang 2007 objektiv anschaut/anhört, in dem sich im Halbfinale nur Lieder aus Osteuropa durchgesetzt haben, dann muss man ganz einfach zugestehen: Das waren halt die stärkeren Beiträge. Wer sonst hätte sich denn qualifizieren sollen? Andorra? Island? Portugal? Die waren mMn alle i. O., mussten abr nicht unbedingt ins Finale. Ich jedenfalls finde die Qualifikanten auf den HF-Plätzen 8 bis 10 stärker. Und so sehr in Roger Ciceros Musik liebe, verstehe ich sehr gut, warum sein Beitrag beim europäischen Televotingpublikum nicht gezündet hat. Das war schon sehr deutsche Nische …

        Sieneke fand und finde ich ganz ganz schlimm. Sie ist aktuell auf Platz 37 meiner 2010-Liste; nur Belarus und das UK liegen noch dahinter. Aber bei „Taken By a Stranger“ sind wir uns dann wieder einig. 🙂

      • Manga war damals auch mein Favorit, Styling war allerdings misslungen und irritierend. Das „Ost-Problem“ ich war meine ich 2008 am eklatantesten, wurden danach nicht die Lostöpfe eingeführt? Das Problem ist, dass objektiv ex-YU und die Russosphere zwei grosse Musikmärkte sind.
        Gern vergessen wird, dass AZE 2010 der Favorit war, mit einem eigentlich für Rihanna geschrieben Song. Die EBU blockte das mit einem Todesslot; die Azeri Delegation tat dann das übrige mit dem absurden Treppe-runterstolpern und der running-for-the-bus Sequenz. Lena hat schon verdient gewonnen; mit der spartanischen Inszenierung war sie Zeitgeist.

      • Klar hat Lena verdient gewonnen. Man kann ja andere Favoriten haben und der Siegerin dennoch Respekt zollen. Lied und Auftritt waren ja auch alles andere als schlecht.
        2008 ist auch das einzige Jahr, mit dem ich bis heute Probleme habe. Georgien vor Portugal? WTF? Und mit den lettischen „Piraten“ und der quakenden Griechin auf Platz 3 will ich gar nicht erst anfangen. Und der Siegertitel? Der kam tatsächlich nur im Osten an, aber Dima B. war dort ja auch schon zuvor ein großer Name. Andererseits finde ich, dass „Believe“ auch nicht schlechter ist als „Waterloo“ (mMn einer der schwächsten ABBA-Songs …)

      • Pirates of the sea ist auch für mich ein Tiefpunkt der ESC-Geschichte, Dustin the Turkey/Jendrik Level. Und Waterloo sehe ich auch als einen der schwächsten ABBA-Songs – aber das war damals, siehe Mouth & McNeal, wohl zeitgeistig.

      • „With a hi hi ho and a hi hi hey …“ ♫♪♫

        Das ist so dumpf, dass es das Gehirn schädigt …

      • @togravus ceterum

        Ich protestiere: Island 2007 hätte auf jeden Fall ins Finale gehört! So!😉
        Ansonsten bin ich mit Dir schon d’accord, dass sich die osteuropäischen bzw. südosteuropäischen Länder meist einfach die besten Beiträge hatten. Hat man 2007 ganz krass gemerkt.

      • Portugal 2008 gehörte (neben Norwegen) zu meinen Jahrgangsfavoriten. „Believe“ war einfach nur grausam schlecht.😕
        Oh, und das „Quietscheentchen“ von 2008 ging gar nicht! Ich persönlich habe auch mit „Shady Lady“ meine Probleme, war mir irgendwie zu abgehackt, und irgendwie auch zu aggressiv.

      • Mit „Quietscheentchen“ meinte ich die Griechin. Die Stimme klang in meinen Ohren wie eine Tür, die man wieder mal ölen sollte. Fand ich sehr unangenehm.😉

      • An Shady Lady gefällt mit gerade das Nervöse und Agressive. Norwegen 2008 ist mein Platz 12 mit 8/12. In dem Jahr gab es so viele tolle Lieder. Meine Reihung: SRB – TUR – PRT – ISL – ALB – FRA – UKR – MAK – ISR – HRV – SMR. Ich habe tatsächlich noch immer 12 Lieder in meiner Playlist.

    • @togravus ceterum

      Bei Serbien und Albanien stimme ich Dir gerne zu. War auch toll.

