Advent der besten ESC-Momente (24): Platz 1 – Im kleinen Schwarzen zur Sensation!

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Wir haben Euch im letzten Monat nach Euren ESC-Lieblingsmomenten gefragt. Momente, die Euch berührt haben, Momente die euch ausflippen und zum ESC-Fan haben werden lassen. Einen lieben Dank an dieser Stelle an alle die dabei mitgemacht und so insgesamt 224 unterschiedliche ESC-Momente in die Auswahl gebracht haben. Diese haben wir mit Punkten im ESC-Schema versehen und ausgewertet – und präsentieren Euch Eure liebsten 20 Momente als virtuellen Adventskalender!

Und nun ist auch schon der große Tag gekommen – hier ist Euer klarer Gewinner, Euer liebster Moment des Eurovision Song Contest aller Zeiten. Vielleicht nicht überraschend, aber gerade in einer Zeit, in der noch niemand offiziell weiß, was es für einen deutschen Beitrag im kommenden Jahr geben wird, ein ESC-Moment der vielleicht Mut macht. Der zeigt, dass es lohnen kann, andere Wege im Auswahlverfahren zu gehen.

Viel Spaß mit Eurem emotionalsten ESC-Moment:

 

Platz 1: Lena „Satellite“ (285 Punkte)

„No one thought that Germany could ever win this competition again… and yet they have. It could be a lesson learned by the UK…“

Selbst der verdutzte englische Kommentator Graham Norton traute seinen Augen kaum: Lena schaffte das für viele Undenkbare und gewann mit 246 Punkten für Deutschland den Eurovision Song Contest in Oslo. Da konnte selbst die bekannte Rockband maNga aus der Türkei nicht mithalten, die am Ende mit 76 Punkten Abstand auf dem zweiten Platz landeten.

Nachdem der NDR (seit 2007 unter der Führung von Thomas Schreiber) im Jahr 2009 keine Vorentscheidung veranstaltete und Alex Christensen und Oscar Loya alias Alex Swings Oscar Sings! direkt nominierte – und auch so nur einen 20. Platz erreichte – mussten mal wieder neue Wege her. Fünf Jahre hintereinander erreichte Deutschland als bestes Ergebnis einen 15. Platz (2006 mit Texas Lightning), zweimal war man gar Letzter geworden. Im Gegensatz dazu erreichte Deutschland mindestens den 8. Platz, sobald Stefan Raab in irgendeiner Form seine Finger im Spiel hatte.

So ging der NDR das nie zuvor dagewesene Wagnis ein, eine gemeinsame Show mit dem Privatsender ProSieben zu veranstalten. Das Castingformat „Unser Star für Oslo“ gewann Lena Meyer-Landrut. Das Publikum wählte überraschend den Titel „Satellite“ und nicht das von Stefan Raab und Lena selbst geschriebenen „Love me“ oder das entspanntere „Bee„.

Die damals noch 18-jährige Lena Meyer-Landrut bestach dabei nicht durch große Stimmakrobatik, sondern vor allem durch ihr sympathisches, freches Auftreten. Auch ihre Songauswahl mit Titeln von Kate Nash, The Bird and the Bee, Jason Mraz, The Cure und der damals in Deutschland noch nicht übermäßig bekannten Adele unterschied sich von dem, was die Zuschauer sonst von Castingshows gewöhnt waren. Deutschland war schockverliebt und sorgte dafür, dass Lena als erste Interpretin überhaupt auf Anhieb drei Titel in den Top Five der deutschen Single-Charts platzieren konnte. „Satellite“ erreichte auch Platz 1 in der Schweiz sowie Platz 2 in Österreich und das Anfang Mai erschienene Debütalbum „My Cassette Player“ gelangte auf Platz 1 in den deutschen sowie Platz 3 in den österreichischen und den schweizer Charts.

Das noch in der Nacht ihres Sieges beim Vorentscheid schnell abgedrehte Video zu „Satellite“, das sie lediglich singend und tanzend auf der Vorentscheidungsbühne zeigt, wurde schnell millionenfach in ganz Europa gesehen. Mit heute über 62 Millionen Aufrufen auf dem offiziellen ESC-Kanal und über 42 Millionen Aufrufen auf dem TV-Total-Kanal gehört das Lied zu den am meisten aufgerufenen ESC-Beiträgen auf YouTube.