      Ich fand Estland 2008 übrigens viel schlimmer als Lettland. Letzteres fand ich auch zwar keine Offenbarung, aber in der Studioversion noch einigermaßen erträglich. Aber live war das schon Körperverletzung.😉

      • 2008 War schon extrem vom osten dominiert, sogar la perelli kam ja nur via juryvoting weiter und unser verkrampft, übermotivierter paolo meneguzzi hat seinen eigentlich guten song ganz schön in den sand gesetzt.

      • Rainer, ich stimme Dir zu, CH 2008 fand ich im Vorfeld super, aber leider war der Auftritt nichts, den Song höre ich aber immer noch gerne.🙂

        Was die Leute an Frau Perelli fanden, habe ich nie verstanden (aber muss ich ja auch nicht.😉)
        Ich finde den Song schrecklich und sie wirkte auch nicht gerade sympathisch auf mich. Ein Ausscheiden im Semi wäre mMn kein großer Verlust fürs Finale gewesen.

  3. Ach ja, ich werde denke ich niemals vergessen wie ich damals das Finale 2010 gesehen habe. Ich war damals 15, fast 16 Jahre alt und mit meinen Eltern in Kroatien im Urlaub. Wir waren in einer Ferienwohnung in Medulin an der Südspitze Istriens. Glücklicherweise gab es nen Fernseher womit man das Erste empfangen konnte.

    Also haben wir uns das Finale angeschaut und irgendwan fing die Punktevergabe an. Es startete mit 3 Punkten aus Rumänien und ging dann schnell höher, bis irgendwann Finnland dran war und es das erste Mal hieß „12 points go to Germany“. Ich bin wirklich hochgesprungen vor Freude und meine Laune stieg dann immer weiter bis Lena irgendwann nicht mehr einholbar war. Als sie dann „Satellite“ nochmal gesungen hat bin ich wirklich durch die Ferienwohnung gehüpft vor Freude und habe mitgesungen.

    Keine Ahnung wie viele in der Umgebung durch mein Gejaule aufgewacht sind, aber das war mir in dem Moment auf völlig egal, ich habe mich einfach so gefreut!!!

  4. Ist ja witzig; ich hatte auch mal ’nen ESC in Kroatien verfolgt, in Zagreb. 2003 Allerdings auf lokalem TV, mein Host war/ist Kroate – hat die Sendung null beeinflusst. Sind danach weggegangen und – es war ja nicht sooo lange seit Tudjman’s Tod – irgendwann kam ein Cop vorbei, um die Papiere von allen zu checken. Ein Abend, der mir in Erinnerung geblieben ist.

  5. 2010 war ebenfalls meine erste ESC-Erinnerung! Als Neunjähriger habe ich zum ersten Mal den Contest verfolgt und war davor schon irgendwie ganz aufgeregt, auch wenn ich einiges nicht so wirklich verstanden habe (aus irgendeinem Grund dachte ich, dass „Satellite“ irgendein Sponsor von Lena oder der Sender wäre? Ich habe keinen Schimmer). Ansonsten kann ich mich noch erinnern, dass ich mich fast bepisst habe vor Lachen, als Belarus auf der Bühne stand. Und auch jedes Mal im Recap musste ich zur Toilette rennen. Der Rest ist nur noch schemenhaft in Erinnerung geblieben, ich weiß gar nicht, was genau mein Favorit war.
    Aber an das Voting kann ich mich noch sehr gut erinnern. Die Leuchtkugeln sind mir noch gut in Erinnerung geblieben – und Lenas Sieg natürlich. Ich war so ähnlich drauf wie @ESC1994, wir haben uns alle riesig gefreut. Was ein großartiger Abend – und die Tage danach konnte ich das Glück ebenfalls noch nicht so richtig fassen. Wahnsinn. Und das ist schon 11 Jahre her…so langsam kann man gerne am dritten Sieg arbeiten. 😉
    Seitdem haben wir jedes Jahr das Finale verfolgt. Was für eine Ausmaß das ab 2014 annehmen sollte bei mir, das konnten meine Eltern damals noch nicht wissen. Heute bereuen sie es etwas, dass wir damals zusammen geschaut haben. 😀

  6. Wie jedes Mal, wenn ich Bilder von 2010 sehe, habe ich mich erstmal gefragt, wer denn der Typ auf dem Foto ist. Langsam müsste ich doch verstanden haben, dass Benni mal so aussah…
    Also meine Theorie ist ja immer noch, dass er zwischen drin mal von Aliens entführt und ersetzt wurde…

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