Natürlich machte das Lena zu einem Mitfavoriten in Oslo… aber sie kam doch aus Deutschland und nicht einmal die deutschen Fans glaubten doch ernsthaft daran, dass ein deutscher Beitrag den Eurovision Song Contest nochmal gewinnen könnte, oder?

Doch dieses Mal schien alles zusammen zu passen: Die Deutschen liebten Lena und ihren lockeren Popsong, der NDR zog die begehrte Wildcard und konnte sich die Startnummer im Finale aussuchen, Lena behielt auch in diversen Interviews und Pressekonferenzen ihre entspannte lustige Art bei. Vorjahressieger Alexander Rybak promotete sie und selbst auf die Kritik an ihren ungewöhnlichen Akzent antwortete Lena perfekt. Und so mauserte sich Lena tatsächlich neben dem Beitrag von Safure aus Aserbaidschan, der aber die Startnummer 1 im Finale zugelost bekam, der türkischen Rockband maNga und der Ballade aus Israel zur Favoritin des Wettbewerbes.

Konsequent verließ sich die deutsche Delegation auch bei Lenas Auftritt auf das Lied und die Lenas Wirkung. In dunkles Blau getaucht tanzte und sang sie ihr Lied im unspektakulären kleinen Schwarzen. Die Backgroundsängerinnen blieben dabei abseits im Dunklen, alles war auf Lena fokussiert und so fast eine Wohltat im Vergleich zu vielen anderen Auftritten, die wieder einmal versuchten mit verschiedenen Gimmicks die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Die ersten Punkte für Lena ließen nicht lange auf sich warten, schon mit der siebten Wertung schob sich der deutsche Beitrag an die Spitze. Die ersten 12 Punkte erhielt Lenas Beitrag mit der 10. Wertung aus Finnland, was sicher nicht nur in der Halle frenetisch gefeiert wurde. Höchstwertungen aus Spanien, Norwegen, Dänemark, Estland, der Slowakei, Lettland, der Schweiz und Schweden folgten. Lediglich Armenien, Georgien, Israel, Moldau und Weißrussland hatten keine Punkte für „Satellite“ übrig.

Lena hatte den Eurovision Song Contest 2010 gewonnen. Auf der Siegerkonferenz flogen die Sektkorken. Deutschland feierte für eine Nacht so, als wäre man Weltmeister geworden, während Peter Urban Lena „völlig fertig“ auf der Bühne interviewte. Am nächsten Tag wurden viele Sondersendungen gezeigt, zahlreiche Fans jubelten Lena schon bei ihrer Ankunft am Flughafen zu, tausende feierten anschließend mit ihr vor dem Neuen Rathaus in ihrer Heimatstadt Hannover.

Auch im Anschluss war Lena omniräsent im deutschen Fernsehen. Im Folgejahr wurden insgesamt drei Shows ausgerichtet, in denen Lena alle Songs aus ihrem zweiten Album „Good News“ vortrug, um so den geeigneten Titel für die Mission Titelverteidigung beim Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf auszuwählen. Es gewann das elektronisch-mystische „Taken by a stranger“.

Lena stand seit ihrem Sieg in Oslo als erneute Teilnehmerin fest und schaffte es mit einem sehr künstlerischen und umjubelten Auftritt erneut unter die besten Zehn. Zuvor schienen schon viele Deutsche der medialen Omnipräsenz von Lena überdrüssig, die freche und lockere Art, die ein Jahr zuvor noch gelobt worden war, wurde nun kritisiert, was Lena wiederum verunsicherte. Nach dem Song Contest 2011 konnte Lena das arbeitsintensive Jahr mit vielen Reisen durch europäische TV-Stationen (wie zum Beispiel hier in Großbritannien und hier in Schweden) und das Kapitel ESC mit erhobenem Kopf abschließen.

Bis heute ist Lena in den Medien sehr präsent und schafft es immer wieder, Tophits in den deutschen Charts zu landen (zum Beispiel „Stardust“, „Wild & Free“, „Traffic Lights“, „Thank you“ und „Better“ zusammen mit Nico Santos).

 

Vielen Dank an alle, die an unserer kleinen Umfrage nach den liebsten ESC-Momenten mitgemacht haben. Wir wünschen Euch allen ein wundervolles Weihnachtsfest, ein paar schöne und entspannte Tage mit allem was ihr Euch wünscht und was gut für Euch ist!

 

Die bisherigen Adventstürchen findet Ihr übrigens hier:
Teil 1 – Die frühen Jahre (1956 bis 1999)
Teil 2 – Alles Neu? Die Jahre 2000 bis 2019
Teil 3 – Das große Drumrum (Openings & Interval-Acts)
Teil 4 – Und bei uns so? Deutsche Beiträge
Platz 20: Johnny Logan „Hold me now“ (33 Punkte)
Platz 19: Dana International „Diva“ (34 Punkte)
Platz 18: Interval-Act „Switch Song“ (36 Punkte)
Platz 17: Opening 2013 „We write the story“ (37 Punkte)
Platz 16: KEiiNO „Spirit in the sky“ (39 Punkte)
Platz 15: Loreen „Euphoria“ (40 Punkte)
Platz 14: Sertab Erener „Everyway that i can“ (41 Punkte)
Platz 13: Alexander Rybak „Fairytale“ (42 Punkte)
Platz 12: Lill Lindfors – Moderation 1985 (44 Punkte)
Platz 11: Interval-Act „Riverdance“ (47 Punkte)
Platz 10: Guildo Horn „Guildo hat euch lieb“ (54 Punkte)
Platz 9: Nicole „Ein bisschen Frieden“ (55 Punkte)
Platz 8: Marija Šerifović „Molitva“ (62 Punkte)
Platz 7: Intervall-Act Madcon „Glow“ (74 Punkte)
Platz 6: Michael Schulte „You let me walk alone“ (77 Punkte)
Platz 5: Salvador Sobral „Amar Pelos Dois“ (83 Punkte)
Platz 4: Opening 2011 „Satellite“ (95 Punkte)
Platz 3: Interval-Act „Love love peace peace“ (131 Punkte)
Platz 2: Conchita Wurst „Rise like a phoenix“ (203 Punkte)


44 Kommentare

  1. In der Tat ein großartiger Moment. Wobei mir „Taken by a Stranger“ noch besser gefällt.

    Ganz herzlichen Dank für die tollen Erinnerungen!!! Habe mich jeden Tag drauf gefreut!
    Ich wünsche auch Euch allen und Euren Lieben ein wunderschönes Weihnachtsfest.

    • Damals war es erst mein 5. ESC und ich saß mit meiner Schwester im Wohnzimmer und als so die Punkte eintrudelten haben wir uns angeschaut und beide gesagt „ich glaub wir gewinnen“. Und als dann Lena ganz aufgelöst die Bühne betritt… Das ist einfach Gänsehaut und ist auch noch heute ein sehr schöner Teil der deutschen ESC Geschichte.

      Wünsche euch allen fröhliche Weihnachten und ein schönes Geschenk wäre, wenn wir zwischen den Jahren mal was erfahren würden 😉

      • Es gab aber auch Künstler, die mit Startnummer Eins den ESC gewannen. Ich erinnere mich an die Niederlande 1975, Großbritannien 1976 und Schweden 1984.

  2. Erst mal allen esc-kompakt bloggern, allen esc-fans, leser, kommentatoren und freunden ……frohe weihnachten und „es guets neus“. Mögen alle eure esc-wünsche in erfüllung gehen und die schweiz mit einem siegersong im märz alle aus den socken hauen.))))
    Vielen dank für den esc-kalender. Das war spannend, fast wie in der kindheit), auch wenn meine momente hinter keinem(0,3) türchen auftauchte.
    Wie wärs nächstes jahr mit den lustigsten esc-momenten?

  3. Bei uns waren sich eigentlich alle von anfang an sicher, dass lena gewinnt. Es wurde aber auch, so plus/minus, nur über lena geschrieben und geredet. Ihr locker flockiger auftritt war dann wie erwartet. Von a-z perfekt durchgeplant von s.raab.

  4. Die Lena-Mania hat mich zum ESC gebracht ❤
    Das war ein absolut toller Auftritt und die Punktevergabe sensationell.
    Unvergessen für mich auch Hape Kerkeling als Jurysprecher: „Lena, go for Gold!“ 😂

    Danke Manu, für die tolle Idee und die Mühe hinter den Artikeln! Und frohe Weihnachten für die ganze ESC-Familie 🎅🏻

    • Hat sie definitiv. Und ich finde es immer noch sensationell, dass Marius Müller-Westernhagen das direkt in der ersten USFO-Sendung schon erkannt hat. Die Worte habe ich immer noch im Kopf: „Du hast Star-Appeal. Menschen werden dich lieben.“ 🙂

  5. Herzlichen Dank für die großartige Idee zum ESC-Adventskalender sowie die fantastische und liebevolle Umsetzung. Wären beim NDR Mitarbeiter mit ebensoviel Engagement und innerem Feuer für diese spannende Veranstaltung am Werk, Deutschland wäre vermutlich immer in den Top 5.
    Auch faszinierend wie die Vielfalt des ESC gewürdigt wurde , denn das macht für mich den Reiz aus. Manchmal flasht ein großartiges Stück Musik, manchmal ist es der überzeugende Trashfaktor, manchmal der Gassenhauer, manchmal…
    Ich wünsche frohe Weihnachten und uns allen eine supertolle neue Saison.

    • Kann mich hier, was das Lob für diesen Adventskalender und für ESC-Kompakt betrifft, voll anschließen, nur in einem Punkt muss ich entschieden widersprechen: Selbst wenn die NDR-Mitarbeiter immer mit demselben tollen Engagement und innerem Feuer am Werk wären wie die ESC-Kompakt-Blogger und die ESC-Kompakt-Bloggerin, wäre ein Platz in den Top 5 für Deutschland noch lange nicht sicher. Es gibt so viele tolle Titel, die beim ESC hinten landen, da würde ich keinem mangelndes Engagement vorwerfen wollen.

      • Sicherlich gibt es, wie überall im Leben, auch beim ESC keinerlei Garantien, schon gar nicht für Top-Platzierungen. Zudem liegt die Schönheit/Attraktivität eines Songs immer in den Augen bzw. Ohren des Rezipienten und der Erfolg ist nur beschränkt vorhersehbar. So liebe ich persönlich den ansonsten verschmähten Beitrag “ Black Smoke“.
        Dennoch muss ich an den bereits häufig erwähnten Stefan Raab erinnern, der beim ESC als Mitwirkender immer in den Top 10 war. Ich bin überzeugt, dass es nicht nur Glück war, sondern exzellente Planung und, ich nenne es, Herzblut.

        Zum Erfolg gehört auch die Inzenierung eines Songs. „Wear your Love“ und „Demons“ z.B. sind dieses Jahr m.E. extrem lieblos auf der Bühne umgesetzt worden. Die Darbietung von „Sister“ in Tel Aviv wirkte, als habe ein unbegabter und uninspirierter Praktikant sich ausprobieren können. Vielleicht sollte sich der NDR Unterstützung bei Könnern holen, die wissen, wie eine Inszenierung erfolgen muss.

      • Ich stimme dir absolut zu, was die lieblose Inszenierung betrifft. Das – viel zu spät veröffentlichte – Video der Sisters erzählt eine Geschichte und bekommt sehr viele Likes. Der Auftritt auf der großen Bühne war dagegen völlig uninspiriert. Da frage ich mich, warum der NDR so viel Mühe in einen Auswahlprozess steckt, wenn er am Ende keine Lust auf eine professionelle Umsetzung mehr zeigt.

  6. Diesen ersten Platz der besten ESC-Momente hatte ich b… äh … erwartet. Da jetzt Weihnachten ist, will ich nur Positives schreiben:

    -„Satellite“ ist auf meiner Liste aller ESC-Titel, mit denen Stefan Raab irgendetwas zu tun hatte, immerhin auf dem drittten Platz. Die beiden ersten („Bee“ und „Taken by a stranger“) gefallen mir sogar!

    -Lenas ESC-Auftritt war wirklich sehr erfrischend, überzeugend und sympathisch, sehr schön auch, dass auf irgendwelche ablenkenden „Gimmicks“ verzichtet wurde.

    -Eine Sängerin, die ihr erstes Album „My cassette player“ nennt, muss man als Kassettenliebhaber einfach mögen 🙂

    – Lenas Version von British English gefällt mir tausendmal besser als die verschieden Abwandlungen von American English, die man oft beim ESC zu hören bekommt.

    – Stefan Raabs Arr … äh … starkes Selbstbewusstsein wurde für alle ersichtlich, indem er kurz nach Lenas Sieg ohne lästige bürokratische Vorgespräche (anscheinend auch nicht mit Lena selbst?) ihr erneutes Antreten im nächsten Jahr ankündigte.

    – Als jemand, der Hypes überhaupt nicht mag, kann ich fröhlich verkünden, dass ich den ganzen Hype des Jahres 2010 inzwischen mental verarbeitet habe 🙂

    Ich bin außerdem sehr glücklich, dass auch einige meiner schönsten Momente hinter den Adventskalendertürchen zum Vorschein kamen, zwei davon sogar in den Top Ten (Platz 8 und 9), außerdem war es wunderbar, an viele schöne Momente, die ich gar nicht mehr so im Kopf hatte, wieder erinnert zu werden.

    Manu, vielen, vielen Dank für diesen tollen Adventskalender, nicht nur für die geniale Idee, sondern auch für die fantastische Umsetzung. An 24 Tagen hintereinander jeden Tag ein bestens recherchierter, toll zu lesender Bericht, das ist einfach super. Da steckt ein Haufen Arbeit dahinter und ich hoffe, Du kannst Dich in den nächsten Tagen ein bisschen erholen.

    A propos nächste Tage: Ich wünsche dem ESC-Kompakt-Team und allen Leserinnen und Lesern frohe Weihnachten!

  7. Ich guck mir die Punktevergabe tatsächlich immer mal wieder an; schön auch wie der slowakische Sprecher „12 points to our friends in Germany“ sagte.
    Super Idee mit dem Adventskalender; großes Danke an Manu und das gesamte Blog-Team!
    Frohe Weihnachten an alle Blogger und Leser xx.

  8. Das war zu erwarten, und auch wenn ich nicht der größte „Satellite“-Fan bin, war das doch ein ganz besonderer Moment. Ich erinnere mich, dass ich nach dem deutschen Vorentscheid auf ESCToday geschrieben habe, dass dies der Siegertitel wäre, wenn er unter einer populären Flagge anträte. Ich Dummerchen hatte mich damals von der populistischen ‚Der Osten dominiert alles und Länder aus dem Westen können nicht mehr gewinnen‘-Hysterie anstecken lassen. Inzwischen haben unter anderem Österreich und die Niederlande gewonnen, und sogar Portugal, ein Land, dem in der Juryära selbst mit exzellenten Beiträgen kein besserer Platz als der 5. vergönnt war. Jetzt wissen wir, dass es beim ESC um den Beitrag geht, nicht unbedingt um die Qualität von Lied und stimmlichem Vortrag, sondern um das Gesamtpaket, das am Samstag Abend zündet. Das kann so ziemlich alles sein: Eine bondeske Selfempowermentballade mit Abendkleid und Bart, ein kitschiges Duett mit Goldvorhang, ein zurückgenommener Bossa Nova,ein politisches Statement mit Ethnoklängen, Schwedenmucke oder eine kreischend bunte Disconummer mit japanischem Anstrich und Winkekatzen. Alles ist gut.

    Auch ich wünsche allen Bloggern, Kommentierenden und Lesern wunderschöne Feiertage.

    • Die Hysterie gab es wirklich, allerdings haben 2006 und 2009 mit Finnland und Norwegen zwei Länder gewonnen, die ich nicht dem Osten zurechnen würde, auch wenn sie eine gemeinsame Grenze mit Russland haben. Für mich war damals erstaunlicher, dass ein Big-4-Land gewinnen konnte, dazu noch mit einem überaus durchschnittlichen Titel (aber zugegebenermaßen gutem Auftritt).

      Ich dachte im Jahr 2002, dass nur noch Nordländer gewinnen würden (die baltischen Staaten zähle ich auch dazu), was für mich eine sehr trostlose Aussicht war; schlimmer fand ich damals als franko- und slawophiler Mensch nur noch die absolute Dominanz des Englischen. Schön, dass in den Jahren 2003 bis 2005 die Gewinner wieder aus südlicheren Regionen Europas kamen, auch wenn mir nur 2004 der Siegertitel gefiel.

      • Ich bin mediterranophil, falls es das Wort gibt. Allerdings muss ich für mein geliebtes Malta beim ESC eine Ausnahme machen. Da war bislang wenig dabei, das mir Freude macht, am ehesten noch Gianluca unnd Firelight. Und der beinahe royale Auftritt von Mary Spiteri war klasse, aber das Lied würde ich mir niemals ohne Auftritt anhören.

    • „Mediterranophil“ bin ich durchaus auch, nicht nur, weil Frankreich und einige südslawische Länder auch Mittelmeeranrainer sind. Israel gehört zu meinen ESC-Lieblingsländern, und alle anderen Mittelmeerstaaten schicken auch oft tolle Beiträge, wobei auch bei mir Malta insgesamt wohl die wenigsten Pluspunkte sammelt („Vertigo“ 2007 ist da mein großer Liebling) und bei Spanien meine großen Favoriten meist recht weit zurückliegen (60er und 70er und Anabel Conde).

      • Ich habe gerade noch einmal auf meiner Liste nachgeschaut, und auch auf die Gefahr, jetzt diese schöne Übereinstimmung kaputt zu machen, sollte ich doch noch erwähnen, dass ich den spanischen Beiträgen 1985, 1990, 2000 und 2010 Unrecht getan habe. Wenn ich mir diese Jahreszahlen so anschaue, sollte doch 2020 wieder ein schöner spanischer Titel anstehen 🙂

        So, jetzt geh‘ ich mal wieder offline, wollte ursprünglich nur ganz, ganz kurz hier reinschauen …

  9. Habe ich es doch geahnt!! Schon als ich meine Vorschläge abgeschickt hatte war ich mir sicher dass dies ein heißer Kandidtat für den ersten Platz werden würde, und ich hatte sooo recht und es ist verdammt verdient!!

    Ich kann mich noch genau daran erinnern. Der Hype um Lena in Deutschland war so groß und viele interessierten sich plötzlich für den ESC, selbst die die sonst eher über den Wettbewerb lästerten. Ich mochte den Song von Beginn an, war mir aber trotzdem irgendwie unsicher wie er abschneiden würde.

    Damals am 29.05.2010 war ich mit meinen Eltern im Urlaub in Kroatien in einer Anlage mit Ferienwohnungen, und glücklicherweise konnte man im Fernsehen das Erste empfangen, sodass wir uns den Wettbewerb am Abend ansahen.

    Als die Punktevergabe anfing war ich erst etwas enttäuscht über die drei Punkte aus Rumänien, aber die Punkte wurden schnell größer, und als es dann plötzlich aus Finnland hieß „12 points go to Germany“ war ich plötzlich völlig baff, und dann habe ich einfach nur gejubelt. Meine Laune wurde mit jeder hohen Wertung größer, und als Deutschland uneinholbar vorne lag war ich einfach nur noch happy!! Bei der Siegerperformance bin ich dann einfach nur noch durch die Ferienwohnung gehüpft und habe laut „Satellite“ mitgesungen. Wahrscheinlich konnten wegen mir viele Leute in der Umgebung nicht schlafen, aber dass war mir sowas von egal, ich war einfach nur glücklich in dem Moment!!

  10. Wahrlich ein magischer Moment. Aber wo bitte denn waren den Manga vor dem ESC 2010 bekannt, ich habe davor und danach, nie wieder was von Manga gehört oder gesehen. Ich fand den Auftritt von Manga auch sehr gut und der Leadsänger war auch sehr sympathisch, aber wie gesagt weder davor oder danach habe ich je wieder was von Manga gehört. Was natürlich schade ist. Besteht die Band überhaupt noch? Zu: Lena, ich saß vor dem Fernseher nur noch mit offenem Mund und konnte es kaum fassen, aus welchen Ländern sie Punkte bekam. Ich war auch vollkommen fertig. Ich hatte ja mit allem gerechnet, aber mit Platz 1 nie im leben. Ich hoffe das es nicht wieder 28 Jahre dauert, bis Deutschland wieder einen Sieg beim ESC bejubeln kann. Aber ich fürchte, es wird wieder so lange dauern.

  11. Seit dem ESC 2008 habe ich keinen einzigen mehr verpasst, aber seit 2010 bin ich richtig dabei, und das hängt auch mit unserem Sieg zusammen. Dass ich das mal erleben durfte, dass wir gewinnen…

  12. 2010 war erst mein 3. ESC. Da war ich 12 Jahre alt. 2008 und 2009 habe ich zwar geschaut, aber auch nur so nebenbei im TV laufen lassen. 2010 war dann tatsächlich das erste Jahr, wo ich mich im Vorfeld schon ein wenig informiert habe und mir wenigstens die anderen Beiträge vorher mal angehört habe. Dementsprechend wusste ich auch nicht, wie so die letzen ESC-Jahre (vor allem aus deutscher Sicht) waren.

    Seit dem es bekannt wurde, dass Lena uns mit „Satellite“ vertritt, lief der Song bei mir in Dauerschleife. Direkt schockverliebt.
    Beim Finale, was ich allein zu Hause geguckt habe, bin ich bei jedem Song total abgegangen, besonders aber natürlich bei „Satellite“ (Na gut… und Run Away+ Allez Ola Ole). Nachdem klar wurde, dass Deutschland gewinnen wird, war ich fix und fertig. Ich konnte nicht mal mehr richtig schlafen. 😀
    Für mich gab es die nächsten Tag auch kein anderes Thema mehr. (Viele müssen verdammt genervt gewesen sein.. Ups)

    Gerade dieser Song, Lena, der Gewinn und alles was dazu gehört, war für mich sozusagen der Anfang von etwas ganz Großem!
    Seit dem bin ich ESC-Fan und meine Liebe zum ESC ist immer größer geworden.
    Ohne diesen Sieg weiß ich nicht, ob ich heute ein ESC-Fan wäre.

    Für mich somit total verdient auf Platz 1 gelandet.

  13. Erstmal vielen lieben Dank für diesen wunderbaren Kalender! Von meinen zehn schönsten Momenten sind immerhin acht im Kalender aufgetaucht, ein neunter ist bei den honorable Mentions. Mein Geschmack ist wohl dich massenkompatibler als ich dachte. Ich würde mich üvrugens freuen, wenn Ihr uns zur Abrundzng noch auflisten könntet, was denn alles eingereicht wurde.

    Auch dieser Moment hier war natürlich in meiner Liste. Die Siegerehrung treibt mir bis zum heutigen Tag das Wasser in die Augen. Für mich war es der siebenundelfzigste ESC. Ich war auf dem Geburtstag meines Trauzeugen, zur Wertung haben wir dann eingeschaltet und saßen alle gebannt und ziemlich fassungslos vor der Glotze. Ganz groß!

  14. Moin aus Hamburg! Ich weiß gar nicht, wie oft ich mir die Punktevergabe schon angesehen habe… Spätestens ab Estonia bekomme ich feuchte Augen. Unsere Nachbarn werden uns an dem Abend vermutlich nicht sehr geschätzt haben, weil es doch recht laut bei uns wurde, aber Lena ist nur einmal! Ich hatte damals die Woche vor dem ESC Urlaub und alles im Netz verfolgt, was es über Lena gab. Es zeichnete sich schon ab, dass der Abend besonders werden kann. Dann zunächst der verhaltene Start und als Lena die Führung übernahm (und nicht mehr abgab), waren wir nicht mehr zu halten. Unvergessen und zu Recht die Nummer 1.
    Ich schaue den ESC seit Dschingis Khan mit nur einer Unterbrechung (damals gab es auf den Malediven noch kein Fernsehen, Radio oder Internet) und wir hatten tolle Beiträge, Interpreten und natürlich Nicole (auch damals liefen bei mir die Tränen…), aber Lena ist ganz vorne! Auch heute kaufe ich ihre Songs und finde, dass sie sich als Künstlerin toll entwickelt hat. Danke Lena für den tollen Mai im Jahr 2010!
    Danke auch den Machern dieser Seite und allen ein wundervolles Weihnachtsfest!

  15. Meine 12 Punkte sind auch an Lena gegangen 🙂
    Ein Abend für die Ewigkeit mit Freunden: Deutschland gehörte ja häufig zu den vermeintlichen Favoriten und ich freute mich, dass Safura Startplatz 1 und Lena 22 erhalten hat. Nach Lenas Auftritt habe ich Platz 4 gewettet und andere Tipper der Gruppe setzten sie auf 1. Ich konnte es kaum glauben, dass es so viele Punkte gab und am Ende hab ich mich auf den Zweikampf Deutschland und Türkei konzentriert, bis es klar war „Wir haben gewonnen“ 🙂
    Lenas Poster aus der Bild mit allen Unterschriften der Mitfeiernden habe ich immer noch daheim 🙂

  16. Ich hab mich hier in letzter Zeit rar gemacht, habe aber immer wieder gerne eure Texte gelesen. Großes Kompliment für die Idee zum Adventskalender! Das Phänomen Lovely Lena ist zurecht einer der Momente, der hier gewürdigt wird. Plötzlich rollte Germany nicht mehr das Feld von hinten auf. Nach der Schmach von Kiew oder dem Karzengejaule von Belgrad war dieser Punktehagel aus Europa ein Befreiungsschlag, fast schon surreal.
    Besonders gerne erinnere ich mich an die Vorberichtserstattungszeit zurück: Raab, der TV Total von Oslo aus moderiert und norwegische Künstler zu sich ins Studio geholt hat. Elton, der gemeinsam mit Charlotte Würdig Spökes auf den Straßen Oslos angestellt hat.
    Man kann über Raab sagen, was man will, aber zusammen mit Lena hat er viel für den Popularitätsschub des ESC hierzulande getan.

    Hier ein kleiner Auszug meiner Lieblingsmomente beim ESC:

    Der ESC 1963, einer der besten sowie kontroversesten Shows in der Contestgeschichte.

    Der Punktegleichstand zwischen Schweden und Frankreich anno 1991, der für mich als Geburtsstunde der Trennung von ESC-Fanlagers zählt. Stichwort: Bist du eine Amina oder eine Hexe…ehem…Carola? Ich bin irgendwie beides, wobei ich eher zur Erstgenannten tendiere.

    1998 als Ulrika Jonsson die niederländische Punktefee Corry Brokken „beleidigte“.

    Das Voting des ESC 2003 streng nach dem Motto: war knapp, aber passt schon.

    Ich wünsche dem ESCK-Team und allen Lesern fröhliche Weihnachten!

  17. Danke, danke, danke an euch alle für so viel Lob! 🤗☺
    Und schön auch von so vielen zu lesen, wie sie Lena damals erlebt haben!

    Genießt die ruhige Zeit bevor die hektische und spannende ESC-Saison wieder beginnt! 😉

  18. Also ich bin ja eher so der stille Mitleser hier, aber fast immer mit dabei (ja, auch beim albanischen Halbfinale als ein älterer Herr die Zeit endlos bis zur NICHT stattfindendenJuryvotingErgebnisverkündung😂, in die Länge zog. Aber derartige etwas seltsam anmutenden Auswüchse bei solchen Veranstaltungen sind dann auch wieder lustig, genau wie damals beim ESC als man Ruslana beim VE in Rumänien im Rahmenprogramm fast gewaltsam von der Bühne bringen musst weil sie einfach kein Ende finden wollte.
    Vielleicht sollte ich mir für die neue Saison mal vornehmen aktiv mit zu kommentieren. Der ESC ist und bleibt mein grösstes Hobby und ich freu mich nächstes Jahr so wahnsinnig darauf wieder live in der Halle sein zu können – das ist für mich jedes Mal ein absolutes Hochgefühl – unbeschreiblich, ich liebe es.
    Lieben Dank allen Bloggern für die ganze Arbeit die ihr hier reinsteckt, ihr seid echt klasse.
    Frohe Weihnachten für alle hier😊🎄

  19. Ja Lenas Sieg….da saß ich zu Hause und habe zwei Dinge getan: zunächst mal geweint! Und danach habe ich mir geschworen im nächstem Jahr live dabei zu sein, was ich dann mit einer Ausnahme (2012, da habe ich den weiten Weg gescheut) auch jedes Jahr wieder getan habe.
    Deutschlands, also Lenas, Sieg hat vieles verändert beim ESC. Die, die wie ich schon viel länger dabei sind, werden sich erinnern. Niemand hätte geglaubt, dass wir jemals wieder gewinnen könnten.Der Osten hatte gefühlt alles im Griff. Aber seitdem hat zweimal Schweden gewonnen, einmal Östereich, Dänemark, Portugal, Israel und die Niederlande. Italien ist nach unserem Sieg zum Contest zurückgekehrt, auch Österreich. Das ist schon toll. Der beste soll gewinnen, das war auch meistens so, nur dass sich die Länder aus dem Osten in den Jahren davor viel mehr angestrengt haben und da haben die traditionsreichen Länder wieder aufgeholt.

    Allen frohe Weihnachten und ein großes Dankeschön an das Team hier.

  20. 2010 hatte der ORF sogar auf die Direktübertragung verzichtet. Österreich schien sich definitiv auszuklinken. Wir schauten uns den ESC halt auf einem Deutschen Kanal an. Ein mauer ESC bis auf LEna. Was hielten wir ihr die Daumen. In der Tat, der erste ESC, wo der von uns favorisierte Beitrag gewinnen konnte. Erfrischend, eigen, ohne Gimmicks. Eine Wohltat. Vergessen die vielen grottigen ESCs von 1985 – 2002. Lenas Sieg hat durchaus auch Ösi-Land wieder zurückgebracht. Somit verdiente Nr 1 in eurem gelungenen Adventkalender. Seit damals ist ein ESC Kein Guilty Pleasure mehr.

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